Marktbericht 20:02 Uhr

Neue Kursverluste an den Märkten Dax in der Bullenfalle

Stand: 23.09.2014, 20:02 Uhr

Dass der Dax in der vergangenen Woche bis auf 9.890 Punkte gestiegen ist, war offenbar nur ein Fehlsignal für weiter steigende Kurse. Tatsächlich sorgen sich die Anleger vor einer stagnierenden Wirtschaft in der Eurozone und einem stotternden Immobilienmarkt in den USA.

Der Dax hat jedenfalls am Dienstag seine Vortagesverluste noch einmal kräftig ausgeweitet und ist auf 9.595 Punkte abgerutscht, ein Minus von 1,58 Prozent oder 154 Punkten. Zwar sah es am Nachmittag kurz so aus, als ob das Schlimmste überstanden ist und der Dax mit Hilfe der Wall Street einen Teil seiner Tagesverluste wieder aufholen kann.

Doch auch an der Wall Street begannen die Kurse zu bröckeln, so dass es auch in Frankfurt wieder bergab ging. Dabei markiert der Dax bei 9.589 Punkten sogar ein neues Tagestief. Keine guten Aussichten also auf eine baldige Trendwende oder gar einen Wiederaufstieg auf 10.000 Punkte - zumal der deutsche Leitindex mun sogar unter seine 200-Tage-Durchschnittslinie bei 9.600 Punkten gerutscht ist.

Sollte diese wichtige Unterstützunglinie durchbrochen werden und bleibe auch die Wall Street unter Druck, könnte die Reise in den nächsten Tagen schnell in Richtung 9.400 Punkte gehen, glaubt Jens Klatt von DailyFX.

Verluste an der Wall Street

Dow Jones: Kursverlauf am Börsenplatz Dow Jones Indizes für den Zeitraum Intraday
Kurs
26.405,76
Differenz relativ
+0,60%

An der Wall Street jedenfalls gehen die Kurse am Dienstag ebenfalls auf Tauchstation. Der Dow Jones-Index eröffnet leicht im Minus, weitet seine Verluste im Handelsverlauf aber aus und notiert bei Börsenschluss in Frankfurt am Abend ein halbes Prozent niedriger bei 17.072 Punkten. US-Anleger zeigten sich angesichts der ersten Angriffe der USA gegen die Terroristen in Syrien und dem Irak nervös.

Zusätzlich drückte eine US-Initiative zur Bekämpfung von Steuerflucht auf die Kurse. "Der Markt hat nach unstrittigen Gründen gesucht, zu verkaufen und sich vor der Earnings-Season neu aufzustellen", sagte Chef-Marktstratege Peter Kenny von Clearpool Group. "Davon bekommen wir jetzt reichlich."

Wachstum im Euroraum enttäuscht

In Europa hat der vom Forschungsinstitut Markit erhobene Einkaufsmanagerindex - eine Umfrage unter ranghohen Unternehmensvertretern - für Enttäuschung gesorgt. Er fiel im September um 0,2 Punkte auf 52,3 Punkte. Das ist der tiefste Stand in diesem Jahr. Dass aus China positive Signale kamen haben die Anleger schlicht nicht beachtet.

Vor allem in Deutschland und Frankreich ist das Wachstum im zweiten Quartal zum Erliegen gekommen. Hierzulande ist das BIP in dieser Zeit sogar leicht gesunken, in Frankreich stagniert die Wirtschaftsleistung. Anzeichen für eine rasche Trendwende, gar eine konjunkturelle Erholung, gibt es derzeit nicht.

Euro etwas stärker

Euro in US-Dollar: Kursverlauf am Börsenplatz Forex vwd für den Zeitraum Intraday
Kurs
1,1709
Differenz relativ
+0,32%

Dagegen kann der Euro am Dienstag leicht zulegen. In der Spitze steigt er auf 1,2898 Dollar, muss aber bis zum Börsenschluss einen Großteil der Gewinne wieder abgeben und fällt auf 1,2859 Dollar zurück. Die Europäische Zentralbank (EZB) hatte den Referenzkurs gegen Mittag auf 1,2892 (Montag: 1,2845) Dollar festgesetzt

Conti am Dax-Ende

Schwächster Wert im Dax ist bis zum Handelsende der Autozulieferer Continental. Grund sind pessimistische Aussagen des Konkurrenten Michelin aus Frankreich sowie eine negative Studie der UBS zum gesamten Automarkt. Der Michelin-Finanzchef Marc Henry hatte der Zeitung "Les Echos", gesagt es werde schwieriger, das Absatzziel in diesem Jahr zu erreichen. Die Geschäfte in Europa und Brasilien schwächelten, besser sehe es in Nordamerika und China aus. Zudem senkte die UBS ihr Ziel für Michelin.

UBS mag BMW nicht mehr

Überdurchschnittlich abwärts geht es auch mit den Titeln der Autohersteller. Die UBS hat sich zum Sektor geäußert und die Kursziele von BMW, Daimler und Volkswagen reduziert. BMW wurde von "Buy" auf "Neutral" abgestuft, das Kursziel auf 93 von 105 Euro gesenkt. Die Analysten halten den Münchner Konzern zwar für den am besten geführten Autobauer in Europa. Allerdings bemängelten sie die nachlassende Gewinndynamik bei den Bayern.

BMW ST: Kursverlauf am Börsenplatz Xetra für den Zeitraum Intraday
Kurs
84,30
Differenz relativ
+0,91%
Daimler: Kursverlauf am Börsenplatz Xetra für den Zeitraum Intraday
Kurs
56,60
Differenz relativ
+0,50%
Volkswagen VZ: Kursverlauf am Börsenplatz Xetra für den Zeitraum Intraday
Kurs
153,24
Differenz relativ
+1,42%

Anklage gegen Fitschen

Deutsche Bank: Kursverlauf am Börsenplatz Xetra für den Zeitraum Intraday
Kurs
10,29
Differenz relativ
+0,72%

Die Papiere der Deutschen Bank verlieren ebenfalls mehr als der Gesamtmarkt. Als Grund gilt die Entscheidung der Münchner Staatsanwaltschaft, den Co-Chef der Bank Jürgen Fitschen anzuklagen. Er soll gemeinsam mit seinen Vorgängern Rolf Breuer und Josef Ackermann unrichtige Zeugenaussagen im Fall des früheren Medienunternehmers Kirch gemacht haben. Sollte Fitschen verurteilt werden, muss er wohl zurücktreten.

Gewinnmitnahmen im MDax

Auch für den MDax geht es um 1,39 Prozent bergab. Zu den schwächsten Werten gehören Wincor, Norma und Leoni. Sie verlieren jeweils mehr als vier Prozent, ohne dass es kursrelevante Meldungen aus den Unternehmen gegeben hätte.

MAN wird pessimistisch

MAN ST: Kursverlauf am Börsenplatz Xetra für den Zeitraum Intraday
Kurs
93,60
Differenz relativ
+0,05%

Auch die VW-Tochter MAN bläst Trübsal. Die Ukraine-Krise belastet laut MAN-Chef Anders Nielsen den russischen Markt. Im Vergleich zum Vorjahr 2013 halte er einen Einbruch von 25 Prozent "oder sogar noch mehr" für realistisch. "Der russische Markt rutscht im Moment richtig ins Minus", sagte Nielsen am Dienstag auf der Branchenmesse IAA in Hannover.

Um Kosten zu sparen, will das Unternehmen zudem mit Scania gemeinsamt Getriebe entwickeln. "Wir streben an, dass aus dieser Kooperation Komponenten hervorgehen, die weltweit Maßstäbe in der Nutzfahrzeugtechnologie hervorgehen", sagte Nielsen.

Merck setzt Rally fort

Einziger Gewinner im Dax ist bis zum Schluss der Darmstädter Pharma- und Chemiekonzern Merck. Ausschlaggebend für die fortgesetzte Rally sind Hochstufungen und Kurszielerhöhungen einiger Analystenhäuser, nachdem die Darmstädter am Montag angekündigt hatten, den US-Laborausrüster Sigma-Aldrich für 140 Dollar je Aktie oder 17 Milliarden Dollar in bar zu erwerben.

Philips: Aus eins macht zwei

Für Aufmerksamkeit sorgt auch der niederländische Elektronikkonzern Philips. Er will sich in zwei eigenständige Unternehmen aufspalten. Auf der einen Seite soll das Geschäft mit Gesundheitstechnik stehen, das zudem mit der Konsumelektronik zusammengefasst wird. Auf der anderen Seite wird es eine eigenständige Lichtsparte geben. Diese soll unabhängig werden und sich damit auch Kapitalgebern von außen öffnen.

Außerdem warnte Philips vor einer schwachen Ergebnisentwicklung. Das operative bereinigte Ergebnis vor Zinsen, Steuern und Abschreibungen (Ebita) wird im zweiten Halbjahr 2014 etwas niedriger als im Vorjahr ausfallen. Zuletzt hatte Philips-Chef Frans van Houten einen höheren Wert als im zweiten Halbjahr 2013 in Aussicht gestellt.

Fusion bei Düngemitteln?

Der norwegische Konzern Yara und das US-Unternehmen CF Industries verhandeln über einen Zusammenschluss. Die Gespräche seien noch in einer frühen Phase und es sei offen, ob man am Ende tatsächlich zusammen komme, teilten sie mit. Die Aktie des Konkurrenten K+S kann nicht profitieren.

Esprit schreibt wieder schwarz

Der Modekonzern Esprit ist im zurückliegenden Geschäftsjahr 2013/14 (30.6.) in die Gewinnzone zurückgekehrt. Nach einem Verlust von 4,4 Milliarden Hongkong Dollar (etwa 440 Millionen Euro) im Geschäftsjahr 2012/13 konnte im zurückliegenden Jahr wieder ein Nettogewinn von 210 Millionen HKD (21 Millionen Euro) erwirtschaftet werden, wie das an der Börse in Hongkong notierte Unternehmen am Dienstag mitteilte. Die gebeutelten Anleger freut's.

lg

Dax-Chart realtime

Tagestermine am Donnerstag, 20. September

Unternehmen:
Rocket Internet: Q2-Zahlen, 08:00 Uhr
Schaeffler: Kapitalmarkttag
Nfon: Q2-Zahlen
Ryanair: HV in Dublin
GlaxoSmithKline: HV
Micron Technology: Q4-Zahlen, nach US-Börsenschluss

Konjunktur:
Deutschland: Monatsbericht des Bundesfinanzministeriums, 08:00 Uhr
Schweiz: Zinsentscheid und geldpolitische Lagebeurteilung der Schweizerischen Nationalbank (SNB), 09:30 Uhr
USA: Wöchentliche Erstanträge auf Arbeitslosenhilfe, 14:30 Uhr
USA: Industrie-Index Philly Fed für September, 14:30 Uhr
USA: Frühindikatoren für August, 16:00 Uhr
USA: Wiederverkäufe Häuser für August, 16:00 Uhr
EU: Verbrauchervertrauen Euro-Zone, September, 16:00 Uhr

Sonstiges:
Salzburg: Informeller EU-Gipfel
Hannover: Eröffnung der IAA Nutzfahrzeuge 2018 (bis 27. September), mit Bundesverkehrsminister Scheuer
Frankfurt: 4. Konferenz für Finanztechnologie "Fintech-Revolution"