Dax im Zeichen des Sterns

Notker Blechner

Stand: 20.04.2010, 20:03 Uhr

Nach der kleinen Talfahrt geht es an der Börse wieder aufwärts. Ein überraschender Milliardengewinn von Daimler im ersten Quartal brachte die Auto-Aktien und den Dax kräftig in Schwung. Auch aus den USA gab es gute Unternehmens-Zahlen.

Den angeblichen Betrugsskandal bei Goldman Sachs und die Folgen des isländischen Vulkanausbruchs scheinen die Anleger fürs erste verdrängt zu haben. Nach zwei Handelstagen mit Verlusten stand der Dax am Dienstag wie Phönix aus der Asche wieder auf und machte einen Sprung auf 6.264 Punkte. Das ist ein Plus von 1,6 Prozent gegenüber dem Vortag. Damit liegt das vergangene Woche erreichte 19-Monats-Hoch von 6.290 Zählern wieder in Reichweite. Im späten Parketthandel baute der L-Dax die Kursgewinne aus und schloss bei 6.266 Punkten. Auch die Wall Street entwickelte sich freundlicher. Der Dow Jones stieg bis zum frühen Abend MEZ um 0,3 Prozent.

Im Blickpunkt standen Quartalszahlen mehrerer Konzerne, die das Griechenland-Problem in den Hintergrund drängte. "Der Blick des Marktes hat sich weg von Griechenland hin auf Unternehmensnachrichten gewandt", meinte ein Händler. Auch die allmähliche Wiedereröffnung des nordeuropäischen Luftraums sorgte für Erleichterung unter den Anlegern.

Überraschungscoup von Daimler

Daimler: Kursverlauf am Börsenplatz Xetra für den Zeitraum Intraday
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Zunächst war es der Autobauer Daimler, der die Börsianer mit einem Milliardengewinn in Euphorie versetzte und den Dax antrieb. Die Schwaben haben im ersten Quartal operativ vor Sondereffekten ein Ergebnis (Ebit) von 1,2 Milliarden Euro eingefahren. Der Auto-Konzern rechnet nun in seiner Sparte Mercedes Benz Cars im Gesamtjahr mit einem Ergebnis vor Zinsen und Steuern (Ebit) von 2,5 bis 3 Milliarden Euro. Bisher hatte Daimler nur mehr als 1,5 Milliarden erwartet. Die Daimler-Aktien machten einen Sprung um sieben Prozent nach oben auf 39 Euro. Im Schlepptau von Daimler stiegen auch die Aktien von BMW und VW kräftig. Analyst Heino Ruland von Ruland Research sagte für 2010 eine Gewinnexplosion für die Luxus-Auto-Hersteller voraus.

Starke Quartalszahlen von Goldman & Co

Coca-Cola: Kursverlauf am Börsenplatz Frankfurt für den Zeitraum Intraday
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Weiteren Auftrieb gaben am Mittag die Quartalszahlen der US-Großbank Goldman Sachs. Die in die Negativ-Schlagzeilen geratene Bank verdiente im ersten Quartal mit 3,3 Milliarden Dollar fast doppelt so viel wie im Vorjahreszeitraum. Das entspricht einem Gewinn von 5,59 Dollar je Aktie. Analysten hatten mit lediglich rund vier Dollar je Aktie gerechnet - und waren beeindruckt. Goldman habe erneut gezeigt, dass sie die Besten der Besten seien, meinte Wall-Street-Analyst Michael Holland von Holland & Co. Die Goldman-Aktie stieg denn auch um 1,5 Prozent an der Frankfurter Börse, rutschte aber in New York ins Minus. Für einen Dämpfer sorgte die Nachricht, dass die britische Finanzaufsicht gegen Goldman wegen Betrugsverdachts ermittelt.

Die positive Quartalsbericht-Saison setzte sich am Mittag fort. Neben Goldman Sachs konnten auch Johnson & Johnson und Harley Davidson mit ihren Bilanzen überzeugen. Der US-Pharma- und Konsumgüterkonzern Johnson & Johnson steigerte den Gewinn deutlich von 3,5 auf über 4,5 Milliarden Dollar - oder 1,29 Dollar je Aktie (vor Sondereinnahmen). Analysten hatten zwei Cent weniger erwartet. Beim Kult-Motorradhersteller Harley Davidson brachen zwar Absatz, Umsatz und Gewinn erneut ein, die Anleger hatten aber Schlimmeres befürchtet. Die Harley-Davidson-Aktien legten rund zehn Prozent zu.

Ernüchternd fielen lediglich die Zahlen von Coca-Cola und Amgen aus. Der Brause-Konzern konnte zwar den Gewinn von 1,35 auf 1,61 Milliarden Dollar kräftig erhöhen, schaffte aber beim Umsatz nur ein Plus von fünf Prozent auf 7,53 Milliarden Dollar. Börsianer hatten sich mehr ausgerechnet. Absatzsteigerungen in den Schwellenländern kompensierten die Einbußen auf dem Heimatmarkt USA. Die Coca-Cola-Aktie notierte etwas leichter. Die hohen Erwartungen verfehlte ebenfalls der Biotech-Konzern Amgen. Der Gewinn schrumpfte um elf Prozent auf 217 Millionen Dollar, während der Umsatz um sieben Prozent auf 1,1 Milliarden Dollar stieg. Das Multiple-Sklerose-Mittel Tysabri verkaufte sich weniger gut als erwartet.

Konjunktur-Zuversicht in Deutschland steigt
Gestützt wurde der Markt zusätzlich durch den ZEW-Index. Das Konjunkturbarometer fiel mit einem Anstieg im Monatsvergleich von 44,5 auf 53,0 Punkten überraschend positiv aus. Volkswirte hatten im Schnitt nur einen Anstieg auf 45,1 Zähler erwartet. "Die Finanzexperten schauen optimistischer auf das Jahr", kommentierte Volkswirtin Ulrike Karstens von Sal. Oppenheim die Entwicklung.

Rekord-Risikoaufschlag für griechische Anleihen
Da geriet die Griechenland-Krise in den Hintergrund. Dabei gibt es neuen Anlass zur Sorge. Offenbar will Griechenland notfalls in wenigen Wochen die Reißleine ziehen und den europäischen Rettungsschirm aktivieren. "Entweder leihen wir uns das Geld am Markt oder bei unseren Partnern", sagte der griechische Finanzminister einen Tag vor dem Athener Treffen mit Vertretern von EU und IWF. Das Misstrauen der Anleger gegenüber Griechenland wuchs weiter. Am Dienstag stieg der Risikoaufschlag (Spread) für zehnjährige griechische Staatsanleihen im Vergleich zu Bundesanleihen mit gleicher Laufzeit auf 484 Basispunkte. Das ist der höchste Aufschlag seit Einführung des Euro. Der IWF warnte derweil, dass die Schuldenberge reicher Länder die angelaufene Konjunkturerholung bedrohe. Kleiner Trost: Das Bankensystem sei auf dem Wege der Gesundung.

Atempause für Luftfahrtaktien
Die vom isländischen Vulkan Eyjafjallajökull verursachte Aschewolke blieb zwar ein heiß diskutiertes Thema unter den Anlegern, inzwischen macht sich aber ein Stück Entspannung bemerkbar. Aktien von Lufthansa, Fraport und Air Berlin gingen auf Erholungskurs, nachdem der Flugverkehr teilweise wieder aufgenommen werden konnte. Bei gutem Wetter und am Tag dürfen die Airlines mit einer Ausnahmegenehmigung im Sichtflug fliegen. Der Luftraum an den Flughäfen Hamburg und Bremen wurde für die Zeit von 23 Uhr bis 2 Uhr komplett freigegeben. Für den übrigen deutschen Luftraum wurde die Sperrung bis Mittwoch zwei Uhr verlängert. Entwarnung kann aber noch nicht gegeben werden. Nach Einschätzung des Bankhauses Metzler dürfte das zeitweilige Flugverbot bis zu 0,3 Prozent Wirtschaftswachstum in Westeuropa kosten.

Salzgitter dreht an der Preisschraube
Zu den größten Dax-Gewinnern gehörte auch die Aktie von Salzgitter mit einem Plus von zwei Prozent. Deutschlands zweitgrößter Stahlkonzern plant, wegen der gestiegenen Rohstoff-Kosten seine Preise deutlich zu erhöhen. Salzgitter-Chef Wolfgang Leese kündigte auf der Hannover-Messe an, dass die jüngste Erhöhung der Preise um 80 Euro pro Tonne nicht ausreiche, um einen weiteren Anstieg der Rohstoff-Kosten abzufangen. Die Kosten für den Einkauf von Erz, Kohle und Schrott seien bereits im zweiten Quartal um rund 110 Euro pro Tonne Stahl gestiegen und würden im dritten Quartal erneut um 78 Euro zulegen. Derweil schraubte der Weltstahl-Verband seine Jahresprognose nach oben. So soll die globale Stahlnachfrage schon 2010 wieder das Niveau vor der Krise erreichen.

Conti-Tochter auf Wachstumskurs
Zu den größten Gewinnern im MDax gehörten die Conti -Papiere mit einem Plus von über fünf Prozent. Zu den Kursgewinnen trug die Tochter ContiTech bei. Sie peilt im laufenden Jahr nach ihrer Restrukturierung ein Wachstum von fünf Prozent an, der Ertrag soll noch stärker zulegen. Die Nachfrage aus der Autoindustrie nehme wieder zu. ContiTec stellt vor allem Spezialschläuche her.

Delticom übertrifft sich selbst
Erfreuliche Nachrichten verbreitete auch der Online-Reifenhändler Delticom. Dank guter Geschäfte mit Winterreifen im Februar und Sommerreifen im März kletterten die Umsätze im ersten Quartal um 45 Prozent auf 74 Millionen Euro. Vor einer Woche hatte sich Delticom-Finanzchef Frank Schuhardt noch bescheidener geäußert und lediglich ein Umsatzplus von gut einem Fünftel angekündigt. Der SDax-Wert gewann knapp fünf Prozent und erreichte mit 37 Euro ein neues Hoch.

EADS meldet sich zurück
Im Rennen um den milliardenschweren US-Auftrag zum Bau von Tankflugzeugen scheint der europäische Luftfahrt- und Rüstungskonzern EADS offenbar noch nicht aufgegeben zu haben. Kreisen zufolge wird das Unternehmen nun doch ein Angebot abgeben. Die Frist zur Abgabe der Offerte soll angeblich bis zum 9. Juni verlängert werden. Die EADS-Aktien notierten zwei Prozent höher.

MTU im Aufwind
Auf eine Erholung der Luftfahrtbranche setzt der Triebwerkshersteller MTU. Für das zweite Halbjahr rechnet der Vorstand mit einem verbesserten Umfeld. Deshalb bekräftigte MTU die Prognose, 2010 beim Umsatz und Ergebnis auf Vorjahresniveau zu enden. Im ersten Quartal sank zwar der Umsatz im ersten um acht Prozent auf 640 Millionen Euro, der Gewinn und die Auftragslage verbesserten sich aber. Die MTU-Aktie legte leicht zu.

Kritik an Pumas Safari- und Handy-Ausflug
Viel Erklärungsbedarf gab's für Puma-Chef Jochen Zeitz auf der Hauptversammlung. Er musste den Aktionären klar machen, warum die Dividende von 2,75 Euro je Aktie auf 1,80 Euro gekürzt wurde. Auch zum Ausflug in neue Bereiche wie dem Handy-Geschäft oder Safari-Reisen (über die Beteiligung an einem Safari-Anbieter in Botsuana) musste sich Zeitz gegenüber kritischen Aktionärsschützern äußern. Die Bereiche passen ideal zur Positionierung von Puma als nachhaltiges Sportlifestyle-Unternehmen, meinte er. Aktionärsschützer fanden dagegen, Puma solle sich mehr aufs Kerngeschäft konzentrieren. Die Puma-Aktie gewann zwei Prozent.

Bauer am MDax-Ende
Schlusslicht im MDax war Bauer. Der Spezialtiefbaukonzern veröffentlichte enttäuschende Jahreszahlen. Der Gewinn brach um 61 Prozent auf 42 Millionen Euro ein, der Umsatz schrumpfte um 16 Prozent auf 1,28 Milliarden Euro. Die Dividende wird von 1,00 auf 0,60 Euro je Aktie gekürzt. Die Prognose fiel ziemlich gedämpft aus. Insbesondere das erste und zweite Quartal werden sich wohl schwach entwickeln, kündigte Bauer an. Für das Gesamtjahr wird lediglich ein Gewinn von 40 Millionen Euro angepeilt.

Axel Springer profitiert vom anziehenden Werbegeschäft
Heiß begehrt waren im SDax die Aktien von Axel Springer. Sie sprangen um fünf Prozent nach oben. Der Medienkonzern legte am Dienstagnachmittag erste Quartalszahlen vor und hob die Prognose für das Gesamtjahr an. Dank der Erholung des Werbegeschäfts stieg im ersten Quartal das Ergebnis vor Zinsen, Steuern und Abschreibungen um fast 50 Prozent auf über 93 Euro.

Conergy verschiebt Hauptversammlung
Im TecDax waren am Dienstag vorwiegend Solarwerte gefragt. Einzige Ausnahme: Conergy. Wegen der andauernden Verhandlungen mit Banken um die Finanzierung hat die Solarfirma ihre für den 26. Mai geplante Hauptversammlung verschieben müssen. Die Aktie drehte ins Minus und notierte zwei Prozent tiefer.

Nordex verliert Großaktionär
TecDax-Schlusslicht war aber die Aktie von Nordex. Die Papiere des Windanlagenbauers büßten 2,5 Prozent ein. Schuld daran ist die Beteiligungsgesellschaft CMP Capital Managements. Sie verkauft rund 6,35 Millionen Aktien von Nordex, wie die beauftragte Investmentbank Barclays bekannt gab. Damit steigt ein weiterer Großaktionär bei Nordex aus. Da konnten auch neue Statistiken über den boomenden Windenergie-Markt nicht helfen. 2009 wurden Windenergieanlagen mit einer Leistung von über 38.000 Megawatt neu installiert - ein Plus von 42 Prozent gegenüber dem Vorjahr.

Filmriss beim Studio Babelsberg
Noch deutlicher nach unten ging es mit den Aktien des Studio Babelsberg. Sie brachen um 16 Prozent ein. Trotz Filmerfolgen und Oscar-Prämierungen machte die Gruppe im vergangenen Jahr einen Verlust von 2,4 Millionen Euro. Im Vorjahr hatte es noch ein positives Ergebnis von fast drei Millionen Euro gegeben. Als Grund nannte das Film-Studio die Folgen der Finanzkrise und eines Streiks amerikanischer Gewerkschaften sowie das Ende einer langlaufenden Fernsehproduktion.

Kizoo erhöht Prognose
Dagegen konnten die Aktien von Kizoo kräftig um fast sieben Propzent auf 8,60 Euro zulegen. Das Karlsruher Unternehmen, das früher Web.de hieß, erhöhte seine Jahresprognose. Nach dem Verkauf von einem Drittel ihres United-Internet-Aktienpakets erwartet Kizoo ein Jahresergebnis von mehr als 50 Millionen Euro - statt wie ursprünglich angepeilt 25 Millionen Euro.

Machtwechsel bei Fiat
Einen kräftigen Kurssprung verzeichneten Fiat-Aktien. Sie legten knapp sieben Prozent zu, zeitweise war der Handel mit den Papieren ausgesetzt. Neben der positiven Stimmung in der Autobranche sorgte auch der Generationswechsel an der Spitze des Konzerns für Euphorie unter den Anlegern. Agnelli-Enkel John Elkann wird voraussichtlich neuer Präsident des italienischen Autobauers. Der erst 34-jährige Kronprinz soll Luca Cordero di Montezemolo ablösen. Kreisen zufolge will Fiat am Mittwoch eine neue Strategie präsentieren und die Abspaltung seiner Automobil-Sparte bekannt geben.

Novartis im Grippe-Fieber
Kursgewinne gab es auch bei der Novartis-Aktie. Der Schweizer Pharmakonzern hat seinen Gewinn zu Jahresbeginn von 1,97 auf 2,94 Milliarden Dollar in die Höhe geschraubt. Der Umsatz wuchs von 9,7 auf 12,1 Milliarden Dollar. Grund waren gute Verkaufszahlen von Impfstoffen und neuen Medikamenten.

Dax-Chart realtime

Tagestermine am Mittwoch, 19. September

Unternehmen
Manchester United: Q4-Zahlen
Adecco: Investor Day, 7 Uhr

Konjunktur:
Japan: Zinsentscheid der Bank von Japan
USA: Wohnbaubeginne, August, 14:30 Uhr
USA: Leistungsbilanz Q2, 14:30 Uhr