Dax hangelt sich langsam nach oben

Stand: 14.04.2011, 20:02 Uhr

Der Kapitalhunger der Banken hat den Anlegern heute die Stimmung verdorben. Nach dem kräftigen Plus gestern schließt der Dax heute im Minus, schafft es aber einen Großteil der Tagesverluste wettzumachen.

Am Abend geht der Leitindex nur noch neun Punkte tiefer aus dem Handel bei 7.162. Dabei war der Dax im Tagesverlauf zeitweise bis auf 7.099 Zähler abgerutscht. Grund für das Stimmungstief waren enttäuschend schlechte Arbeitslosenzahlen aus den USA. Erstmals seit einem Monat lag die Zahl der Erstanträge auf Arbeitslosenhilfe wieder über der Marke von 400.000 und damit deutlich höher als erwartet.

Auch an der Wall Street halten sich die Anleger deshalb mit Aktienkäufen zurück. Aber auch hier hellt sich die Stimmung bis zum Abend allmählich auf. Bei Börsenschluss in Deutschland notiert der Dow Jones-Index nur noch 23 Punkte (0,2 Prozent) tiefer bei 12.249.

Sorgen bereitet den amerikanischen Anlegern ein neuer Inflationsschub in China und die damit verbundene Furcht vor steigenden Zinsen. Zudem gebe es weiter keine Klarheit darüber, wie stark die zuletzt gestiegenen Rohstoffpreise die Gewinne der Firmen belasten, sagten Händler. Und schließlich sei ebenfalls noch nicht absehbar, wie sich die nach der Beben- und Tsunami-Katastrophe in Japan abzeichnenden Engpässe von Zuliefer-Teilen auswirken werden. Mit Spannung warten die Anleger auf die Quartalszahlen von Google, die nach US-Börsenschluss um 22 Uhr unserer Zeit erwartet werden.

Euro klettert wieder
Der Euro hat seine Talfahrt am Nachmittag beendet und ist wieder ins Plus gedreht. Bis zum Börsenschluss in Frankfurt kann die Gemeinschaftswährung einen Großteil ihrer Verluste wieder wettmachen und notiert wieder nahe 1,45 Dollar.

Die Ölpreise haben sich heute uneinheitlich gezeigt. Die Sorge der Anleger vor einem Rückgang der Nachfrage ließ den Preis für Nordsee-Öl leicht abrutschen, während der Preis für US-Rohöl zulegte. Im späten Nachmittagshandel verbilligte sich ein Barrel (159 Liter) der Sorte Brent mit Auslieferung im Mai um 53 Cent auf 122,35 US-Dollar. Zeitgleich stieg der Preis für US-Öl der Sorte West Texas Intermediate (WTI) um 43 Cent auf 107,54 Dollar.

Commerzbank: Kursverlauf am Börsenplatz Xetra für den Zeitraum Intraday
Kurs
8,66
Differenz relativ
+0,12%

Commerzbank-Aktie fährt Achterbahn
Nach gemischten Reaktionen auf den ersten Schritt der milliardenschweren Kapitalerhöhung sind die Aktien der Commerzbank auf Berg- und Talfahrt gegangen. Nach einem kräftigen Plus am Vormittag drehte die Aktie ins Minus und schließt 1,8 Prozent tiefer als gestern bei 4,60 Euro. Die Commerzbank hat nach der Platzierung einer bedingten Wandelanleihe (Comen) bereits mehr als die Hälfte des Zielvolumens der gesamten Kapitalmaßnahme eingesammelt. Mit der Comen, die am Vorabend zu 4,25 Euro platziert wurde, erlöste das Institut 4,3 Milliarden Euro.

Deutsche Bank: Kursverlauf am Börsenplatz Xetra für den Zeitraum Intraday
Kurs
9,50
Differenz relativ
-1,04%

Deutsche Bank unter Druck
Größter Verlierer im Dax ist allerdings die Aktie der Deutschen Bank. Der riesige Kapitalbedarf der Commerzbank sowie eine negative Branchenstudie erschüttern das Papier des heimischen Branchenprimus. So haben die Analysten der Société Générale ihre Anlageempfehlung von "buy" auf "hold" gesenkt und dies mit einem möglicherweise hohen Kapitalbedarf der Bank im Zusammenhang mit den neuen Eigenkapitalregeln (Basel III) begründet, die 2013 in Kraft treten. In den USA muss sich die Deutsche Bank heftige Kritik an ihren Hypothekengeschäften gefallen lassen. Ein Ausschuss des Senats wirft dem Frankfurter Geldhaus vor, mit seinem Verhalten die Finanzkrise befeuert zu haben.

Daimler: Kursverlauf am Börsenplatz Xetra für den Zeitraum Intraday
Kurs
51,39
Differenz relativ
-1,95%

Ex-Dividende bei Daimler
Zu den Schlusslichtern im Dax gehört ebenso die Daimler-Aktie. Grund sind aber keine Hiobsbotschaften, sondern die heute erfolgte Auszahlung der Dividenden. Der Autobauer hat nach der gestrigen Hauptversammlung 1,85 Euro je Aktie ausgeschüttet.

Beiersdorf mit Umsatzwarnung?
Zu den überdurchschnittlich schwachen Werten im Dax gehört auch die Beiersdorf-Aktie. Händler berichten von Gerüchten, der Nivea-Konzern könne seine Prognose senken. Bereits im März hatte Beiersdorf angekündigt, die Umsätze dürften sich 2011 kaum verändern. Da es aber bei den Spekulationen keine konkreten Zahlen gebe, könne man sich vorstellen, dass der Konzern möglicherweise mit einem noch geringeren Umsatz rechne.

Aareal braucht auch Geld
Schlusslicht im MDax sind die Aktien der Immobilienbank Aareal. Grund ist eine am Morgen angekündigte Kapitalerhöhung belastet. Die Bank will 269 Millionen Euro einsammeln, um sich mehr Spielraum für lukratives Neugeschäft zu schaffen. Zudem soll ein weiterer Teil der staatlichen Hilfe zurückerstatten werden.

Wirecard: Kursverlauf am Börsenplatz Xetra für den Zeitraum Intraday
Kurs
174,00
Differenz relativ
+2,08%

Wirecard zahlt mehr
Zu den Favoriten im TecDax gehört die Aktie des Zahlungsabwicklers Wirecard. Die Firma will für 2010 eine Dividende von zehn Cent je Aktie zahlen und damit einen Cent mehr als ein Jahr zuvor. Wirecard hatte seinen Gewinn je Aktie von 45 auf 53 Cent je Anteilsschein verbessert.

bmp schreibt wieder schwarz
Der Berliner Finanzdienstleister bmp hat 2010 wieder mit einem Gewinn abgeschlossen, von 2,2 Millionen Euro, nachdem 2009 noch ein Verlust von zehn Millionen angefallen war. Der Umsatz erhöhte sich von 1,5 Millionen Euro auf 7,1 Millionen, dank vor allem den Erlösen aus dem Verkauf der beiden Beteiligungen nugg.ad und Nokaut. Die Aktie legt rund 2,5 Prozent zu.

4SC kann punkten
Um mehr als drei Prozent klettert die Aktie des Biotech-Unternehmens 4SC. Die Anleger begrüßen die Ankündigung des Unternehmens, einen Partner für die Weiterentwicklung und den Verkauf seines ersten Medikaments Resminostat in Japan gefunden zu haben. Dadurch winken erfolgsabhängige Zahlungen von bis zu 127 Millionen Euro.

Delignit tief im Minus
Der Spezialholzverarbeiter Delignit hat im vergangenen Jahr einen Verlust von 10,6 Millionen Euro erzielt. Wesentlicher Grund für das Defizit ist der Verkauf seiner rumänischen Beteiligung. Ohne die Belastungen aus der Entkonsolidierung hätte die Delignit AG ein positives Ergebnis erreicht. Der Umsatz legte im vergangenen Jahr um 14,4 Prozent von 22,4 Millionen Euro auf 25,7 Millionen zu. Die im Entry Standard notierte Aktie steigt um 1,7 Prozent.

Bank of Ireland mit weniger Verlust
Die teilverstaatlichte Bank of Ireland hat der desolaten irischen Bankenbranche überraschend einen weiteren Milliardenverlust erspart. Das Institut vermeldete am Donnerstag für das vergangene Jahr ein Minus von netto 609 Millionen Euro, während sich Branchenexperten im Schnitt auf 1,9 Milliarden Euro gefasst gemacht hatten.

Tagestermine am Montag, 22. Oktober

Unternehmen:
Philips Quartalszahlen Q3, 7 Uhr
Ryanair Halbjahreszahlen, 7 Uhr
Halliburton Quartalszahlen Q3, 12.45 Uhr
Munich Re Rückversicherertreffen Baden-Baden, 9.30 Uhr
Hannover Rück Rückversicherertreffen Baden-Baden, 12 Uhr
Hasbro Quartalszahlen Q3

Konjunktur:
Deutschland Monatsbericht Bundesfinanzministerium 0.01 Uhr
Deutschland Monatsbericht Bundesbank 10 Uhr

Sonstiges:
Bundesverband öffentlicher Banken Pressegespräch zu bevorstehendem Banken-Stresstest
Stahlgipfel u.a. mit Bundeswirtschaftsminister Peter Altmaier