Dax ignoriert US-Erholung

Stand: 02.07.2007, 20:16 Uhr

Zwar dreht die Wall Street auf und lässt die Verluste von Freitag vergessen. Doch in Europa sind Anleger vorsichtiger. Der Dax schließt im Minus. Allerdings verleitet der TecDax zu Freudensprüngen .

Die Allianz-Aktie wurde mit zwei Prozent Kursminus das Dax-Schlusslicht. Schuld ist Merrill Lynch, die den Versicherungskonzern von ihrer Auswahlliste europäischer Versicherer entfernte. Die Lufthansa-Aktie stand wegen der Attentatsversuche in Großbritannien unter Druck, unter der alle europäischen Titel der Reise- und Luftfahrtbranche litten. Die Tui-Aktie konnte ihr Minus im Tagesverlauf allerdings minimieren.

Ansonsten lagen noch Volkswagen im Minus - dabei waren die Neuigkeiten gar nicht so schlecht. VW verkaufte nämlich im ersten Halbjahr so viele Nutzfahrzeuge der Marke VW wie nie zuvor. Das Absatzwachstum lag bei 7,6 Prozent.

DaimlerChrysler gab unterdessen bekannt, dass der Zwischenbericht für das zweite Quartal auf Ende August verschoben wird. Grund ist der Verkauf des Chrysler-Anteils, durch den sich die Zwischenbilanz erheblich verändert. Außerdem gab es noch eine Meldung in den "Stuttgarter Nachrichten", wonach das Aktienoptionsprogramm den Konzern sowie die Altaktionäre teuer zu stehen kommt.

Insgesamt dominierten also die Minuszeichen im Dax, aber es gab auch einige wenige Gewinner: Allen voran verteuerten sich Infineon - Grund war eine optimistische Analystenstudie und die derzeit positive Charttechnik.

Bafin nimmt Merck unter die Lupe
Auch die Merck-Aktie legte zu - trotz wenig erfreulicher Nachricthen. Der Chemie- und Pharma-Konzern ist nämlich ins Visier der Finanzaufsicht Bafin geraten. Merck hat in der vergangenen Woche einigen wenigen "ausgewählten" Analysten seine aktuellen Fünfmonatszahlen erläutert. Es ist wohl fraglich, ob sich der Konzern dabei an die Veröffentlichungspflichten gehalten hat. Denn die offiziellen Zweitquartalszahlen wird Merck erst am 25. Juli veröffentlichen.

US-Börsen in Kaufstimmung
Die Dax-Gewinner waren aber zu rar gesät, als dass sie das Börsenbarometer hätten in die Pluszone hieven können. So schloss der Leitindex mit einem Verlust von 0,6 Prozent, auch beim L-Dax tat sich nichts mehr.

Auch der positive Handelsstart an den US-Börsen wurde weitgehend ignoriert. Der Dow Jones liegt aktuell rund 0,9 Prozent im Plus, der Nasdaq Composite sogar rund ein Prozent. Auslöser der Kauflaune sei vor allem die grassierende Übernahmewelle, hieß es am Markt. Mehrere Beteiligungsgesellschaften hatten die Übernahme des kanadischen Telekom-Konzerns BCE für rund 49 Milliarden Dollar angekündigt. Auch der gute ISM-Index sorgte für bessere Konjunkturhoffnungen.

Interessent für Virgin Media
Die Aktien von Virgin Media machten einen Kurssprung von 19 Prozent auf 29,00 US-Dollar. Ein Investor hat nach Angaben des Unternehmens Interesse an einer Übernahme des Medienkonzerns angemeldet. Der Name des Interessenten wurde nicht genannt. Es sei auch nicht sicher, ob es wirklich zu einem Gebot kommen werde. Wie AFX News aus Finanzkreisen erfuhr, soll es sich um den amerikanischen Finanzinvestor Carlyle handeln. Carlyle soll 30 bis 35 Dollar pro Virgin-Media-Aktie bieten, insgesamt 10,2 bis 11,9 Milliarden Dollar.

Schwächelt Apples iPhone?
Spekulationen um einen unerwartet schwachen Verkaufsstart des iPhones drückten Apple-Aktien unterdessen ins Minus. Die Papiere verloren gegen den Trend 0,8 Prozent.

Euro auf Höhenflug
Der Euro erreichte am Montagabend mit 1,3630 Dollar ein neues Sieben-Wochen-Hoch. Neben dem ISM-Index hatten sich die Analysten von Goldman Sachs pessimistisch zum Dollar geäußert und die Experten der Citigroup den Euro aus charttechnischer Sicht bevorzugt.

Sonnenkind TecDax
Zurück zu den deutschen Börsen. Anders als der Dax konnten die kleineren Brüder MDax und SDax in die Pluszone wechseln.

Besonders stark stach der TecDax mit 2,8 Prozent Zugewinn hervor. Kurstreiber waren Solaraktien, die von Solarworld mitgerissen wurden. Das Unternehmen hatte verkündet, man werde wegen der weiterhin boomenden Solarkonjunktur die Produktionskapazitäten verdoppeln. Die Aktie stieg prompt auf ein neues Allzeithoch, zeitweise lag sie mehr als zehn Prozent im Plus. Im Gefolge kletterten auch Conergy und Q-Cells überdurchschnittlich.

Die Aktie von QSC macht ebenfalls einen Riesensatz nach oben. Anleger sind begeistert von dem Vertrag, den der Netzwerkanbieter mit der United Internet-Tochter 1&1 schloss. 1&1 wird künftig schnelle DSL-Internetzugänge (ADSL2+) auf Basis der QSC-Netzinfrastruktur vermarkten.

Die Kupfer-Dreierallianz
Im MDax schoss die Aktie der Norddeutschen Affinerie (NA) fünf Prozent in die Höhe. Der österreichische Anlagenbauer A-Tec hat sich hier noch stärker eingekauft: Er erhöhte seinen Anteil an dem Kupferproduzenten von zehn auf 15,1 Prozent. Gleichzeitig stockten die Österreich ihre Beteiligung an der belgischen Kupferhütte Cumerio auf. Börsianer mutmaßen, dass A-Tec auf diese Weise eine Fusion von NA und Cumerio blockieren will. Andere spekulieren auf eine Dreierfusion unter Führung der Österreicher.

Gesundheitsreform treibt Stada-Umsätze
Die Aktie von Stada war dem MDax-Gewinner auf den Fersen mit zeitweise vier Prozent Kursplus. Der Generikahersteller hatte ein Umsatzwachstum von deutlich mehr als zwei Prozent für das zweite Quartal verkündet.

Krones will expandieren
Auch die Krones-Aktie legte stark zu. Der Verpackungsmaschinenhersteller will sich zu einem Komplettanbieter - von der Wasseraufbereitung für Saft bis zur Lagertechnik - entwickeln. So will das Unternehmen bis 2015 seinen Umsatz auf vier Milliarden Euro verdoppeln.

K+S glaubt an Knappheit
Auch die Titel von K+S waren bei Anlegern heutebeliebt. Das Düngemittel- und Salzunternehmen will seine Produktionskapazitäten stark ausbauen, und das vor allem im Ausland. Das Unternehmen ist davon überzeugt, dass Kali in den kommenden Jahren knapp bleiben werde und sich der Bau eines Werkes daher lohnen werde.

Fraport wirft Auge auf Istanbul
Unter die MDax-Verlierer rutschte die Fraport-Aktie. Das Frankfurter Unternehmen hat sich um den Betrieb des Istanbuler Flughafens Sabiha Gökcen beworben gemeinsam mit dem türkischen Immobilienunternehmen IC Holding.

D+S Europe will keine Intershop-Übernahme
Im Kleinwertesegment SDax waren starke Kursgewinne an der Tagesordnung. Allen voran legten die Titel von D+S Europe und Thielert zu - beide mehr als acht Prozent. Bei dem Callcenter-Betreiber D+S Europe ist laut eigener Aussage derzeit keine Übernahme der Softwarefirma Intershop geplant. Über derartige Marktspekulationen hatte nämlich "Euro am Sonntag" berichtet. Es gebe noch keine strategische Entscheidung, was mit dem Intershop-Anteil der neuen D+S-Europe-Tochter Heycom geschehen solle, sagte ein Sprecher.

Aufregung bei Thielert
Thielert stand unter Beschuss wegen des in der vergangenen Woche gemeldeten Vertrages mit dem Flugzeughersteller Cessna. Der Auftrag sei ein Non-Event, urteilte die Schutzvereinigung der Kapitalanleger. "Das grenzt an Kursmanipulationen." Der Kurs der Thielert-Aktie war nach der Mitteilung über den Großauftrag am vergangenen Donnerstag um rund 20 Prozent angestiegen, aber bereits am Freitag wieder deutlich gefallen. Heute verbilligte sich die Aktie zunächst, am Ende ging sie mit acht Prozent Kursplus aus dem Handel.

Die Titel des Fondsanbieters HCI Capital wurden mit mehr als fünf Prozent Kursgewinn drittstärkster Wert im Kleinwertesegment. Das sind wohl Vorschusslorbeeren für den neuen Vorstandschef. Vertriebsvorstand Wolfgang Essing wird zum 1. Oktober Harald Christ an der Unternehmensspitze ablösen.

Auf der SDax-Verliererseite standen Colonia Real Estate. Der Immobilienkonzern übte fünf Monate nach dem Einstieg seine Kaufoption für die komplette Übernahme zweier Wohnimmobilienfirmen aus. Außerdem wechselte noch ein Immobilienpaket im Wert von 19,5 Millionen Euro von DIC an die Deutsche Wohnen. Während die Aktien von DIC Asset verloren, legten die Papiere des Indexkollegen Deutsche Wohnen zu.

Homm steigt bei Evotec ein
Der Finanzinvestor Florian Homm ist bei dem Hamburger Biotechunternehmen Evotec eingestiegen. Der Hedgefonds Absolute Capital Management von Homm beteiligt sich mit gut drei Prozent. Die bislang größten Einzelaktionäre von Evotec sind die ROI Verwaltungsgesellschaft von Roland Oetker mit mehr als zehn Prozent aller ausgegebenen Aktien und die TVM V Life Science Ventures mit rund neun Prozent. Rund 80 Prozent der Anteile sind im Streubesitz. Die Evotec-Aktie steigt leicht.

Auftragsflut für Repower
Außerhalb der Indizes fällt die Repower-Aktie mit 3,7 Prozent Kursplus auf. Der Windkraftanlagenbauer hat einige Großaufträge an der Angel, nach eigenen Angaben ist man bereits in fortgeschrittenen Verhandlungen über entsprechende Bestellungen. Die Orders haben ein Volumen von 1.500 Megawatt. Außerdem winken bei einer Ausschreibung der portugiesischen Regierung Aufträge im Volumen von 400 bis 600 Megawatt.

Zapf strampelt um das Überleben
Starke Kursschwankungen steckte die Zapf-Aktie ein. Der fränkische Puppenhersteller muss seinen am Samstag abgelaufenen Konsortialkredit verlängern. Bereits im Mai hatte das vom Konkurs bedrohte Unternehmen seinen fälligen 90-Millionenkredit verlängert und einen Aufschub um zwei Monate erreicht. Jetzt befinde man sich in intensiven Verhandlungen mit den Banken, um den Kredit abermals zu verlängern. Allerdings, so Zapf, sei man zuversichtlich, die Unternehmensfinanzierung "binnen kurzem" sicher zu stellen.

Tagestermine am Dienstag, 20. November

Unternehmen:
Dermapharm: Q3-Zahlen, 7.30 Uhr
Westwing: Q3-Zahlen, 7.30 Uhr
Easyjet: Jahreszahlen, 8 Uhr
Porsche Automobil Holding: Q3-Zahlen
The Gap: Q3-Zahlen
BASF: Pressekonferenz zu aktuellen Entwicklungen

Konjunktur:
Deutschland: Erzeugerpreise gewerbliche Produkte, 8 Uhr
Deutschland: Baugenehmigungen, 8 Uhr
USA: Baubeginne, -genehmigungen, 14.30 Uhr

Sonstiges:
Frankfurt a.M.: Finanzminister Scholz spricht auf der Tagung "European Banking Regulation"