Dax im Würgegriff der Eurokrise

Stand: 30.05.2012, 19:51 Uhr

Eine Fülle negativer Nachrichten aus den hoch verschuldeten Eurozonen-Staaten sowie schwache US-Daten haben den deutschen Aktienmarkt am Mittwoch kräftig ins Minus gedrückt.

In der Spitze sackt um fast 140 Punkte oder mehr als zwei Prozent auf 6.258 Punkte ab. Danach kommt es zwar zu einer leichten Gegenbewegung, doch insgesamt sieht die Bilanz des Tages düster aus: der Dax verliert 1,8 Prozent (116 Punkte) und schließt bei 6.280.

Nur die Aussage der EU-Kommission, eine direkte Rekapitalisierung strauchelnder spanischer Banken durch den Rettungsschirm ESM prüfen zu wollen, sorgte am frühen Nachmittag für Aufwind. Der Dax sprang zeitweise um fast 100 Punkte in die Höhe auf 6.392 Zähler, bevor es wieder talwärts ging.

"Die Euro-Krise hat die Märkte wieder voll im Griff", sagte Kapitalmarktexperte Robert Halver von der Baader Bank. Spanien habe massive Probleme, bekomme seine Einsparziele vor 2014 nicht in den Griff. "Fundamentale Faktoren werden derzeit am Markt komplett ausgeblendet", so Halver. Die Politik müsse nun sofort zu einer Lösung kommen, mit einer Stimme sprechen und klare Rettungswege aus der Krise aufzeigen.

Wie hoch die Unsicherheit derzeit ist, zeigt sich auch am Anleihen- und Devisenmarkt. In Italien verlief eine Versteigerung neuer Papiere mit fünf- und zehnjähriger Laufzeit enttäuschend. In Spanien stieg die Rendite einer Fünfjahresanleihe erstmals seit Ende November über sechs Prozent. Umgekehrt sorgt die Flucht der Anleger in deutsche Staatsanleihen sorgt für immer kuriosere Entwicklungen. Heute sank die Rendite für zweijährige deutsche Staatstitel erstmals auf null Prozent.

Euro unter 1,24 Dollar
Derweil ist der Euro auf den tiefsten Stand seit fast zwei Jahren gefallen. Zunächst hatten unerwartet schwache Konjunkturdaten die Gemeinschaftswährung unter Verkaufsdruck gesetzt. Kurz vor Börsenschluss rutscht der Euro sogar leicht unter die Schwelle von 1,24 Dollar. Am Vortag hatte die Europäische Zentralbank (EZB) den Referenzkurs noch bei 1,2523 (Montag: 1,2566) Dollar festgesetzt.

Auch in den USA haben die Sorgen über die sich zuspitzende Lage in der Eurozone die Börsen in Mitleidenschaft gezogen. Kurzfristig drückten zudem schwache Daten vom Immobilienmarkt noch weiter auf die Kurse. Der Dow Jones Industrial notiert bei Börsenschluss in Frankfurt gut ein Prozent im Minus bei 12.442 Punkten.

In den USA sind die noch nicht vollständig abgeschlossenen Hausverkäufe im April stark zurückgegangen. Im Monatsvergleich sank die Zahl um 5,5 Prozent. Das ist der stärkste Rückgang seit einem Jahr. Volkswirte hatten mit einer Stagnation gerechnet.

Ceconomy ST: Kursverlauf am Börsenplatz Xetra für den Zeitraum Intraday
Kurs
6,24
Differenz relativ
-1,08%

Metro einsamer Gewinner
Im Dax ist die Aktie des Handelskonzerns Metro der einzige Gewinner. Grund ist der Verkauf der britischen Großhandelsfirma Makro an die Booker Group. Die Transaktion hat einen Wert von insgesamt 139,7 Millionen britische Pfund. Makro UK hatte im vergangenen Jahr 766 Millionen Pfund umgesetzt und laut Metro die Erwartungen nicht erfüllt.

Thyssenkrupp: Kursverlauf am Börsenplatz Xetra für den Zeitraum Intraday
Kurs
20,35
Differenz relativ
-0,54%

Voestalpine drückt ThyssenKrupp
Größter Verlierer ist die Aktie von ThyssenKrupp. Damit büßen die Essener für die enttäuschenden Aussagen des österreichischen Konkurrenten Voestalpine. Dieser erwartet wegen der Wirtschaftsflaute in Teilen Europas im laufenden Geschäftsjahr nur ein stagnierendes Betriebsergebnis. Grund dafür sind maue Geschäfte im Stahlbereich. Bereits im vergangenen Winter litt die Sparte unter der Zurückhaltung vieler Kunden.

Volkswagen VZ: Kursverlauf am Börsenplatz Xetra für den Zeitraum Intraday
Kurs
152,90
Differenz relativ
-0,96%

Autos leiden unter Konjunktursorgen
Zu den größten Verlierern im Dax gehören auch die BMW und Volkswagen. Händler sprachen von Gewinnmitnahmen und zunehmenden Konjunktursorgen. Zudem lasse die China-Fantasie etwas nach. Chinesische Ökonomen sind der Meinung, dass es derzeit hauptsächlich um die Stabilisierung des Wachstums gehe und nicht darum, die Konjunktur wie 2008 mit einem massiven Stützungsprogramm anzukurbeln.

Lufthansa: Kursverlauf am Börsenplatz Xetra für den Zeitraum Intraday
Kurs
23,19
Differenz relativ
-0,26%

Lufthansa will entlassen
Besser als der Gesamtmarkt hält sich die Aktie der Lufthansa. Sie verliert nur 0,6 Prozent. Die Fluggesellschaft plant offenbar bei ihrer Catering-Tochter LSG Sky Chefs fast 1.000 Stellen abzubauen, davon alleine 600 in Frankfurt. Eine LH-Sprecherin sprach von "möglichen Worst-Case-Szenarien". Bereits Anfang des Monats hatte Lufthansa bekannt gegeben, in Deutschland 2.500 Jobs in der Verwaltung streichen zu wollen. Die Maßnahmen sind Teil des umfangreichen, 1,5 Milliarden Euro schweren Sparpaketes der Fluglinie, mit der sie sich im harten Wettbewerb behaupten will.

Stada enttäuscht trotzdem
Kräftig unter Druck ist dagegen die Aktie des Arzneimittelherstellers Stada aus dem MDax. Dabei kommt das Unternehmen mit seinem planmäßigen Stellenabbau schneller als erwartet voran. Man gehe davon aus, dass man die angepeilten 800 Vollzeitstellen bereits in diesem Jahr und nicht erst 2013 erreichen werde, sagte Vorstandschef Hartmut Retzlaff auf der heutigen Hauptversammlung.

Mit den Sparmaßnahmen will Stada den Jahresgewinn auf rund 215 Millionen Euro (2011: 22 Millionen) Euro steigern. Am Ende des ersten Quartals 2012 hatte der Konzern gut 7800 Mitarbeiter.

Catoil rutscht ab
Ins Minus gerutscht ist auch die Catoil-Aktie, nachdem sie nach Zahlen zunächst zu den größten Gewinnern im SDax gehörte. Die Ölbohrfirma hat im ersten Quartal einen Gewinn von 2,5 Millionen Euro erzielt und damit die Analystenerwartungen deutlich übertroffen. Firmenchef Manfred Kastner sprach von einem guten Start ins neue Jahr und gab sich zuversichtlich für den weiteren Geschäftsverlauf.

Deag trotzt der Talfahrt
Unverändert notiert die Aktie des Konzertveranstalters Deag. Die Firma hat im ersten Quartal Umsatz und Ergebnis kräftig gesteigert. Im Ausblick gibt sich das Unternehmen optimistisch, vor allem hinsichtlich des saisonal wichtigen vierten Quartals.

Kinghero auf Wachstumskurs
Nur leicht aufwärts geht es mit der Aktie des chinesischen Bekleidungsherstellers. Der Umsatz stieg im ersten Quartal um 36 Prozent auf 24,8 Millionen Euro, das Ebit lag bei 6,5 Millionen Euro. Dies entspricht einer Ebit-Marge von 26,2 Prozent. Kinghero erwartet im laufenden Jahr eine Fortsetzung des Wachstums.

Deutsche Forfait mit gutem Start
Auch das Papier von Deutsche Forfait kommt leicht voran. Der Spezialist für den Handel mit Forderungen hat im ersten Quartal 0,7 Millionen Euro verdient - das beste Ergebnis seit dem ersten Quartal 2010.

Facebook unter 30 Dollar
Facebook haben ihre Talfahrt in New York zunächst gestoppt. Nach einem schwachen Handelstart drehten die Papiere ins Plus und notierten 1,6 Prozent fester bei 29,31 Dollar. Die Technologiebörse Nasdaq verlor 1,2 Prozent. Am Dienstag waren die Anteilsscheine des Online-Netzwerks um bis zu zehn Prozent auf 28,65 Dollar abgerutscht und wurden damit deutlich unter dem Ausgangskurs von 38 Dollar vom 18. Mai gehandelt.

RIM brechen ein
Aktien von Research in Motion (RIM) sind nach einer vorabendlichen Gewinnwarnung des Blackberry-Herstellers deutlich eingebrochen. Die an der Nasdaq gelisteten Titel, die ohnehin seit gut eineinhalb Jahren fast nur noch die Richtung abwärts kennen, verloren zuletzt 8,28 Prozent auf 10,30 US-Dollar. Zuvor waren die Papiere kurz nach Börseneröffnung auf ein Tagestief bei 10,01 Dollar gefallen.

Dax-Chart realtime

Tagestermine am Montag, 24. September

Unternehmen:
Lonza Group: Kapitalmarkttag
Deutsche Börse: Regeländerungen für die Indizes MDax, TecDax und SDax sowie die Indexänderungen werden wirksam

Konjunktur:
Deutschland: Ifo-Geschäftsklimindex 9/18, 10:00 Uhr
USA: CFNA-Index 8/18, 14:30 Uhr

Sonstiges:
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