Dax im Bann neuer Euro-Sorgen

Stand: 19.04.2012, 20:02 Uhr

Dass die Eurokrise nicht vorbei ist, hat der heutige Tag gezeigt. Die Anleger reagieren extrem nervös. Der Dax bekommt es zu spüren und schließt nach einer ausgeprägten Berg- und Talfahrt mit Verlusten.

Am deutschen Aktienmarkt haben sich nach wechselvollem Handelsverlauf am Ende die Bären durchgesetzt. Der Dax schloss mit einem Minus von 0,9 Prozent bei 6,671 Zählern in der Nähe seines Tagestiefs, das bei 6.665 Zählern lag. Im Hoch stand der Index bei 6.807 Punkten. Im nachbörslichen Handel tat sich nur noch wenig, der L/E-Dax schloss nahezu unverändert bei 6.668 Punkten.

Insgesamt fehlte dem Markt heute die Orientierung. Wegen des relativ dünnen Handelsvolumens hätten sich die Indizes schnell in die eine oder andere Richtung bewegt, sagte Aktienhändler Andreas Lipkow von MWB Fairtrade. Der MDax rutschte um 0,5 Prozent auf 10.601 Punkte ab, und der TecDax gab um 0,9 Prozent auf 775,93 Punkte ab.

Im Zeichen der Eurokrise
Gestiegene Risikoaufschläge für spanische, italienische und auch französische Anleihen sowie wenig berauschende Konjunkturzahlen aus Amerika haben auf dem Handel gelastet. "Der Dax führt kein Eigenleben mehr, sondern wird derzeit zum Spielball der Anleihenmärkte", sagte Stephan de Schutter von Alpha Wertpapierhandel.

Dabei war die heutige Auktion spanischer Staatsanleihen mit Laufzeiten bis zu zehn Jahren eigentlich nicht schlecht verlaufen. Ein Börsianer sprach von einem "insgesamt guten Bild". Zwar wurde in Spanien nach der erfolgreichen Auktion erst einmal durchgeatmet, aber Marc Oswald von Monument Securities kommentierte: "Spanien hat eine Hürde genommen, aber die nächste ist nicht weit weg."

Deutsche Renten auf Rekordhoch
Spiegelbildlich zur gestiegenen Unsicherheit an den Märkten legten die Kurse für deutsche Renten zu. Der Bund-Future markierte mit 140,78 Prozent zwischenzeitlich ein neues Rekordhoch, die Rendite zehnjähriger Bundesanleihen fiel auf ein Rekordtief von 1,60 Prozent. Bundeswertpapiere dienen also wieder mal als sicherer Hafen. Der Euro erholte sich jedoch im Verlauf und steht aktuell wieder über der Marke von 1,31 Euro.

Die Verluste am Aktienmarkt gingen quer durch alle Branchen, vor allem Auto- und Finanzaktien stachen aber negativ hervor. Tagesverlierer war VW mit einem Minus von 3,4 Prozent (morgen erfolgt dann der Dividendenabschlag von 3,06 Euro). Deutsche Bank, die nach Gerüchten um eine Kapitalerhöhung unter Druck geraten waren, grenzten ihre Verluste ein, nachdem das Unternehmen klargestellt hat, auch ohne Kapitalerhöhung die Basel-III-Kriterien erfüllen zu können. Defensive Pharma-, Konsum und Chemiewerte waren hingegen gesucht.

Abschläge an der Wall Street
An den US-Börsen liegen die führenden Indizes aktuell moderat im Minus, der Dow-Jones-Index notiert dabei knapp unter der Marke von 13.000 Punkten. Auch gute Unternehmensergebnisse, vor allem aus dem Finanzsektor, haben der Börse bisher nicht wirklich geholfen. Lediglich Ebay steigen deutlich und liegen über 14 Prozent vorne.

Insgesamt bestehen weiter Sorgen zur Lage in Europa. Unter anderem sorgten Gerüchte über eine mögliche Bonitätsherabstufung Frankreichs durch die Ratingagentur Moody`s für größere Beachtung.

Zudem gab es durchwachsenen Konjunkturzahlen. Vor allem die mit 386.000 Neuanträgen höher als erwartet ausgefallenen Erstanträge auf Arbeitslosenunterstützung sorgten für Ernüchterung. Auch der Philly-Fed-Konjunkturindex lag unter den Erwartungen, die Frühindikatoren für den März aber darüber. Ralf Umlauf von der Landesank Hessen-Thüringen sprach von gemischten Zahlen. "Per Saldo ist das Szenario einer konjunkturellen Erholung aber nicht in Frage zu stellen", sagte der Experte.

Beiersdorf "jetzt oder nie"
Ganz vorne im Dax lag die Aktie des Konsumriesen Beiersdorf, die 2,5 Prozent zulegte. Experten der Exane BNP Paribas haben den Titel von "neutral" auf "outperform" geadelt und mit Verweis auf einen Wechsel im Management die Devise "jetzt oder nie" bei der Aktie ausgegeben.

Volkswagen VZ: Kursverlauf am Börsenplatz Xetra für den Zeitraum Intraday
Kurs
143,92
Differenz relativ
-2,52%

VW vor schwierigem Jahr
Von Plus ins Minus drehte die VW-Aktie im Lauf des Tages. VW-Chef Martin Winterkorn sprach bereits von einem Jahr 2012, "das uns sicherlich viel abverlangen wird". Die Risiken wüchsen vor allem in den Ländern Südeuropas. Gleichzeitig wurde bekannt, dass VW jetzt 74 Prozent am Lastwagenbauer MAN hält.

Daimler: Kursverlauf am Börsenplatz Xetra für den Zeitraum Intraday
Kurs
50,49
Differenz relativ
-1,12%

Daimler ohne Abu Dhabi
Laut einem Bericht des "Manager-Magazins" will sich der staatliche Investmentfonds Abu Dhabis Aabar von seiner restlichen Beteiligung an dem Auto-Konzern trennen. Aabar hatte 2009 neun Prozent an Daimler gekauft, diesen Anteil aber inzwischen wieder auf drei Prozent reduziert. Daimler weiß nichts von einem bevorstehenden Ausstieg seines größten Aktionärs Aabar. "Wir haben keine Erkenntnisse, dass Aabar ihren Anteil an Daimler reduzieren will", sagte Daimler-Sprecher Jörg Howe am Donnerstag. Die Aktie verliert 2,8 Prozent und gehört zu den Tagesverlierern im Dax.

Merck KGaA: Kursverlauf am Börsenplatz Xetra für den Zeitraum Intraday
Kurs
97,64
Differenz relativ
+2,24%

Merck drohen heftige Einschnitte
Dies kündigte Firmenchef Karl-Ludwig Kley im Vorfeld der morgigen Hauptversammlung an. Denn in der Pharmasparte laufen wichtige Patente aus, zudem mussten mit dem Scheitern des MS-Medikamentes Cladribin milliardenschwere Umsatzhoffnungen begraben werden. Hohe Gewinne wirft allein noch das Geschäft mit Flüssigkristallen für Handys, Fernseher und Notebooks an. Wie die Maßnahmen genau aussehen, wollte Kley noch nicht sagen. Er wird den Aktionären morgen Rede und Antwort stehen. Die Aktie gehörte heute gegen den Markttrend zu den Gewinnern im Dax und legte 0,9 Prozent zu.

IVG stoppt Zinszahlung
Das verlustträchtige Immobilienunternehmen stoppt die Zinszahlungen auf die 400 Millionen schwere Hybridanleihe. Dies soll erst dann wieder geschehen, wenn ein "deutlich positives" Konzernergebnis erwirtschaftet wird. Dies wird für 2013 erwartet. Die Aktionäre bekommen schon seit dem Jahr 2008 keine Dividende mehr. IVG ist mit fast fünf Milliarden Euro stark verschuldet. Die Aktie fiel deutlich zurück und schloß als Tagesverlierer im SDax mit einem deutlichen Abschlag von 7,8 Prozent.

Drägerwerk mit Lob
Die Aktie des Medizintechnik-Herstellers gehörte zu den größten Tagesgewinnern im TecDax an und legte 1,2 Prozent zu. Die Berenberg Bank hat den Titel zum Kauf empfohlen und auf die starke Marktstellung des Unternehmens hingewiesen. Sollte der Widerstand bei 85 Euro genommen werden, sei der Weg frei bis zum Kursziel von 105 Euro.

Softline mit Umsatzsprung
Deutlich stärker bergauf ging es mit dem Papier des IT-Dienstleisters und Software-Vermarkters Softline, das haussierte und fast 21 Prozent zulegte. Die Anleger reagierten vor allem auf die starke Umsatzsteigerung im ersten Quartal von 4,7 auf 17 Millionen Euro. Unter dem Strich sprach Softline am Donnerstag von einem "positiven Periodenergebnis", ohne allerdings konkrete Angaben zum Gewinn zu machen.

Curasan will 2014 profitabel sein
Das Medizinunternehmen hat 2011 den Umsatz bei 3,8 Millionen Euro konstant gehalten und weist dabei Jahresverlust von 2,5 Millionen Euro aus. Negativ zu Buche schlug dabei die gescheiterte Vertriebskooperation mit dem Schweizer Kooperationspartner Stryker. Im Ausblick will Curasan ab 2014 profitabel sein. Die im General Standard der Deutschen Börse notierte Aktie gab nach.

Ludwig Beck auf Erfolgskurs
Es läuft bestens beim Münchner Traditionskaufhaus, von Krise keine Spur. Im ersten Quartal stieg der Umsatz um 3,9 Prozent auf 22,9 Millionen Euro. Der Gewinn vor Steuern stieg auf 1,4 Millionen Euro nach 0,2 Millionen im Vorjahr. Im Gesamtjahr will Ludwig Beck den Umsatz um zwei bis drei Prozent steigern und vor Steuern zehn bis zwölf Millionen Euro verdienen. Die Aktie gab trotzdem 1,7 Prozent ab.

Nokia dick im Verlust
Der einstige Handy-Weltmarktführer steckt zum Jahresauftakt tief in den roten Zahlen. Der Verlust lag bei 929 Millionen Euro, der Umsatz ging um 29,3 Prozent auf 7,35 Milliarden Euro deutlich zurück. Grund waren unter anderem hohe Abschreibungen für die Sanierung des Netzwerkausrüsters Nokia Siemens Networks. Das Unternehmen will jetzt seinen Sparkurs verschärfen. Nokia-Aktien geben 3,7 Prozent ab und fallen unter drei Euro auf 2,91 Euro.

Gute Bilanzen aus Amerika
Die heute vorgelegten Zahlen der beiden Finanzgiganten Bank of America und Morgan Stanley kamen bei den Anlegern gut an. Morgan Stanley steigerte im ersten Quartal die Einnahmen auf 8,9 Milliarden Dollar, erwartet waren nur 7,1 Milliarden Dollar. Bank of America verdiente drei Cents je Aktie, Analysten hatten einen leichten Verlust prognostiziert.

Der im Dow Jones-Index vertretene Chemieriese DuPont ist ebenfalls gut ins neue Jahr gestartet. Im ersten Quartal stieg der Gewinn je Aktie von 1,51 auf 1,62 Dollar je Aktie. Der Umsatz legte aufgrund höherer Preise kräftig um gut zwölf Prozent auf 11,2 Milliarden Dollar zu. Abgerundet werden die guten Unternehmensergebnisse durch die Zahlen von Verizon, der zweitgrößten Telefongesellschaft des Landes. Der Umsatz stieg um 4,6 Prozent auf 28,2 Milliarden Dollar, der Gewinn lag leicht über den Erwartungen bei 59 Cents je Aktie. Vor allem die mit Vodafone gemeinsam betriebene Mobilfunkgesellschaft Verizon Wireless war äußerst erfolgreich. Die Aktie liegt in New York aktuell 2,3 Prozent besser im Markt.

Tagestermine am Montag, 19. November

Unternehmen:
Grand City Properties: Q3-Zahlen
VW: Conference Call für Analysten, 14 Uhr

Konjunktur:
Deutschland: Auftragsbestand des verarbeitenden Gewerbes 10/18, 08:00 Uhr
EU: Leistungsbilanz Eurozone 09/18, 10:00 Uhr

Sonstiges:
Frankfurt a.M.: Finanzminister Scholz spricht auf der Tagung "European Banking Regulation"