Marktbericht 20:02

Zeitweise Verluste von mehr als zwei Prozent Dax im Visier der Bären

Stand: 31.01.2014, 20:02 Uhr

Die Angst vor einer Krise in den großen Schwellenländern wie Indien, Brasilien oder Südafrika haben den Dax am Freitag ins Wanken gebracht. Zeitweise büßte der Leitindex mehr als 200 Punkte ein. Nur die Investoren aus Amerika verhinderten Schlimmeres.

Nachdem die Anleger an der Wall Street deutlich besonnener agierten und sich die Verluste im Dow Jones verringerten, ging es auch in Frankfurt wieder bergauf, so dass der Dax am Handelsende mit einem Verlust von "nur" 0,71 Prozent oder 67 Punkten aus dem Handel geht, bei 9.306.

Danach hatte es nur wenige Stunden allerdings gar nicht ausgesehen. Plötzlich aufkommende Panik wegen der Kapitalflucht aus den Schwellenländern der daraus resultierenden Angst vor einer wirtschaftlichen Krise hatten den deutschen Leitindex am frühen Freitagnachmittag um über 200 Punkte auf 9.166 Zähler in den Keller rauschen lassen.

Auf Wochenbasis büßt der Dax damit 0,91 Prozent ein - nach bereits über dreieinhalb Prozent in der Vorwoche. Für den Januar summieren sich die Verluste auf 2,57 Prozent.

"Die Turbulenzen in den Schwellenländern erweisen sich als hartnäckiger Belastungsfaktor", sagte LBBW-Analyst Berndt Fernow. "Wichtig ist jetzt, dass die gesamte Weltkonjunktur nicht den Faden der Erholung verliert und ins Straucheln gerät", ergänzte sein Kollege Jens Klatt vom Brokerhaus FXCM.

Die Schwellenländer erleben derzeit einen massiven Kapitalabfluss, weil die Straffung der US-Geldpolitik Investitionen in Amerika - aufgrund höherer Zinsen - wieder attraktiver macht. Viele Währungen in den aufstrebenden Ländern gerieten daher zuletzt in einen Abwertungswettlauf.

Enttäuschende Einzelhandelsumsätze

Für Enttäuschung sorgten auch schwache deutsche Einzelhandelsdaten. Tatsächlich ist Umsatz im Weihnachtsgeschäft gegenüber dem Vorjahr preisbereinigt (real) um 2,4 Prozent zurückgegangen. Ökonomen hatten mit einem Anstieg um 1,9 Prozent gerechnet. Befeuert wurde die Abwärtsstimmung an den Börsen auch von der überraschend auf 0,7 Prozent gesunkenen Inflationsrate in der Eurozone. Dieser schwache Preisauftrieb könnte die EZB unter Zugzwang setzen, ihre Geldpolitik weiter zu lockern.

Auch an der Weltleitbörse in New York geht es zunächst kräftig bergab. Der Dow Jones-Index verliert zeitweise 230 Punkte auf 15.617 Zähler. Doch im weiteren Handelsverlauf besinnen sich die Anleger wieder und der Dow kann seine Verluste reduzieren. Bei Börsenschluss hierzulande notiert der Dow noch 0,41 Prozent im Minus bei 15.783 Zählern.

Euro in US-Dollar: Kursverlauf am Börsenplatz Forex vwd für den Zeitraum Intraday
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Die Aussicht auf einen sinkenden Leitzins hat auch den Druck auf den Euro erhöht. Bei Börsenschluss in Frankfurt hatte sich die Gemeinschaftswährung zwar wieder über die Schwelle von 1,35 Dollar hekämpft, notiert damit aber immer noch fast einen Cent weniger als das Tageshoch.

Wal-Mart kassiert Prognose

Als Belastung erweist sich auch eine Gewinnwarnung des weltgrößten Einzelhändlers Wal-Mart. Dem hat der heftige Wintereinbruch im Januar das Geschäft verhagelt. Im vierten Geschäftsquartal 2013/14 (Ende Januar) werde bestenfalls das untere Ende der Prognosespanne beim bereinigten Gewinn je Aktie von 1,60 bis 1,70 Dollar erreicht. Vielleicht falle das Ergebnis auch noch etwas schwächer aus. Denn auch im Weihnachtsgeschäft blieb der Konzern hinter den eigenen Erwartungen zurück.

Stresstest belastet Bankenwerte

Angesichts strengerer Stresstest-Kriterien sind die europäischen Bankenwerte am Freitag tief ins Minus gerutscht. Im Dax rutschten die Titel der Commerzbank zeitweise um 5,8 Prozent ab, Deutsche Bank büßten mehr als vier Prozent ein. Europas Großbanken müssen beim bald beginnenden europaweiten Stresstest höhere Hürden nehmen als bei früheren Prüfungen. Händler führten den Kursrutsch aber auch auf den insgesamt sehr nervösen Handel zurück.

Fresenius abgewertet

Auch die Fresenius-Aktie gehört zu den schwächsten Werten im Dax. Die Schweizer Bank Credit Suisse hat den Wert von "Outperform" auf "Neutral" abgestuft, das Kursziel aber von 109 auf 117 Euro angehoben. Denn der zuständige Analyst blickt mit seinen Gewinnschätzungen nun ein Jahr weiter nach vorne.

Eon und RWE behaupten sich

Zu den wenigen Gewinnern im Dax gehört der Versorger Eon. In dessen Schlepptau hält sich auch RWE besser. Die US-Investmentbank Goldman Sachs hat die Einstufung für Eon auf "Buy" und der "Conviction Buy"-Liste belassen. Der Versorger erwarte im Stromnetzbetrieb bis zum Jahr 2018 wegen der zusätzlichen Anschlüsse für erneuerbare Energien und Kostenkontrolle ein höheres Ergebnis, schrieb Analystin Deborah Wilkens. JPMorgan-Analystin Nathalie Casali sagte, die Ergebnisse für das vergangene Jahr könnten besser ausfallen als befürchtet.

Bechtle übertrifft sich selbst

Aufwärts geht es auch mit der Aktie des IT-Dienstleisters Bechtle. Das TecDax-Unternehmen hat 2013 das beste Ergebnis seiner Geschichte erreicht. Der Umsatz wuchs nach vorläufigen Zahlen um acht Prozent auf 2,27 Milliarden Euro. Vor Steuern blieben rund 89 Millionen Euro hängen - ein Plus von zwölf Prozent. Das Unternehmen verwies auf ein "exzellentes viertes Quartal".

GfK enttäuscht

Kräftig abwärts geht es mit dem Papier des Marktforschungsunternehmens GfK. Die Firma hat im vergangenen Jahr einen leichten Umsatzrückgang um 1,3 Prozent auf knapp unter 1,5 Milliarden Euro verbucht. Grund waren Währungseffekte, die die Erfolge im internationalen Geschäft kompensierten. Das angepasste operative Ergebnis kletterte 2013 um 1,5 Prozent auf 190 Millionen Euro.

Atoss fällt trotzdem

Einbußen verzeichnet auch die Aktie von Atoss Software. Dabei hat die Firma 2013 im achten Jahr in Folge Rekorde bei Umsatz und operativem Ergebnis erwirtschaftet. Der Umsatz erhöhte sich um acht Prozent auf 35,5 Millionen Euro und das operative Ergebnis wuchs mit elf Prozent zweistellig auf 8,4 Millionen Euro. Das Unternehmen rechnet für das laufende Jahr mit neuen Rekordwerten.

BBVA und Santander erholt

Besser als der Gesamtmarkt notieren dagegen die Aktien der beiden spanischen Großbanken BBVA und Santander. Weniger faule Kredite haben den beiden Geldhäusern 2013 einen Gewinnsprung beschert. Santander und BBVA sind im Ausland stark vertreten und konnten dadurch Belastungen daheim abfedern. Bei BBVA ist der mexikanische Markt besonders wichtig. Hier stieg der Gewinn um sieben Prozent auf 1,8 Milliarden Euro. Insgesamt kletterte der Überschuss 2013 um ein Drittel auf 2,2 Milliarden Euro.

Mastercard hinkt Visa hinterher

Im Konkurrenzkampf der Kreditkarten-Anbieter ist Mastercard zurückgefallen. Unter dem Strich stieg der Gewinn im vierten Quartal um vergleichsweise magere drei Prozent auf 623 Millionen Dollar. Ein Rechtsstreit mit US-Händlern, die über zu hohe Gebühren geklagt hatten, belasteten das Ergebnis. Hauptrivale Visa und auch American Express hatten ihre Gewinne deutlich kräftiger ausbauen können.

Chevron mit Gewinneinbruch

Deutlich abwärts geht es mit der Aktie von Chevron. Fallende Preise im Raffineriegeschäft haben dem Ölkonzern einen heftigen Gewinnrückgang eingebrockt. Im vierten Quartal brach der Überschuss unter dem Strich um fast ein Drittel auf 4,93 Milliarden Dollar ein. Analysten hatten allerdings mit einem so deutlichen Einbruch gerechnet. Zuvor hatten schon die Rivalen Exxon Mobil und Shell Gewinnrückgänge gemeldet.

Google bleibt Gewinnmaschine

Google-Aktien legen dagegen zu. Im Abschlussquartal 2013 verdiente Google 3,4 Milliarden Dollar und damit 17 Prozent mehr als im Vorjahr. Der Umsatz stieg prozentual ebenso stark auf 16,9 Milliarden. Die Deutsche Bank hat ihr Ziel für Google auf 1.310 Dollar angehoben, von 1.220 Dollar, und empfiehlt die Aktie zum Kauf.

Amazon wächst nicht schnell genug

Amazon: Kursverlauf am Börsenplatz Frankfurt für den Zeitraum Intraday
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Weniger gut kommt das Zahlenwerk des Internet-Handelsgiganten Amazon an. Ein Umsatzzuwachs im Weihnachtsquartal von 20 Prozent auf 25,6 Milliarden war Anlegern zu wenig. Die Amazon-Aktie verlor viereinhalb Prozent im späten Handel. Immerhin stieg der Nettogewinn um mehr als das Doppelte auf 239 Millionen. Allerdings hält Amazon im laufenden Vierteljahr wieder auch einen Verlust für möglich.

lg

Dax-Chart realtime

Tagestermine am Donnerstag, 20. September

Unternehmen:
Rocket Internet: Q2-Zahlen, 08:00 Uhr
Schaeffler: Kapitalmarkttag
Nfon: Q2-Zahlen
Ryanair: HV in Dublin
GlaxoSmithKline: HV
Micron Technology: Q4-Zahlen, nach US-Börsenschluss

Konjunktur:
Deutschland: Monatsbericht des Bundesfinanzministeriums, 08:00 Uhr
Schweiz: Zinsentscheid und geldpolitische Lagebeurteilung der Schweizerischen Nationalbank (SNB), 09:30 Uhr
USA: Wöchentliche Erstanträge auf Arbeitslosenhilfe, 14:30 Uhr
USA: Industrie-Index Philly Fed für September, 14:30 Uhr
USA: Frühindikatoren für August, 16:00 Uhr
USA: Wiederverkäufe Häuser für August, 16:00 Uhr
EU: Verbrauchervertrauen Euro-Zone, September, 16:00 Uhr

Sonstiges:
Salzburg: Informeller EU-Gipfel
Hannover: Eröffnung der IAA Nutzfahrzeuge 2018 (bis 27. September), mit Bundesverkehrsminister Scheuer
Frankfurt: 4. Konferenz für Finanztechnologie "Fintech-Revolution"