Marktbericht 20:02 Uhr

Mehr als 120 Punkte im Minus Dax: Ja war das denn schon alles?

Stand: 01.12.2015, 20:02 Uhr

Von Rekordstimmung und Weihnachtsrally war am Dienstag auf dem Frankfurter Aktienmarkt nichts mehr zu spüren. Schuld waren enttäschende Daten aus den USA und eine überraschende Gewinnwarnung von Linde. Jetzt kann es nur noch Mario Draghi richten.

Die Hoffnung auf eine weitere Öffnung der Geldschleusen durch die Europäische Zentralbank hatte den Dax noch in den Mittagsstunden bis auf 11.430 Punkte anschwellen lassen. Doch dann sorgte der unerwartet schwache US-Einkaufsmanagerindex für Gewinnmitnahmen. Dadurch fiel der Dax bis auf ein Tagestief von 11.235 Punkten, 1,2 Prozent weniger als am Montag. Am Ende geht der Dax bei 11.261 Punkten aus dem Handel, ein Minus von 121 Zählern oder 1,06 Prozent.

Wahrscheinlichkeit einer US-Zinswende wieder unsicherer

Tatsächlich ist der Einkaufsmanagerindex ISM für das verarbeitende Gewerbe in den USA im November auf 48,6 Punkte gesunken. Ökonomen hatten auf einen Anstieg auf 50,5 Punkte, also über die Wachstumsmarke, gehofft. Erstmals seit drei Jahren liegt das Barometer damit unter der Marke von 50 Zählern. Dass auch die Stimmung der chinesischen Einkaufsmanager getrübt und im November unter der Schwelle von 50 Punkten verharrte spielte am Nachmittag keine Rolle mehr.

Die US-Industrie leidet unter der schwächelnden Weltwirtschaft und dem starken US-Dollar. Zudem belastet der Preisverfall die großen Ölkonzerne. Der Dienstleistungssektor zeigte sich allerdings deutlich robuster. Trotzdem: "Dass die Fed-Zinswende im Dezember bereits in trockenen Tüchern ist, scheint wieder etwas unsicherer geworden zu sein", kommentierte Ralf Umlauf von der Helaba die Zahlen.

ARD-Börsenstudio: Jan Plate
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Börse 19.00 Uhr

Auch der Dow Jones-Index grenzt nach Veröffentlichung der Daten seine Gewinne zunächst ein. Im weiteren Verlauf kann er aber etwas erholen. Bei Börsenschluss in Frankfurt am Abend notiert der US-Leitindex wieder 0,72 Prozent im Plus bei 17.847 Punkten, nachden er nach Veröffentlichung der Konjunkturdaten bis auf 17.719 Punkte gesunken war.

Dax

Dax: Kursverlauf am Börsenplatz Xetra für den Zeitraum Intraday
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Da bereits viel Vorfreude auf die Ratssitzung der EZB am Donnerstag eingepreist ist, stellt sich die Frage, welche Überraschung Mario Draghi denn noch aus dem Hut zaubern könnte, um die Märkte weiter zu befeuern.

Charttechnik macht Hoffnung

Dass im Dax das Ende der Fahnenstange noch nicht erreicht sein könnte, erklärt sich auch mit Blick auf die Charttechnik: "Das Kursziel aus dem im Oktober vervollständigten Doppelboden lässt sich auf rund 11.700 Punkte taxieren", erklärt Jörg Scherer, Leiter Chartanalyse bei HSBC Trinkaus. Perspektivisch rücke sogar das bisherige Rekordhoch bei 12.391 Punkten wieder auf die Agenda.

Um das positive Szenario nicht zu gefährden, sollte der Dax allerdings nicht mehr in seinen alten Abwärtstrend zurückfallen. Solange der Markt den Monatsdurchschnitt (21-Tage-Linie) bei aktuell 10.960 nicht deutlich unterschreite, bestehe keine Gefahr, so die Charttechniker. Selbst ein erneuter Test der jüngsten Haltezone um 10.860 sei möglich, ohne dass die Kurse aus dem Prognose-Korridor herausfallen wüden. Erst darunter könnte der Fortbestand des kurzfristigen Aufwärtstrends in Zweifel gezogen werden.

Euro wieder über 1,06 Dollar

Euro in US-Dollar: Kursverlauf am Börsenplatz Forex vwd für den Zeitraum Intraday
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Der enttäuschende ISM Einkaufsmanagerindex hat den Euro am Dienstag deutlich über die Schwelle von 1,06 Dollar gehoben. Am Nachmittag stieg die Gemeinschaftswährung in der Spitze auf 1,0637 Dollar und 0,7 Cent mehr als noch am Morgen. Die EZB setzte den Referenzkurs auf 1,0600 Dollar. Bei Börsenschluss in Frankfurt notiert der Euro bei 1,0612 Dollar.

RWE entzündet Kursfeuerwerk

Für einen Paukenschlag sorgt Deutschlands zweitgrößter Versorger RWE. Dem Beispiel von Eon folgend hat der Vorstand beschlossen, die Geschäftsfelder erneuerbare Energien, Netze und Vertrieb in einer neuen Tochtergesellschaft zu bündeln, teilte der Konzern am Mittag mit. Die neue Gesellschaft soll bis Ende 2016 wieder an die Börse gebracht werden. Bei den Anlegern kommt die Entscheidung gut an: Die zuletzt wieder deutlich unter Druck geratenen RWE-Aktien steigen um knapp 17 Prozent und sind damit die mit Abstand stärksten Werte im Dax.

VW-Aktie dreht ab

Volkswagen VZ: Kursverlauf am Börsenplatz Xetra für den Zeitraum Intraday
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Auch die VW-Vorzüge gehörten bis zum späten Nachmittag zu den stärksten Werten im Dax. Doch dann wurde bekannt, dass im November der Absatz von Neuwagen in den USA um fast 25 Prozent auf 23.882 Fahrzeuge eingebrochen ist. Daraufhin drehten die VW-Papiere ins Minus. Zuvor hatten die Titel binnen Wochenfrist rund 15 Prozent hinzugewonnen. Derweil wollen das US-Justizministerium und Volkswagen die mehr als 350 Prozesse gegen den Konzern im Zusammenhang mit dem Abgasskandal zur Vereinfachung der Verfahren in Detroit bündeln.

Vonovia lässt nicht locker

Auch die Vonovia-Papiere legen gegen den Trend zu. Der Bochumer Konzern veröffentlichte am Dienstagabend offiziell sein Angebot an Deutsche Wohnen. An den Konditionen hat sich nichts geändert. Danach bietet Vonovia für je elf Deutsche-Wohnen-Aktien 83,14 Euro in bar und sieben Vonovia-Papiere. Inklusive Schulden ist der Deal 14 Milliarden Euro schwer - und damit der größte, den es auf dem deutschen Immobilienmarkt je gegeben hat. Die Anleger von Deutsche Wohnen können ihre Papiere nun bis zum 26. Januar andienen.

Adidas: Wachstumstreiber E-Commerce

Adidas: Kursverlauf am Börsenplatz Xetra für den Zeitraum Intraday
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Die Adidas-Aktie kann dagegen bis zum Schluss zulegen. Bei dem Sportartikelhersteller wächst der eigene Vertrieb über das Internet einem Medienbericht zufolge überraschend stark. In diesem Jahr steige der Umsatz in dem Bereich im Vergleich zu 2014 um 40 Prozent auf 600 Millionen Euro, berichtete die "Frankfurter Allgemeine Zeitung".

Linde enttäuscht

Dagegen rauschen die Aktien von Linde um über 14 Prozent in die Tiefe. Der Münchner Industriegasehersteller hat seine geschäftlichen Erwartungen an das Jahr 2017 gesenkt. Grund ist die gestiegene Abhängigkeit von der Petrochemiebranche.

K+S muss Produktion drosseln

Auch die K+S-Aktien gehören am Dienstag zu den Verlierern. Wegen Entsorgungsproblemen mit anfallendem Salzabwasser wird das K+S-Werk Werra ab heute teilweise vorübergehend geschlossen. Die Produktion am Standort Hattorf wurde über Nacht heruntergefahren. Rund 1.000 Beschäftigte können von Dienstag an nicht arbeiten. Sie sollen Resturlaub und Überstunden abbauen.

RIB Software springen an

Im TecDax setzen die Aktien von RIB Software auch heute ihre rasante Aufwärtsbewegung der vorigen Handelstage fort. In der Spitze wurden die Papiere des Bausoftware-Anbieters knapp neun Prozent höher bei 10,75 Euro gehandelt. Allerdings hatten sie sich seit ihrem Rekordhoch Anfang August von knapp 17 Euro bis Mitte November im Wert nahezu halbiert. Fundamentale Nachrichten gab es nicht. Ein Händler sprach lediglich von einer anhaltenden Erholung und verwies darauf, dass die Anteilsscheine von einem sehr niedrigen Niveau zurückgekommen seien.

SHW nach neuer Strategie gefragt

Die neue Strategie "SHW 2020" des Autozulieferers aus dem SDax kommt am Markt ebenfalls gut an. Demnach soll von 2018 an eine Phase nachhaltigen und profitablen Wachstums folgen. Der Umsatz soll bis 2020 bei deutlich zunehmender Profitabilität auf etwa 630 bis 660 Millionen Euro steigen.

Tui im Übernahmefieber

Anleger wetten offenbar erneut auf eine Offerte des Großaktionäres Alexej Mordaschow und steigen bei Tui ein. Die Aktien des Touristik-Konzerns setzen sich an die Spitze des Londoner Auswahlindex FTSE. Tui hatte am Vortag per Pflichtmitteilung die Ausweitung der Mordaschow-Beteiligung auf 15 von etwa 13 Prozent bekanntgegeben.

Samsung: Neuer Smartphone-Chef

Samsung will sich mit einem neuen Chef der Smartphone-Sparte gegen den US-Erzrivalen Apple und die wachsende Konkurrenz aus China behaupten. Der 59-jährige J.K. Shin werde vom fünf Jahre jüngeren Dongjin Koh als Leiter der Sparte Mobilfunkgeräte abgelöst, teilte der Branchenprimus aus Südkorea am Dienstag mit.

Vale und BHP: Milliardenklage nach Dammbruch

Nach dem verheerenden Dammbruch in einer Eisenerzmine hat Brasilien die beiden Bergbaukonzerne BHP Billiton und Vale auf umgerechnet 4,9 Milliarden Euro Schadenersatz verklagt. Das Geld soll für Säuberungs- und Wiederaufbau-Arbeiten nach der bislang schwersten Umweltkatastrophe in dem Land eingesetzt worden.

Britische Großbanken bestehen Stresstest

Die britischen Großbanken können aufatmen. Alle sieben überprüften Institute haben den diesjährigen Stresstest der britischen Zentralbank bestanden. Selbst bei der als Wackelkandidat geltenden Großbank Standard Chartered rutschten die Kapitalquoten im Krisenszenario nicht unter die Mindestvorgaben.

Zurich-Konzernchef Senn tritt zurück

Der Chef des Schweizer Versicherungskonzerns Zurich nimmt nach Rückschlägen und etlichen Problemen im Tagesgeschäft seinen Hut. Martin Senn werde das Unternehmen nach sechs Jahren als Vorstandschef vor Ende dieses Jahres verlassen, teilte der Konzern mit. Bis ein Nachfolger gefunden ist, übernimmt Verwaltungsratschef Tom de Swaan ab sofort das Ruder. Einen neuen Vorstandschef sucht der Konzern nach eigenen Angaben zunächst außerhalb der eigenen Reihen.

lg

Tagestermine am Montag, 19. November

Unternehmen:
Grand City Properties: Q3-Zahlen
VW: Conference Call für Analysten, 14 Uhr

Konjunktur:
Deutschland: Auftragsbestand des verarbeitenden Gewerbes 10/18, 08:00 Uhr
EU: Leistungsbilanz Eurozone 09/18, 10:00 Uhr

Sonstiges:
Frankfurt a.M.: Finanzminister Scholz spricht auf der Tagung "European Banking Regulation"