Marktbericht 20:06 Uhr

Wochengewinn eingebüßt Dax im Sommerloch

Stand: 25.08.2016, 20:06 Uhr

Gebannt starrt die internationale Finanzwelt auf den Kurort Jackson Hole in den Rocky Mountains. Dort wird am Freitag Fed-Chefin Yellen auftreten. Vor ihrer Rede gingen Anleger auf Nummer sicher - und stießen Aktien ab.

Dax

Dax: Kursverlauf am Börsenplatz Xetra für den Zeitraum Intraday
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Die deutsche Hitzewelle sorgt an den Aktienmärkten für Achterbahngefühle. Steigen die Kurse an einem Tag, fallen sie wieder am nächsten Tag. In dieser Woche startete der Dax zunächst mit Kursverlusten, rappelte sich dann am Dienstag und Mittwoch auf, bevor er am Donnerstag erneut abrutschte. Mit einem Minus von 0,9 Prozent ging der deutsche Leitindex in den sonnigen Feierabend. Mit 10.529 Punkten steht er in etwa wieder da, wo er die Woche begonnen hatte.

Brexit drückt die Stimmung in deutschen Firmen

Chartverlauf Ifo-Geschäftsklimaindex Dezember 2015 bis August 2016

Ifo-Geschäftsklimaindex. | Bildquelle: ifo, Grafik: boerse.ARD.de

Die überraschend eingetrübte Stimmung in den Chefetagen deutscher Unternehmen zog bereits am Vormittag den Dax nach unten. Der Ifo-Index sank den zweiten Monat in Folge auf 106,2 Punkten, den niedrigsten Stand seit einem halben Jahr. Analysten hatten mit einem leichten Anstieg des Konjunkturbarometers gerechnet. "Die deutsche Konjunktur fällt in ein Sommerloch", kommentierte Ifo-Präsident Clemens Fuest die Entwicklung. Der Gegenwind des Brexit-Votums bremse die bis zuletzt vor Kraft strotzende Wirtschaft etwas, meinte Volkswirt Jörg Zeuner von der Förderbank KfW.

Zeichen für baldige Zinserhöhung mehren sich

Ebenso drückten die Zinsphantasien auf die Laune der Anleger. Zwei US-Notenbanker heizten am Donnerstag Spekulationen über eine baldige Zinserhöhung, vielleicht schon im September, an. Es sei an der Zeit, die Zinsen anzuheben, meinte Esther George, Präsidentin des Fed-Ablegers von Kansas City. Und auch Robert Kaplan, Chef der Fed von Dallas, glaubt, dass die Fed in nicht all zu ferner Zukunft zu einem Zinsschritt in der Lage sein sollte.

Bange Blicke auf Yellen

ARD-Börsenstudio: Jan Plate
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Börse 20.15 Uhr

Ungeduldig warten die Investoren auf die Rede von Fed-Präsidentin Janet Yellen am Freitag um 16 Uhr. Sie könnte versteckte Hinweise geben, ob und wann die Fed in diesem Jahr nochmals an der Zinsschraube dreht. Die Hoffnung auf klare Signale aus Jackson Hole ist aber inzwischen verpufft. Experten warnten am Donnerstag vor überzogenen Erwartungen an das jährliche Zentralbanker-Treffen. "Das Treffen erhält deutlich mehr Aufmerksamkeit als es eigentlich verdient", sagte Neil Wilson vom Brokerhaus ETX Capital. "In Anbetracht des Erwartungsdrucks, morgen irgendetwas Neues zur amerikanischen Geldpolitik zu erfahren, steigt das Risiko von Enttäuschungen", meinten auch die Experten der Essener National-Bank.

Gute US-Konjunkturdaten

Die Wall Street trat auf der Stelle. Der Dow lag zwei Stunden vor Handelsschluss 0,2 Prozent im Minus. Gute Konjunkturdaten zeigten kaum Wirkung. Der Auftragseingang langlebiger Güter stieg um 4,4 Prozent. Volkswirte hatten lediglich mit einem Zuwachs um 3,4 Prozent gerechnet. Auch die wöchentlichen Erstanträge auf Arbeitslosenhilfe sanken überraschend auf 261.000.

Euro schlägt sich tapfer

Euro in US-Dollar: Kursverlauf am Börsenplatz Forex vwd für den Zeitraum Intraday
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Der Euro büßte einen Teil seiner anfänglichen Gewinne ein. Am Abend notierte er bei 1,1275 Dollar. Die Europäische Zentralbank (EZB) hatte den Referenzkurs am Mittwoch auf 1,1268 Dollar festgesetzt.

Nur drei Dax-Aktien im Plus

Im Dax gab es hauptsächlich Verlierer. Nur drei Titel schlossen im Plus: Henkel, Eon und Beiersdorf. Solche defensive Werte werden bei deutlichen Kursrückgängen bevorzugt.

Autoaktien leiden unter Studie

Dagegen rangierten die Autoaktien auf der Verliererseite. Eine Studie von Redburn belastete Daimler, BMW & Co. Die Experten gehen davon aus, dass der schon früher erwartete Höhepunkt in der Auto-Nachfrage nun erreicht sei. Sie strichen ihre Kaufempfehlung für BMW und rieten, die Daimler-Aktien zu verkaufen.

Daimler: Kursverlauf am Börsenplatz Xetra für den Zeitraum Intraday
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BMW ST: Kursverlauf am Börsenplatz Xetra für den Zeitraum Intraday
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Richter setzt VW unter Druck

Die VW-Aktien büßten fast zwei Prozent ein. Im US-Rechtsstreit um manipulierte Abgaswerte ringt Volkswagen weiter nach einer Lösung bei Zehntausenden größeren Dieselwagen. Der zuständige Richter Charles Breyer, bei dem Hunderte Zivilklagen gebündelt sind, erhöhte am Donnerstag den Zeitdruck in den Verhandlungen mit den US-Behörden.

Bis zum 24. Oktober müsse VW die nötigen Unterlagen zur Klärung des Falls beim US-Umweltamt EPA einreichen, ordnete der Richter an. Betroffen sind rund 85.000 Fahrzeuge und zwar die großen SUVs wie Touareg, Porsche Cayenne oder der A8 von Audi. Bei rund 480 000 kleineren Fahrzeugen mit 2,0-Liter-Motoren hat VW bereits einen Vergleich über bis zu 15,3 Milliarden Dollar mit US-Klägern ausgehandelt.

Clinton belastet Pharma-Aktien

Unter Druck standen Pharma-Werte. Nach der Kritik von Präsidentschaftsbewerberin Hillary Clinton an den enormen Preiserhöhungen von Mylan warfen Anleger Aktien aus der Gesundheitsbranche aus ihren Depots. Die Titel von Roche und Novartis gaben rund 1,5 Prozent nach. Im Dax verloren die Titel von Merck 1,6 Prozent. Im TecDax zählte Qiagen zu den größten Verlierern. Am Nachmittag lenkte Mylan ein. Der US-Pharmakonzern macht seine Allergiespritze Epipen günstiger. Die Aktien stiegen leicht.

Südzucker hui, Bilfinger pfui

Im MDax standen die Aktien von Südzucker ganz oben in der Gunst der Anleger. Gestern noch hatten sie wegen neuer Schadensersatzklagen gegen das Zucker-Kartell deutlich verloren. Schlusslicht war heute Bilfinger mit einem Minus von fast vier Prozent. Ein Händler verwies auf Umschichtungen im Bau-Sektor.

EM trübt RTL-Bilanz

Die Aktien von RTL verloren 0,7 Prozent. Der Fernsehkette litt im zweiten Quartal unter der Fußball-EM und verzeichnete einen Umsatzrückgang. Dennoch hob RTL die Jahresprognose an. Für 2016 erwartet der MDax-Konzern jetzt einen leichten Anstieg des Betriebsergebnisses zwischen einem und 2,5 Prozent; bisher war hier Stagnation angekündigt.

Weniger Musik, mehr Sport bei CTS

Fast 1,3 Prozent im Minus schlossen die Aktien von CTS Eventim. Der Ticketvermarkter konnte in der ersten Jahreshälfte den Umsatz nur leicht um 0,5 Prozent auf 421,8 Millionen Euro steigern. Wachstumstreiber waren Sport-Events und Festivals, dagegen fanden weniger Großtourneen statt. Der Gewinn erhöhte sich um rund ein Prozent auf 37 Millionen Euro.

Fielmann verdient gut

Knapp behaupten konnte sich die Fielmann-Aktie. Die Optikerkette hat endgültige Zahlen vorgelegt, nachdem im Juli anlässlich der Hauptversammlung schon Eckdaten bekannt gemacht wurden. Nach Abzug von Steuern verdiente das Unternehmen 44,6 Millionen Euro - ein Plus von 17 Prozent. Mit einer konkreten Prognose für das laufende Jahr hielt sich Fielmann wie gewohnt zurück.

Fusionsphantasien treiben GfK

Im SDax legten die Aktien des Forschungsinstituts GfK nach Gerüchten über eine mögliche Fusion oder den Verkauf des Unternehmens um sechs Prozent zu. Bei GfK hatte es zuletzt einen handfesten Streit im Management über die zukünftige Geschäftsausrichtung gegeben. Das GfK-Papier war daraufhin unter Druck geraten.

SAF Holland will kein Schweden-Happen mehr

Der Lkw-Ausrüster hat sein Barangebot für die schwedische Haldex zurückgezogen. Grund: Der Konkurrent ZF hatte zuvor ein höheres Angebot vorgelegt, bei dem SAF nicht mitziehen wollte. Deshalb war schon mit einer Absage gerechnet worden, so dass die Überraschung sich in Grenzen hält.

Wacker Neuson baggert nicht mehr mit Caterpillar

Zu den Top-Verlierern im SDax gehörte Wacker Neuson. Das Unternehmen gab bekannt, dass es nur noch bis zum Jahr 2019 mit dem US-Branchenriesen Caterpillar auf dem Gebiet der Kleinbagger zusammenarbeit. Caterpillar will diese künftig selber bauen.

Francotyp Postalia bestätigt Prognose

Das Unternehmen, das alles rund um die digitale Post anbietet, hat im ersten Halbjahr den Umsatz im Jahresvergleich von 95,2 auf 100,3 Millionen Euro gesteigert. Das Ebit stieg trotz der planmäßig leicht höheren Abschreibungen um 3,5 Prozent auf 6,3 Millionen Euro. Der Konzerngewinn lag mit 4,0 Millionen Euro auf Vorjahresniveau. Nach dem guten ersten Halbjahr wurde das Jahresziel bestätigt. Demnnach wird ein leichter Anstieg von Umsatz und operativem Ergebnis erwartet.

Greiffenberger-Vorstand entlastet

Auf der heutigen Hauptversammlung der in Turbulenzen geratenen Greiffenberger AG blieb die Aktionärsrevolute aus. Vorstand und Aufsichtsrat wurden entlastet.Marco Freiherr von Maltzan wurde zum Aufsichtsratschef gewählt. Nach einem Verlust von 26 Millionen Euro im vergangenen Jahr war das Unternehmen am Rand der Insolvenz und musste die größte Tochter, die ABM Greiffenberger Antriebstechnik, verkaufen. Im späten Handel erholten sich die Aktien von Greiffenberger.

Korb für den "Walking Dead"-Produzenten

In London stürzten die Aktien von Entertainment One (eOne) um bis zu 18 Proizent ab. Grund: Der britische TV-Sender ITV hat sein rund 1,2 Milliarden Euro schweres Angebot für den Proiduzenten der TV-Serie "The Walking Dead" und der Kinderserie "Peppa Wutz" zurückgezogen. Das Managenent von eOne hatte vor kurzem die ITV-Offerte als ztu niuedrig abgewiesen. Angeblich ist auch KKR an eOne interessiert.

Weniger Chinesen bei Tiffany

Einen Lichtblick gab es aus dem Luxussektor: Der Luxusjuwelier Tiffany konnte im zweiten Quartal den Gewinn leicht steigern. Allerdings schrumpfte der Umsatz erneut um fast sechs Prozent auf 931,6 Millionen Dollar. Wegen der starken US-Währung machten Urlauber einen Bogen um die kostspieligen Juwelen. Vor allem aus China fänden weniger Schmuckliebhaber den Weg in die Filialen, allen voran die Vorzeigefiliale auf der Fifth Avenue in Manhattan. Diese war durch den Film "Frühstück bei Tiffany" mit Audrey Hepburn weltberühmt geworden. Die Tiffany-Aktien zogen um fast acht Prozent an.

Givaudan versprüht Zuversicht

Der Schweizer Hersteller von Aromen und Riechstoffen, ein Konkurrent von Symrise aus dem MDax, ist zuversichtlich für den weiteren Jahresverlauf. Das Betriebsergebnis (Ebitda) werde sich stark entwickeln, sagte Konzernchef Jürg Witmer auf einer Investorenveranstaltung in Zürich. Im ersten Halbjahr erhöhte sich der Gewinn um acht Prozent auf 368 Millionen Franken, der Umsatz wuchs um sechs Prozent auf 2,3 Milliarden Franken.

HP enttäuscht

Der PC- und Druckerhersteller HP Inc hat über weiter rückläufige Umsätze berichtet. Wegen sinkender Nachfrage sei der Umsatz im vergangenen Geschäftsquartal (per Ende Juli) um 3,8 Prozent geschrumpft auf 11,89 Milliarden Dollar. Beim Gewinn legte das Unternehmen jedoch zu. Hewlett-Packard hatte sich Ende vergangenen Jahres aufgespalten. Neben HP Inc agiert nun auch der Bereich Hewlett-Packard Enterprise (HPE) eigenständig, in dem Zukunftssparten wie Server- und Speicherdienste gebündelt sind.

nb

Dax-Chart realtime

Tagestermine am Dienstag, 24. September

Unternehmen:
Manchester United: Q4-Zahlen, 8:00 Uhr
Total: Strategie-Update, 8:00 Uhr
Roche: Business-Update, 17:00 Uhr
Nike: Q4-Zahlen, 22:15 Uhr

Konjunktur:
Deutschland: Großhandelspreise 8/18, 8:00 Uhr
USA: FHFA-Index 7/18, 15:00 Uhr
USA: Verbrauchervertrauen 09/18, 16:00 Uhr

Sonstiges:
Hong Kong/Korea: Feiertag, Börsen geschlossen