Dax klebt an der 7.500

Detlev Landmesser

Stand: 17.05.2007, 20:18 Uhr

Was dem Xetra-Dax am Himmelfahrtstag nicht gelang, schaffte der L-Dax: Mit 7.502,04 Punkten schloss er knapp über der runden Marke. An der Wall Street suchten die Investoren indessen eifrig nach Verkaufsargumenten.

Nach der Rekordfahrt am Mittwoch blieben die Verluste an den US-Börsen aber überschaubar. Die aktuellen Frühindikatoren haben den Eindruck verstärkt, dass sich die US-Konjunktur spürbar abkühlen dürfte. Der "Philly-Fed"-Index fiel dagegen überraschend robust aus - hier wiederum fanden einige gewitzte Marktbeobachter, dass dies doch die Hoffnungen auf eine Zinssenkung der Fed dämpfen müsse.

Nachvollziehbarer ist das Verkaufsargument, dass sich der Ölpreis eindrucksvoll zurückmeldete. Aus Sorge vor Lieferengpässen sprang der Preis für leichtes US-Öl deutlich über 64 Dollar pro Barrel.

Auch die Euphorie über starke Quartalszahlen und eine Prognoseanhebung von Hewlett-Packard hielt nicht lange an. Die Aktie des Computerriesen rutschte ins Minus. Eine neue Milliardenübernahme stützte dagegen die Laune. Die Beteiligungsgesellschaft Blackstone übernimmt die Dienstleistungsfirma Alliance Data Systems für knapp sieben Milliarden Dollar.

An der deutschen Börse war erwartungsgemäß wenig Umsatz zu verzeichnen, und manche Kurse kamen eher zufällig zu Stande.

"Aktie Gelb" in Mode

Die Aktie der Deutschen Post zierte erneut die Dax-Spitze. Börsianer sprachen von Anschlusskäufen nach den Zahlen vom Dienstag. Bereits am Mittwoch hatte das Papier von positiven Analystenkommentaren profitiert.

Daimler hat die Nase voll vom Heiraten
Auch die DaimlerChrysler-Aktie legte weiter zu. Nach dem Milliarden-Debakel bei Chrysler werde sich die künftige Daimler AG mit großen Übernahmen von Konkurrenten zurückhalten, sagte Konzernchef Dieter Zetsche dem "Wall Street Journal". Möglich sei aber der Ausbau des LKW-Geschäfts in den USA oder Indien. Er wolle sich auf die Verbesserung der Effizienz konzentrieren, und dafür auch die Kosten weiter senken, betonte Zetsche.

Telekom kürzt Werbeetat
Telekom-Chef René Obermann konkretisierte in einem Interview die geplanten Kürzungen bei den Werbeausgaben. "Wir wollen gegenüber 2006 in Deutschland einen dreistelligen Millionenbetrag einsparen", sagte Obermann der Fachzeitschrift "Horizont". Im vergangenen Jahr gab der Konzern laut Obermann hierzulande zwischen 700 und 800 Millionen Euro für Werbung und Sponsoring aus. Derweil gehen die Streiks bei der Telekom weiter.

Dividendenabschlag bei Commerzbank und Fresenius
Die Titel der Commerzbank und Fresenius wurden am Tag nach der Hauptversammlung "ex Dividende" gehandelt. Bei der Commerzbank betrug die Ausschüttung 0,75 Euro je Aktie. Bei den im MDax gelisteten Fresenius-Vorzügen gingen 0,58 Euro des Kursrückgangs auf das Dividenden-Konto, bei den Stämmen waren es 0,57 Euro.

Bieterkampf um Hugo Boss?
An die MDax-Spitze setzte sich die Vorzugsaktie von Hugo Boss. Hier könnte sich ein Bieterwettstreit anbahnen. Der US-Finanzinvestor Carlyle Group will nach Informationen aus Finanzkreisen nämlich die Modefirma und Hugo-Boss-Mutter Valentino ganz übernehmen und damit den Rivalen Permira ausstechen. Nach Informationen von Reuters will Carlyle Valentino für 36 Euro je Aktie komplett kaufen. Der Preis läge über den 35,65 Euro je Aktie, die Permira erst am Mittwoch für einen Anteil von 29,6 Prozent an den Italienern bezahlt hatte. Valentino hält 50,9 Prozent des gesamten Aktienkapitals von Hugo Boss und über die Stammaktien 78,8 Prozent der Stimmrechte.

"Feiertagsbewegung" bei Praktiker
Die Aktie von Praktiker fiel mit einem ähnlich hohen Kursplus auf. "Da ist eine größere Order im Markt und die treibt die Aktie hoch - eine typische Feiertagsbewegung", sagte ein Börsianer. Nachrichten oder Studien zu dem Titel gebe es indes nicht.

HeidelCement hält mehr als ein Viertel von Hanson
Die Aktie von HeidelbergCement verhielt sich unauffällig. Deutschlands größter Baustoffhersteller hat seinen Anteil an dem britischen Konkurrenten Hanson von 10,6 Prozent auf 27,7 Prozent aufgestockt. Die Heidelberger wollen Hanson komplett übernehmen und bieten rund acht Milliarden britische Pfund (11,7 Milliarden Euro). Pro Aktie liegt das Gebot bei 1.100 Pence. Der Hanson-Verwaltungsrat empfiehlt seinen Aktionären die Annahme der Offerte.

Fidelity-Fonds bauen UI-Anteil ab
Im TecDax verwunderte das Kursplus von United Internet. Händler hatten erwartet, dass die Papiere unter Druck geraten, weil die weltgrößte Fondsgesellschaft Fidelity Investments ihren Anteil von 6,4 Prozent auf unter fünf Prozent gesenkt hat.

Epcos setzt über die 16
Den Kurssprung von Epcos begründeten Händler mit dem Bruch der charttechnischen Marke bei 16 Euro, was automatische Kauforders ausgelöst habe. Der TecDax-Titel legte um rund sechs Prozent zu.

British Telecom kommt voran
Der britische Telekomriese BT Group lieferte eine überzeugende Quartalsbilanz ab. Doch trotz der positiven operativen Entwicklung geriet die Aktie unter Druck. Händler verwiesen auf eine unerwartete Sonderbelastung von 450 Millionen britischen Pfund. Diese überlagerte auch das mit 2,5 Milliarden Pfund höher als erwartet ausgefallene Aktienrückkaufprogramm.

Dax-Chart realtime

Tagestermine am Mittwoch, 17. Oktober

Unternehmen:
ASML: Q3-Zahlen, 7:00 Uhr
Roche: Q3-Zahlen, 07:00 Uhr
Zooplus: Q3-Umsatz, 07:30 Uhr
Danone: Q3-Umsatz, 07:30 Uhr
Abbott: Q3-Zahlen, 13:45 Uhr
US Bancorp: Q3-Zahlen, 14:00 Uhr
Carrefour: Q3-Umsätze, 17:45 Uhr
Alcoa: Q3-Zahlen, 22:10 Uhr

Konjunktur:
Acea-Kfz-Neuzulassungen 09/18, 08:00 Uhr
EU: Verbraucherpreise 09/18, 11:00 Uhr
USA: Baubeginne- und genehmigungen, 09/18, 14:30 Uhr
USA: Ölbericht (Woche), 16:30 Uhr
USA: FOMC-Sitzungsprotopoll 26.9., 20:00 Uhr