Dax im Defizitstrudel

Stand: 22.04.2010, 20:02 Uhr

Der Druck auf Griechenland steigt - und die Anleger reagieren immer nervöser. Sowohl an den US-Börsen als auch in Europa belastet die Krise heute die Märkte. Doch auch schlechte Unternehmensnachrichten schicken den Dax auf Talfahrt.

Im Abendhandel büßt der Leitindex knapp 50 Punkte (0,80 Prozent) ein auf 6.198. Auch an der Wall Street drückt die Nachricht über die Wahrheit des griechischen Schuldenstands den Dow Jones ins Minus. Nach Verlusten von zweitweise mehr als 90 Punkten kann der Leitindex bis zum Börsenschluss in Deutschland aber wieder etwas Boden gut machen. Er verliert knapp 20 Punkte auf 11.105.

Hauptgrund für den Rückgang sind die Sorgen um eine mögliche Pleite Griechenlands. "Es verdichten sich die Anzeichen, dass Griechenland wesentlich mehr Geld benötigt als bislang angenommen", kommentierte Händler Stefan Söllner von der Postbank. Sollten die Schulden tatsächlich außer Kontrolle geraten, wäre das "verheerend". Der Renditeabstand griechischer Bonds zu zehnjährigen deutschen Anleihen stieg am Abend auf 570 Basispunkte.

Zudem hat die Ratingagentur Moody's die Kreditwürdigkeit von Griechenland um eine Stufe gesenkt. Die Bonitätsnote für griechische Staatsanleihen werde von bisher «A2» auf «A3» reduziert, teilte die Agentur am Donnerstag mit. Eine weitere Abstufung sei möglich. Die Agentur begründete ihr Vorgehen damit, dass Griechenland für den Schuldendienst jetzt mehr bezahlen müsse als bisher angenommen.

Für Enttäuschung sorgen auch die schwachen und schlechter als erwartet ausgefallenen Quartalszahlen einiger Unternehmen, allen voran die von Nokia. Doch auch ABB und Credit Suisse führen zu Kursverlusten entsprechender Dax-Werte.

Euro und Öl runter
Auch der Euro leidet unter der anhaltenden Spekulationswelle gegen Griechenland. Die Gemeinschaftswährung rutscht am Nachmittag sogar unter die Marke von 1,33 Dollar und notiert zur Stunde bei 1,3288 Dollar, gut ein Cent weniger als gestern.
Auch die Ölpreise sind nach einem überraschend deutlichen Anstieg der Ölreserven in den USA wieder gefallen. Am Abend kostete ein Barrel (159 Liter) der US-Referenzsorte West Texas Intermediate (WTI) 82,72 Dollar und damit 96 Cent weniger als am Vortag.

Infineon: Kursverlauf am Börsenplatz Xetra für den Zeitraum Intraday
Kurs
20,10
Differenz relativ
-1,37%

Nokia im Abwärtsstrudel
Die Aktie des weltgrößten Handyherstellers Nokia bricht in der Spitze um bis zu 13 Prozent ein und zieht auch andere Technologietitel wie Motorola und Infineon mit in die Tiefe. Nokia hatte zuvor seine Gewinnprognose auf elf bis 13 Prozent von zwölf bis 14 Prozent gesenkt. Nokia macht unter anderem zu schaffen, dass dem Marktführer noch immer ein Top-Smartphone fehlt, das Apples Verkaufsschlager iPhone stärker Konkurrenz machen kann.

ABB drückt Siemens
Die Aktie von Siemens ist der drittgrößte Verlierer im Dax. Der Grund: die enttäuschenden Zahlen des Schweizer Elektrokonzerns ABB. Dessen Gewinn ist im ersten Quartal überraschend stark um fast 30 Prozent auf 464 Millionen Dollar eingebrochen. Auch die Umsätze gingen zurück. Die ABB-Aktie stürzte nach Bekanntgabe der Zahlen um fast sieben Prozent ab und reißt auch die Papiere der Münchner Konkurrenz nach unten.

Deutsche Bank hebt Merck
Die Aktie des Darmstädter Pharma- und Spezialchemiekonzerns liegt mit weitem Abstand an der Dax-Spitze. Die Deutsche Bank hat den Wert zum Kauf empfohlen und das Kursziel von 58 auf 74 Euro nach oben genommen. Das Schlimmste der Krise dürfte hinter Merck liegen, hieß es zur Begründung. Der Titel sei unterbewertet, die Zahlen des ersten Quartals sollten den Wendepunkt einläuten.

Commerzbank: Kursverlauf am Börsenplatz Xetra für den Zeitraum Intraday
Kurs
9,60
Differenz relativ
+1,29%
Deutsche Bank: Kursverlauf am Börsenplatz Xetra für den Zeitraum Intraday
Kurs
10,54
Differenz relativ
+1,60%

Bankwerte im Minus
Die Aktien der Commerzbank und der Deutschen Bank sind heute die größten Verlierer im Dax. Ausgelöst wurde der Kursrutsch durch die Ausweitung der Griechenland-Krise sowie die enttäuschenden Zahlen der Credit Suisse.

Volkswagen VZ: Kursverlauf am Börsenplatz Xetra für den Zeitraum Intraday
Kurs
154,38
Differenz relativ
+1,23%

Hauptversammlungen bei RWE und VW
Die beiden Dax-Mitglieder RWE und Volkswagen veranstalten heute ihre jährlichen Aktionärstreffen. Der Energiekonzern hat noch einmal seie Ertragsziele bekräftigt. Bei VW gab es unter anderem Aussagen zu den beiden LKW-Beteiligungen MAN und Scania, deren Zusammenarbeit weiter ausgebaut werden solle. boerse.ARD.de berichtet live von der VW-Hauptversammlung in Hamburg.

Spekulationen stützen K+S
Ihre kräftigen Zugewinne vom Vormittag muss die K+S-Aktie größtenteils zwar wieder abgeben. Doch die Papiere gehören immer noch zu den wenigen Gewinnern im Dax. Der Grund sind Spekulationen über eine mögliche Anhebung der Jahresprognose. Ein Unternehmenssprecher sagte, dass K+S nach Abschluss der Frühjahrsbestellungen im Mai seine Prognosen überprüfen werde.

Gea und die Dividende
In der MDax-Flop-Liste sind Gea- und Rational-Aktie ganz prominiert platziert. Grund sind die Dividendenabschläge nach den gestrigen Hauptversammlungen. Gea hat 0,30 Euro und Rational 3,50 Euro je Aktie ausgeschüttet.

Bechtle überzeugt nicht
Die Aktie des IT-Dienstleisters Bechtle dreht nach den Quartalszahlen zunächst ins Plus, muss dann aber doch abgeben. Dabei hat Bechtle im ersten Quartal die Erlöse in den ersten drei Monaten um etwa 10 Prozent auf 350 Millionen Euro gesteigert. Das Vorsteuerergebnis legte von 6,1 Millionen Euro im Vorjahresquartal auf 10,2 Millionen Euro zu. Den Zwischenbericht mit den endgültigen Zahlen will Bechtle am 12. Mai veröffentlichen. 2009 waren Umsatz und Gewinn zurückgegangen.

Amadeus geht das Feuer aus
Enttäuscht reagieren die Anleger auf die Zahlen der im SDax notierten Zeitarbeitsfirma Amadeus Fire. Tatsächlich hat das Unternehmen die Flaute der Branche zu spüren bekommen und musste deshalb Umsatz- und Gewinneinbußen hinnehmen.

Itelligence enttäuscht
Die Quartalszahlen des IT-Dienstleisters Itelligence quittieren die Anleger ebenfalls mit Verkäufen. Das Unternehmen hat von Januar bis März zwar seinen Umsatz leicht um vier Prozent auf 56,2 Millionen Euro verbessert. Doch das Ergebnis vor Zinsen und Steuern (Ebit) sank von 2,1 auf 1,4 Millionen Euro.

Solar-Aktie hebt ab
Einen gewaltigen Satz nach oben machen die Anteilsscheine der S.A.G. Solarstrom AG. Der Umsatz wuchs 2009 auf 56 Prozent auf 153 Millionen Euro. Der Gewinn konnte auf 7,7 Millionen verbessert und damit fast vervierfacht werden. "Haupttreiber dieser überaus erfolgreichen Entwicklung war das Geschäftsfeld Projektierung und Anlagenbau", wie das Unternehmen aus dem Entry Standard mitteilte.

Dax-Chart realtime

Tagestermine am Montag, 24. September

Unternehmen:
Lonza Group: Kapitalmarkttag
Deutsche Börse: Regeländerungen für die Indizes MDax, TecDax und SDax sowie die Indexänderungen werden wirksam

Konjunktur:
Deutschland: Ifo-Geschäftsklimindex 9/18, 10:00 Uhr
USA: CFNA-Index 8/18, 14:30 Uhr

Sonstiges:
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