Dax holt erstmal Luft

Stand: 02.03.2012, 20:02 Uhr

Der Dax hat in dieser Woche 0,8 Prozent zugelegt. Am letzten Handelstag der Woche verabschiedete sich der Leitindex aber mit leichten Verlusten aus dem Handel. Von einer Trendwende wollen Börsianer aber nichts wissen.

"Dass der Dax heute gefallen ist, ist kein Beinbruch", sagte ein Händler in Frankfurt. "Wir konsolidieren auf hohem Niveau und bei diesen Kursen muss man auch die Kirche im Dorf lassen, wenn es mal nach unten geht."

Der Dax schwankt im Tagesverlauf in einer engen Bandbreite zwischen 6.904 und 6.954 Punkten. Den elektronischen Handel beendet der Leitindex schließlich bei 6.921 Punkten, 0,3 Prozent oder 20 Punkte tiefer als am Donnerstag. Auch im Abendhandel kommt es zu moderaten Verlusten.

Der Markt hat gerade eine äußerst angenehme stabile Seitenlage erreicht, in der er zwar die Marke von 7.000 Punkten noch nicht durchbrechen kann, aber auch nicht mehr richtig herunter will, kommentierte Robert Halver von der Baader Bank.

"Wir stehen da wie das Kaninchen vor der Schlange", sagte ein Händler. "Aber um über die 7.000 Punkte zu kommen, brauchen wir richtig Volumen, und das gibt der Markt im Moment nicht her." In den nächsten Tagen dürfte sich die Geldschwemme der EZB weiter durchaus positiv im Markt bemerkbar machen. "Ich gehe davon aus, dass der ein oder andere Euro noch seinen Weg in den Markt findet und wir deshalb die 7.000 Punkte in der nächsten Wochen nehmen werden", sagte ein anderer Börsianer mit Blick auf den Dax.

Am Nachmittag sorgte eine Aussage des spanischen Ministerpräsidenten Mariano Rajoy kurz für Verunsicherung. Danach dürfte das Haushaltsdefizit Spaniens in diesem Jahr wohl höher ausfallen als gedacht und 5,8 Prozent des BIP erreichen. Eigentlich wollte das Land das Defizit in diesem Jahr auf 4,4 Prozent senken.

Euro unter 1,32 Dollar
Der Kurs des Euro hat seinen seit Mittwoch anhaltenden Abwärtstrend fortgesetzt und fällt wiederholt unter die Marke von 1,32 Dollar, nachdem die europäische Gemeinschaftswährung im frühen Handel noch über der Marke von 1,33 Dollar notiert hatte.

Auch an den US-Börsen kommt es am Freitag zu moderaten Verlusten.Verwiesen wurde darauf, dass auch den europäischen Märkten zum Wochenschluss die Luft ausgegangen sei und dies strahle auf die Wall Street aus. Bei Börsenschluss in Frankfurt notiert der Dow Jones-Index 0,3 Prozent unter seinem Stand vom Vortag bei 12.947 Punkten.

Metro enttäuscht Analysten
Metro-Aktien müssen deutliche Verluste hinnehmen und sind ans Dax-Ende gerutscht. Zur Begründung verweisen Händler auf eine negative Analysten-Reaktion nach einem Treffen mit der Führung des Handelskonzerns. Commerzbank-Analyst Jürgen Elfers rechnet mittlerweile höchstens noch mit einem stabilen Ausblick für das operative Ergebnis des Geschäftsjahres. Beim Bankhaus Lampe hat Metro auch keinen zufriedenen Eindruck hinterlassen. Im laufenden Jahr dürfte es keinen Rückenwind geben, schrieb Analyst Christoph Schlienkamp in einer Studie.

Zudem ist der Umsatz des deutschen Einzelhandels im Januar gegenüber Dezember preisbereinigt um 1,6 Prozent gesunken.

Goldman mag die Banken
Dagegen kann die Commerzbank ihre gestrigen Verluste wieder wettmachen und gehört zu den stärksten Werten im Dax. Auch die Aareal Bank aus dem MDax kann einen teil des verolrenen terrains wieder gut machen. Der Grund: die Investmentbank Goldman Sachs hat den europäischen Bankensektor nach der jüngsten Geldspritze der Europäischen Zentralbank (EZB) von "Neutral" auf "Overweight" hochgestuft. Die Analysten verweisen auf die verbesserte Liquidität und Kapitalisierung sowie die immer noch vernünftige Bewertung der Branchentitel, die daher trotz der zuletzt guten Entwicklung weiteres Aufwärtspotenzial hätten.

Merck an der Spitze
Größter Kursgewinner im Dax ist aber die Aktie von Merck. Grund ist eine Heraufstufung durch die Deutsche Bank. Sie hat das Kursziel für die Aktien des Pharma- und Chemieunternehmens vor Zahlen von 74,00 auf 83,00 Euro angehoben, die Einstufung aber auf "Hold" belassen. Die Zielkorrektur reflektiere den etwas besseren Ausblick für die bereinigten Gewinne sowie die gestiegene Branchenbewertung, schrieb Analyst Holger Blum. Die Stimmung der Anleger sei derzeit etwas zu negativ. Die Bilanzvorlage zum Schlussquartal könnte zum Kurstreiber werden, da die Markterwartungen vermutlich zu niedrig seien.

K+S machen skeptisch
K+S gehören dagegen zu den größten Verlierern im Dax. Händlern zufolge wächst wegen mehrerer skeptischer Analystenkommentare die Nervosität vor den am 15. März erwarteten Zahlen. Im Zuge des Ausblicks auf die Zahlen stufte Société Générale das K+S-Papier ab. Morgan Stanley sieht auch Abwärtsrisiken für die Zielsetzung des Konzerns sowie für die durchschnittlichen Analystenschätzungen und bleibt bei der Verkaufsempfehlung.

SMA Solar bricht ein
Im TecDax ist die Aktie von SMA nach einer Gewinnwarnung massiv unter Druck geraten. Das Unternehmen rechnet für 2012 wegen der massiven Kürzung der Solarförderung mit einem Einbruch der Nachfrage. Dadurch dürfte der Umsatz auf 1,2 Milliarden bis 1,5 Milliarden Euro zurückgehen, bei einer auf fünf bis zehn Prozent geschrumpften Marge. Händler sprechen von "grottenschlechten" Aussichten.

Gagfah und Dresden einigen sich
Die Immobilienfirma Gagfah und die Stadt Dresden haben ihren jahrelangen Rechtsstreit beigelegt. Die einvernehmliche Einigung sieht vor, dass die Stadt Dresden bis 2020 neun Jahre lang jeweils vier Millionen Euro erhält, also insgesamt 36 Millionen. Zudem muss Gagfah mehr für die Instandhaltung der Wohnungen aufbringen. Ursprünglich hatte die Stadt Dresden Gagfah wegen Unregelmäßigkeiten bei der Privatiseriung der städtischen Wohnungen auf eine Vertragsstrafe von einer Milliarde Euro verklagt.

Drillisch an TecDax-Spitze
Angeführt wird der TecDax dagegen von Drillisch. Der Telekomanbieter hat trotz eines leicht rückläufigen Umsatzes den Gewinn kräftig gesteigert. Die Aktionäre sollen Ergebnis mit einer um 40 Prozent auf 0,70 Euro erhöhten Dividende beteiligt werden.

Belgacom enttäuscht
Belgacom hat seine Anleger dagegen mit einem trüben Ausblick enttäuscht. Die Titel des führenden belgischen Telefon-Anbieters geben mehr als vier Prozent nach. Der Kerngewinn werde 2012 auf 446 Millionen Euro fallen und damit geringer sein als bislang angenommen, teilte Belgacom mit. Vor allem mit Telefonanrufen verdient der Anbieter nach eigenen Angaben weniger. Im Dax notieren auch die Titel der Deutschen Telekom 0,7 Prozent schwächer.

Koenig & Bauer trotz der Druckerkrise
Um knapp zwei Prozent zulegen kann die Aktie des im SDax notierten Würzburger Druckmaschinenherstellers Koenig & Bauer. Das Unternehmen hat zum dritten Mal hintereinander beim Ergebnis vor Steuern schwarze Zahlen geschrieben, wie der zweitgrößte Druckmaschinenhersteller bekanntgab. Es soll den Angaben zufolge im einstelligen Millionenbereich liegen. Der Konzern erhielt 2011 Aufträge im Wert von 1,5 Milliarden Euro, rund 20 Prozent mehr als im Vorjahr. Der Konkurrenten Manroland musste angesichts der Branchenkrise Insolvenz anmelden, Heidelberger Druck strich tausend Arbeitsplätze.

Lang & Schwarz springen hoch
Mit einem Kursplus von gut neun Prozent reagieren die Anleger auf die Zahlen des im Freiverkehr der Frankfurter Börse notierten Aktien des Finanzmaklers Lang & Schwarz. Schon Anfang Februar war der Kurs fast senkrecht nach oben geschossen, nachdem das Papier zuvor vor sich hin gedümpelt hatte.

Die L&S-Aktiengesellschaft hat einen ausschüttungsfähigen Bilanzgewinn von 5,1 Millionen Euro erwirtschaftet und will eine Rekorddividende von 1,20 Euro ausschütten. Damit liegt die Dividendenrendite bei fast zehn Prozent - so etwas kommt gut an der Börse.

Tagestermine am Mittwoch, 21. November

Unternehmen:
ThyssenKrupp: Q4-Zahlen, 7.30 Uhr
Deutsche Bank: Platform Economy Summit, Berlin
CA Immo: Q3-Zahlen

Konjunktur:
Paris: Vorstellung des OECD-Wirtschaftsausblicks, 11 Uhr
USA: Erstanträge auf Arbeitslosenhilfe, Woche, 14:30 Uhr
USA: Uni Michigan Verbrauchervertrauen, November endgültig, 16 Uhr
USA: Frühindikatoren, Oktober, 16 Uhr

Sonstiges:
Frankfurt a.M.: Abschluss der Handelsblatt-Tagung zum Thema "European Banking Regulation" mit Deutsche-Bank-Compliance-Vorständin Matherat