Marktbericht 20:02 Uhr

Turbulenter Handelsverlauf Dax irrlichtert durch den Freitag

Stand: 29.08.2014, 20:02 Uhr

Die Unsicherheit der Anleger ist derzeit mit Händen zu greifen. So hat der Dax am Freitag eine turbulente Berg- und Talfahrt hingelegt - mit überraschendem Ausgang.

Der Dax fällt nach einem zunächst freundlichen Verlauf am Nachmittag um rund ein Prozent ins Minus. Im späten Handel kann er seine Verluste jedoch wieder wettmachen und schließt 0,08 Prozent oder 7,6 Punkte höher bei 9.470,17 Punkten. Auf Wochensicht legt der Leitindex damit 1,40 Prozent zu. Die Bilanz für den August fällt allerdings bescheidener aus: plus 0,67 Prozent.

ARD-Börsenstudio: Dorothee Holz
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Börse 15.00 Uhr

Die Achterbahnfahrt an der Frankfurter Börse beginnt am Vormittag. Nachdem das Statistikamt die jüngsten Verbraucherpreise aus der Eurozone bekanntgegeben hat, begibt sich der Dax auf Tauchstation, büßt seine Tagesgewinne, die ihn bis auf 9.517 Punkte haben steigen lassen, wieder ein. Den Daten zufolge ist die Teuerungsrate im August zwar auf 0,3 Prozent zurückgegangen, den niedrigsten Wert seit Oktober 2009.

Allerdings legte die Kerninflationsrate (ohne Lebensmittel und Energie) von 0,8 Prozent im Vormonat auf 0,9 Prozent zu. Damit schmolz die Hoffnung vieler Anleger auf Anleihekäufe durch die EZB bereits auf ihrer nächsten Ratssitzung kommenden Donnerstag. "Einige Anleger hatten noch Schlimmeres befürchtet, das ist nun nicht eingetreten", sagte ein Händler mit Blick auf die Inflationszahlen.

Amerikaner konsumieren weniger

Richtig abwärts mit dem Dax geht es dann nach den neuesten US-Konjunkturmeldungen. Danach haben sich die US-Verbraucher im Juli überraschend beim Kaufen zurückgehalten und dafür mehr Geld auf die hohe Kante gelegt. Ihre Konsumausgaben fielen um 0,1 Prozent zum Vormonat. Das war der erste Rückgang nach fünf Anstiegen in Folge. Ökonomen hatten mit einem weiteren Plus von 0,2 Prozent gerechnet.

Die Daten sorgen auch an der Wall Street für Enttäuschung. Der Dow Jones-Index dreht ins Minus und drückt den Leitindex auf ein Tagestief von 17.035 Punkten. Im weiteren Verlauf kann sich der Dow aber berappeln und notiert bei Börsenschluss in Frankfurt bei 9 Punkte tiefer bei 17.070 Punkten.

Euro wieder auf Talfahrt

Der Euro gerät am Freitag unter Druck und muss seine Tagesgewinne wieder abgeben. Nachdem er im Tagesverlauf auf 1,3194 Dollar geklettert war, notiert er bei Börsenschluss in Frankfurt bei 1,3143 Dollar.

Euro in US-Dollar: Kursverlauf am Börsenplatz Forex vwd für den Zeitraum Intraday
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1,1325
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Gold in US-Dollar: Kursverlauf am Börsenplatz Forex vwd für den Zeitraum Intraday
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1.214,12
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+0,27%

Lufthansa bleibt unter Druck

Bei den Einzelwerten hält die Lufthansa-Aktie weiter die rote Laterne, obwohl der sechsstündige Streik bei der Tochter Germanwings seit Mittag beendet ist. Hauptknackpunkt des Pilotenstreiks ist die Absicht der Airline, die derzeitige Regelung der betrieblichen Übergangsrente abzuschaffen.

Telekom legt Mindestpreis fest

Abwärts geht es auch mit der Telekom-Aktie. Für ihre US-Tochter T-Mobile ist die Telekom ab einem Preis von 35 Dollar je Aktie zu Verkaufsgesprächen bereit. Dies sickerte nach einem Strategietreffen des Managements am Abend durch, ohne dass es von der Telekom eine Bestätigung gab. Das Angebot des französischen Mobilfunkunternehmens Illiad zu 33 Dollar hatte die Telekom zurückgewiesen, der US-Konkurrent Sprint hatte sich wegen zu hoher wettbewerbsrechtlicher Hürden zurückgezogen.

Bayer und Munich Re gefragt

Dagegen können Bayer und Münchener Rück punkten. Beide Aktien mussten im den vergangenen Wochen ordentlich Federn lassen und haben Mühe ihre alten Hochs vom Juli wieder zu erreichen. Dabei handelt es sich bei beiden Firmen um Substanzwerte mit Wachstumspotenzial.

Nokia bald wieder im EuroStoxx 50?

Aufwärts geht es auch mit der Nokia-Aktie. Der einstige Handy-Hersteller hat gute Chancen auf einen Wiedereinzug in den EurosStoxx 50. Im März 2013 war Nokia nach einer Reihe von Gewinnwarnungen aus dem Index geflogen. "Kurz vor der endgültigen Entscheidung haben sich die Chancen für einen Nokia-Aufstieg verbessert, in trockenen Tüchern ist er allerdings noch keineswegs", sagt Index-Experte Uwe Streich von der LBBW.

Isra Vision weiter auf Erfolgskurs

Zulegen kann zudem die Aktie von Isra Vision. Das Softwareunternehmen aus dem Prime Standard hat im dritten Geschäftsquartal den Umsatz um 13 Prozent und nach neun Monaten um zwölf Prozent gesteigert. Das Ergebnis je Aktie stieg um 15 Prozent auf 2,02 Euro. Isra geht für das laufende Geschäftsjahr weiter von einem prozentual zweistelligen Umsatzwachstum aus. Für 2014/15 werden 150 Millionen Euro angepeilt.

Maschinenfabrik Hermle ist kerngesund

Positive Nachrichten kommen auch vom schwäbischen Fräsmaschinenhersteller Hermle. Im ersten Halbjahr hat Hermle den Konzernumsatz im Jahresvergleich um 14 Prozent auf 154,2 Millionen Euro gesteigert. Das Betriebsergebnis (Ebit) legte um 39 Prozent auf 28,3 Prozent zu. Hermles Bilanz präsentiert sich ebenfalls in guter Verfassung, die Eigenkapitalquote liegt bei einer Ratio von 71,2 Prozent. Im Ausblick bestätigte Hermle das Ziel, Umsatz und Ergebnis im Gesamtjahr im oberen prozentualen Bereich zu steigern. Die im Regulierten Markt enthaltene Vorzugsaktie legt zu.

Erfreuliches von Delignit

Die Aktie des im Entry Standard vertretenen Unternehmens ist nach den Zahlen für das erste Halbjahr ebenfalls gefragt. Der Hersteller von holzbasierten Werkstoffen und Systemlösungen hat den Umsatz im Jahresvergleich um 30,7 Prozent auf 22,7 Millionen Euro gesteigert. Das Konzernergebnis lag bei 0,8 Millionen Euro, ein Zuwachs um 23,4 Prozent. Für den weiteren Jahresverlauf zeigte sich die Firma zuversichtlich.

Gewinnwarnung von Tesco

Paukenschlag in Großbritannien. Der größte Einzelhändler des Landes hat seine Gewinnprognose für das laufende Geschäftsjahr zurückgenommen. Nach 3,3 Milliarden Pfund vor einem Jahr werden dieses Mal nur 2,4 bis 2,5 Milliarden Pfund in den Büchern hängen bleiben. Im kürzlich abgelaufenen ersten Geschäftshalbjahr ist nur noch ein Ergebnis von 1,1 Milliarden Pfund erwirtschaftet worden, rund 500 Millionen Pfund weniger als vor Jahresfrist. Grund für den Einbruch sind die beiden deutschen Discounter Aldi und Lidl, die dem Platzhirschen kräftig Konkurrenz machen.

Abercrombie & Fitch verlieren deutlich

An der Wall Street sanken nach schwach aufgenommenen Zahlen die Anteilsscheine der Modekette um fast fünf Prozent. Das Unternehmen (unter anderem mit der Marke Hollister) verliert derzeit Kunden an Konkurrenten wie Zara oder H&M.

Google auf Drohnenkurs

Google arbeitet genauso wie der Online-Händler Amazon an der Warenzustellung aus der Luft mit Hilfe von Drohnen. "Das langfristige Ziel ist es, nahezu jeder Person nahezu alles innerhalb von ein bis zwei Minuten bringen zu können", zitierte die "Berliner Zeitung" den Chef des Google-Forschungslabors, Astro Teller. Google-Aktien verloren gestern an der Nasdaq knapp ein halbes Prozent.

Deag tritt auf der Stelle

Die Deag Deutsche Entertainment ist im ersten Halbjahr auf der Stelle getreten. Der Umsatz stieg um eine Million auf 96,7 Millionen Euro. Das Ergebnis vor Steuern und Zinsen (Ebit) erreichte mit 5,2 Mio. Euro das Vorjahresniveau.

lg

Tagestermine am Donnerstag, 15. November

Unternehmen:
K+S: Q3-Zahlen, 07:00 Uhr
Sixt: Q3-Zahlen (endg.), 07:30 Uhr
Henkel: Q3-Zahlen, 07:30 Uhr
Bouygues: Q3-Zahlen, 07:30 Uhr
Ferratum: Neunmonatszahlen, 07:30 Uhr
LPKF: Neunmonatszahlen (endg.), 08:00 Uhr
Singulus: Neunmonatszahlen (endg.), 08:15 Uhr
Walmart: Q3-Zahlen, 13:00 Uhr
Vallourec: Q3-Zahlen, 17:45 Uhr
Vivendi: Q3-Zahlen, 18:00 Uhr
Mayr-Melnhof: Q3-Zahlen
Applied Materials: Q4-Zahlen
Nvidia: Q3-Zahlen
Sonos: Q3-Zahlen
Acea: Kfz-Neuzulassungen 10/18, 08:00 Uhr

Konjunktur:
Deutschland: Beschäftigte Verarb. Gewerbe 09/18, 08:00 Uhr
EU: Handelsbilanz 09/18, 11:00 Uhr
USA: Empire State Index 11/18, 14:30 Uhr
USA: Im- und Exportpreise 10/18, 14:30 Uhr
USA: Erstanträge Arbeitslosenhilfe (Woche), 14:30 Uhr
USA: Lagerbestände 09/18, 16:00 Uhr
USA: Ölbericht (Woche) Industrieproduktion Euro-Zone im September, 11:00 Uhr