Marktbericht 20:02

Trotz schwelender Krim-Krise Dax: hoch nervös ins Wochenende

Stand: 14.03.2014, 20:02 Uhr

Die Krim-Krise hat die Aktienmärkte am Freitag auf Berg- und Talfahrt geschickt. Der deutsche Leitindex Dax rutschte zum ersten Mal seit Dezember unter die psychologisch wichtige Marke von 9.000 Punkten. Doch am Ende keimt wieder etwas Zuversicht auf.

Der Dax schloss 0,43 Prozent höher bei 9.056,41 Punkten. Damit hat das Börsenbarometer in dieser Woche 3,15 Prozent eingebüßt. Dass der Dax den letzten Handelstag der Woche mit einem kleinen Plus-Zeichen beendet hat, ist auf die Aussagen des russischen Außenministers Sergej Lawrow zurückzuführen. Der sagte nach dem Treffen mit seinem amerikanischen Kollegen Karrey, dass sein Land keine Pläne für eine Invasion im Osten der Ukraine habe. Das sorgte für Entspannung.

Erneute Nervosität an der Wall Street

Unterstützung erhielten die europäischen Märkte am Freitag zunächst von der Wall Street. Dort hatte sich der Leitindex Dow Jones Industrial nach den Verlusten vom Vortag stabilisiert. Im späteren Verlauf drehen aber auch die Märkte ins Minus und der Dow Jones-Index notiert zwei Stunden vor Schluss 0,23 Prozent tiefer bei 16.071 Punkten.

Im Tagesverlauf hatte die Furcht vor einer militärischen Eskalation in der Ukraine den Dax unter die symbolisch wichtige Schwelle von 9.000 Punkte gedrückt. Zeitweise fiel das Börsenbarometer auf 8.913 Zähler, den tiefsten Stand seit Oktober letzten Jahres. Druck kam neben der Unsicherheit in der Ukraine auch von den internationalen Börsen. Belastet wurde der Dax zudem von der Aussicht auf eine weitere Abschwächung des Wachstums in China.

"Die Nervosität an den Märkten ist immens hoch", sagte Marktanalyst Christian Henke vom Broker IG vor dem am Sonntag anstehenden Referendum auf der Halbinsel Krim. Helaba-Analyst Markus Reinwand geht davon aus, dass die Höchststände in diesem Jahr bereits erreicht worden seien.

Skeptische Experten

"Eine Deeskalation der Krim-Krise dürfte an den Märkten zwar kurzfristig noch einmal für Erleichterung sorgen, eine Fortsetzung des Aufwärtstrends ist wenig wahrscheinlich", so der Experte. Zudem verliere ein wichtiger Kurstreiber an Kraft, wenn die US-Notenbank ihr Anleihenkaufprogramm weiter zurückführt. Experten vom Bankhaus Metzler betonen: "Der Dax hat sich nun von der 10.000er Marke nachhaltig verabschiedet."

Chartexperte Wieland Staud von Staud Research rechnet damit, dass kurz- bis mittelfristig die Korrektur weitergehen wird. Allerdings war vielen Dax-Werten schon vorher die Puste ausgegangen, auch während der Index noch stieg - für Staud ein Alarmzeichen.

Euro in US-Dollar: Kursverlauf am Börsenplatz Forex vwd für den Zeitraum Intraday
Kurs
1,1306
Differenz relativ
-0,46%

Der Euro hat am Freitag einen Teil seiner Kursverluste vom Vortag wieder aufgeholt. Die Gemeinschaftswährung steigt bis auf 1,3934 Dollar. Bei Börsenschluss notiert sie bei 1,3910 Dollar. Am Morgen war sie noch bis auf 1,3848 Dollar abgerutscht. Die Europäische Zentralbank (EZB) hatte den Referenzkurs am Vortag auf 1,3942 Dollar festgesetzt.

HeidelbergCement heftig unter Druck

Größter Verlierer im Dax ist bis zum Schluss die Aktie von HeidelbergCement. Grund ist die Entscheidung der Berenberg Bank, die Zementaktie von "Buy" auf "Hold" abzustufen, das Kursziel wurde aber von 63,00 auf 67,00 Euro angehoben. Die Ergebnisprognosen für die Zementanbieter erschienen zu optimistisch, schrieb Analyst Robert Muir in einer Studie zu europäischen Bau- und Baustoffkonzernen vom Freitag. Entsprechend könnten die Analysten ihre Erwartungen zurückschrauben. Bei HeidelbergCement dürften die Margen im Indonesien-Geschäft unter Druck geraten.

K+S weiter belastet

Auch die Aktie von K+S muss weiter Federn lassen. Nach der angekündigten Dividendenkürzung ist die Stimmung für den Wert weiter belastet. Der Konzern zahlt nur noch 25 Cent je Aktie, nach 1,40 Euro im Vorjahr. Im Gespräch mit boerse.ARD.de bestätigte Konzernchef Norbert Steiner zudem, dass das operative Ergebnis 2014 "deutlich niedriger ausfallen" werde als im Vorjahr.

Fresenius plant Split

Aufwärts geht es dagegen mit den Aktien der Fresenius-Familie. Der Mutterkonzern Fresenius SE will den Anlegern auf der nächsten Hauptversammlung am 16. Mai einen Aktiensplit im Verhältnis 1:3 vorschlagen. Den Schritt erklärte der Konzern mit dem inzwischen hohen Kursniveau. In den vergangenen fünf Jahren habe sich der Wert der Fresenius-Aktie mehr als verdreifacht und liege inzwischen bei über 100 Euro. Der Aktiensplit solle den Handel fördern und das Papier gleichzeitig für breite Anlegerkreise attraktiver machen, erklärte Fresenius.

Analysten helfen Bayer

Auch die Bayer-Aktie hält sich besser als der Gesamtmarkt. Das britische Analysehaus Liberum hat das Kursziel für die Papiere des Leverkusener Konzerns nach einem Investorentreffen von 110 auf 125 Euro angehoben. Die Einstufung beließ Analyst Naresh Chouhan in einer Studie vom Freitag auf "Buy". Die Veranstaltung habe bei ihm den klaren Eindruck hinterlassen, dass der Chemie- und Pharmakonzern seine jüngsten Erfolge dazu nutzen werde, Bayer zu einem reinen Life-Science-Unternehmen umzuwandeln.

Bechtle zeigt sich großzügig

Im TecDax dreht die Bechtle-Aktie kurz ins Plus, nachdem Vorstand und Aufsichtsrat des IT-Dienstleisters für 2013 eine unerwartet deutliche Erhöhung der Dividende auf 1,10 Euro vorgeschlagen haben. das sind zehn Prozent mehr als im Vorjahr. Analysten hatten im Schnitt lediglich mit einer Ausschüttung von 1,047 Euro je Aktie gerechnet.

Gerry Weber zieht an

Auch die Aktie des Modeherstellers Gerry Weber hält sich besser als der Gesamtmarkt und notiert nur leicht im Minus. Das Unternehmen hat im ersten Quartal des Geschäftsjahres 2013/14 seinen Umsatz um drei Prozent auf 190 Millionen Euro verbessert. Das Ergebnis vor Zinsen, Steuern und Abschreibungen (Ebitda) kletterte um fünf Prozent auf 24,3 Millionen Euro.

DBAG verdient mehr

Auch die im SDax gelistete Aktie der Deutschen Beteiligungs AG (DBAG) kann ihre Verluste in Grenzen halten. Das Unternehmen hat im ersten Quartal des neuen Geschäftsjahres seinen Gewinn von 7,5 auf 12,4 Millionen Euro gesteigert. Das Eigenkapital je Aktie betrug Ende Januar 21,25 Euro, das sind 0,89 Euro je Aktie mehr als zu Beginn des Geschäftsjahres.

Tipp24: Millionen-Gewinn belastet

Überdurchschnittliche Verluste erleidet dagegen die Aktie des Glückspielanbieters Tipp24. In einer Lotterie einer Tochtergesellschaft hat ein Kunde einen Gewinn von rund 6,7 Millionen Euro erzielt. Im bisherigen Geschäftsjahr 2014 habe der Betrag der Spielgewinnauszahlungen damit insgesamt um 3,9 Millionen Euro über dem statistischen Mittel gelegen.

Zwangs-Delistung im Entry Standard

Für die Aktie der GIEAG Immobilien AG endet heute die Notierung an den Börsen in Frankfurt und Düsseldorf. "Die verspätete Einreichung des Jahresabschlusses und Lageberichts 2012 wurde von der Frankfurter Wertpapierbörse als Verstoß gegen die Einbeziehungsfolgepflichten des Entry Standards gewertet", teilte das Unternehmen mit.

lg

Tagestermine am Montag, 17. Dezember

Unternehmen:
Hennes & Mauritz: Q4-Umsatz, 08:00 Uhr

Konjunktur:
EU: Handelsbilanz 10/18, 10:00 Uhr
EU: Verbraucherpreise 11/18 (vorl.), 11:00 Uhr
USA: Empire-State-Index 12/18, 14:30 Uhr
USA: NAHB-Index 12/18, 16:00 Uhr