Marktbericht 20:02 Uhr

Zeitweise über 10.000 Punkte Dax kämpft sich wieder hoch

Stand: 12.01.2016, 20:02 Uhr

Nach den heftigen Verlusten der vergangenen Handelstage hat der Dax am Dienstag einen ersten Erholungsversuch gestartet und dabei die Marke von 10.000 Punkten überschritten. Doch die Sorgen um Chinas Wirtschaft und die sinkenden Ölpreise sorgen weiter für Skepsis.

Über weite Strecken hatte es am Dienstag so ausgesehen, als ob der Dax die psychologisch wichtige Marke von 10.000 Punkten halten könnte, war der Leitindex am Nachmittag doch bis auf 10.092 Zähler vorgeprescht. Doch dann sorgte der wieder nachgebende Ölpreis sowie bröckelnde Kurse an der Wall Street für Gewinnmitnahmen. Dennoch geht der Leitindex 160 Punkte oder 1,64 Prozent höher aus dem Handel bei 9.985 Zählern.

ARD-Börsenstudio Hörfunk: Alexander Schmitt
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Börse 20.15 Uhr

Auch die US-Börsen haben zunächst ihre zum Wochenstart eingeleitete Erholung fortgesetzt. Doch schon bald nach dem Handelsstart bröckeln die Gewinne wieder ab und der Dow Jones-Index dreht ins Minus. Bei Börsenschluss in Frankfurt am Abend notiert der US-Leitindex 0,1 Prozent schwächer bei 16.385 Punkten.

Neben den Ölpreisen sorgt auch die Sorge vor einer harten Landung der chinesischen Wirtschaft weiter für Unsicherheit, auch wenn sich bei einigen Anlegern offenbar die Erkenntnis durchgesetzt hat, dass der Ausverkauf in der vergangenen Woche überzogen war - zumal sich die Lage der chinesischen Wirtschaft seit dem Jahreswechsel nicht dramatisch verschlechtert habe, erklären Marktexperten.

Eine Erleichterungs-Rally sei also möglich. Auch aus charttechnischer Sicht hat der Dax eine Chance, die Erholung bis in den Bereich um 10.500 Punkte auszuweiten, wenn es ihm gelingt, die 10.120 Zähler zurückzuerobern. Auf der Unterseite gilt es die 9.660 zu verteidigen.

Erholung auf tönernen Füßen

Jens Klatt, Marktexperte bei "DailyFX" weist jedoch darauf hin, dass die Gegenbewegung auf tönernen Füßen steht. Darauf deute das "Angstbarometer des deutschen Leitindex", der VDax, hin, der derzeit bei knapp 30 Punkte gefährlich hoch notiert.

Dax

Dax: Kursverlauf am Börsenplatz Xetra für den Zeitraum Intraday
Kurs
11.472,22
Differenz relativ
+1,30%

"Das bedeutet nichts weiter, als dass die Marktteilnehmer in den kommenden 30 Tagen eine Schwankungsbreite im Dax von rund 850 Punkten, sowohl nach oben als auch nach unten erwarten und somit auch ein Test des Jahrestiefs aus 2015 noch nicht vom Tisch ist", so Klatt.

Ölpreis weiter rückläufig

Öl (Brent): Kursverlauf am Börsenplatz Deutsche Bank für den Zeitraum Intraday
Kurs
67,56
Differenz relativ
-3,87%

Die Ölpreise haben am Dienstag ihre Talfahrt fortgesetzt. Erstmals seit zwölf Jahren fielen die wichtigsten Ölpreise unter 31 US-Dollar. Ein Ende der Talfahrt ist angesichts des hohen Angebots an Rohöl, der eher schwachen Nachfrage und des festen Dollars kurzfristig nicht in Sicht. Die kurze Erholung am Nachmittag war nur von kurzer Dauer. Analysten von Morgan Stanley halten sogar einen Fall des Ölpreises auf 20 Dollar für möglich. Standard Chartered hält sogar zehn Dollar für möglich - ein Niveau, auf dem Brent zuletzt Ende der 90er Jahre notiert hatte.

Euro etwas schwächer

Euro in US-Dollar: Kursverlauf am Börsenplatz Forex vwd für den Zeitraum Intraday
Kurs
1,1283
Differenz relativ
+0,56%

Der Kurs des Euro hat am Dienstag etwas nachgegeben. Die europäische Gemeinschaftswährung kostete bei Börsenschluss 1,0847 Dollar. Das war etwas weniger als am Vortag. Zwischenzeitlich war der Euro am Morgen bis auf 1,0900 Dollar gestiegen. Die Europäische Zentralbank (EZB) setzte den Referenzkurs auf 1,0836 (Montag: 1,0888) Dollar fest. Das Geschehen am Devisenmarkt werde weiter durch die Lage in China und an den Aktienmärkten dominiert, meint Antje Praefcke, Analystin bei der Commerzbank. Mangels wichtiger Konjunkturdaten habe der Eurokurs derzeit kaum Eigenleben.

VW: Kalifornien lehnt Rückrufplan ab

Volkswagen VZ: Kursverlauf am Börsenplatz Xetra für den Zeitraum Intraday
Kurs
147,96
Differenz relativ
+1,45%

Die VW-Vorzüge haben im regulären Handel ihre Erholung fortgesetzt. Die Autoshow in Detroit beschert den Aktien Aufmerksamkeit. Auch hat sich VW-Chef Matthias Müller bei den Amerikanern entschuldigt. Morgen trifft er die Chefin der Umweltbehörde EPA. Am Abend wurde jedoch bekannt, dass die kalifornische Umweltbehörde den Rückrufplan von VW ablehnt. Die Aktie drehte daraufhin im späten Handel ins Minus.

SAP an Dax-Spitze, Versorger empfohlen

Die stärksten Werte im Dax sind die SAP-Aktien. Sie steigen zeitweise nahe an die im Dezember erreichte Bestmarke von 75,75 Euro. Der Softwarekonzern hatte überraschend Zahlen vorlgelegt und die Anleger überzeugt. Gefallen fand vor allem das Wachstum im Cloud- sowie im traditionellen Lizenzgeschäft. Das sei überraschend gut gewesen, erklärte DZ-Bank-Analyst Harald Schnitzer.

Die Versorger-Aktien RWE und Eon können ebenfalls Boden gut machen. Bei Eon folgten Anleger offenbar einer Kaufempfehlung der Deutschen Bank. RWE profitierten von einer JPMorgan-Empfehlung.

Alcoa: Ausblick enttäuscht

Enttäuscht reagieren die Anleger dagegen auf die am abend veröffentlichten Jahreszahlen von Alcoa. Zwar sei das Ergebnis je Aktie des Aluminiumkonzerns besser als am Markt erwartet ausgefallen, doch die Ziele für das Jahr 2016 wurden von Experten ambitioniert genannt. Zudem herrsche Sorge wegen des nachhaltigen Überangebots bei der Produktion von Aluminium, kombiniert mit Margendruck.

Lufthansa mit Passagierrekord

Auch die Lufthansa-Aktie steht unter Abgabedruck. Dabei hat die Airline trotz vieler Streiks im vergangenen Jahr so viele Passagiere befördert wie noch nie. Die Zahl der Fluggäste sei 2015 konzernweit um 1,6 Prozent auf 107,7 Millionen gestiegen, teilte Deutschlands größte Airline am Dienstag mit. Die Maschinen waren zudem voller als je zuvor. Von 100 Sitzen in einem Flieger waren im Schnitt gut 80 besetzt - ein leichtes Plus von 0,3 Prozentpunkten.

Airbus mit Auftragsrekord

Airbus hat für seine Passagierflugzeuge erneut mehr Aufträge eingeheimst als US-Konkurrent Boeing. Netto gaben die Kunden 1036 Maschinen bei den Europäern in Auftrag, wie Airbus am Dienstag bekanntgab. Das waren 29 Prozent weniger als 2014. Bei Boeing fiel der Rückgang mit 46 Prozent auf 768 größer aus. Gemessen an der Zahl der Auslieferungen blieb der US-Konzern aber der größte Luftfahrtausrüster der Welt. Bei Boeing verließen 762 Flugzeuge die Montagehallen, bei Airbus 635.

Weihnachts-Bonus für Metro, Morrisons und Debenhams

Im MDax preschen Metro-Aktien weit vor im Gewinnerfeld. Deutschlands Konsumenten ließen bei dem Betreiber von Media-Saturn und den Real-Supermärkten im Weihnachtsgeschäft die Kassen klingeln. Der Umsatz stieg im Dezember um 2,1 Prozent. Das Weihnachtsgeschäft machte auch den britischen Einzelhändlern Mut: Die Papiere der Supermarktkette Morrisons gewannen 14 Prozent, der Kurs des Kaufhaus-Betreibers Debenhams stieg sogar um 18 Prozent.

Gea und Aareal an der Spitze

An die MDax-Spitze hat sich die Gea-Aktie mit rund acht Prozent Plus gesetzt. Anleger feiern den rekordhohen Auftragseingang des vierten Quartals, den der Anlagenbauer anlässlich einer Investorenkonferenz in New York bekannt gegeben hat.

Aareal Bank: Kursverlauf am Börsenplatz Xetra für den Zeitraum Intraday
Kurs
30,90
Differenz relativ
-4,95%

Papiere der Aareal Bank erholen sich um fünf Prozent, nachdem sie in der vergangenen Woche auf den tiefsten Stand seit Dezember 2013 gefallen waren. Analyst Adam Barrass von der Berenberg Bank gab nun seine bisherige Verkaufsempfehlung auf. Seine im November genannten Belastungsfaktoren wie Druck auf die Zinseinnahmen, langsamere Fortschritte bei notleidenden Krediten und enttäuschende Kapitalausschüttungen seien inzwischen am Markt besser realisiert worden, so der Experte.

CropEnergies bleibt auf Kurs

Die Südzucker-Tochter CropEnergies hat zwar in den ersten drei Quartalen des laufenden Geschäftsjahrs 2015/16 den Umsatz um elf Prozent reduziert, aufgrund der temporären Stilllegung einer Anlage in Großbritannien. Doch profitierte der Bioethanol-Hersteller von niedrigeren Rohstoffkosten sowie höheren Absatzpreisen. Das Ergebnis (Ebitda) vervielfachte sich von 21 auf 89 Millionen Euro. Die zuletzt angehobene Prognose für das Geschäftsjahr 2015/16 wurde bestätigt.

Xing empfohlen, Evotec macht Fortschritte

Im TecDax sprintet Xing nach vorn, dank eines Kommentars der Deutschen Bank, die das Kursziel kräftig von 145 auf 200 Euro anhob. Ebenfalls gefragt Evotec: Die Biotech-Schmiede hat einen wichtigen Meilenstein in einer Alzheimer-Kooperation mit Janssen Pharmaceuticals erreicht. Die daraus resultierenden Erlöse werden im Geschäftsjahr 2015 realisiert.

Rocket Internet zündet nicht

Rocket Internet: Kursverlauf am Börsenplatz Xetra für den Zeitraum Intraday
Kurs
24,66
Differenz relativ
+0,57%

Nicht voran geht es dagegen mit der Aktie von Rocket Internet. 15 Monate nach dem Börsengang wartet das Papier immer noch darauf, endlich abzuheben. Statt mit seiner Startup-Rakete neue Höhen zu erklimmen, kämpft Firmenchef Oliver Samwer zunehmend mit irdischen Problemen. Führungskräfte der ersten Stunde suchen das Weite, mit dem Großinvestor Kinnevik gibt es Insidern zufolge Streit, und der Aktienkurs der Berliner Beteiligungsgesellschaft liegt mit gut 23 Euro um mehr als 40 Prozent unter dem Ausgabepreis.

Peugeot ausgebremst

Der frnzösische Autobauer Peugeot ist vom schwächelnden Geschäft in China und anderen Schwellenländern ausgebremst worden. Dadurch wurde ein Großteil der Zuwächse in Europa 2015 zunichte gemacht. Unter dem Strich legte der Autoabsatz um 1,2 Prozent auf 2,973 Millionen Fahrzeuge zu.kehren.

Versorger EDF auf Rekordtief

Spekulationen auf höhere Kosten zur Lagerung von Atommüll haben die Papiere des französischen Versorgers EDF ins Taumeln gebracht. Die Aktien des vom Staat kontrollierten Konzerns rutschten in der Spitze um 7,3 Prozent auf ein Rekordtief von 11,59 Euro. Nach einem Bericht der französischen Agentur für radioaktiven Abfall Andra könnten die Kosten für ein Projekt zur Lagerung von Atommüll bei bis zu 30 Milliarden Euro liegen.

Run auf Brunello Cucinelli

Ein starker Absatz hat Anleger am Dienstag zum Einstieg beim italienischen Luxusmode-Hersteller Brunello Cucinelli ermuntert. Die Aktien stiegen an der Mailänder Börse um bis zu sechs Prozent auf 15,79 Euro. Im Windschatten gewannen die Rivalen Salvatore Ferragamo, Moncler, Burberry, LVMH, Kering und Hugo Boss um bis zu fünf Prozent.

lg

Tagestermine am Dienstag, 13. November

Unternehmen:
Fraport: Verkehrszahlen 10/18, 7:00 Uhr
Grammer: Q3-Zahlen, 7:00 Uhr
Bauer: Neun-Monats-Zahlen, 7:00 Uhr
1&1 Drillisch: Q3-Zahlen, 7:00 Uhr
Cewe Stifung: Q3-Zahlen, 7:00 Uhr
Evotec: Q3-Zahlen, 7:00 Uhr (Call: 14:00 Uhr)
Innogy: Q3-Zahlen, 7:00 Uhr
Tom Tailor: Q3-Zahlen, 7:00 Uhr
United Internet: Q3-Zahlen, 7:00 Uhr
Ströer: Q3-Zahlen, 7:00 Uhr
Areal Bank: Q3-Zahlen, 7:00 Uhr
Hello Fresh: Q3-Zahlen, 7:15 Uhr
Medigene: Neun-Monats-Zahlen, 7:30 Uhr
VTG: Q3-Zahlen, 7:30 Uhr
HHLA: Q3-Zahlen, 7:30 Uhr
Uniper: Neun-Monats-Zahlen, 7:30 Uhr
Jenoptik: Neun-Monats-Zahlen, 7:30 Uhr
Nordex: Q3-Zahlen, 7:30 Uhr
Bayer: Q3-Zahlen, 7:30 Uhr (Call: 10:00 Uhr)
Bilfinger: Q3-Zahlen, 7:30 Uhr (Call: 10:00 Uhr)
OHB: Neun-Monats-Zahlen, 8:00 Uhr
Vodafone: Halbjahreszahlen, 8:00 Uhr
Home Depot: Q3-Zahlen, 15:00 Uhr
Wüstenrot & Württembergische: Q3-Zahlen
Nemetschek: Kapitalmarkttag

Konjunktur:
Italien: Frist der EU-Kommission zur Überprüfung des Haushaltsentwurfs läuft aus
Deutschland: Verbraucherpreise 10/18 (endgültig), 8:00 Uhr
Deutschland: Insolvenzen 8/18, 8:00 Uhr
Deutschland: Erwerbstätigkeit Q3/18, 8:00 Uhr
Großbritannien: Arbeitslosenzahl 10/18, 10:18
Deutschland: ZEW-Konjunkturerwartungen 10/18, 11:00 Uhr