Marktbericht 20:15 Uhr

Rückschlag für die Bullen Dax kann Gewinne nicht halten

Stand: 11.10.2016, 20:15 Uhr

Ein schwacher Auftakt der US-Berichtssaison in Gestalt des Aluminiumherstellers Alcoa hat den Bullen den Tag verdorben. Der Dax rutschte ins Minus. Nach Börsenschluss legte dann BASF noch überraschend Eckdaten zum dritten Quartal vor.

Der Ludwigshafener Chemieriese hat danach im Jahresvergleich wegen der Abspaltung des Gasgeschäftes optisch deutlich weniger verdient und umgesetzt, was aber erwartet worden war. Der Ausblick für 2016 wurde bestätigt.

BASF-Aktien legten im nachbörslichen Späthandel zunächst leicht zu, schlossen dann aber bei 78,25 Euro sogar unter dem Xera-Schluss bei 78,33 Euro. Tagsüber hatte das Papier 0,24 Prozent tiefer geschlossen.

Dax schließt nahe Tagestief

Dax

Dax: Kursverlauf am Börsenplatz Xetra für den Zeitraum Intraday
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Der Dax hatte sich zuvor von den schwachen Alcoa-Zahlen am Nachmittag nicht mehr erholt. Am Ende verlor der deutsche Leitindex 0,44 Prozent und schloss bei 10.577 Punkten. Im Tageshoch hatte der deutsche Leitindex noch bei 10.692 Punkten gelegen, ehe es dann bergab ging. Das Tagestief lag bei 10.568 Zählern nur knapp unter dem Schlusskursniveau. Insgesamt ein empfindlicher Dämpfer für die Bullen nach dem starken Vortagesverlauf. Der L/E-Dax schloss bei 10.569 Punkten nochmals etwas leichter.

Alcoa-Zahlen drücken aufs Gemüt

Alcoa-Zahlen, die traditionell als Auftakt zur neuen Berichtssaison in Amerika gelten, enttäuschten und leiteten den schwachen Nachmittag ein. Das für das dritte Quartal unter den Erwartungen liegende Zahlenwerk des US-Aluminium-Konzerns gilt nämlich als symbolischer Fehlstart für die gesamte Berichtssaison.

Alcoa bietet wegen seiner hohen Zyklizität zwar als einen ersten Hinwies auf die Lage der Wirtschaft, die Bedeutung ist aber nicht mehr so überragend wie früher. Trotzdem, das Papier kommt aktuell mit über zehn Prozent Minus an der Wall Street kräftig unter die Räder und bestimmt die Schlagzeilen. Auch der Leitindex Dow Jones kann sich dem nicht entziehen und steckt deutlich in der Verlustzone mit derzeit rund einem Prozent im Minus. Der breiter aufgestellte S&P-500-Benchmark-Index gibt sogar 1,2 Prozent ab.

Dax bleibt im Seitwärtstrend

Der Dax setzte mit dem heutigen Tag seine Konsolidierung fort, wenn auch auf hohem Niveau. Der Index pendelt bereits seit Ende Juli/August um die Marke von 10.500 Punkten, ohne dass es zu einer entscheidenden Bewegung in die eine oder andere Richtung gekommen wäre. Das Tief lag dabei um die Marke von 10.200, das Hoch am 15.8. bei 10.802 Zählern.

Hörfunk-Moderatorin Ulla Herrmann
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Börse 20.15 Uhr

Die Anleger warten anscheinend vor wichtigen Entscheidungen ab. Experten verweisen auf den anstehenden Zinsentscheid der US-Notenbank, der mehrheitlich im Dezember erwartet wird, sowie Wahlen beziehungsweise Volksabstimmungen in den USA und Italien.

Auch gute deutsche Konjunkturzahlen haben heute die Anleger nicht wirklich hinter dem Ofen hervorgelockt. Dies, obwohl der ZEW-Konjunkturindex für den Oktober mit 6,2 Punkten deutlich besser ausfiel als erwartet. Zudem deuten die Zahlen auch auf einen besseren Ifo-Geschäftsklimaindex hin. Immerhin, von Brexit-Ängsten ist zumindest derzeit in Deutschland nichts zu erkennen.

Dollar auf der Siegerstraße, Pfund stürzt weiter ab

Derweil setzte sich die Erfolgsgeschichte des Dollar heute weiter fort. Die bevorstehende Zinserhöhung in Amerika treibt dabei die Dollar-Käufe. Auch die gestiegenen Aussichten auf einen Wahlsieg der Demokratin Hillary Clinton bei der Präsidentschaftsabstimmung am 8. November helfen derzeit der amerikanischen Währung. Gegenüber dem Euro legt der "Greenback" heute weiter zu. Die Europäische Zentralbank (EZB) setzte den Referenzkurs auf 1,1079 (Montag: 1,1160) US-Dollar fest.

Der freie Fall des Pfund Sterling ging ebenfalls weiter. Bis auf 1,2222 Dollar ist es heute schon bergab gegangen mit dem Sterling und auch zum Euro notierte die britische Währung im Tagestief mit 0,8996 Pfund auf einem Fünf-Jahres-Tief. Nach Meinung des Bank-of-England-Mitglieds Michael Saunders sind weitere Verluste nicht auszuschließen - vor allem, wenn es zu einem sogenannten "harten" Brexit kommt. Dabei würde Großbritannien aus der Europäischen Union (EU) aussteigen, ohne begünstigten Zugang zum europäischen Binnenmarkt zu erhalten.

Positiver Nebeneffekt des fallenden Pfund ist aber ein kräftiger Anschub des britischen Aktienmarktes. Der Leitindex Footsie 100 erreichte mit 7.129 Punkten ein neues Rekordhoch. Durch das fallende Pfund werden britische Exporte auf dem Weltmarkt günstiger, was die Gewinnfantasien der Pfund-Investoren anheizt.

Ölpreis leicht im Minus

Öl (Brent): Kursverlauf am Börsenplatz Deutsche Bank für den Zeitraum Intraday
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78,76
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Leicht bergab ging es mit dem Ölpreis, die Notierung für die Nordseesorte Brent behauptet sich aber klar über 50 Dollar je Fass auf hohem Niveau. Experten der Internationalen Energieagentur (IEA) halten die Auswirkungen der geplanten Öl-Fördergrenze des Opec-Kartells für schwer abschätzbar. Kritische Details wie die Aufteilung der Kürzungen unter den Ländern müssten bei einem Treffen der Organisation Erdöl exportierender Länder (Opec) Ende November festgeklopft werden, heißt es im am Dienstag veröffentlichten monatlichen Öl-Marktbericht der IEA. Trotz aller Bedenken von Fachleuten steigt der Ölpreis nach dem überraschenden Einigungsbeschluss der Opec von Ende September. Danach soll die tägliche Fördermenge auf dem aktuellen Niveau eingefroren werden.

Lufthansa an der Dax-Spitze

Balsam derweil für die Lufthansa-Aktionäre. Die Aktie der zuletzt arg gebeutelten Kranichairline lag mit einem Plus von über fünf Prozent an der Dax-Spitze. Grund waren gute Passagierzahlen für den September. Im Jahresvergleich wurden 10,8 Millionen Passagiere befördert, ein Zuwachs von 5,2 Prozent. Das Preisumfeld bleibe zwar "rückläufig", gleichzeitig schwächte das Unternehmen seine Einschätzung damit aber ab. Zuvor war von einem "deutlich rückläufigen" Preisumfeld die Rede.

Infineon denkt an die Zukunft

Die Aktie des Chipherstellers Infineon ziert hingegen das Dax-Ende. Infineon kauft nämlich die niederländische Firma Innoluce. Damit wollen die Münchener in das Geschäft mit laser-basierter Sensortechnik fürs automatisierte Fahren einsteigen. Innoluce ist spezialisiert auf Laser-Sensoren, die kleinere Objekte auf der Straße erkennen und deren Entfernung messen sollen.

VW gelobt Besserung bei Abgaswerten

Volkswagen verspricht, realistischere Werte für den Ausstoß von klimaschädlichem Kohlendioxid vorzulegen. Der Konzern habe entschieden, "zukünftig die gesetzlich zulässigen Toleranzwerte einzuengen und damit realitätsnähere CO2-Werte auszuweisen", teilte der Autobauer am Dienstagabend mit.

Der neue Unternehmenskurs im Umgang mit den Kunden ist Folge der Abgas-Affäre bei Dieselfahrzeugen. Die Wolfsburger wollen ihr Image verbessern. Das bringt beim Kohlendioxid-Ausstoß die ganze Autobranche unter Druck. Ab 2020/21 sind in der Europäischen Union (EU) bei Neuwagen im Schnitt nur noch 95 Gramm CO2 pro Kilometer erlaubt, sonst werden Strafzahlungen fällig. Die meisten Konzerne liegen zum Teil noch weit darüber.

Airbus ist stinksauer auf Polen

Der europäische Luftfahrtkonzern Airbus hat empört auf das Platzen eines milliardenschweren Helikopter-Deals mit Polen reagiert. "Noch nie wurden wir von einem Regierungskunden in ähnlicher Art behandelt wie jetzt durch die polnische Regierung", erklärte Konzernchef Tom Enders am Dienstag. Man habe seinem Unternehmen die Tür vor der Nase zugeschlagen, fuhr Enders fort. Das Airbus-Papier gehörte im MDax zu den größten Tagesverlierern.

Fraport erringt großen Erfolg

Der Frankfurter Flughafenbetreiber Fraport hat den jahrelangen Rechtsstreit wegen der Enteignung eines Flughafenbaus auf den Philippinen beigelegt. Das MDax-Mitglied erhält eine Entschädigung von 270 Millionen US-Dollar. Im Gegenzug verzichtet das Unternehmen auf alle weiteren Ansprüche im Zusammenhang mit der Enteignung. Die Fraport-Aktie führt den MDax an.

Amadeus Fire erhöht die Prognose

Für das SDax-Unternehmen scheint es 2016 doch besser zulaufen als bisher erwartet. Nach Börsenschluss erklärte der Frankurter Personaldienstleister, dass man im laufenden Jahr nunmehr ein operatives Ergebnis (Ebita) auf vorjahreshöhe erwarte. Bisher lag die Prognose bei einem Rückgang von fünf bis zehn Prozent. Das Amadeus-Papier legte nach der Veröffentlichung deutlich zu und schloss im Späthandel bei 66,99 Euro. Nach Xetra-Schluss hatte der Kurs noch bei 64,30 Euro gelegen.

Easyjet setzt auf Hamburg und Berlin

Der Deutschland-Chef des britischen Billigfliegers, Thomas Haagensen, setzt auf die beiden Standorte Hamburg und Berlin. In der Hauptstadt fliegt Easyjet vom Flughafen Schönefeld. Dort will man zum Winterflugplan um 15 Prozent wachsen und 360.000 zusätzliche Sitzplätze anbieten. Der größte deutsche Verkehrsflughafen Frankfurt bleibt für Easyjet derweil im Vergleich mit anderen deutschen Flugplätzen zu teuer. Allenfalls mittelfristig könne der Standort interessant werden, erklärte Haagensen in einem "Reuters"-Interview. Fraport-Chef Stefan Schulte hatte jüngst erklärt, er wolle Billigflieger wie Eysyjet, Ryanair und die Lufthansa-Tochter Eurowings nach Frankfurt locken.

Jenoptik erhält Maut-Auftrag

Im TecDax legten Jenoptik-Aktien zu. Der Konzern hat einen Großauftrag vom deutschen Maut-Betreiber Tall Collect zum Bau von 600 Kontrollsäulen erhalten. Der Auftragswert liege im mittleren, zweistelligen Millionenbereich, teilte Jenoptik mit. Die Bundesregierung hat beschlossen, dass die Mautpflicht für LKW ab 7,5 Tonnen ab Mitte 2018 auf sämtlichen, rund 40.000 Kilometer Bundesstraßen gelten soll. Derzeit greift sie nur auf Autobahnen und einigen größeren Bundesstraßen.

Nordex-Aktie leidet

Für Nordex-Aktie lieft es derweil nicht so gut. Wie die "Süddeutsche Zeitung" berichtet, will die Bundesregierung den Windkraft-Ausbau in Norddeutschland stark drosseln. Der Grund dafür seien Verzögerungen beim Ausbau der Stromnetze. "Wir wollen in Deutschland 2017 weiter wachsen", kommentierte ein Sprecher des Unternehmens.

OfficeFirst sagt ab

Der Immobilienkonzern OfficeFirst verschiebt seinen geplanten Börsengang. "Aufgrund negativer Marktentwicklungen insbesondere im Bereich der Immobilienunternehmen seit Beginn der Vermarktungsphase Anfang letzter Woche" werde der Gang auf das Parkett verschoben, teilte das Unternehmen mit.

Samsung greift durch

Das Samsung Galaxy Note 7 ist nicht zu retten. Der südkoreanische Elektronikriese Samsung beendet die Produktion des Smartphones, das mehrfach in Flammen aufgegangen war. Ein Desaster für die Südkoreaner. Papiere des Erzrivalen Apple legen denn auch in New York gegen den Markt zu.

rm

Dax-Chart realtime

Tagestermine am Montag, 24. September

Unternehmen:
Lonza Group: Kapitalmarkttag
Deutsche Börse: Regeländerungen für die Indizes MDax, TecDax und SDax sowie die Indexänderungen werden wirksam

Konjunktur:
Deutschland: Ifo-Geschäftsklimindex 9/18, 10:00 Uhr
USA: CFNA-Index 8/18, 14:30 Uhr

Sonstiges:
Japan/Korea: Feiertag, Börsen geschlossen