Marktbericht 17:45

Trotz stagnierender Wall Street Dax ist einfach nicht zu bremsen

Stand: 20.05.2013, 17:45 Uhr

Wer hätte das gedacht. Sogar im nachrichtenarmen Feiertagshandel schwingt sich der Dax zu neuen Höhen auf. Auch die eher richtungslose Wall Street vermag das deutsche Börsenbarometer nicht aufhalten. Zu verdanken ist das Plus in Frankfurt allerdings vorwiegend den Autoaktien.

Der deutsche Leitindex geht bei 8.455 Punkten (plus 0,7 Prozent) aus dem Handel und damit ganz nahe an seiner am Vormittag erreichten neuen Höchstmarke von 8.456 Punkten. Am Nachmittag ging dem Börsenbarometer zwar kurz die Puste aus und er musste seine Tagesgewinne wieder einbüßen, doch die Marke von 8.400 Punkten hielt und schon kurze Zeit später begannen die Anleger erneut zuzugreifen. Damit schließt der Dax den zehnten Gewinntag in Folge.

Nach Ansicht der Experten von Sentix ist das Grundvertrauen bei deutschen Aktien ungebrochen. Die professionellen Investoren blieben an Bord und die Privatanleger hätten noch immer Nachholbedarf, schreibt Sentix-Geschäftsführer Manfred Hübner in einer Studie.

Ungläubiges Staunen statt Jubelstimmung

Allerdings gebe es bei den Investoren mehr ungläubiges Staunen als echte Jubelstimmung über die anhaltende Hausse. Deshalb stehen viele Privatanleger noch immer am Seitenrand und nehmen an der Rally nicht teil. Auch Händlerin Anita Paluch von Gekko Markets kann noch kann keine Verkäufe sehen.

Sie bezieht sich damit auf eine saisonale Handelsregel, die empfiehlt, sich im Mai aus dem Markt zurückzuziehen. Aktuell folge der deutsche Markt der starken Entwicklung an den asiatischen Börsen mit einem Fünfjhreshoch im Nikkei. Im weiteren Wochenverlauf werde besonders der Mittwoch interessant, wenn die Zentralbanken mit ihren Sitzungsprotokollen in den Fokus rücken.

Euro in US-Dollar: Kursverlauf am Börsenplatz Forex vwd für den Zeitraum Intraday
Kurs
1,1419
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Der Euro hat sich am Pfingstmontag kaum von der Stelle bewegt. Bei Börsenschluss kostete die Gemeinschaftswährung 1,2860 US-Dollar und damit in etwa so viel wie am Morgen. Nur zwischenzeitlich tendierte der Euro etwas fester. Die Europäische Zentralbank (EZB) hatte den Referenzkurs gegen Mittag auf 1,2853 (Freitag: 1,2869) Dollar festgesetzt.

Der US-Leitindex Dow Jones Industrial hat sich am Montag nach seiner fortgesetzten Rekordjagd vor dem Wochenende stabil gezeigt. Bei Börsenschluss in Frankfurt notiert der Dow bei 15.374 Punkten, ein Plus von 21 Punkten. Zuletzt sei eine steile Bergfahrt hingelegt worden, und zwar ohne jegliche Konsolidierungsphase, sagte ein Marktbeobachter. Zumindest eine kleine Korrektur wäre daher inzwischen seines Erachtens angebracht.

Coba und Autos bringen Dax voran

Im Dax ist die Aktie der Commerzbank größter Gewinner. Die Verluste der vergangenen Handelstage werden zum Teil wieder wettgemacht. Auch die Aktien aller drei Autohersteller gehören zu den Favoriten. Sie sind die eigentlichen Treiber im Dax mit den höchsten Umsätzen. Die Hochstufung des Autosektors durch die Credit Suisse vom Freitag wirkt weiter; ebenso die erste positive Absatzstatistik für Europa seit fast drei Jahren, die auch zum Wochenschluss gemeldet wurde.

Ryanair beflügelt Lufthansa

Auch die Papiere der Lufthansa können kräftig zulegen. Die Stimmung im Sektor ist gut, nachdem die irische Billig-Airline Ryanair ein Gewinnplus im vorigen Geschäftsjahr (bis März 2013) präsentiert hat. Der Umsatz stieg um 13 Prozent auf 4,88 Milliarden Euro. Nach Steuern verdiente Ryanair 569 Millionen Euro, ebenfalls 13 Prozent mehr als im Vorjahr. Die Ryanair-Aktie legt sieben Prozent auf den Rekordwert 6,74 Euro zu. Die Papiere von Air Berlin schaffen dagegen nur ein bescheidenes Plus, nachdem sie am Nachmittag sogar kurz ins Minus gedreht waren.

Fresenius ex Dividende, K+S schwächelt weiter

Einer der schwächsten Werte im Dax ist die Aktie von Fresenius. Sie wird ex-Dividende gehandelt, liegt mit gut einem Prozent aber nur minimal im Minus. Deutlicher abgeben müssen die Papiere von K+S sowie der Münchener Rück.

Rheinmetall und HHLA: "Halten" heißt kaufen

Fast vier Prozent ins Plus schafft es die Aktie des Rüstungskonzerns Rheinmetall. Dabei hat die Deutsche Bank nur ihre Verkaufsempfehlung widerrufen und das Anlageurteil "hold" ausgesprochen. Das Kursziel von 35 Euro liegt sogar unter dem derzeitigen Kurs von 39,40 Euro liegt, Anleger greifen dennoch zu.

Ebenfalls klar im Plus auch die Aktie des Hamburger Hafenbetreibers HHLA. Auch hier wurde nur ein "Verkaufen"-Urteil in "Halten" revidiert. Eine Analystin von Kepler Cheuvreux hat in einer Kurzstudie von einer "überraschend guten Volumenentwicklung" geschrieben.

Hochtief freut sich über Tochter

Ins Minus gedreht ist dagegen die Aktie von Hochtief. Dabei hat die australische Tochter des deutschen Baukonzerns, Leighton, ein gewinnträchtiges Jahr vor sich. Das sagte Verwaltungsrats-Chef Stephen Johns auf der Hauptversammlung in Sydney. Der Gewinn vor Sondereffekten soll 2013 von 450 Millionen auf 520 bis 600 Millionen australische Dollar gesteigert werden (umgerechnet 396 bis 546 Millionen Euro). Gleichzeitig soll der Verschuldungsgrad wieder deutlich sinken. Der Zielkorridor liegt bei 25 bis 35 Prozent.

Milliarden für GE -und die Aktionäre

Gute Nachrichten gibt es für den US-Industriekonzern General Electric: Der Finanzsparte geht es wieder deutlich besser und kann Milliarden an die Mutter überweisen. Sollte die Lage so gut bleiben wie in den ersten Monaten, sollen in diesem Jahr insgesamt 6,5 Milliarden Dollar von der Tochter zu General Electric fließen. Der Siemens-Rivale bekräftigte zudem seine Pläne, im laufenden Jahr insgesamt 18 Milliarden Dollar an die Aktionäre ausschütten zu wollen.

lg

Tagestermine am Montag, 19. November

Unternehmen:
Grand City Properties: Q3-Zahlen
VW: Conference Call für Analysten, 14 Uhr

Konjunktur:
Deutschland: Auftragsbestand des verarbeitenden Gewerbes 10/18, 08:00 Uhr
EU: Leistungsbilanz Eurozone 09/18, 10:00 Uhr

Sonstiges:
Frankfurt a.M.: Finanzminister Scholz spricht auf der Tagung "European Banking Regulation"