Marktbericht 20:10 Uhr

Bekommen Anleger keine kalten Füße? Dax ist wieder in Rekordlaune

Stand: 04.02.2015, 20:10 Uhr

Zwar kein neues Allzeithoch, aber doch ein Schlussrekord: Der Dax zeigt sich ziemlich fit. Angesichts der vielen Krisen und Probleme ist das erstaunlich. Lassen sich Anleger so gar nicht einschüchtern? Doch, kleine Anzeichen gibt es.

Der Handel an der Börse wird immer dünner, die Umsätze sind rückläufig. Mehr und mehr Anleger bleiben also der Börse fern. Auch der Dax hält Abstand zu seinem am Vortag aufgestellten Rekord von 10.984,69 Zählern. Immerhin schafft er mit den erreichten 10.911 Punkten einen neuen Schlussrekord. Es ist aber nur ein Mini-Plus von 0,2 Prozent, der L-DAx verliert sogar weitere Punkte.

"Die Investoren wollen erst einmal die Ergebnisse der jetzt anlaufenden Verhandlungen Griechenlands mit den europäischen Geldgebern abwarten", erklärte Andreas Paciorek von CMC Markets. Mit Argusaugen verfolgten Anleger heute die Bemühungen zur Lösung des griechischen Schuldenstreits. Griechenlands Finanzminister Yanis Varoufakis äußerte sich nach einer Begegnung mit EZB-Chef Mario Draghi zuversichtlich über einen baldigen Abschluss der Gespräche. Allerdings signalisierte die Bundesregierung Unnachgiebigkeit.

War die Rally übertrieben?

Den ganzen Tag lang war Dax über weite Strecken im Minus gefangen. Vielleicht erscheint Anlegern die jüngste Rally inzwischen übertrieben. Immerhin hat der Dax seit Jahresbeginn rund elf Prozent zugelegt, weitgehend getragen von der Hoffnung auf die zündende Wirkung der bevorstehenden Anleihekäufe der EZB. Dabei weiß niemand, ob die Notenbanker die Wirtschaft in der Euro-Zone so tatsächlich in Schwung bringen.

»Der derzeit zu beobachtende Rücksetzer fällt mehr als überschaubar aus und tat im Übrigen auch not, um eine zunehmende Überhitzung zu verhindern. Zuletzt war die Marktlage im Zuge der fulminanten Aufwärtsbewegung doch arg überkauft. In diesem Kontext kommt also auch die laufende Konsolidierungsperiode nicht allzu überraschend.«

Gregor Kuhn, IG

Unterstützung aus den USA und China

Stabilisierend für die Börse wirkten heute positive Wirtschaftsdaten aus dem Euroraum. Die Einkaufsmanager gewannen an Zuversicht; die Einzelhandelsumsätze stiegen überraschend. Zudem lockerte China seine Geldpolitik, die Kreditvergabe wurde angekurbelt. Das sei aber eher indirekt positiv, sagte Philipp Müller von der Performance IMC Vermögensverwaltung, denn "der deutsche Markt ist abhängiger von den USA". Von dort kamen zunächst negative Signale, schließlich drehte der US-Leitindex Dow Jones aber ins Plus.

Großaktionär reduziert Anteil an K+S

Im Dax lagen heute Aktien von Henkel, Merck und VW vorn. Bei K+S machte der russiche Großaktionär von sich Reden. Andrej Melnitschenko reduzierte seinen Anteil am Düngemittelkonzern weiter: auf nunmehr 4,92 Prozent. Der Großaktionär kontrolliert den russischen K+S-Rivalen EuroChem. Er war lange Zeit mit über zehn Prozent größter K+S-Aktionär und hielt zuletzt noch knapp sechs Prozent. Ursprünglich wollten beide Konzerne zusammenarbeiten und Kali-Vorhaben im Ural erschließen - doch daraus wurde nie etwas.

RWE will Töchter zusammenlegen

Zu den größten Verlierern im Dax zählten erneut die Aktien von RWE und Eon. Die angeschlagenen AKW-Betreiber hatten bei ihren milliardenschweren Klagen gegen die Brennelementesteuer einen Dämpfer vor dem Europäischen Gerichtshof kassiert. Hilfe tut Not. Das Rezept von RWE: Der Energiekonzern will seine Töchter zusammenlegen, um aus der Krise zu kommen.

Kabel Deutschland überzeugt

Im MDax überzeugte Kabel Deutschland mit seiner Bilanz. Dank der hohen Nachfrage nach superschnellen Internetanschlüssen wuchs der Kabelnetzbetreiber im dritten Geschäftsquartal ordentlich. Der Gewinn wurde sogar verdoppelt. Der Telekommunikationskonzern KPN steckte zwar einen Gewinnrückgang ein, doch viel der unerwartet gering aus, weshalb dies die Aktie auf ein Zweijahreshoch trieb. Auch Sky Deutschland überzeugte, der Bezahlsender halbierte seinen Verlust. In London erfreute dessen britische Mutter Sky PLC. Der Pay-TV-Konzern befindet sich nach der Übernahme der deutschen und italienischen Ableger weiter auf dem Wachstumskurs und legte einen starken Bericht für sein erstes Geschäftshalbjahr vor.

Hannover Rück: Mehr ist nicht genug

Im MDax gehörte die Aktie der Hannover Rück zu den schwächelnden Werten. Zwar schaut der weltweit drittgrößte Rückversicherer optimistisch ins neue Jahr, doch die in Aussicht gestellte Gewinnentwicklung hat Anleger nicht in Freudenstimmung versetzt. Auch bei der Dividendenfrage hatten sie sich mehr erhofft. So sprach die Hannover Rück nicht von einer Sonderdividende, was einge am Markt gehofft hatten.

Bilanzen von Gea, Hugo Boss und Osram

Zulegen konnte dagegen die Aktie von Gea. Der Maschinen- und Anlagenbauer schlug sich im vorigen Jahr dank Einsparungen so gut, dass die Aktie sogar auf ein Rekordhoch sprang. Gea will nun auch die Dividende anheben auf 0,70 Euro. Aus der zweiten Reihe zogen zudem die Geschäftsberichte von Osram und Hugo Boss Aufmerksamkeit auf sich. Lichtspezialist Osram überzeugte mit starken Zahlen, auch wenn sie unterm Strich rot waren.

Der Modekonzern enttäuschte aber. Hugo Boss litt unter der Konjunkturschwäche und der Flaute in der Modebranche. Ganz anders LVMH. Der weltgrößte Luxusgüterkonzern - bekannt unter anderem für Louis-Vuitton-Taschen und Dior-Parfum - strich rekordhohe Umsätze und Gewinne ein. Das trieb die LVMH-Aktie gut acht Prozent aufwärts auf ein Rekordhoch von 156,25 Euro.

Heideldruck mit Umbau-Malus

Im SDax musste Heideldruck rund sechs Prozent abgeben. Zwar hat der angeschlagene Druckmaschinenhersteller in den ersten neun Monaten des Geschäftsjahres ein kräftiges Ergebnisplus erreicht. Unterm Strich fällt allerdings ein dicker Verlust von 92 Millionen Euro an wegen hoher Restrukturierungskosten.

Sony mit weniger Verlusten

Überzeugende Zahlen kamen aus Japan. Zum einen vom Elektronikkonzern Sony, der mit überraschend hohen Verkaufszahlen der Spielekonsole PlayStation und der in Handy-Kameras eingesetzten Bildsensoren überzeugt. So wird der japanische Konzern seine Verluste im zuende gehenden Geschäftsjahr (31. März) stark reduzieren. Dabei halfen auch Kostensenkungen - und der schwache Yen.

Toyota punktet gegen Mazda und GM

Der günstige Yen-Kurs hilft auch Toyota. Der japanische Autobauer erhöhte seine Prognose und rechnet jetzt mit einem Rekordgewinn von 2,13 Billionen Yen im bis zum 31. März laufenden Geschäftsjahr. Den schwachen Yen kann der japanischen Rivale Mazda nicht gebührend ummünzen. Er wird vom Verfall des russischen Rubel ausgebremst. "Toyota ist das Maß aller Dinge", sagt Arndt Ellinghorst vom Londoner Analysehaus Evercore ISI. "Toyota macht ungefähr drei Mal so viel Gewinn wie GM und fast doppelt so viel wie VW." Gleichwohl konnte auch der US-Autobauer General Motors (GM) mit einem unerwartet hohen Gewinn im Schlussquartal überzeugen. Das trieb die Aktie kräftig an.

S&P stuft Banken herab

Die Bankenbranche stand aus vielerlei Gründen heute unter Beobachtung. Nicht nur Griechenlands Banken, die einem Zeitungsbericht zufolge zunehmend auf Notfallkredite der Zentralbank in Athen angewiesen sind. Die Rtingagentur Standard & Poor's (S&P) senkte den Daumen über eine Reihe systemrelevanter Großbanken in Europa. Betroffen sind etwa Barclays, Credit Suisse, HSBC und RBS.

BBVA spürt Wirtschaftserholung in Spanien

Dafür überzeugte die spanische Großbank BBVA Anleger mit ihren Jahresresultate, was die Aktien steigen ließ. BBVA hatte vom Ende der wirtschaftlichen Talfahrt in Spanien profitiert und im vergangenen Jahr beim Überschuss gut 17 Prozent zugelegt.

Syngenta mit weniger Gewinn

Preisdruck und eine schwache Anbausaison in Nordamerika haben den Schweizer Pflanzenschutzmittelhersteller Syngenta im Vorjahr gebremst. Der Gewinn sank um zwei Prozent auf 1,62 Milliarden Dollar, der Umsatz wuchs um drei Prozent auf 15,13 Milliarden Dollar. Trotzdem sollen die Aktionäre elf Franken Dividende je Aktie erhalten, nach zehn Franken im Vorjahr.

Neues von Merck und Glaxo

Gemischte Nachrichten kamen es aus der Pharmabranche: So scheint die britische GlaxoSmithKline (GSK) allmählich Licht am Ende des Tunnels zu sehen. 2014 machten Generikahersteller Großbritanniens größtem Pharmakonzern das Leben schwer. Doch will GSK im wichtigen Bereich Atemwegspräparate 2015 wieder Marktanteile zurückgewinnen. Für die zweite Jahreshälfte sei mit Besserung zu rechnen - was die Aktie heute belebte. Dagegen warnte der US-Konzern Merck & Co, die Nachahmer-Konkurrenz werde weiter belasten. Der zweitgrößte US-Pharmakonzern sagte für das laufende Jahr ein Ergebnis unter den Markterwartungen voraus, woran der starke Dollar auch seinen Anteil hat. Die Merck-Aktie gab daraufhin deutlich nach.

Disney im Geldbad

Für einen Lichtblick hingegen sorgte Disney. Der Medienkonzern scheffelt weiter Milliarden und die Quartalszahlen fielen besser aus als an der Wall Street erwartet. Dies ließ die Titel um knapp 4 Prozent in die Höhe schnellen.

Hochzeit mit Büroartikeln

Zu guter Letzt noch eine Nachricht vom Hochzeitsmarkt, genauer vom umkämpften Büroartikel-Markt in den USA. Staples will den Konkurrenten Office Depot übernehmen und 7,25 US-Dollar in bar sowie 0,2188 Dollar in eigenen Anteilsscheinen zahlen.

bs

Tagestermine am Dienstag, 13. November

Unternehmen:
Fraport: Verkehrszahlen 10/18, 7:00 Uhr
Grammer: Q3-Zahlen, 7:00 Uhr
Bauer: Neun-Monats-Zahlen, 7:00 Uhr
1&1 Drillisch: Q3-Zahlen, 7:00 Uhr
Cewe Stifung: Q3-Zahlen, 7:00 Uhr
Evotec: Q3-Zahlen, 7:00 Uhr (Call: 14:00 Uhr)
Innogy: Q3-Zahlen, 7:00 Uhr
Tom Tailor: Q3-Zahlen, 7:00 Uhr
United Internet: Q3-Zahlen, 7:00 Uhr
Ströer: Q3-Zahlen, 7:00 Uhr
Areal Bank: Q3-Zahlen, 7:00 Uhr
Hello Fresh: Q3-Zahlen, 7:15 Uhr
Medigene: Neun-Monats-Zahlen, 7:30 Uhr
VTG: Q3-Zahlen, 7:30 Uhr
HHLA: Q3-Zahlen, 7:30 Uhr
Uniper: Neun-Monats-Zahlen, 7:30 Uhr
Jenoptik: Neun-Monats-Zahlen, 7:30 Uhr
Nordex: Q3-Zahlen, 7:30 Uhr
Bayer: Q3-Zahlen, 7:30 Uhr (Call: 10:00 Uhr)
Bilfinger: Q3-Zahlen, 7:30 Uhr (Call: 10:00 Uhr)
OHB: Neun-Monats-Zahlen, 8:00 Uhr
Vodafone: Halbjahreszahlen, 8:00 Uhr
Home Depot: Q3-Zahlen, 15:00 Uhr
Wüstenrot & Württembergische: Q3-Zahlen
Nemetschek: Kapitalmarkttag

Konjunktur:
Italien: Frist der EU-Kommission zur Überprüfung des Haushaltsentwurfs läuft aus
Deutschland: Verbraucherpreise 10/18 (endgültig), 8:00 Uhr
Deutschland: Insolvenzen 8/18, 8:00 Uhr
Deutschland: Erwerbstätigkeit Q3/18, 8:00 Uhr
Großbritannien: Arbeitslosenzahl 10/18, 10:18
Deutschland: ZEW-Konjunkturerwartungen 10/18, 11:00 Uhr