Dax hakt Krise ab

Stand: 01.04.2010, 20:03 Uhr

Der Dax hat in dieser Woche knapp zwei Prozent zugelegt. Nach einer kurzen Verschnaufpause gestern setzte sich die Rally heute fort. Beflügelt wurden die Kurse von der Entwicklung auf dem US-Arbeitsmarkt. Allerdings waren die Umsätze gering.

Händlern zufolge haben sich viele Anleger bereits vor einigen Tagen in die Osterferien verabschiedet, so dass selbst kleinere Aufträge für große Bewegungen sorgten. Bereits am Vormittag war der Dax über die psychologisch wichtige Marke von 6.200 geklettert - und konnte dieses Niveau im weiteren Tagesvorlauf sogar noch ausbauen. Bis auf 6.238 Punkte stieg das Börsenbarometer am Nachmittag und damit auf den höchsten Stand seit dem Zusammenbruch von Lehman Brothers im September 2008. Den Abendhandel beendet der Dax 63 Punkte höher als gestern bei 6.220.

Befeuert wurden die Kurse von der Hoffnung auf eine Entspannung auf dem amerikanischen Arbeitsmarkt. Die Erstanträge auf Arbeitslosenhilfe fielen in der Vorwoche auf 439.000 von zuvor 442.000, wie die Regierung in Washington mitteilte. Analysten hatten mit 440.000 Anträgen gerechnet. Die Zahlen fanden deshalb große Beachtung, weil die Anleger auf die morgen anstehenden US-Arbeitslosenzahlen im März erst nach Ostern reagieren können.

Für Freude sorgte auch der unerwartete Anstieg des ISM-Einkaufsmanagerindex. Er stieg im März von 56,5 auf 59,6 Punkte. Volkswirte hatten nur mit 57,0 Punkten gerechnet. Zudem haben die Amerikaner im März wieder deutlich mehr Autos gekauft. Die Verkäufe von GM stiegen im Vergleich zum Vorjahreszeitraum um knapp 21 Prozent. Ford konnte sogar einen Anstieg von 40 Prozent vermelden. Experten zufolge deutet dieser Anstieg darauf hin, dass das konjunkturelle Erholungsszenario in den Vereinigten Staaten intakt ist.

An der New Yorker Börse nähert sich der Dow Jones-Index zeitweise der Marke von 11.000 Punkten, muss dann aber einen Teil seiner Gewinne wieder abgeben. Bei Börsenschluss in Frankfurt gewinnt der Dow Jones 46 Punkte bei 10.902.

Damoklesschwert US-Arbeitsmarkt
Wie ein Damoklesschwert hängt allerdings der amerikanische Arbeitsmarktbericht über dem Dax, der morgen veröffentlicht wird und auf den die Anleger in Deutschland erst am Dienstag reagieren können. Die Experten der DZ erwarten, dass es am US-Arbeitsmarkt im März zu einer Wende und einem neuen Beschäftigungsaufbau gekommen ist. Sollten die Zahlen besonders gut ausfallen, könnte dies dem Markt noch einmal neuen Elan verleihen. Allzu stark nach oben gehen dürfte es jedoch ihrer Meinung nach nicht. Vielmehr verhinderten die kräftigen Kursanstiege der letzten Wochen eine mögliche Übertreibungsphase.

K+S leidet unter Mosaic
Größter der insgesamt drei Verlierer im Dax ist die Aktie von K+S. Börsianer verweisen auf enttäuschende Zahlen des US-Konkurrenten Mosaic. Der Düngemittelhersteller habe trotz eines Gewinnsprungs die Markterwartungen verfehlt.

Lufthansa-Aktie an der Spitze
Die Aussicht auf eine Einigung im Streit mit den Piloten hat die Lufthansa-Aktie an die Dax-Spitze katapultiert. Die Pilotengewerkschaft Vereinigung Cockpit (VC) nahm das Angebot der Lufthansa an, den Konflikt bei der Vergütung und bei den Manteltarifverträgen über die Einsetzung eines Schlichters zu lösen. Damit wäre ein bereits geplanter viertägiger Streik zunächst abgewendet.

Daimler: Kursverlauf am Börsenplatz Xetra für den Zeitraum Intraday
Kurs
57,26
Differenz relativ
-2,35%

Credit Suisse schiebt BMW an
Auch die BMW-Stammaktie gehört zu den größten Dax-Gewinnern. Die Credit Suisse hat den Wert von "Underperform" auf "Outperform" und das Kursziel von 32 auf 42 Euro nach oben genommen. Im Vergleich mit Daimler habe BMW mehr Aufwärtspotenzial, hieß es zur Begründung. Der Markt unterschätze die Preissteigerungen, die BMW dank neuer Modelle erreichen dürfte.

Daimler vor Vergleich?
Die Daimler-Aktie kann ebenfalls überdurchschnittlich zulegen. Das Unternehmen dürfte das Kapitel Schmiergeld bald schließen können. Noch heute soll ein Richter in Washington den ausgehandelten Vergleich mit der US-Justiz absegnen. Für den Autobauer endet damit ein jahrelanges Geschacher mit den amerikanischen Behörden. Um endlich Ruhe zu haben, willigten die Stuttgarter ein, 185 Millionen Dollar zu zahlen und sich schuldig zu bekennen.

MAN erwartet Durststrecke
Auch nach anderthalb Jahren ist beim Lastwagen- und Maschinenbauer MAN kein Ende der Krise in Sicht. "Die schwierigen Zeiten sind leider noch nicht ganz vorbei", sagte Konzernchef Georg Pachta-Reyhofen auf der Hauptversammlung. In der Lkw-Branche seien die Anzeichen der Markterholung "noch zaghaft", und die Geschäfte in der krisengeschüttelten Nutzfahrzeugsparte würden auf dem derzeitigen Niveau weiterlaufen. In der Maschinenbausparte Diesel &Turbo rechnet MAN sogar mit einem Umsatzrückgang. Die Aktie legt trotzdem leicht zu.

Ryanair hebt ab
Europas größter Billigflieger Ryanair hat seine Gewinnprognose für das abgelaufene Geschäftsjahr angehoben und damit seine Aktie beflügelt. Seit Ende Februar gab es mehr Buchungen und bessere Margen als bisher angenommen. Für das am Mittwoch abgelaufene Geschäftsjahr 2009/2010 geht die Airline nun von einem Nettogewinn von 310 Millionen Euro aus, 35 Millionen mehr als prognostiziert. Die Ryanair-Aktie legt um mehr als fünf Prozent zu.

Im Windschatten der neuen Prognose des Konkurrenten gewinnen auch die Papiere von Air Berlin überdurchschnittlich.

IVG profitiert von der Charttechnik
Charttechnische Kaufsignale haben Börsianern zufolge der IVG-Aktie zu einem kräftigen Auftrieb verholfen. Die Papiere der Immobilienfirma klettern um bis zu sieben Prozent auf ein Viereinhalb-Monats-Hoch von 6,93 Euro. "Nach dem Sprung über die Marke von 6,60 Euro - das Hoch von vorgestern - hat die Aktie Luft bis 7,16 Euro", sagte ein Händler.

Wirecard erholt sich weiter
Nach dem Absturz am Dienstag fällt die Wirecard-Aktie erneut mit deutlichen Kursgewinnen auf. Offenbar glauben immer mehr Anleger, dass an den kürzlich erhobenen Vorwürfen wegen Geldwäsche nichts dran ist.

Aixtron empfohlen
Auch die ebenfalls im TecDax notierte Aixtron-Aktie kann überdurchschnittlich zulegen. Grund ist eine Kaufempfehlung der UBS. Mittelfristig sollte der verbreitete Einsatz von Leuchtdioden (LEDs) zu weiterem Wachstum führen, hieß es zur Begründung. Aixtron produziert Maschinen, mit der LEDs herstellt werden können. Die Auftragslage dürfte im laufenden Jahr stabil bleiben und sich ab 2011 verbessern. Die Analysten setzten ihr Kursziel auf 31 Euro.

Höhenflieger SAF-Holland
Star des Tages ist aber wohl der im Prime Standard gelistete Nutzfahrzeugzulieferer SAF-Holland. Dessen Aktie explodiert förmlich um fast 25 Prozent. Das laufende Jahr soll besser als das vergangene laufen. "Wir sehen eine Belebung des Marktes in Europa und Nordamerika", sagte Vorstandschef Rudi Ludwig in einem Reuters-Interview. SAF-Holland hatte im vergangen Jahr eine Umsatzeinbruch um fast die Hälfte auf 420 Millionen Euro erlitten. Außerdem verbuchte das Unternehmen einen Verlust von knapp 49 Millionen Euro.

DIC beschafft sich Geld
Deutliche Kursverluste muss dagegen die Aktie des Immobilienunternehmens DIC Asset aus dem SDax hinnehmen. Die Firma hat eine Kapitalerhöhung von 47 Millionen Euro durchgeführt. Mit dem Geld will DIC auf Einkaufstour gehen.

Dax-Chart realtime

Tagestermine am Montag, 23. Juli

Unternehmen:
Daimler: Weltpremiere des ersten Elektroautos der neuen Marke EQ in Stockholm
Ryanair: Q1-Zahlen, 07:00 Uhr
Philips: Q2-Zahlen, 07:00 Uhr
Julius Bär: Halbjahreszahlen, 07:00 Uhr
Hasbro: Q2-Zahlen, 12:30 Uhr
Halliburton: Q2-Zahlen, 12:45 Uhr
Kering: Q2-Zahlen, 16:00 Uhr
Michelin: Q2-Zahlen, 17:45 Uhr
Luxxotica: Halbjahreszahlen, 17:45 Uhr
Alphabet (Google): Q2-Zahlen, nach US-Börsenschluss
Amgen: Q2-Zahlen
AMD: Q2-Zahlen

Konjunktur:
Deutschland: Bundesbank-Monatsbericht Juli, 12:00 Uhr
USA: CFNA-Index für Juni, 14:30 Uhr
USA: Wiederverkäufe Häuser im Juni, 16:00 Uhr
EU: Verbrauchervertrauen in der Euro-Zone im Juli, 16:00 Uhr