Marktbericht 20:10

Rückenwind von den US-Börsen Dax im Höhenflug

Stand: 14.05.2013, 20:10 Uhr

Die Wall Street steigt auf immer neue Höchststände. Darauf haben die Investoren am Deutschen Aktienmarkt nur gewartet. Eine enttäuschende ZEW-Konjunktur-Umfrage wurde schnell abgehakt. Jetzt heisst es wieder: kaufen!

Der Weg ist wieder frei an den Aktienmärkten. In den USA notierten Dow Jones und S&P 500 kurz nach Handelsstart so hoch wie nie zuvor. Händler führten das auf die verbesserte Stimmung kleiner Unternehmen in den USA und das billige Notenbank-Geld zurück, das in den Aktienmarkt fließe. Für die Anleger in Deutschland war das ein Signal. Zumal auch einige Unternehmen positiv überraschten. Der Dax beendet den Computerhandel bei 8.339 Punkten, das sind 0,7 Prozent mehr. Der Late-Dax stieg 0,6 Prozent auf 8.330 Punkte. Damit ist das Dax-Allzeithoch aus der vergangenen Woche von 8.358 Punkten wieder in greifbarer Nähe.

Licht und Schatten

In Sachen Konjunktur gab es Licht und Schatten: Die Stimmung deutscher Finanzexperten (ZEW-Konjunkturindex) hatte sich im Mai entgegen positiverer Erwartungen nur minimal aufgehellt. Mario Gruppe, Analyst der NordLB, sah das als Eingeständnis, "dass die konjunkturelle Erholung nicht ganz so planmäßig verläuft, wie wir das noch zu Beginn des Jahres erhofft hatten". Auf der anderen Seite war die Industrieproduktion in der Eurozone überraschend deutlich gestiegen und zwar doppelt so stark wie von Volkswirten vorausgesagt. Der Euro notiert am Abend mit 1,2938 US-Dollar unter dem Referenzkurs der EZB.

Deutsche Post geht ab

Die Post-Aktie führt die Gewinner im Dax an. Der Grund: positiv aufgenomme Geschäftszahlen. Vor allem das boomende Online-Geschäft bescherte dem Bonner Logistikkonzern im ersten Quartal ein gutes Geschäft. Postchef Frank Appel bestätigte zudem seine Jahresprognose: Der Gewinn werde auf 2,7 bis 2,95 Milliarden Euro steigen.

Deutsche Autobauer gefragt

Daimler: Kursverlauf am Börsenplatz Xetra für den Zeitraum Intraday
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56,32
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+0,99%
BMW ST: Kursverlauf am Börsenplatz Xetra für den Zeitraum Intraday
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83,54
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Daimler, BMW und die Audi-Mutter Volkswagen gehören erneut zu den Lieblingen der Anleger. Die Luxusfahrzeughersteller haben auch im April ein glänzendes Geschäft verbucht. Nicht nur wegen der guten Nachfrage aus China und den USA, auch wegen neuer Modelle. Daimler präsentiert morgen seine neue S-Klasse. Ein Fahrzeug, das wie kein anderes für die Marke aus Stuttgart steht und einen hohen Gewinn verspricht. BMW-Chef Norbert Reithofer wiederum setzt auf die neuen Elektrofahrzeuge, die bereits vom Band rollen, und sagt: "Der i3 kommt definitiv auf den Markt. Und wir werden damit Geld verdienen."

K+S profitiert von langem Winter

Der Düngemittel- und Salzhersteller legte Zahlen zum ersten Quartal vor. K+S hat seinen Umsatz und sein Ergebnis im Jahresvergleich gesteigert. Während die Erlöse über den Erwartungen der Analysten lagen, fiel der Gewinn etwas schwächer aus. Das Kasseler Unternehmen hält an seinen Zielen fest und will bis Jahresende bei Umsatz und operativem Ergebnis zulegen.

Merck spart sich gesund

Der Darmstädter Pharma- und Spezialchemiekonzern ist gut ins neue Jahr gestartet, wobei sich besonders der Konzernumbau positiv bemerkbar macht. "Wir sind mit Schwung und profitabel in das Jahr 2013 gestartet", erklärte Konzernchef Karl-Ludwig Kley am Dienstag. Bereits in diesem Jahr will Merck die eigentlich erst für 2014 angepeilten Ziele erreichen. Die Aktie konnte ihre anfänglichen Kursgewinne aber nicht behaupten.

Commerzbank-Aktie auf Allzeittief

Commerzbank: Kursverlauf am Börsenplatz Xetra für den Zeitraum Intraday
Kurs
9,25
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+3,40%

Die Commerzbank braucht für die Rückzahlung von 2,5 Milliarden Euro an Hilfsgeldern einen Kraftakt. Die zweitgrößte deutsche Bank muss ihren Aktionären mehr als 50 Prozent Rabatt auf den Börsenkurs geben, um ihre Kapitalerhöhung an den Mann zu bringen. "Die Konditionen sind so gestaltet, dass keiner Nein sagen kann", sagte Marktanalyst Heino Ruland. Mit dem Geld will sie Ende Mai die restlichen Stillen Einlagen des staatlichen Bankenrettungsfonds und des Versicherungskonzerns Allianz tilgen. Die Aktie setzte ihre Talfahrt fort und erreichte zum Xetra-Schluss mit 9,312 Euro ein neues Allzeittief.

Gewinnsprung bei EADS

Der Luft- und Raumfahrtkonzern aus dem MDax hat im ersten Quartal kräftig zugelegt. Vor allem die Airbus-Flugzeuge sind bei den Kunden beliebt, das Nettoergebnis verdoppelte sich fast auf 241 Millionen Euro. Der Umsatz wuchs um rund zehn Prozent auf 12,4 Milliarden Euro. Firmenchef Tom Enders erwartet im laufenden Jahr ein "anhaltendes Ergebniswachstum", vor allem wegen der im Quartal deutlich gestiegenen Bestellungen. Die EADS-Papiere waren daraufhin gefragt.

Deutsche Wohnen legt kräftig zu

Vor allem wegen zahlreicher Zukäufe hat der Immobilienkonzern im ersten Quartal den Konzerngewinn um 82 Prozent auf 26,2 Millionen Euro kräftig gesteigert. Die wichtige operative Kennziffer, der FFO, stieg um 68 Prozent auf 30,9 Millionen Euro. Das Unternehmen erklärte, die Integration der im Jahr 2012 rund 33.000 erworbenen Wohnungen laufe gut. Die Aktie führt mit einem Plus von 4,6 Prozent die Sieger im MDax an.

HHLA überrascht positiv

Die HHLA-Aktie notiert ebenfalls ganz oben im MDax, denn der Hamburger Hafenbetreiber hat im ersten Quartal die Erwartungen übertroffen. Das Unternehmen bekräftigte die Jahresprognose, nach der der Containerumschlag auf Vorjahresniveau bleiben dürfte.

Aurubis wird abgestraft

Deutlich schlechter als im Hafen läuft es für die ebenfalls in Hamburg sitzende Kupferhütte Aurubis. Das Unternehmen erwartet nämlich für das im September zu Ende gehende Geschäftsjahr ein geringeres Ergebnis - bisher war das Management von einem Resultat auf Vorjahreshöhe ausgegangen. Grund sei die schwächere Nachfrage nach Kupferprodukten. Im Quartal wurde vor Steuern nur rund eine Millionen Euro verdient nach 87 Millionen Euro im Vorjahr. Die Aurubis-Aktie kam kräftig unter die Räder und war der mit Abstand größte Verlierer im MDax.

Anleger reagieren enttäuscht auf Leoni-Ergebnis

Der Kabelspezialist und Autozulieferer vertröstet die Aktionäre auf das nächste Jahr. Während der Umsatz in diesem Jahr leicht auf 3,7 Milliarden Euro zurückgehen dürfte, soll er 2014 um mindestens 400 Millionen Euro zulegen, heißt es. Die gute Auftragslage mache das Unternehmen zuversichtlich, seine Ziele zu erreichen. Das klingt ehrgeizig, denn Leoni hat in den ersten drei Monaten weniger verdient und muss jetzt auf die Tube drücken, um seine Gewinnprognosen für dieses Jahr noch zu schaffen. NordLB-Analyst Analyst Frank Schwope rät deshalb zum Verkauf der Aktie und gibt zu bedenken, "dass das Unternehmen im vergangenen Jahr seine Schätzungen zweimal nach unten korrigiert hat".

Bilfinger mit schlappem Jahresauftakt

Der Bau- und Dienstleistungskonzern hat im ersten Quartal unter dem langen Winter gelitten. Allerdings federte das robuste Dienstleistungsgeschäft den Rückgang ab. Die Bauleistung sank im Quartal um vier Prozent auf 1,87 Milliarden Euro. Das Vorsteuerergebnis fiel um 58 Prozent auf 56 Millionen Euro und unter dem Strich blieben nur noch 21 statt 100 Millionen Euro im Vorjahr. An der Jahresprognose hält das Unternehmen aber fest.

Celesio bestätigt Ausblick

Der Pharmahändler hat im ersten Quartal wegen gestiegener Rabatte weniger verdient. Das Vorsteuerergebnis (Ebitda) ging erwartungsgemäß im ersten Quartal um 9,4 Prozent auf 126,6 Millionen Euro zurück. "Wir rechnen mit einem stärkeren zweiten Halbjahr", erklärte Firmenchef Markus Pinger, der gleichzeitig den Ausblick für 2013 bestätigte. Die Aktie von Celesio konnte im Laufe des Handels ihre Gewinne ausbauen.

Carl Zeiss Meditec bestätigt Ausblick

Die Aktie ist der größte Gewinner im TecDax. Trotz rückläufiger Umsätze beim Geschäft mit medizinischen Geräten für die Augenheilkunde hält das Unternehmen aus Jena am Jahresausblick fest. "Wir peilen beim Gesamtumsatz eine Zielmarke von 880 bis 910 Millionen Euro an", sagte Vorstandschef Ludwin Monz bei der Vorlage endgültiger Zahlen für die ersten sechs Monate. Vor allem das Geschäft in den Schwellenländern China, Brasilien und Russland läuft gut.

Bechtle bleibt optimistisch

Auch die Papiere von Bechtle wurden von den Investoren im TecDax belohnt. Zwar hat der IT-Dienstleister im ersten Quartal operativ 16 Prozent weniger verdient, Firmenchef Thomas Olemotz geht aber davon aus, dass sich die Gewinnentwicklung im Laufe des Jahres wieder verbessern wird. Vor allem der starke Personalaufbau hat sich bei Bechtle bemerkbar gemacht, der Umsatz stieg um 5,4 Prozent auf 514 Millionen Euro.

Evotec in den roten Zahlen

Das Hamburger Biotech-Unternehmen hat zum Jahresauftakt wegen niedrigerer Zahlungen großer Pharmapartner seinen Verlust deutlich ausgeweitet. Das Betriebsergebnis (Ebit) lag mit 2,7 Millionen Euro im Minus, vor einem Jahr hatte das Unternehmen dank einer Zahlung 3,9 Millionen Euro Gewinn ausgewiesen. Die Aktie konnte nach anfänglichen Verlusten wieder zulegen. Besser läuft es beim Konkurrenten 4SC aus dem Prime Standard, der vor allem Krebsmedikamente entwickelt. Der Verlust verringerte sich, gleichzeitig stieg der Umsatz um rund das Doppelte auf 792.000 Euro. Die Aktie legte zeitweise über drei Prozent zu.

Schwache Geschäfte bei Puma

Der mehrheitlich zum französischen Luxusgüterkonzern PPR gehörenden Adidas-Rivale verzeichnet im ersten Quartal einen Gewinneinbruch. Das Vorsterergebnis sank um 22,5 Prozent auf 79 Millionen Euro. Als Grund führte Puma die anhaltende Konsumschwäche in Europa an. Für 2013 rudert das vor einem Führungswechsel stehende Unternehmen zurück. Der bisher angekündigte Anstieg des opertativen Ergebnisses sei unwahrscheinlich, hieß es aus der Konzerenzentrale in Herzogenaurach. Die Aktie fiel um 2,2 Prozent, der Streubesitz liegt allerdings nur bei 17,75 Prozent.

Aus dem SDax

Druckmaschinenhersteller Koenig & Bauer lag mit Abschlägen von 7,6 Prozent am Ende des Kleinwerteeindex. Das Unternehmen aus Würzburg ist mit einem dicken Verlust vor Steuern von 18,8 Millionen Euro ins neue Jahr gestartet. Vor Jahresfrist lag das Minus noch bei 0,4 Millionen Euro. Die Kunden hätten sich wegen der unsicheren Konjunkturaussichten mit Bestellungen zurückgehalten, hieß es. Die Branche leidet schon seit Jahren unter dem Wandel in der Medienwelt, denn immer weniger Menschen kaufen gedruckte Zeitungen. Besser kommen die Zahlen des Spezialchemieunternehmens H&R an, die Aktie lag mit einem Aufschlag von 9,0 Prozent ganz oben im Index. Das Unternehmen erwartet trotz schwacher Quartalszahlen im Ausblick für 2013 ein besseres Ergebnis als im Vorjahr. Eine Dividende wird für 2012 nicht gezahlt. Schwach ins neue Jahr gestartet ist der Baumaschinenhersteller Wacker Neuson, dessen Gewinn um ein Drittel eingebrochen ist. Der lange Winter habe den Start in die Bausaison verzögert, erklärte das Münchener Unternehmen. Am Ausblick hält man aber fest, der Umsatz soll 2013 auf 1,2 Milliarden Euro wachsen.

UMS will weiter zulegen

United Medical Systems International hat in den ersten drei Monaten ein schwächeres Geschäft verbucht: sowohl der Umsatz als auch das Eregbnis gingen zurück. Der Hamburger Anbieter medizinischer Versorgungskonzepte hält an seiner Prognose fest, wonach Umsatz und Ergebnis bis Jahresende gesteigert werden sollen. Die Aktie zeigte sich nahezu unverändert.

Dax-Chart realtime

Tagestermine am Donnerstag, 20. September

Unternehmen:
Rocket Internet: Q2-Zahlen, 08:00 Uhr
Schaeffler: Kapitalmarkttag
Nfon: Q2-Zahlen
Ryanair: HV in Dublin
GlaxoSmithKline: HV
Micron Technology: Q4-Zahlen, nach US-Börsenschluss

Konjunktur:
Deutschland: Monatsbericht des Bundesfinanzministeriums, 08:00 Uhr
Schweiz: Zinsentscheid und geldpolitische Lagebeurteilung der Schweizerischen Nationalbank (SNB), 09:30 Uhr
USA: Wöchentliche Erstanträge auf Arbeitslosenhilfe, 14:30 Uhr
USA: Industrie-Index Philly Fed für September, 14:30 Uhr
USA: Frühindikatoren für August, 16:00 Uhr
USA: Wiederverkäufe Häuser für August, 16:00 Uhr
EU: Verbrauchervertrauen Euro-Zone, September, 16:00 Uhr

Sonstiges:
Salzburg: Informeller EU-Gipfel
Hannover: Eröffnung der IAA Nutzfahrzeuge 2018 (bis 27. September), mit Bundesverkehrsminister Scheuer
Frankfurt: 4. Konferenz für Finanztechnologie "Fintech-Revolution"