Marktbericht 20.30 Uhr

Vergessen das Börsenbeben Dax: Heute ist Rally-Stimmung

Stand: 11.03.2016, 20:30 Uhr

Gestern hüh, heute hott: Seine gestrigen Verluste hat der Dax heute mehr als wett gemacht. Sorgte die EZB gestern Angst, wurde sie heute von Anlegern gefeiert, vor allem Aktien der Banken und Versicherer. Woher der Stimmungsumschwung?

Der Dax ging heute bei 9.831 Punkten aus dem Xetra-Handel, der Late-Dax einen Punkt höher. Das war ein stolzes Plus von 3,5 Prozent. Der EuroStoxx 50 kletterte in gleichem Maße, in Paris und London ging es für die Leitindizes ebenfalls klar aufwärts. In den USA notiert der Dow Jones zur Stunde rund 1,1 Prozent im Plus bei 17.184 Punkten, er stieg auf das höchste Niveau seit Anfang Januar.

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Börse 20.15 Uhr

Es gab nur Gewinner-Aktien im deutschen Leitindex. Ein ähnliches Bild in den anderen Indizes, Aktien mit Minuszeichen waren schwer zu finden. Vielleicht haben sich Anleger gesagt, dass ihre gestrige Angst übertrieben war. Das Gesamtpaket der EZB stimmt schließlich aus Börsensicht. Die Bemerkung von Mario Draghi, dass weitere Zinssenkungen aus heutiger Sicht nicht notwendig erscheinen, wurde da verdrängt.

Dax

Dax: Kursverlauf am Börsenplatz Xetra für den Zeitraum 6 Monate
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"Es gibt gute Gründe dafür, dass die EZB mit ihrem geldpolitischen Feuerwerk für neuen Schwung an den Kapitalmärkten sorgen kann", sagte Marktexperte Björn Block vom Bankhaus Marcard, Stein & Co. Die überreichliche Liquidität werde weiter zunehmen und die Anleiherenditen blieben niedrig, so dass Aktien als Anlage weiter attraktiv seien. Zudem werde der Euro geschwächt, was gerade exportorientierten Unternehmen helfe. Heute überwand der Euro aber zeitweise Schwächezeichen und wagte sich nahe 1,12 Dollar heran. Nach einem Schwenk Richtung Parität sieht das nicht aus.

Yuan hält den Ölpreis oben

Die Ölpreise gewinnen weiter. Die Nordseesorte Brent kostete wieder über 41 Dollar. In der Hoffnung auf eine wieder anziehende Nachfrage aus China griffen Anleger bei dem Rohstoff zu, was auch an der Aufwertung der chinesischen Währung lag, die Rohöl für Käufer aus der weltweit zweitgrößten Volkswirtschaft günstiger macht. Außerdem kehren immer mehr institutionelle Anleger in den Ölmarkt zurück: Fonds sind wieder optimistisch.

ThyssenKrupp an der Dax-Spitze

Den Deutschen Aktienindex führte ThyssenKrupp mit über acht Prozent Kursplus an. Eine Empfehlung von Morgan Stanley half der Aktie auf die Beine, die europäischen Stahlaktien Attraktivität bescheinigten. Chinas Exporte stagnieren, Maßnahmen gegen Preisdumping seien eingeführt worden und die Nachfrage in Europa nehme zu - das sorgt für eine bessere Auslastung.

EZB treibt Deutsche Bank und Commerzbank

Bankaktien gehörten zu den Top-Werten, im Dax schoss die Aktie der Deutschen Bank sechs Prozent aufwärts. Den Finanzinstituten winken besonders günstige längerfristige Kreditlinien bei der Notenbank. Diese sind daran geknüpft, dass die Banken das billige Geld in Form von Krediten an die Wirtschaft weiterreichen. Das aufgestockte Anleihekaufprogramm der EZB dürfte vielen Instituten höhere Gewinne bringen, sagte Aktienhändler Andreas Lipkow vom Vermögensverwalter Kliegel & Hafner. Das schiebe die Finanzwerte in der Gunst der Anleger wieder ganz nach vorne.

Da konnten sie über den heute veröffentlichten Geschäftsbericht der Deutschen Bank hinwegsehen, in dem die Bank auf ein schwaches Ergebnis im ersten Quartal vorbereitet - und dabei ist gerade das erste Quartal sonst immer stark im Bankensektor. Auch die Commerzbank hatte bei Vorlage des Geschäftsberichtes heute auf ein schwieriges Jahr 2016 vorbereitet - wegen der hohen Volatilität an den Kapitalmärkten und weiteren Belastungen aus dem Niedrigzinsumfeld.

Noch ein EZB-Profiteur: Allianz

Auch die Versicherer waren heute gefragt. Die Allianz etwa legte vier Prozent zu. Auch hier wirkte der EZB-Faktor: Das nun auch Unternehmensanleihen zu den von der Notenbank kaufbaren Wertpapieren zählten, sei gerade für europäische Versicherer sehr positiv, schrieb Analyst Michael Huttner in einer Branchenstudie. Der Anleihemarkt sei nämlich ihr größter Risikofaktor. Die Allianz sei überdurchschnittlich stark abhängig von diesen Corporate Bonds. Der ebenfalls heute vorgelegte Geschäftsbericht des Dax-Konzerns brachte nicht viel Neues zu den bereits veröffentlichten Daten. Die Allianz will sich "mit Augenmaß" neu ausrichten und so schlanker und wendiger werden, so Vorstandschef Oliver Bäte.

Münchener Rück steht vor Chefwechsel

Beim weltgrößten Rückversicherer Münchener Rück gab es Schlagzeilen anderer Art: Der Chef geht. Der seit 2004 amtierende Vorstandschef Nikolaus von Bomhard will seinen Ende 2016 auslaufenden Vertrag nicht verlängern und den Konzern spätestens zur Hauptversammlung 2017 verlassen. So hat es das "Manager Magazin" von onzern-Insidern erfahren.

BMW und VW springen an

Auch Autoaktien preschten heute vor. Die-BMW-Aktie profiterte von den guten Verkäufen im Februar. Die Münchner setzten acht Prozent mehr Autos ab. Vor allem in China läuft es rund, was BMW wieder etwas näher an den enteilten Konkurrenten Mercedes-Benz heran bringt.

Selbst die VW-Aktie gewann. Dabei hatten die Wolfsburger einen Absatzrückgang im Februar zu beklagen. Doch nutzten einige Investoren offenbar das wieder niedrigere Kursniveau, um auf lange Sicht ihre Positionen in dem Autokonzern zu vermeintlich günstigen Kursen auf- und auszubauen, sagte Andreas Lipkow vom Vermögensverwalter Kliegel & Hafner. Neue Nachrichten zum Abgasskandal des Autokonzerns prallten von ihnen ab. Auch die Tochtermarke Porsche meldete sich zu Wort. Mit den Sportwagen setzten die Stuttgarter im vergangenen Jahr rund 22 Milliarden Euro um, ein Zuwachs von einem Viertel und außerdem ein Rekordwert.

MAN mit kräftigem Gegenwind

MAN ST: Kursverlauf am Börsenplatz Xetra für den Zeitraum Intraday
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Die VW-Tochter MAN hatte dagegem 2015 einen Gewinneinbruch von 45 Prozent auf 140 Millionen Euro zu beklagen, was unter anderem am Konjunktureinbruch in Brasilien lag. Die VW-Tochter erwartet für 2016 noch keine spürbare Erholung im Lkw-Geschäft.

SAF Holland "unter Volldampf"

Beim Nutzfahrzeugzulieferer SAF Holland brummt dagegen das Geschäft. Der Umsatz legte im vorigen Jahr um 11 Prozent, das Ergebnis um stolze 33 Prozent zu. Das macht sich auch für die Aktionäre bezahlt, die Dividende klettert von 32 auf 40 Cent je Aktie. "Wir arbeiten in Europa unter Volldampf", sagt Vorstandschef Detlef Borghardt am. Nach langen Krisenjahren seien die Lkw- und Anhängerflotten veraltet und würden jetzt erneuert. Das gab der im SDax notierten Aktie Auftrieb.

Fresenius setzt auf Frauen

Im Dax machte noch die Fresenius-Familie von sich reden. Der Medizintechnikkonzern Fresenius und seine ebenfalls börsennotierte Tochter Fresenius Medical Care haben erstmals Frauen für ihre Aufsichtsräte nominiert. Damit verschwindet im Dax die letzte Männerbastion. Die beiden Unternehmen sind die beiden einzigen Dax-30-Unternehmen, in deren Kontrollgremien bislang noch keine einzige Frau vertreten ist.

Metro plant Verkauf von Real

In den Fokus rückte MDax-Konzern Metro. Einem Bericht der "Lebensmittelzeitung" zufolge könnte der Handelskonzern einen neuen Anlauf wagen, die ungeliebte Supermarktkette "Real" zu verkaufen. Vorstandschef Olaf Koch sondiere derzeit den Markt und wolle das größte Sorgenkind des Unternehmens angeblich noch in diesem Jahr losschlagen, berichtete die Zeitschrift.

MDax-Spitzenreiter Südzucker

Südzucker: Kursverlauf am Börsenplatz Xetra für den Zeitraum Intraday
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Stärkster Wert im MDax war heute Südzucker. Dabei half das Bankhaus Lampe: Analyst Marc Gabriel prognostizierte stark steigende Zuckerpreise nach Ernteverlusten in Brasilien und Indien, wovon Europas größter Zuckerproduzent profitieren sollte. Er sollte jedenfalls den aktuellen Rückgang der Ethanolpreise überkompensieren können. Der Experte erneuerte seine Kaufempfehlung und hob das Kursziel von 20 auf 22 Euro an.

Wirecard erholt sich

Die TecDax-Liste führte Wirecard mit acht Prozent Kursplus an - eine kleine Erholung für den seit einigen Wochen unter Beschuss stehenden Zahlungsabwickler. Die Aktie ist immer wieder Opfer von Short-Attacken. Ende Februar hatten die anonymen Autoren des selbst ernannten Research-Dienstes Zatarra Wirecard scharf angegriffen, Betrug vorgeworfen und ein Kursziel von Null Euro ausgerufen. Wirecard wies diese Vorwürfe als verleumderisch zurück. Zatarra macht mit seinen Angriffen über Internetforen weiter.

Schaltbau hat große Pläne

Das Verkehrstechnikunternehmen Schaltbau will in diesem Jahr prozentual zweistellig wachsen. Der Umsatz soll auf 550 Millionen Euro und das Betriebsergebnis (Ebit) auf 41,5 Millionen zulegen. Im vergangenen Jahr steigerte das Unternehmen die Erlöse nach vorläufigen Berechnungen um 16 Prozent auf 497 Millionen Euro und das Ebit um 34 Prozent auf 36,5 Millionen.

Große Sprünge bei C-Quadrat

Ein echter Höhenflieger war heute die Aktie von Vermögensverwalter C-Quadrat, die bis zu 30 Prozent in die EHöhe schoss auf ein Zehn-Jahres-Hoch von 59,96 Euro. Die beiden Firmengründerh haben ihr Übernahmeangebot nachgebessert. Sie halten mehr als 90 Prozent der Anteile und wollen die übrigen Aktionäre abfinden. Dafür bieten sie jetzt 60 Euro je Aktie - zuvor 42,86 Euro.

Alles nur Fantasie bei Telecom Italia?

Telecom-Italia-Präsident Guiseppe Recchi spricht von der "Fantasie der Presse". Doch Anleger setzen weiter auf die Spekulationen, dass die Italiener mit dem französischen Konkurrenten Orange zusammen gehen könnten. Aktien von Telecom Italia legten heute zeitweise fünf Prozent zu, Orange-Aktien vier Prozent.

bs

Dax-Chart realtime

Tagestermine am Montag, 16. Juli

Unternehmen:
United Continental: Q2-Zahlen
America Movil: Q2-Zahlen, 22 Uhr

Konjunktur:
China: BIP Q2, 4 Uhr
China: Industrieproduktion, Juni, 4 Uhr
EU:Euro Zone-Handelsbilanz, Eurostat, Mai, 11 Uhr
USA: Empire State Index, Juli, 14:30 Uhr
USA: Einzelhandelsumsatz, Juni, 14:40 Uhr
Sonstiges:
Tokio Märkte wegen eines Feiertags geschlossen