Dax ignoriert die Krise

Stand: 21.09.2007, 20:10 Uhr

Auto- und Immobilienaktien haben dem Dax auf die Sprünge geholfen. Negative Nachrichten wie der hohe Ölpreis und der starke Euro wurden vorübergehend ausgeblendet. Expoerten warnen jedoch vor Rückschlägen.

Es war vor allem das überraschende Comeback der Immobilienwerte, die den deutschen Aktienmarkt am Freitag nach oben getrieben haben. Unterstützend wirkten auch die Autoaktien, die nach einer Empfhelung von Goldman Sachs ebenfalls kräftig anstiegen. Im Abendhandel konnte der Dax seine Kursgewinne leicht ausbauen und ging mit einem Plus von 0,84 Prozent bei 7789 Punkten aus dem Handel..Auch der große Verfall an den Terminmärkten - "dreifacher Hexensabbat" genannt - half dem Aktienmarkt auf die Sprünge. Im Dax kletterten die Titel des Immobilienfinanzierers Hypo Real Estateum knapp fünf Prozent, verloren jedoch ihren Platz der Indexspitze an Continental. Händler sprachen von einer technischen Reaktion nach den jüngsten Kursverslusten. Auch die Immobilienwerte in der zweiten Reihe konnten deutlich zulegen.

Konjunktur trübt sich ein

Das Hamburgische Welt-Wirtschafts-Institut (HWWI) wird angesichts der Finanzmarkturbulenzen seine Konjunkturprognose senken. «Statt bisher mit 2,8 Prozent rechnen wir 2007 nur noch mit rund 2,5 Prozent Wachstum. 2008 wird das Wachstum für Deutschland leicht unterhalb von 2,5 Prozent liegen», sagte HWWI-Präsident Thomas Straubhaar dem «Hamburger Abendblatt» (Samstagausgabe). Mit Blick auf den Arbeitsmarkt zeigte sich Straubhaar allerdings optimistisch. «Die Arbeitslosenzahl wird in diesem Jahr auf 3,75 Millionen sinken, 2008 auf 3,5 Millionen.» Auch der starke Euro dürfte die Konjunktur zunehmend belasten. Am Freitag testete die europäische Gemeinschaftswährung mit 1,41 Dollar ein neues Allzeit-Hoch. Eine Aufwertung, die die Politik nach Einschätzung von Experten nicht mehr lange tolerieren wird. In den vergangenen 15 Monaten seien die Märkte schon einmal zu Korrekturen gezwungen worden. "Das wird in Kürze meines Erachtens erneut der Fall sein", sagte Folker Hellmeyer von der Bremer Landesbank.

Politikum Euro
Tatsächlich wird die Aufwertung des Euro immer mehr zum Politikum. Besonders lautstarke Proteste kamen auch am Freitag erneut aus Paris. Der französische Staatspräsident Nicolas Sarkozy forderte die Europäische Zentralbank auf, die Zinsen zu senken,um den Höhenflug der europäischen Gemeinschaftswährung zu beenden. In der kommenden Woche dürfte der Wertverlust des Dollar aber ersteinmal weiter gehen. Der Grund sind erneut schwache Daten vom US-Immobilienmarkt. "Ich kann mir vorstellen, dass der Euro weiter hoch geht. Wir werden mal Richtung 1,42 Dollar gehen",
prognostiziert ein Händler .

Kursgewinner Siemens
Die Aktien des Elektronikkonzerns legten am Freitag um 2,8 Prozent zu, nachdem sie zuvor bis zu fünf Prozent gestiegen waren. Sie profitierten nach Händleraussagen von einem Gerücht, nach dem das Unternehmen einen Spin-off der Tochter Osram plant. Außerdem haben sich Fondsgesellschaften mit den Papieren eingedeckt, weil Siemens ab Montag höher im Auswahlindex gewichtet sein wird. Neuigkeiten zum Schmiergeldskandal prallten dagegen an der Aktie ab.

ThyssenKrupp im Stahlboom
Auch die Aktie des Stahlkonzerns ThyssenKrupp legt zum Wochenschluss noch ein beeindruckendes Tänzchen aufs Parkett. Die Titel steigen um knapp 3 Prozent. Stahlwerte profitieren insgesamt stark von guten Vorgaben aus dem asiatischen Handel. Zum anderen soll nach Händlerangaben das "positive Chartbild" der Aktie einen Impuls verleihen. Passend dazu teilte ThyssenKrupp mit, man peile für das laufende Geschäftsjahr 2006/2007 (bis Ende September) einen Umsatz von 50 Milliarden Euro an.

Autoaktien ver"goldet"
Auch Autoaktien legen am Nachmittag weiter zu. BMW, DaimlerChrysler und VW liegen zwischen einem und drei Prozent im Plus. Eine Studie des US-Investmenthauses Goldman Sachs hat dazu beigetragen. Die Experten beurteilen darin die europäischen Autohersteller als robust und mit weiterem Wachstumspotenzial ausgestattet.

Deutsche Börse will expandieren
Die Aktie der Deutschen Börse knüpfte an die Kursgewinne des Donnerstags an. Das Unternehmen will nach einer Mitteilung vom Freitag seine Abwicklungsdienstleistungen für den Aktienhandel nun auch in Großbritannien, Frankreich, den Niederlanden, Belgien und Portugal anbieten. Mit einem Kursplus von gut 2 Prozent liegt die Börsenaktie im Dax-Vorderfeld.

Infineon stottert Qimonda ab
Bei Infineon macht sich offenbar Erleichterung über die anstehende Reduzierung des Qimonda-Anteils breit. Der Chip-Hersteller hat die Einzelheiten zu Aktienzertifikaten (ADR) und einer Umtauschanleihe vorgestellt, mit denen er seinen Anteil an der Speicherchip-Tochter Qimonda weiter reduzieren will. So sollen 25 Millionen ADR zu 10,92 Dollar am Markt platziert werden, dazu komme eine Mehrzuteilungsoption von 3,75 Millionen Aktien. Dadurch werde der Infineon-Anteil an Qimonda auf 77,5 Prozent reduziert. Zusätzlich soll eine Optionsanleihe im Volumen von 190 Millionen Euro begeben werden.

Nike legt für Adidas vor
Die Adidas-Aktie notierte leicht im Plus. Damit kann der Titel von guten Zahlen des US-Konkurrenten Nike nur wenig profitieren. Der Sportartikel-Hersteller steigerte seinen Gewinn im abgelaufenen Quartal von 377 auf 570 Millionen Dollar und verbuchte einen Umsatzanstieg um elf Prozent auf 4,7 Milliarden Dollar. Beide Kennzahlen lagen über den Erwartungen der Analysten.

FMC plant weit voraus
Der Dialyse-Spezialist Fresenius Medical Care (FMC) hatte bereits am Donnerstagabend seine mittelfristigen Geschäftsprognosen in einer Unternehmenspräsentation vorgestellt. Danach soll der Umsatz bis 2010 auf 11,5 Milliarden Dollar steigen. 2007 werden 9,5 Milliarden Dollar geplant. Das Ergebniswachstum nach Steuern soll im Bereich von 10 bis 15 Prozent liegen. Die in den Vortagen gebeutelte Aktie legt leicht zu.

RWE mischt bei "Nabucco" mit
Nach einem Zeitungsbericht will der Versorger RWE als sechstes Unternehmen in das Konsortium zum Bau der "Nabucco"-Pipeline einsteigen. Die "Financial Times Deutschland" meldet dies in ihrer Freitagsausgabe. Die Pipeline soll Erdgas aus dem kaspischen Raum und dem Nahen Osten nach Europa bringen.

KlöCo nach Übernahme gefragt
Eine kleine Übernahme, die aber vielleicht Signalwirkung hat: Der Stahlhändler expandiert mit dem Kauf von ScanSteel in den USA. Die Gesellschaft hat im vergangenen Jahr rund sechs Millionen Dollar umgesetzt. Die KlöCo-Aktie kämpft sich am Freitag nach vorn und verteuert sich um 4,2 Prozent.

Dax-Chart realtime

Tagestermine am Dienstag, 24. September

Unternehmen:
Manchester United: Q4-Zahlen, 8:00 Uhr
Total: Strategie-Update, 8:00 Uhr
Roche: Business-Update, 17:00 Uhr
Nike: Q4-Zahlen, 22:15 Uhr

Konjunktur:
Deutschland: Großhandelspreise 8/18, 8:00 Uhr
USA: FHFA-Index 7/18, 15:00 Uhr
USA: Verbrauchervertrauen 09/18, 16:00 Uhr

Sonstiges:
Hong Kong/Korea: Feiertag, Börsen geschlossen