Dax kann die 5.000 halten

Stand: 12.06.2009, 20:01 Uhr

Nach der beeindruckenden Klettertour der vergangenen Wochen wird die Luft an den Aktienmärkten dünner. Noch kann der Dax die Marke von 5.000 Punkten verteidigen, doch die andauernde Rezession dürfte weitere Kursgewinne erschweren. Entscheidende Impulse sind auch in der neuen Woche nicht zu erwarten.

Viele Börsianer erwarten bis zum großen Verfallstag am kommenden Freitag mit einem ähnlichen Verlauf wie in dieser Woche. Heute agierten die Anleger eher zurückhaltend. Nach Rückschlägen am Nachmittag, als der Dax deutliche Einbußen verkraften musste und auf ein Tagestief von 5.044 Punkte zurückfiel, kam dann doch eine Erholung. Den Abendhandel beendete der Leitindex 44 Punkte niedriger bei 5.071.

Wenig Unterstützung bekamen die Anleger auch aus den USA. Dort hat sich im Mai das Vertrauen der Verbraucher in die wirtschaftliche Entwicklung des Landes zwar weiter aufgehellt, doch Volkswirte hatten jedoch mit einer noch deutlicheren Besserung gerechnet. Und mit 69 Punkten liegt der Stimmungswert immer noch auf sehr niedrigem Niveau, was mittelfristig einen stagnierenden Konsum bedeuten dürfte. "Insofern bleiben zwar die Hoffnungen auf eine konjunkturelle Stabilisierung erhalten, ein Signal für einen kräftigen Aufschwung ist das aber nicht", schrieb Helaba-Experte Ralf Umlauf.

Folglich treten auch die US-Börsen weitgehend auf der Stelle. Bei Börsenschluss in Frankfurt notierte der Dow Jones Index nahezu unverändert bei 8.768 Punkten. Nur kurzzeitig war der Börsenindex am Nachmittag ins Plus gedreht, nachdem bekannt geworden war, dass die Bank of America bis Anfang 2010 alle Staatshilfen zurückzahlen will. Dabei handelt es sich um 45 Milliarden Dollar. Die Aktien der Bank of America legten rund fünf Prozent zu

Zu den größten Gewinnern in Frankfurt gehören die Titel des Darmstädter Pharmaunternehmens Merck, der Band Homburger Fresenius Medical Care sowie der Commerzbank. Auch die Deutsche Telekom konnte um mehr als einen Prozent zulegen. Größter Verlierer ist die Deutsche Börse. Sie gibt mehr als vier Prozent ab. Adidas und Salzgitter büßen jeweils mehr als drei Prozent ein. Auch Volkswagen gibt überdurchschnittlich ab, trotz guter Absatzzahlen im Mai.

Einziger Ausreißer des Tages ist der insolvente Warenhauskonzern Arcandor. Die im MDax gelistete Aktie ist zu einem reinen Zockerwert verkommen und klettert heute um zeitweise mehr als elf Prozent, nachdem bekannt wurde, dass neben Metro auch andere Investoren Interesse an der Tochter Karstadt haben.

VW besser als die Konkurrenz
Im Mai konnte Volkswagen punkten und sich deutlich vom Gesamtmarkt absetzen. Weltweit stieg der Konzernabsatz um 1,5 Prozent. Die Marke Volkswagen konnte ihre Auslieferungen sogar um 10,2 Prozent im Vergleich zum Vorjahr steigern. Volkswagen zeichnet aber weiter ein trübes Bild vom weltweiten Automarkt. Mit Ausnahme von China seien keine Erholungstendenzen zu spüren, teilt der Autobauer mit. Ob die Talsohle erreicht sei, bleibe unklar. Die Aktie verliert 2,6 Prozent.

Apple sorgt für Kurssprung bei TomTom
Spekulationen über ein Kaufinteresse von Apple haben den Aktienkurs des niederländischen Navigationsgeräteherstellers TomTom kräftig in die Höhe getrieben. Die Papiere stiegen um mehr als 27 Prozent. Grund ist ein angebliches Interesse von Apple an TomTom. "Ich habe gehört, dass Apple interessiert sein könnte, sich an TomTom zu beteiligen, obwohl ich denke, dass das ein Wunschdenken ist", sagte ein Händler von Keijser Capital. Er sprach deshalb von einem typischen Freitagsgerücht.

Europas Banken stresssicher
Die meisten europäischen Banken würden einen Stresstest nach US-Vorbild bestehen, urteilen die Analysten der Deutschen Bank. "Wir glauben, dass viele Banken in Europa ausreichend mit Kapital ausgestattet sind und in der Lage wären, einem Stresstest wie in den USA standzuhalten", urteilten die Experten in einer heute vorgestellten Studie. Allerdings stellten sie deutschen, irischen und skandinavischen Banken ein schlechteres Zeugnis aus: Institute in diesen Ländern seien nach wie vor gefährdet. Das liege vor allem an einem schwer zugänglichen Kapitalmarkt. Außerdem sehen sie etwa bei deutschen Geldhäusern höhere Risiken durch ihr Engagement bei kleinen und mittleren Unternehmen.

Middelhoff muss bangen
Wegen des Verdachts der Untreue hat die Staatsanwaltschaft Essen gegen den früheren Chef von Arcandor, Thomas Middelhoff, ein Ermittlungsverfahren eingeleitet. Hintergrund seien mögliche Verbindungen Middelhoffs zu Immobiliengeschäften des Konzerns. Am Morgen war außerdem bekannt geworden, dass die Arcandor-Tochter Karstadt das erste Geschäftshalbjahr mit einem operativen Ergebnis von sieben Millionen Euro abgeschlossen hat. Der Versandhandel, geht aus einem Prüfbericht hervor, habe hingegen wesentlich schlechter abgeschlossen. Die Arcandor-Aktie steigt unter großen Schwankungen um mehr als acht Prozent.

BlackRock neuer Champion
Das amerikanische Finanzunternehmen BlackRock übernimmt für 13,5 Milliarden Dollar die Vermögensverwaltung BGI von der britischen Großbank Barclays. Damit verdoppelt BlackRock sein verwaltetes Vermögen auf rund 2,7 Billionen Dollar und steigt zum weltgrößten Anlageverwalter auf. Barclays erwartet durch den Verkauf einen Nettogewinn von 8,8 Milliarden Dollar. Die von der Krise gebeutelte Bank will damit ihre Kapitalbasis stärken.

Grippeimpfstoffhersteller profitieren
Die rasante Ausbreitung der Schweinegrippe treibt die Aktien europäischer Impfstoffhersteller in die Höhe. Gefragt sind Sanofi-Aventis, GlaxoSmithKline und Solvay. Auch die Papiere des Schweizer Pharmakonzerns Novartis steigen an. Novartis hat die Produktion eines neuen Impfstoffes gegen die Amerikagrippe abgeschlossen. Mit Hilfe eines so genannten zellbasierten Verfahrens sei es nun möglich, mit der Herstellung des wirksamen Impfstoffes zu beginnen, sobald der Erreger der Grippe identifiziert sei.

Balda tauscht Vorstandschef aus
Der Handyzulieferer Balda ordnet seine Führungsspitze neu. Vorstandschef Dirk Eichelberger verlässt Anfang Juli das Unternehmen, wie Balda mit Sitz in Bad Oeynhausen mitteilte. Sein Nachfolger ist Rainer Mohr, zuletzt Finanzchef der Sovello AG. "Eichelberger scheidet aus der Balda AG im gegenseitigen Einvernehmen vor dem Hintergrund der Neuausrichtung der Organe der Balda AG aus", hieß es.

Tagestermine am Mittwoch, 21. November

Unternehmen:
ThyssenKrupp: Q4-Zahlen, 7.30 Uhr
Deutsche Bank: Platform Economy Summit, Berlin
CA Immo: Q3-Zahlen

Konjunktur:
Paris: Vorstellung des OECD-Wirtschaftsausblicks, 11 Uhr
USA: Erstanträge auf Arbeitslosenhilfe, Woche, 14:30 Uhr
USA: Uni Michigan Verbrauchervertrauen, November endgültig, 16 Uhr
USA: Frühindikatoren, Oktober, 16 Uhr

Sonstiges:
Frankfurt a.M.: Abschluss der Handelsblatt-Tagung zum Thema "European Banking Regulation" mit Deutsche-Bank-Compliance-Vorständin Matherat