Dax in Wartestellung

Lothar Gries

Stand: 03.12.2007, 20:00 Uhr

Übernahmen und Kaufgerüchte konnten am Montag nicht verhindern, dass die Aktienmärkte europaweit eine Verschnaufpause einlegten. Bis zum Abend drehten die meisten Indizes gar ins Minus. Auch der Dax und die Werte aus der zweiten Reihe mussten ihre Vormittagsgewinne wieder abgeben.

Der Dax beendete den Abendhandel mit einem leichten Abschlag von 32 Punkten bei 7841 Zählern. Händler sprachen von Gewinnmitnahmen nach der Kursrally der vergangenen Woche und insgesamt niedrigen Umsätzen. Aufgewärmte Übernahmegerüchte verhalfen Adidas, Infineon und SAP zu leichten Kursgewinnen. Wirklich Ernst nahmen die Anleger die Spekulationen allerdings nicht.

Auch die Wall Street konnte dem deutschen Aktienmarkt am Montag keinen Auftrieb verleihen. Zwar hat sich die Stimmung der amerikanischen Einkaufsmanager im Verarbeitenden Gewerbe im November nicht so deutlich eingetrübt wie befürchtet. Der entsprechende Index sank von 50,9 Punkten im Vormonat auf 50,8 Punkte, doch die Börsianer zeigten sich wenig beeindruckt. Auch der angekündigte Hilfsplan der US-Regierung für schlecht besicherte Hypotheken konnt dem Markt keinen Schwung verleihen.

Für Wirbel sorgte das Kaufangebot des Lebensversicherers Swiss Life an AWD. Die Schweizer wollen den Finanzdienstleister aus Hannover für eine Milliarde Euro übernehmen. Dazu bieten sie den AWD-Aktionären 30 Euro je Aktie. Auch der MDax-Konkurrent MLP profitiert von dem Deal, die Aktie steigt um 16 Prozent.

Ebenfalls sehr überdurchschnittlich gewinnt die im TecDax notierte Aktie des Biotechnologieunternehmens Morphosys. Der Konzern hat mit dem Schweizer Pharmakonzern Novartis eine umfangreiche und langjährige Zusammenarbeit vereinbart. Während der auf zehn Jahre angelegten Kooperation erhält Morphosys Zahlungen von mehr als 600 Millionen Euro

Verlässt GPC Biotech den TecDax?

Die Aktie des Biotech-Unternehmens dürfte am Mittwochabend aus dem TecDax genommen werden. An dem Tag wird die Zusammensetzung der deutschen Auswahlindizes überprüft, die zum 27. Dezember wirksam werden. Ein Ausscheiden ist zwar nicht zwingend. Doch nach dem Kurseinbruch der vegangenen Wochen dürfte sich die Börse wohl dafür entscheiden. Als Nachfolger wird Centrotherm genannt.

KlöCo will Tochter verkaufen
Der Duisburger Stahlhändler Klöckner & Co will seine kanadische Tochter Namasco verkaufen. KlöCo habe eine Investmentbank mit dem Verkauf des Unternehmens beauftragt, teilte der Konzern mit. KlöCo zähle die auf die Anarbeitung von Flachstahlprodukten fokussierte Tochter nicht zu seinem Kerngeschäft, dem Stahl- und Metallhandel. Namasco beschäftigt den Angaben zufolge rund 400 Mitarbeiter und erzielte im Geschäftsjahr 2006 einen Umsatz von 293 Millionen Euro. Die Aktie verliert 2,6 Prozent.

Bertrandt erhöht Dividende
Der Ingenieurdienstleister Bertrandt will die Dividende nach einer Gewinnverdreifachung kräftig aufstocken. Für das abgelaufene Geschäftsjahr 2006/07 (zum 30. September) sollen die Aktionäre 80 (Vorjahr: 30) Cent je Aktie erhalten, wie das von Porsche und ThyssenKrupp kontrollierte Unternehmen am Montag nach einer Aufsichtsratssitzung mitteilte. Die Bertrandt-Aktien legten acht Prozent auf 24,01 Euro zu.

Siemens verjüngt Aufsichtsrat
Siemens verjüngt nach dem Vorstand jetzt auch den Aufsichtsrat. Sieben von zehn Kontrolleuren auf der Kapitalseite sollen vorbehaltlich der Zustimmung der Hauptversammlung ausgewechselt werden. Damit bestätigten sich mehrere Medienberichte vom Wochenende. Prominentester Weggang ist der von Peter von Siemens, Ururenkel des Konzerngründers Werner von Siemens. Die Aktie verliert dennoch einen Prozent.

IKB vor Kapitalerhöhung
Die schwer angeschlagene Mittelstandsbank IKB plant offenbar eine milliardenschwere Kapitalerhöhung. Die Financial Times Deutschland berichtet, dass in der IKB über eine Kapitalerhöhung von bis zu zwei Milliarden Euro nachgedacht werde. Im Gespräch sei ein Preis von einem Euro je Aktie. Die IKB kommentierte den Bericht nicht. Die im MDax notierte Aktie verliert über drei Prozent.

Kapitalerhöhung bei Balda
Auch die Aktie des im SDax-Handyausrüsters Balda legt deutlich zu. Das Unternehmen hatte mitgeteilt, dass seine Hauptaktionäre die angekündigte Kapitalerhöhung vollständig zeichnen wollten. Demnach werden Michael Chiang, Audley Capital, Wyser-Pratte Management sowie Sapinda International ihre Bezugsrechte in Höhe von zehn Euro je Aktie vollständig zeichnen. Im Vergleich zum Xetra-Schluss am Freitag zahlen die Aktionäre damit einen Aufschlag von 70 Cent.

Wincor Nixdorf kauft zurück
Der Registrierkassenhersteller und Geldautomatenproduzent Wincor Nixdorf will erneut eigene Aktien zurückkaufen. Bis zu 625.720 Papier will der MDax-Konzern erwerben, um damit vor allem Verpflichtungen aus Aktienoptionen zu bedienen. Die Aktie legt leicht zu.

Roth&Rau präzisiert Umsatzprognose
Der Solarkonzern Roth&Rau will angesichts einer robusten Auftragslage im kommenden Jahr mindesten 200 Millionen Euro Umsatz erreichen. Allein in den Monaten Oktober und November gingen bei Roth&Rau neue Aufträge in Höhe von 70,6 Millionen Euro ein. Vorstandschef Dietmar Roth sagte, sein Konzern prüfe neben dem Bau des neuen Standortes auf weitere Möglichkeiten des Kapazitätsausbaus. Die Aktie verliert nach Gewinnen gut zwei Prozent.

BKN Biokraftstoff übernimmt Biostrom
Die Finanz- und Beteiligungsholding BKN Biokraftstoff Nord erhöht ihren Anteil an der Biogastochter Biostrom auf 100 Prozent. BKN finanziert die Übernahme der ausstehenden 24,9 Prozent an Biotstrom über die Ausgabe einer Sachkapitalerhöhung. Das Grundkapital der BKN erhöhe sich dadurch von 6,85 auf 7,565 Millionen Euro, teilte der Konzern aus Sprakensehl-Bokel mit.

Vivendi übernimmt Activision
Der französische Medienkonzern Vivendi übernimmt den US-Computerspielhersteller Activision. Mit einem Umsatz von 3,8 Milliarden Euro wird das fusionierte Unternehmen zum größte Spielehersteller der Welt. Der Gesamtwert der Transaktion belaufe sich auf 18,9 Milliarden Dollar, teilte Vivendi mit. Chef der neuen Unternehmens soll Activision-Chef Robert Rotick werden. Die Aktie von Activision verteuerten sich um 20 Prozent.

Tagestermine am Mittwoch, 21. November

Unternehmen:
ThyssenKrupp: Q4-Zahlen, 7.30 Uhr
Deutsche Bank: Platform Economy Summit, Berlin
CA Immo: Q3-Zahlen

Konjunktur:
Paris: Vorstellung des OECD-Wirtschaftsausblicks, 11 Uhr
USA: Erstanträge auf Arbeitslosenhilfe, Woche, 14:30 Uhr
USA: Uni Michigan Verbrauchervertrauen, November endgültig, 16 Uhr
USA: Frühindikatoren, Oktober, 16 Uhr

Sonstiges:
Frankfurt a.M.: Abschluss der Handelsblatt-Tagung zum Thema "European Banking Regulation" mit Deutsche-Bank-Compliance-Vorständin Matherat