Marktbericht 20:02 Uhr

Griechenland und China belasten Dax: Immer weiter abwärts

Stand: 08.06.2015, 20:02 Uhr

Der Dax hat auch zum Wochenauftakt seine Korrktur fortgesetzt und den dritten Tag in Folge mit Verlusten geschlossen. Und noch ist kein Ende der Talfahrt in Sicht.

"Während noch vor kurzem jeder Rücksetzer als Kaufgelegenheit interpretiert wurde, dürfte das Sentiment nun umgeschlagen haben, so dass Kaufentschlossene auf noch tiefere Einstiegskurse warten", meint Andreas Paciorek von CMC Markets. Damit dürften sich die Verluste fortsetzen, zumal der Dax am Montag die charttechnische Unterstützungszone von 11.167/11.187 Zählern durchbrochen hat.

Viele Beobachter rechnen erst wieder mit stärkerem Kaufinteresse, wenn sich der deutsche Leitindex der 200-Tage-Durchschnittslinie bei aktuell rund 10.440 Punkten nähert. Diese Linie, gebildet aus den Kursen der vergangenen 200 Handelstagen, ist für langfristig orientierte Anleger von großer Bedeutung.

Ein Mix aus Sorgen

Hörfunk-Moderatorin Ulla Herrmann
Audio

Börse 20.15 Uhr

Am Montag büßt der Dax 1,2 Prozent ein und schließt bei 11.064 Punkten, 132 Punkte unter dem Endstand vom Freitag. Damit notiert der Leitindex auf dem Stand vom 20. Februar. Zwar war er im frühen Handel kurz ins Plus gedreht auf 11.224 Punkte, doch die Kurse bröckelten rasch wieder ab. Sei Tagestief markierte der Dax bei 11.059 Punkte.

Als Belastung erweist sich einmal mehr der Mix aus Griechenland-Sorgen, gestiegenen Anleiherenditen und starkem Euro sowie mangelnden Impulsen aus den Unternehmen. Tatsächlich ist im Griechen-Drame weiterhin keine Einigung in Sicht. Die dortige Regierung hält die Vorschläge der Gläubiger für inakzeptabel. Der Vorschlag von IWF, EZB und EU-Kommission enthalte keine Lösung für die Krise, sagte Finanzminister Varoufakis dem "Tagesspiegel".

"Es ist eine bedrückende Erkenntnis, dass statt gegenseitigen Annäherungen nun wieder ein verstärkter Disput vernommen wird", sagte Analyst Niall Delventhal vom Brokerhaus DailyFX.

Fallende Kurse auch an der Wall Street

Dabei haben sich die Tumulte auf dem Rentenmarkt inzwischen gelegt. Der richtungsweisende Euro-Bund-Future ging bis zum Abend um 66 Ticks auf 150,42 Punkte zurück. Zehnjährige Bundesanleihe rentierten mit 0,86 Prozent etwas höher.

An der Wall Street geht es ebenfalls bergab. Dort rätseln die Anleger über den Zeitpunkt einer ersten Leitzinserhöhung in den USA nach der Finanzkrise. Als Belastung erweist sich auch dort das griechische Schuldendrama. Richtungweisende Konjunkturdaten standen zum Wochenauftakt nicht auf der Agenda. Bei Börsenschluss in Frankfurt notiert der Dow Jones-Index 0,35 Prozent tiefer bei 17.786 Zählern.

Öl runter, Euro rauf

Dagegen hat sich der Euro von seinem Tief der vergangenen Woche weiter erholt. Bis zum Börsenschluss in Frankfurt klettert die Gemeinschaftswährung bis auf 1,1263 Dollar, nachdem sie am Freitag noch auf 1,1090 Dollar gefallen war.

Die Ölpreise sind am Montag moderat gefallen. Ein Barrel (159 Liter) der Nordseesorte Brent zur Lieferung im Juli kostete am Abend 62,72 Dollar. Das waren 59 Cent weniger als am Freitag. Der Preis für ein Barrel der US-Sorte West Texas Intermediate (WTI) fiel um 64 Cent auf 58,49 Dollar.

Öl (Brent): Kursverlauf am Börsenplatz Deutsche Bank für den Zeitraum Intraday
Kurs
80,46
Differenz relativ
+0,45%
Euro in US-Dollar: Kursverlauf am Börsenplatz Forex vwd für den Zeitraum Intraday
Kurs
1,1584
Differenz relativ
+0,02%

Deutsche Bank: Freude der Anleger hält an

Die Aktie der Deutschen Bank ist der einzige Dax-Gewinner. Grund ist die Erleichterung nach dem gestern angekündigten Abgang des Führungsduos Jain und Fitschen. Alleiniger Nachfolger wird der Brite John Cryan, der derzeit im Aufsichtsrat des Branchenprimus sitzt.

Die Aktie legte zu Handelsbeginn sogar um 7,9 Prozent zu und schließt 3,57 Prozent höher bei 28,60 Euro. Allerdings dürfte es sich bei dem heutigen Plus nur um ein Strohfeuer handeln. "Es kommt ein neuer Chef, er steht aber vor den alten Problemen", meint Analyst Jernej Omahen von der US-Investmentbank Goldman Sachs.

Daimler: Kurs sinkt trotz guter Verkaufszahlen

Daimler: Kursverlauf am Börsenplatz Xetra für den Zeitraum Intraday
Kurs
52,92
Differenz relativ
+0,06%

Dagegen bleibt die Daimler-Aktie unter Druck, obwohl die Stuttgarter hat im Mai erneut mehr Autos verkauft haben. Die Société Générale beziffert den fairen Wert auf 105 Euro und rät zum Kauf. Von der Oberklasse-Marke Mercedes-Benz wurden im vergangenen Monat 12,8 Prozent mehr Fahrzeuge verkauft als vor Jahresfrist. Insgesamt kam Daimlers Pkw-Sparte im vergangenen Monat auf 162.277 verkaufte Fahrzeuge (plus 14,5 Prozent).

Deutsche Post: 300 Millionen Mehrbelastung und Streiks

Deutsche Post: Kursverlauf am Börsenplatz Xetra für den Zeitraum Intraday
Kurs
28,38
Differenz relativ
+0,57%

Auch die Post-Aktie bleibt unter Druck. Das Unternehmen hält die Forderungen der Briefträger und Paketboten für inakzeptabel, würde es doch zu Mehrausgaben von 300 Millionen Euro im Jahr führen. Die Antwort der Gewerkschaft kam postwendend: noch am heutigen Montag beginnen unbefristete Streiks.

Sky bietet 6,68 Euro Abfindung

Der mehrheitlich dem Medientycoon Rupert Murdoch gehörende Bezahlsender Sky Deutschland will seine Minderheitsaktionäre gegen Zahlung von 6,68 Euro je Aktie aus dem Unternehmen drängen. Der Beschluss für diesen "Squeeze Out" der verbliebenen außenstehenden Anteilseigner solle auf einer außerordentlichen Hauptversammlung am 22. Juli fallen.

Deutsche Wohnen heizt Fusionsfieber an

Deutschlands zweitgrößte Wohnimmobilienfirma, die Deutsche Wohnen, hält eine Fusion mit dem Marktführer Deutsche Annington grundsätzlich für möglich. "Zumindest aus Kapitalmarktsicht könnte ein Zusammengehen sinnstiftend sein", sagt Deutsche-Wohnen-Vorstandschef Michael Zahn im Interview mit dem "Handelsblatt". Dadurch entstünde einer der größten Immobilienwerte Europas. Die Aktien der beiden reagieren kaum.

Gea will zukaufen

Der Maschinen- und Anlagenbauer Gea Group hat bei Zukäufen noch große Spielräume. "Wir können sicherlich 1,5 Milliarden Euro in die Hand nehmen", sagte Gea-Finanzvorstand Helmut Schmale der "Börsen-Zeitung". Die Kassen des Konzerns sind insbesondere dank des Verkaufs der Wärmetauschersparte im vergangenen Jahr gut gefüllt.

Klage gegen E-Plus-Übernahme

Der Stuttgarter Breitbandanbieter Airdata hat eine Klage gegen die Übernahme von E-Plus durch Telefonica Deutschland beim Gericht der Europäischen Union (EuG) eingereicht. "Die von Telefonica gemachten Zusagen waren völlig unzureichend, um einen lebendigen Wettbewerb im Interesse der Verbraucher aufrecht zu erhalten", begründete Airdata-Vorstandsmitglied Christian Irmler das Vorgehen.

Ferrari erst im Spätherbst an die Börse

Ferrari soll nicht vor dem 13. Oktober an die Börse gebracht werden. Die Anwälte des Konzerns hätten dazu geraten, zunächst das erste Jahr der rechtlichen Fusion von Fiat und Chrysler abzuwarten, verkündete Konzernchef Sergio Marchionne. Eigentlich war der Börsengang für das zweite oder dritte Quartal des Jahres vorgesehen.

Chorus Clean Energy strebt an die Börse

Der Solar- und Windparkbetreiber Chorus Clean Energy wagt den Sprung aufs Börsenparkett. Die Erstnotierung im regulierten Markt der Frankfurter Wertpapierbörse ist für Anfang des dritten Quartals geplant. Neuen Rückenwind verspricht sich Chorus dabei von einer 100 Millionen Euro schweren Kapitalerhöhung.

Weckt Diageo Begehrlichkeiten?

Übernahmespekulationen lassen die Aktien des Spirituosen-Herstellers Diageo deutlich in die Höhe schießen. Die Titel legen in der Spitze in London um fast neun Prozent zu. Einem Medienbericht zufolge hat der  brasilianische Milliardär Jorge Paulo Lemann zusammen mit seinen Partnern, der Private-Equity-Firma 3G, ein Auge auf das Unternehmen geworfen.

Saint-Gobain verkauft Nutella-Glas-Produzenten

Der US-Finanzinvestor Apollo hat das milliardenschwere Bieterrennen um den Nutella-Glas-Hersteller Verallia gewonnen. Der französische Baustoffkonzern Saint-Gobain teilte am Montag mit, seine Glassparte, die auch Flaschen für Dom-Perignon-Champagner herstellt, für 2,95 Milliarden Euro an Apollo zu verkaufen.

HTC schmiert ab

Dem Smartphone-Pionier HTC laufen die Anleger in Scharen weg. Am Montag reagierten sie mit Massenverkäufen auf die düsteren Geschäftsaussichten des Konzerns aus Taiwan. Der Kurseinbruch der HTC-Aktie fiel mit fast zehn Prozent so deutlich aus wie nie zuvor. Das Management hatte am Freitag für das laufende Quartal eine neue Umsatzprognose präsentiert, die nahezu 30 Prozent unter der bisherigen liegt.

Syngenta zeigt Monsanto kalte Schulter

Der Schweizer Pflanzenschutz- und Saatguthersteller Syngenta hat dem US-Konkurrenten Monsanto erneut die kalte Schulter gezeigt. Monsanto habe Syngenta einen zweiten Übernahmevorschlag vorgelegt, der weitgehend dem ersten entspreche, teilte Syngenta mit. Der angebotene Kaufpreis sei unverändert. Entsprechend lehne Syngenta den Vorschlag weiterhin ab.

Apple: Das neue große Musik-Ding

Zum Auftakt der World Wide Developers's Conference (WWDC) von Apple wird ein neuer Musikdienst erwartet, der den Wandel der Industrie beschleunigen könnte. Der iPhone-Konzern wird nach Informationen aus der Branche am Montag einen direkten Konkurrenten zum Streaming-Service Spotify vorstellen, bei dem Songs direkt aus dem Netz abgespielt werden. Mehr dazu erfahren Sie hier: Apple lässt die Musik spielen.

lg

1/24

Die Fortune Top 500 Walmart bleibt spitze, Apple als Gewinnmaschine

Walmart-Supermarkt in Alexandria, Virginia, USA

1. Walmart

Dax-Chart realtime

Tagestermine am Dienstag, 16. Oktober

Unternehmen:
Merck: Kapitalmarkttag, 8.30 Uhr
Johnson & Johnson: Quartalszahlen Q3, 12.45 Uhr
Morgan Stanley: Quartalszahlen Q3, 13 Uhr
Goldman Sachs: Quartalszahlen Q3, 13.30 Uhr
Telekom Austria: Quartalszahlen Q3, 19 Uhr
IBM: Quartalszahlen Q3, 22 Uhr
Netflix: Quartalszahlen Q3, 19 Uhr
TomTom: Quartalszahlen Q3

Konjunktur:
China: Erzeugerpreise / Verbraucherpreise, 3.30 Uhr
EU: Handelsbilanz, 11 Uhr
Deutschland: ZEW Konjunkturerwartungen, 11 Uhr
USA: Industrieproduktion / Kapazitätsauslastung, 15.15 Uhr
USA: NAHB-Index, 16 Uhr