Marktbericht 20 Uhr

US-Job-Bericht gefällt Anlegern doch Dax im wundersamen Sinneswandel

Stand: 02.10.2015, 20:00 Uhr

Schwächezeichen vom US-Arbeitsmarkt haben erst die Konunkturangst belebt. Dann kam Investoren der Gedanke, dass die amerikanische Notenbank Fed nun vielleicht erstmal die Hände in den Schoß legt.

Natürlich mag es die Aktienwelt nicht, wenn die US-Wirtschaft schwächelt. Und es gab in den letzten Wochen zu viele Schwächezeichen. Der heute Nachmittag veröffentlichte US-Arbeitstmarktbericht setzte dahinter noch ein Ausrufezeichen. Es wurden nur 142.000 Stellen neu geschaffen, erwartet worden waren aber 203.000. Zudem wurd noch der Zuwachs für die Vormonate nach unten korrigiert, und viele andere Daten vom Jobmarkt signalisierten Negatives: die Zahl der Wochenarbeitsstunden, die Stundenlöhne, die Überstunden.

US-Zinserhöhung erst 2016?

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Allerdings hat all das auch eine gute Seite für den Aktienmarkt: Die US-Notenbank könnte die für Dezember erwartete Zinserhöhung noch einmal hinausschieben. Schon wird an den Terminmärkten die Wahrscheinlichkeit der Zinswende im März 2016 auf 50 Prozent taxiert. Und so ging der Dax heute nach einem kurzen Ausflug ins Minus am Ende doch noch mit einem Plus von 0,5 Prozent aus dem Handel. Schlussstand: 9.553,07 Punkte. Der L-Dax baute die Gewinne weiter aus, stieg auf 9.604 Punkte.

Auch am Devisenmarkt waren die Ausschläge heftig. Der Euro schoss direkt nach dem Arbeitsmarktbericht um anderthalb Cent aufwärts, von 1,1155 auf 1,1315 Dollar, fiel aber später wieder zurück. Der Goldpreis stieg um ein halbes Prozent auf 1.141 Dollar je Feinunze.

Was bringt die Berichtssaison?

Das Blatt kann sich aber schnell wenden. Zum einen sind die US-Arbeitsmarktdaten notorisch unzuverlässig und volatil, wie Christian Jasperneite von M.M. Warburg anmerkt. Man sollte daher die Entwicklung im September nicht überbewerten. "Sollte sich der negative Trend der letzten Tage und Wochen aber fortsetzen, könnte dies die Weltkonjunktur in eine fragile Situation bringen", so der Chef-Anlagestratege der Hamburger Privatbank. "Von daher erhoffen wir uns von der kommenden Berichtssaison einen tieferen Einblick in die aktuelle ökonomische Situation, die sich derzeit leider vergleichsweise diffus darstellt."

Klarheit wäre hilfreich

Anlegern macht auch das dauernde Rätselraten um den Zeitpunkt der Zinswende zu schaffen. "Das schafft Unsicherheit", sagte Marktanalyst Peter Cardillo vom Vermögensverwalter Rockwell. Ein baldiger Zinsschritt würde hingegen aus Sicht von Marktteilnehmern dahingehend gedeutet, dass die Fed auf die Konjunkturerholung vertraue.

Wall Street im Plus

Auch die Wall Street hat sich am Freitag zu einer positivn Lesart des US-Arbeitsmarktberichtes durchgerungen. Nach einem schwachen Start drehten die wichtigsten Indizes ins Plus. Der Blick der Händler richtet sich nun auf die Quartalsberichte der US-Unternehmen, die von der kommenden Woche an anstehen. Der Dow Jones liegt zur Stunde 0,2 Prozent im Plus.

Schlusslicht Volkswagen

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VW-Vorzüge tendierten am Dax-Ende schwach und haben im Tagesverlauf bei 90,70 Euro ein neues Jahrestief und gleichzeitig den tiefsten Stand seit Oktober 2011 markiert. Die DZ Bank sieht die Aktie noch tiefer fallen: auf 78 Euro. Mit Blick auf die fortgesetzt negativen Nachrichten zum Wolfsburger Autobauer rechne er mit negativen Effekten auf die Absatzentwicklung, so Analyst Michael Punzet. Die finanziellen Risiken seien aus heutiger Sicht kaum abschätzbar. Am Morgen war bekannt geworden, dass es nun auch in Deutschland die erste Klage gegen das Unternehmen gibt. Eine riesige Klagewelle ist zu erwarten.

Versorger weiter mit politischem Rückenwind

Gefragt waren im Dax hingegen erneut die Versorger nach Äußerungen von Wirtschaftsminister Sigmar Gabriel vom Vortag. "Es wird eine Debatte über ausreichende Reserven bei Versorgern zur Erfüllung der Verpflichtungen nach dem Ausstieg aus der Atomkraft auch in wirtschaftlich schwierigen Zeiten geben", zitierte die Finanznachrichtenagentur "Bloomberg" den Vizekanzler.

Lufthansa gehören ebenfalls zu den Tagessiegern und setzen damit ihren Lauf der vergangenen Tage fort. Gestützt wird das Papier der Kranichairline zudem von einer frischen Kaufempfehlung der Investmentbank HSBC.

US-Autoabsatz brummt

Freie Fahrt heißt es in Amerika für den boomenden Automarkt im September. Alle großen Hersteller legten zum Teil deutlich zu. Unter den deutschen Anbietern war die VW-Tochter Porsche mit plus 22,7 Prozent Spitzenreiter, BMW und Daimler legten prozentual einstellig zu. Nach Aussagen von BMW-Chef Harald Krüger dürfte die VW-Abgaskrise die deutsche Industrie nicht nachhaltig beschädigen.

Bei VW stagnierten die Absätze trotz der Diesel-Affäre. Konzerntochter Audi setzte einen weiteres Highlight mit einem Absatzplus von 16,2 Prozent. Es war der 57. Rekordmonat in Folge. Laut Experten profitiert der Automarkt derzeit von niedrigen Zinsen und Sprit-Preisen.

Auch für Deutschland wurden Absatzzahlen für den September bekannt. Danach lag das Absatzplus im Jahresvergleich bei fünf bis sechs Prozent auf insgesamt 275.000 Einheiten. Auch seit Jahresanfang lag das Absatzplus in gleicher Größenordnung, hieß es aus Kreisen, die mit der Absatzstatistik vertraut sind. Negative Auswirkungen auf Volkswagen seien nicht zu erkennen gewesen, hieß es weiter.

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Neuer Chef bei Aurubis

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Die Kupferhütte Aurubis, einziger börsennotierter Rohstoffwert auf dem deutschen Kurszettel aus dem MDax, bekommt mit Jürgen Schachler einen neuen Chef. Er löst Bernd Drouven ab, der am 1.11. in den Aufsichtsrat zurückkehrt. Drouven stand ein Jahr an der Aurubis-Spitze. Die Aktie reagierte kaum.

GrenkeLeasing ist zufrieden

Das Leasing-Unternehmen aus dem SDax berichtete über einen weiterhin guten Geschäftsverlauf im dritten Quartal und setzte damit die gute Entwicklung des ersten Halbjahres fort. Nach neun Monaten stieg das Neugeschäftsvolumen um 23 Prozent auf 1,205 Milliarden Euro. Die Aktie konsolidiert derzeit auf hohem Niveau, nachdem sie zuvor sehr gut gelaufen war.

Realtech kassiert Jahresprognose

Das Software- und SAP-Beratungshaus Realtech hat seine Gewinnprognose für 2015 zurückgezogen. Vor allem wegen ausbleibender Umsätze im Software-Geschäft und hoher Fluktuation eird das Ebit nun negativ: zwischen minus zwei und drei Millionen Euro werden erwartet. Bisher war ein Ergebnis zwischen null und einer Million Euro erwartet worden. Im dritten Quartal 2015 ging der Umsatz zurück, bei einem Ebit von minus 1,0 Millionen Euro.

Carl Zeiss Meditec gefragt

Im TecDax legte die Aktie des Medizintechnikunternehmens deutlich zu. Dies, nachdem die Thüringer am Vorabend nach Börsenschluss erklärt hatten, dass die Umsatzprognose für das Geschäftsjahr 2014/15 wohl übertroffen wird. Bisher war man von 960 Millionen Euro ausgegangen, nun sind es 1,04 Milliarden Euro, ein Plus im Jahresvergleich von 14 Prozent. Vor allem positive Wechselkurseffekte hätten die Entwicklung begünstigt. Beim Ergebnis soll sich die angepeilte Ebit-Marge zwischen 13 und 15 Prozent aber eher am unteren Ende bewegen.

Telekom-Tochter ist Opfer eines Hacker-Angriffs

Hacker haben sensible Daten von über 15 Millionen Kunden der Telekom-Tochter T-Mobile US erbeutet. T-Mobile-Chef John Legere räumte am Donnerstag ein, Opfer einer heftigen Cyber-Attacke geworden zu sein. Der Angriff erfolgte nicht auf die Server von T-Mobile selbst, sondern auf die Rechner des Dienstleisters Experian. Das irische Unternehmen checkt weltweit die Kreditwürdigkeit von Kunden.

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Es rumpelt bei den Börsengängen

Scout24: Kursverlauf am Börsenplatz Xetra für den Zeitraum Intraday
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In dem schwachen Börsenumfeld haben es die Neuzugänge schwer. Scout24 konnte sich heute immer noch nicht über den Emissionspreis von 30 Euro hieven. Immerhin hat der Online-Kleinanzeigenbetreiber den Börsengang überhaupt über die Bühne gebracht, und die Deutsche Telekom hat dadurch rund 400 Millionen Euro eingenommen.

Covestro-Aktien zu 24 Euro

Die anderen Börsenaspiranten haben es dagegen schwerer. Bayer musste ziemliche Zugeständnisse bei Preis und Größe des Börsengangs machen, um Anleger für die Tochter Covestro zu begeistern. Jetzt wurde ein Preis von 24 Euro je Aktie festgelegt. Große Investoren in New York, London und Frankfurt waren nicht bereit, die Aktien zum ursprünglichen Preis von 26,50 bis 35,50 Euro zu ordern. Eine Gewinnwarnung des US-Rivalen Huntsman und eine Abschwächung des BASF-Kurses machten nicht gerade Appetit auf Covestro.

Schaeffler zögert, Chorus startet neu

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Auch Schaeffler kommt bei Investoren nicht gut an. Der Börsengang findet nun doch nicht, wie ursprünglich geplant, am kommenden Montag statt, sondern ein paar Tage später. Wann genau, wurde nicht verraten. Institutionelle Anleger wie Aktien-, Pensionsfonds und Versicherungen hätten wegen des VW-Skandals mehr Zeit zur Prüfung gebraucht, hieß es in gut informierten Kreisen. Chorus Clean Energy nimmt nun knapp drei Monate nach dem ersten Versuch erneut Anlauf an die Börse. Die Aktien wurden zu 9,75 Euo ausgegeben. Erster Tag an der Börse soll Mittwoch sein.

bs

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Auf diese IPOs dürfen wir uns freuen Börsenpipeline 2015

Schaeffler-Unternehmenszentrale in Herzogenaurach

Schaeffler

Tagestermine am Montag, 17. Dezember

Unternehmen:
Hennes & Mauritz: Q4-Umsatz, 08:00 Uhr

Konjunktur:
EU: Handelsbilanz 10/18, 10:00 Uhr
EU: Verbraucherpreise 11/18 (vorl.), 11:00 Uhr
USA: Empire-State-Index 12/18, 14:30 Uhr
USA: NAHB-Index 12/18, 16:00 Uhr