Marktbericht 20:10 Uhr

Kriegsängste auf der Krim Dax im Krisenmodus

Stand: 03.03.2014, 20:10 Uhr

Der Konflikt zwischen der Ukraine und Russland brodelt zwar schon lange, die Börsianer haben dem aber bisher keine größere Bedeutung beigemessen. Ein Fehler, wie sich nun zeigt. Die Angst vor einem unkalkulierbaren Flächenbrand in Osteuropa schickt die Börse auf Talfahrt.

Der deutsche Leitindex Dax hat am Rosenmontag einen seiner schwächsten Handelstage seit langem erlebt. Wegen der Eskalation im Konflikt zwischen Russland und der Ukraine um die Schwarzmeer-Halbinsel Krim verlor der Index 333 Punkte auf 9.358 Punkte. Das war ein dickes Minus von 3,44 Prozent und nahe des Tagestiefs bei 9.354 Zählern. Im Hoch hatte der Index genau 200 Punkte höher gelegen.

Unternehmens- und Konjunkturdaten rückten in den Hintergrund, die Börse kannte am Montag nur ein Thema. "Der drohende Krieg um die Krim drückt den Dax nach einem Verlust von 300 Punkten auf ein Drei-Wochen-Tief. Die Anleger machen Kasse und strömen in sicheres Gefilde wie Öl und Gold", sagte Händler Jürgen Jänsch von der Hellwig Wertpapierhandelsbank.

Im Späthandel setzte sich der Abwärtstrend fort, der L/E-Dax sank auf 9.320 Punkte. Er erholte sich etwas als bekannt wurde, dass am 6. März in Brüssel ein EU-Gipfel zur Lage in der Ukraine stattfinden wird.

Sichere Häfen wieder gefragt

Gold in US-Dollar: Kursverlauf am Börsenplatz Forex vwd für den Zeitraum Intraday
Kurs
1.520,07
Differenz relativ
+0,22%

Vor allem Gold war gefragt, der Preis für die Feinunze legte auf bis zu 1.353 Dollar deutlich zu und markierte damit den höchsten Kurs seit September. Zu den Gewinnern gehörten ebenfalls Bundeswertpapiere, der Bund-Future legte gut ein halbes Prozent auf über 145 Prozent zu. Die Rendite der zehnjährigen Bundesanleihe fiel um sieben Basispunkte auf 1,55 Prozent.

Öl (Brent): Kursverlauf am Börsenplatz Deutsche Bank für den Zeitraum Intraday
Kurs
63,73
Differenz relativ
-1,12%

Ein Barrel (159 Liter) der Nordseesorte Brent kostete im späten Handel gut 111 Dollar, das waren über zwei Prozent mehr als am Freitag. "Öl- und Gaspreise haben ebenfalls kräftig zugelegt, da mehr als zwei Drittel des russischen Gases, das in die EU exportiert wird, durch die Ukraine geleitet wird. Sollten die Spannungen eskalieren, könnten die Gaslieferungen in den Westen gekappt werden", erklärte Marktanalyst David Madden vom Broker IG.

Euro schlägt sich tapfer

Euro in US-Dollar: Kursverlauf am Börsenplatz Forex vwd für den Zeitraum Intraday
Kurs
1,0972
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-0,41%

Auch die Gemeinschaftswährung musste Terrain preisgeben. Die Verunsicherung wegen der Zuspitzung des Konflikts zwischen Russland und der Ukraine habe viele Anleger in den Dollar getrieben, hieß es aus dem Handel. Auch der als sicher geltende japanische Yen profitierte von der Entwicklung.

Der Rückgang fiel aber vergleichsweise moderater aus als am Aktienmarkt. Der Euro verlor rund einen halben Cent auf 1,3768 Dollar, aktuell steht der Kurs etwas niedriger bei 1,3762 Dollar. Am Freitag hatte die Europäische Zentralbank den Referenzkurs auf 1,3813 Dollar festgelegt.

Keine Gewinner im Dax und MDax

Alle Einzeltitel aus dem Dax und dem Index der mittelgroßen Werte, dem MDax, notierten im Minus, ein seltenes Bild, das den Ernst der Lage verdeutlicht. Größter Tagesverlierer war die Commerzbank, auch die Papiere der Deutschen Börse und der Deutschen Post ließen kräftig Federn. Betroffen waren natürlich besonders die Aktien der Unternehmen, die größere Engagements in Russland haben, wie beispielsweise Adidas oder der Ölförderer Cat Oil aus dem SDax.

Nach Handelsschluss gab es noch Zahlen zum Autoabsatz in Deutschland. Dieser war im Februar um vier Prozent auf 209.400 Fahrzeuge angezogen. Dies teilte der Verband der Automobilindustrie am Abend vor Beginn des Genfer Automobil-Salons in Genf mit. Der Trend gehe nach oben, zeigte sich VDA-Chef Matthias Wissmann zuversichtlich.

Wall Street ebenfalls im Minus

Dow Jones (Indikation): Kursverlauf am Börsenplatz Citigroup für den Zeitraum Intraday
Kurs
26.858,43
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-0,23%

Besser als erwartet ausgefallene Konjunkturdaten haben der New Yorker Börse bisher nicht wirklich geholfen. Der Markt steht ebenfalls unter dem Eindruck der Ereignisse in Russland, der Dow-Jones-Index verliert zur Stunde 1,1 Prozent auf 16.118 Zähler. Bankaktien gehören angesichts der Unsicherheit um die Auseinandersetzung zu den größten Verlierern an der Wall Street. Wie auch in Europa leiden die Finanzinstitute in den USA besonders darunter, dass Anleger das Risiko zurückfahren.

Dabei waren die jüngsten Konjunkturdaten nicht schlecht, sie untermauern das Bild einer Wirtschaft, die sich auf einem moderaten Wachstumspfad befindet. So stiegen die Konsumausgaben im Januar um 0,4 Prozent, Experten hatten nur ein Mini-Wachstum von 0,1 Prozent erwartet. Auch der viel beachtete nationale ISM-Einkaufsmanagerindex lag im Februar mit 53,2 Punkten über den Schätzungen von 52,0 Punkten. Schließlich zogen auch noch die Bauausgaben im gleichen Monat um 0,1 Prozent an, erwartet worden war ein Rückgang von 0,5 Prozent.

Russische Aktien brechen ein

Am russischen Aktienmarkt ging es drastischer zur Sache, Panik machte sich dort breit. Die Moskauer Börse verlor am Ende 10,8 Prozent, der in Dollar notierte RTS-Index sogar zwölf Prozent. Aktien des Gasförderers Gazprom brachen kräftig ein und sackten auf ein Niveau fast wie während der Finanzkrise 2009 ab.

Deutsche Börse setzt mehr um

Deutsche Börse : Kursverlauf am Börsenplatz Xetra für den Zeitraum Intraday
Kurs
138,80
Differenz relativ
-0,39%

Begünstigt durch den lebhaften Handel im Januar hat der Handel des Börsenbetreibers auf dem Computersystem Xetra, im Frankfurter Parketthandel und an der Berliner Börse Tradegate im Jahresvergleich um 10,3 Prozent auf 102,6 Milliarden Euro zugelegt. Damit setzt sich der jüngste positive Trend fort, wie das Unternehmen am Abend mitteilte. An der Terminbörse Eurex gingen die Aktivitäten jedoch zurück. Das durchschnittliche Volumen der börsentäglich gehandelten Kontrakte verringerte sich um neun Prozent auf 7,9 Millionen.

Bayer setzt auf Eylea

In Deutschland macht Bayer mit seinem Augenmedikament Eylea von sich reden. Der Chemie- und Pharmakonzernvoran will damit auf den japanischen Markt, beantragte dort die Zulassung. Das Mittel ist Hoffnungsträger für Bayer, der Konzern hält bei Eylea einen Jahresumsatz von mehr als einer Milliarde Euro für möglich. Die Nachricht half wenig, die Aktie war zweitgrößter Verlierer im Dax und schloss bei 98,10 Euro um 4,6 Prozent leichter.

VW verliert in Amerika weiter an Boden

Die Wolfsburger haben im Februar insgesamt nur noch 27.112 Fahrzeuge verkauft, das ist ein Rückgang von 13,8 Prozent. Zwar haben auch andere Hersteller wegen des schlechten Winterwetters Federn lassen müssen, bei VW fiel der Rückgang aber besonders deutlich aus. Damit setzt sich der jüngste Negativtrend fort. Experten kritisieren, dass VW seine Modellpalette nicht zügiger überarbeitet, gerade die bei den US-Kunden besonders gefragten Fahrzeugtypen wie Geländemodelle oder Pick-ups bieten sie nicht an. Auch Konkurrent BMW verkaufte 4,4 Prozent weniger Fahrzeuge in Amerika.

Volkswagen VZ: Kursverlauf am Börsenplatz Xetra für den Zeitraum Intraday
Kurs
155,90
Differenz relativ
-2,44%
BMW ST: Kursverlauf am Börsenplatz Xetra für den Zeitraum Intraday
Kurs
63,61
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-2,36%

Neue Rechtsrisiken für die Deutsche Bank