Marktbericht 20:02

Munich Re und Daimler bremsen Dax: kein Freudentanz in den Mai

Stand: 30.04.2014, 20:02 Uhr

Durchwachsen ausgefallene US-Konjunkturdaten und die schon traditionelle Vorsicht vor der monatlichen Zinsentscheidung der amerikanischen Notenbank haben am Mittwoch für Zurückhaltung gesorgt. Auch Daimler und Munich Re erwiesen sich als Bremser.

Dennoch gelingt es dem Dax die Marke von 9.600 Punkten zu knacken. Zwar muss der Leitindex im Tagesverlauf immer wieder auch Rückschläge hinnehmen - zeitweise fällt er auf 9.561 Punkte zurück - doch am Ende bleibt ein kleines Plus von 0,2 Prozent auf 9.603 Punkte.

Viele Anleger verhielten sich jedoch vorsichtig und warteten auf neue Aussagen zur Geldpolitik von der Fed-Chefin Janet Yellen. Allerdings galt es als unwahrscheinlich, dass die Notenbank ihr bereits begonnenes Tapering ändert oder gar die Leitzinsen anhebt. Die Ergebnisse werden nach Börsenschluss in Deutschland veröffentlicht. Die Anleger können darauf allerdings erst am Freitag reagieren, da hierzulande am Donnerstag wegen des Feiertags 1. Mai kein Handel stattfindet

Für einen kleinen Freudensprung sorgten am Nachmittag die US-Beschäftigtenzahlen. Der Dax kletterte auf ein Tageshoch von 9.618 Punkte. Laut dem Arbeitsmarkt-Dienstleister Automatic Data Processing (ADP) sind im April im Vergleich zum Vormonat 220.000 neue Stellen geschaffen worden. Analysten hatten mit 210.000 Jobs gerechnet. Im März war nach revidierten Daten ein Plus von 209.000 (zunächst 191.000) Stellen verbucht worden.

Schwaches US-BIP

Einen Dämpfer erhielten die Aktienmärkte dann von der Meldung über einen Einbruch der US-Wirtschaft zu Jahresbeginn. Das Bruttoinlandsprodukt (BIP) legte in den Monaten Januar bis März aufs Jahr hochgerechnet nur noch um 0,1 Prozent zu. Erwartet war ein Wachstum von 1,2 Prozent. Im vierten Quartal 2013 war der Zuwachs mit 2,6 Prozent wesentlich stärker. Als ein Grund für den Einbruch gilt die Kältewelle zu Jahresbeginn, die Teile des öffentlichen Lebens lähmte und insbesondere der Baubranche zusetzte.

"Die Zahlen sind enttäuschend. Der robuste Konsum ist aber ein Zeichen dafür, dass der Aufschwung intakt ist", sagte Ralf Umlauf von der Helaba.

Entsprechend verhalten haben sich am Mittwoch auch die US-Börsen entwickelt. Ein Händler sprach von einer Verschnaufpause nach zwei Gewinntagen und vor der Zinssitzung der US-Notenbank Fed: "Die Anleger werden nervös wegen der jüngst stark gestiegenen Kurse", fügte er hinzu. "Tech-Werte werden verkauft, da der Markt insgesamt so gut gelaufen ist." Tatsächlich geben Twitter und Ebay nach enttäuschenden Zahlen nach. Bei Börsenschluss in Frankfurt notiert der Dow Jones-Index 0,07 Prozent höher bei 16.546 Punkten.

Euro etwas teurer

Euro in US-Dollar: Kursverlauf am Börsenplatz Forex vwd für den Zeitraum Intraday
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Der Euro ist nach Veröffentlichung der US-BIP-Zahlen weiter gestiegen und legte zuletzt bis auf 1,3869 Dollar zu. Am Vortag hatte die Europäische Zentralbank den Referenzkurs auf 1,3826 Dollar festgesetzt. Die Teuerung in der Eurozone hat laut einer Schnellschätzung des Statistikamts Eurostat im April wieder leicht zugelegt. Die Inflationsrate stieg von 0,5 Prozent im Vormonat auf 0,7 Prozent.

Lufthansa ex-Dividende, Daimler: Eingepreist

Im Dax hält die Lufthansa-Aktie die rote Laterne. Das Papier wird heute ex-Dividende gehandelt und leidet unter Gewinnmitnahmen nach der guten Kursentwicklung der letzten Wochen. Auch die Daimler-Aktie ist nach Zahlen unter Druck geraten. Analysten wie Bernstein-Experte Warburton geben zu bedenken, dass die Erholung der Kernmarke Mercedes mittlerweile weitgehend in den Aktienkurs eingepreist sei. Zudem habe das Unternehmen trotz der Stärke von Mercedes auch Herausforderungen in anderen Bereichen betont. So werde das Wechselkursumfeld zunehmend problematisch und die Geschäfte in einigen Schwellenlandmärkten würden schwieriger, etwa im lateinamerikanischen Lkw-Markt. Auch Commerzbank-Aktien schwächeln. Grund sind hier Spekulationen über eine Kapitalerhöhung.

Münchener Rück enttäuscht

Zu den Verlierern im Dax gehört auch die Aktie der Münchener Rück. Vorstandschef Nikolaus von Bomhard hatte am Vormittag auf der Hauptversammlung gesagt, dass der Konzern im ersten Quartal "nur" rund 900 Millionen Euro verdient habe, nach 970 Millionen im Vorquartal. Grund sind die niedrigen Zinsen und hoher Druck auf die Preise. Für das Gesamtjahr stellt der weltgrößte Rückversicherer aber weiter einen Gewinn von drei Milliarden Euro in Aussicht, zehn Prozent weniger als im Vorjahr.

K+S profitiert von Yara

Zu den gefragtesten Titeln im Dax gehört dagegen die K+S-Aktie, sie kann von guten Zahlen der Konkurrenz profitieren. Der norwegische Düngemittel-Hersteller Yara hat im ersten Quartal ein operatives Ergebnis von 3,83 Milliarden Kronen und damit weit über Erwartungen vorgelegt. Analysten sprachen von "starken Margen". Die Yara-Aktie klettert auf ein 14-Monats-Hoch.

VW-Aktie legt wieder zu

Die VW-Aktie verzeichnet ebenfalls ein überproportionales Plus. Anleger reagieren positiv auf die Verlängerung der Annahmefrist für das Scania-Angebot bis zum 16. Mai. Bis zum Ablauf der ursprünglichen Frist am vergangenen Freitag hatte die Annahmequote bei den Aktien knapp unter dem von Volkswagen angestrebten Mindestwert von 90 Prozent gelegen.

Siemens hat es bei Alstom schwer

Die Siemens-Aktie gehört ebenfalls zu den stärksten Werten im Dax. Im Ringen um den französischen Turbinen- und TGV-Hersteller Alstom hat Siemens als Wunschkandidat der Regierung natürlich weniger Chancen als der US-Konkurrent General Electric, mit dem die Alstom-Führung bereits einen unterschriftsreifen Kaufvertrag ausgehandelt hat. Alstom wurde aber von der französischen Regierung dazu verpflichtet, das Gegenangebot von Siemens ebenso sorgfältig zu prüfen.

Bayer jetzt alleiniger Bieter bei Merck & Co?

Bergab geht es dagegen mit der Aktie von Bayer, die ex Dividende gehandelt wird. Am Abend verkündete Reckitt Benckiser, mit Merck & Co keine Gespräche mehr über dessen rezeptfreie Medikamentensparte zu führen. Geboten waren rund 14 Milliarden Dollar. Ist Bayer jetzt der alleinige Bieter oder machen auch die Leverkusener einen Rückzieher?

Rational: Anleger nehmen Reißaus

Im MDax sticht Rational mit seiner Quartalsbilanz negativ hervor: Der Großküchenausrüster hat zum Jahresauftakt einen überraschenden Gewinneinbruch verbucht. Der Überschuss fiel vor allem wegen Wechselkurseffekten um 16 Prozent. Die Rational-Aktie bricht zweistellig ein.

Osram-Chef zweifelt an Prognose

Zweitgrößter Verlierer im MDax ist die Osram-Aktie. Der Lichtkonzern hat wegen des rückläufigen Geschäfts mit klassischen Glühbirnen oder Leuchtstoffröhren ein Fragezeichen hinter die Umsatzprognose gesetzt. Osram-Chef bezeichnete diese als "herausforderndend". Das schmeckt den Anlegern überhaupt nicht.

Krones mit "überraschend gutem Start"

Dagegen kann Krones bei den Anlegern mit seinen Quartalszahlen punkten. Auch ist der Maschinenbauer mit vollen Auftragsbüchern in das neue Jahr gestartet. Die Nachfrage nach den Produkten von Krones - Abfüllanlagen für Bier, Softdrinks, Soßen oder Shampoos - sei im ersten Quartal wieder deutlich gestiegen, sagte Finanzvorstand Christoph Klenk am Mittwoch in einer Telefonkonferenz. "Der Auftragseingang gibt uns ein gutes Gefühl für 2014", fügte er hinzu.

SGL vor schwierigem Jahr

Einer der stärksten Werte im MDax ist auch die Aktie der SGL Group. Dabei haben Vorstand und Aufsichtsrat des Unternehmens die Aktionäre des Kohlenstoffspezialisten auf ein hartes Jahr 2014 eingestimmt. Der Preisdruck im Stammgeschäft mit Graphitelektroden sei weiter hoch, sagte Vorstandschef Jürgen Köhler auf der Hauptversammlung in Wiesbaden. Trotz des gestarteten Restrukturierungsprogramms werde SGL im laufenden Jahr erneut rote Zahlen schreiben.

Nemetschek profitiert von Wachstumsregionen

Im TecDax ist sich heute die Nemetschek-Aktie des besonderen Interesses der Anleger gewiss. Neue Kunden in Asien und Amerika haben dem Bausoftware-Spezialisten zu Jahresbeginn ein kräftiges Wachstum beschert. Der Umsatz im Auftaktquartal stieg um 17 Prozent auf 51 Millionen Euro, der Überschuss legte um 37 Prozent auf 7,5 Millionen Euro zu und übertraf die Erwartungen von Branchenexperten. Die Nemetschek-Aktie ist der größte TecDax-Gewinner.

PSI hält an Prognose fest

Aufwärts geht es auch mit der ebenfalls im TecDax notierten Aktie des Berliner Softwareherstellers PSI. Dabei hat das Unternehmen im ersten Quartal eine Flaute bei Industriesoftware erlitten. Der Umsatz bröckelte um zehn Prozent auf 40,1 Millionen Euro ab. Der Überschuss ging um gut ein Viertel auf 1,2 Millionen Euro zurück. Das operative Ergebnis blieb aber mit 2,1 Millionen Euro stabil, die Gewinnspanne legte damit etwas zu. Auch bekräftigte PSI seine Prognose, in diesem Jahr ein Betriebsergebnis von 12 Millionen Euro zu erzielen.

Surteco optimistisch

Im SDax kann sich die Aktie von Surteco, ein Hersteller von dekorativen Oberflächenmaterialien, an die Spitze hieven. Dabei ist der Umsatz 2013 leicht auf 404,1 Millionen Euro gesunken. Das Ergebnis vor Zinsen, Steuern und Abschreibungen legte aber um 16 Prozent auf knapp 60 Millionen Euro zu. Im laufenden Jahr erwartet Surteco eine "deutliche" Steigerung von Umsatz und Ergebnis.

Deutsche Annington schürt Dividendenvorfreude

Die ebenfalls im SDax notierte Aktie von Deutsche Annington verzeichnet leichte Kursgewinne. Die Wohnungsgesellschaft hat im ersten Quartal dank günstiger Zinskosten die in der Branche wichtige operative Kenngröße FFO um ein Viertel auf 61,9 Millionen Euro steigern können. Die Gesellschaft will für das Gesamtjahr rund 70 Prozent des FFO ausschütten.

Vossloh abgestraft

Dagegen sorgt der Bahntechnikkonzern Vossloh mit seinen Zahlen für eine herbe Enttäuschung. Zum Jahresauftakt hat er wegen Verlusten im Geschäft mit Lokomotiven einen Ergebnisrückgang verbucht. Für das Gesamtjahr ist der neue Vorstandschef Hans Martin Schabert daher skeptischer. Bei der Ebit-Marge rechnet Vossloh nun damit, lediglich am unteren Ende der prognostizierten Bandbreite zwischen fünf und sieben Prozent zu landen.

Tipp24 ex Dividende

Der mit Abstand größte SDax-Verlierer ist aber die Tipp24-Aktie mit einem Minus von mehr als elf Prozent. Das ist aber einzig und allein der Ausschüttung einer hohen Dividende von 7,50 Euro je Aktie geschuldet. Ohne diesen Effekt würde der Titel sogar im Plus notieren.

Zahlreiche Quartalszahlen aus dem Ausland

Unter den ausländischen Werten sorgen die Aktien von Shell,Total und Clariant für Aufmerksamkeit. Auch GlaxoSmithKline sowie die französische Großbank BNP Paribas und die spanische BBVA haben Quartalszahlen vorgelegt. Siehe unsere Chartserien weiter unten.

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Bankenergebnisse aus dem ersten Quartal Europas Banken im Blick

BNP Paribas: Kursverlauf am Börsenplatz Frankfurt für den Zeitraum 1 Jahr

BNP Paribas

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Von Lucky Strike bis zur Öl-Raffinerie Quartalszahlen aus Europa

Royal Dutch Shell: Kursverlauf am Börsenplatz Xetra für den Zeitraum 3 Monate

Royal Dutch Shell

lg

Dax-Chart realtime

Tagestermine am Dienstag, 24. September

Unternehmen:
Manchester United: Q4-Zahlen, 8:00 Uhr
Total: Strategie-Update, 8:00 Uhr
Roche: Business-Update, 17:00 Uhr
Nike: Q4-Zahlen, 22:15 Uhr

Konjunktur:
Deutschland: Großhandelspreise 8/18, 8:00 Uhr
USA: FHFA-Index 7/18, 15:00 Uhr
USA: Verbrauchervertrauen 09/18, 16:00 Uhr

Sonstiges:
Hong Kong/Korea: Feiertag, Börsen geschlossen