Dax hängt durch

Stand: 20.05.2008, 20:10 Uhr

Die Stimmung in den letzten Tagen war wohl etwas zu gut. Heute gab es entsprechend einen Dämpfer. Der Dax schloss im Minus. Verluste gab es auf breiter Front, besonders schlecht schnitt Infineon ab.

Die belastenden Meldungen kamen weniger von Unternehmens- als vom Konjunkturseite. In Deutschland hatte bereits am Morgen der ZEW-Konjunkturindikator den Moll-Ton vorgegeben, da er unerwartet zurückging. Händler machten zudem Gewinnmitnahmen aus. "Der Dax lief in den vergangenen Handelstagen besser als die meisten anderen Märkte, jetzt wird erst mal wieder Geld vom Tisch genommen." Am Nachmittag dämpften negativ aufgenommene Nachrichten aus den USA zusätzlich die Stimmung. Die Rekordjagd des Ölpreises und die Entwicklung der Produzentenpreise im April lösten Inflationsängste aus, sagten Händler. Die Kernrate der Preise war doppelt so stark gestiegen wie von Analysten erwartet.

Der Ölpreis erreichte mit dem Sprung über die 129-Dollar-Marke einen neuen historischen Höchststand verzeichnet: Ein Barrel (159 Liter) Sorte Light Sweet Crude kostete zwischenzeitlich 129,31 Dollar. Damit lag der Barrelpreis zwei Dollar über dem Schlusswert vom Montag. Der Preisrallye waren Aussagen des Ölunternehmers Boone Pickens vorausgegangen. Nach seiner Meinung werde der Ölpreis noch im laufenden Jahr über die Marke von 150 Dollar je Fass klettern. Zudem wird der Ölpreis nach Ansicht von Marktteilnehmern durch den abwertenden Dollar, die hohen Preise bei Destillaten sowie die steigende Nachfrage angetrieben.

Auch die enttäuschend ausgefallenen Quartalszahlen von Home Depot belasteten die Stimmung etwas. Die US-Indizes gaben nach, der Dow Jones notiert zur Stunde 1,7 Prozent im Minus, der technologielastige Nasdaq Composite verliert 1,1 Prozent. Der deutsche Leitindex beendete den elektronischen Xetrahandel 1,4 Prozent tiefer beim Stand von 7.127 Zählern, der L-Dax gibt noch ein paar Punkte nach bis auf 7.110. Die Vortagesgewinne sind damit wieder komplett dahin.

Citigroup schickt Bank-Aktien auf Talfahrt
Bankenwerte standen nach negativen Branchennachrichten aus den USA unter Druck. Laut einem Händler hat der Finanzkonzern Citigroup seine Gewinnschätzungen für die heimischen Konkurrenten Goldman Sachs, Lehman Brothers und Morgan Stanley gesenkt. Zudem berichtete das "Wall Street Journal", die Krise bei einem Hedge-Fonds der Citigroup habe hohe Verluste bei mindestens drei US-Großbanken verursacht. Das drückte auch deutsche Finanztitel nieder, Commerzbank gaben etwa zwei Prozent nach, Deutsche Bank verloren 1,4 Prozent.

Telekom leidet unter Ratingsenkung
Aktien der Deutschen Telekom sackten von einer Ratingsenkung belastet zwei Prozent ab. Die Ratingagenturen Standard & Poor's (S&P) und Moody's hatten ihre Bewertungen für die Titel des Telefonkonzerns aufgrund des Einstiegs beim griechischen Telefonkonzern OTE gesenkt. Commerzbank-Analystin Heike Pauls nannte die OTE-Beteiligung einen strategisch guten Schritt. Allerdings werde der Wertzuwachs wegen der gesenkten Bonitätseinstufung leicht verwässert.

Gewinnmitnahmen bei Infineon und MAN
Die Titel des Chipherstellers Infineon gaben fünf Prozent nach und waren der größte Dax-Verlierer. Händlern zufolge haben einige Unsicherheitsfaktoren Gewinnmitnahmen ausgelöst, nachdem das Papier auf Monatssicht fast 50 Prozent an Wert gewonnen hat. Einerseits sorgten Medienberichte um ein mögliches Ausscheiden von Aufsichtsratschef Max Dietrich Kley für Unsicherheit, auch wenn diese bereits dementiert worden seien. Kley habe zuletzt einen Zusammenschluss mit einem Partner vorangetrieben und damit auch Fantasie für die Aktien ausgelöst. Zudem habe der Technologiesektor in den USA am Vortag geschwächelt, auch weil sich SanDisk pessimistisch zu den Geschäftsaussichten geäußert hat.

Zweischwächster Wert im Dax war MAN, was Händler ebenfalls mit Gewinnmitnahmen erklärten. Am Montag hatten die Aktien aufgrund einer positiven Studie von Goldman Sachs rund fünf Prozent zugelegt. Auch die Lufthansa-Aktie gehörte zu den großen Verlierern im Dax. Sie litt wie die Papiere anderer europäischer Fluggesellschaften an dem hohen Ölpreis.

Fresenius Medical Care bestätigt Prognosen
Die Aktie von Fresenius Medical Care sackte zwei Prozent ab. Der im Dax notierte Dialysespezialist hat seine Geschäftsziele für 2007 bestätigt. "Für das Gesamtjahr erwarten wir einen Umsatz von mehr als 10,4 Milliarden US-Dollar und einen Jahresüberschuss von 805 bis 825 Millionen Euro", sagte Vorstandschef Ben Lipps auf der Hauptversammlung. Bis 2010 rechnet FMC zudem mit einem Umsatz von mehr als 11,5 Milliarden Euro sowie einem weiteren jährlichen Überschuss-Wachstum von 10 bis 15 Prozent.

SAP ist gefragt
Aus dem Dax schaffte nur SAP den Sprung in die Gewinnzone, wenn auch mit einem bescheidenen Plus. Hier wirkten die Aussagen der beiden SAP-Chefs Henning Kagermann und Leo Apotheker. Sie hatten "einige kleinere Übernahmen" angekündigt. Vorrang vor Zukäufen habe jedoch die Integration von Business Objects. Merck-Finck-Analyst Theo Kitz verwies zudem auf eine Bekräftigung der Margenziele durch Kagermann in britischen Medien. Ein Händler kommentierte: "Das klingt alles recht positiv."

Tui-Aktien standen im Blickfeld. Für das Rennen um die zum Verkauf stehende Schifffahrtstochter Hapag-Lloyd haben sich Hamburger Investoren in Position gebracht. Ein Kreis von Finanziers und Kaufleuten habe das nötige Kapital für einen Kauf der Hamburger Traditionsreederei beisammen, sagte der frühere Finanzsenator Wolfgang Peiner. "Wir haben ausreichend Interessenten, und die Investitionsmittel für ein Angebot sind gesichert." Der hannoversche Reisekonzern hat seine Schifffahrtstochter auf Druck von Anteilseignern zum Verkauf gestellt.

Stahlwerte auf Talfahrt
Stahlwerte hatten heute keinen guten Stand. Im Dax gaben die Aktien von ThyssenKrupp 3,5 Prozent ab, die im MDax notierten Salzgitter-Titel verloren nahezu sechs Prozent. Mehrere Faktoren drückten: Die Rohstoffpreise machten einen kleinen Rücksetzer, sagte ein Händler, das habe sich beim Gold leicht bemerkbar gemacht. Das seien aber nur kleine Attacken, die den starken Trend der Rohstoff-Aktien nicht aufhielten. Andere Börsianer verwiesen auf eine Studie der UBS. Darin schrieb Analyst Andrew Snowdowne, die weltweite Stahlproduktion steige zwar, aber möglicherweise weniger als erwartet werde. Trotz der jüngsten Kursentwicklung bleibt Snowdowne bei seiner "Overweight"-Einschätzung für die Stahlbranche weltweit und sieht deutliches Aufwärtspotenzial für vertikal integrierte Stahlproduzenten sowie wahrscheinlich höheren Stahlverträgen im Jahr 2009. Allerdings wachse auch das Risiko einer Verlangsamung der Stahlpreise im vierten Quartal 2008.

Aus dem MDax
Der MDax verbuchte heute einen Rücksetzer von drei Prozent. Unter den zehn größten Verlierern waren neben Salzgitter auch SGL Carbon und K+S, die zwischen fünf und sechs Prozent abrutschten. EADS-Titel gaben nach einer negativen Studie vier Prozent ab. Die UBS hatte das Papier des Luftfahrt- und Rüstungskonzerns von "Neutral" auf "Sell" abgestuft und das Kursziel von 18,50 auf 14,50 Euro gesenkt. Premiere-Aktien verloren 1,3 Prozent. Hier gab es eigentlich positive Neuigkeiten von Rupert Murdoch. Die von ihm kontrollierte News Corp hat ihren Einfluss bei dem im MDax notierten Pay-TV-Sender gefestigt. News Corp habe ihren Anteil an Premiere auf 25,01 erhöht, teilte der Konzern mit. Zuvor lag der Anteil bei 23 Prozent. Kürzlich hatte das "Wall Street Journal", das ebenfalls zu Murdochs Medienkonglomerat gehört, über diese Pläne berichtet.

Der Immobilienfinanzierer Aareal Bank hat ein milliardenschweres Kreditportfolio an die Postbank verkauft. Es handle sich um private Baukredite mit einem Volumen von rund 1,47 Milliarden Euro, teilte die Bank mit. Über den Kaufpreis sei Stillschweigen vereinbart worden. Die Hauptversammlung muss dem Verkauf am Mittwoch noch zustimmen.

Immobilienwerte im Fokus
Immobilienwerte standen unter Druck. Börsianer begründeten die Verluste unter anderem mit einer Studie von Merrill Lynch, daneben gebe es bei einzelnen Titeln aber noch zusätzliche Belastungsfaktoren. So wirkte bei MDax-Wert Gagfah eine Platzierung von 15 Millionen Aktien durch Goldman Sachs belastend, die Aktie fiel um fünf Prozent. Bei der Aktie der IVG Immobilien hielten die Kursverluste gering aus. Das Unternehmen hat den REIT-Börsengang verschoben. Man will den geplanten REIT in diesem Jahr definitiv nicht mehr an die Börse bringen, sagte der Vorstandsvorsitzende Wolfhard Leichnitz der Tageszeitung "Die Welt". Ein Börsianer sagte dazu: "Das sind nicht gerade gute Nachrichten." Im SDax verloren Deutsche Wohnen sechs Prozent. Vivacon gaben sogar sieben Prozent nach, die Titel waren von Merrill Lynch auf "Sell" von zuvor "Neutral" gesenkt worden. Alstria-Aktien hielten sich dagegen ganz gut. Das Immobilienunternehmen hatte am Morgen seine Umsatzprognose für das laufende Jahr erhöht um sechs Millionen auf jetzt 101 Millionen Euro.

Wirecard rauscht abwärts
Im TecDax bekam die Aktie des Indexneulings Phoenix Solar die rote Laterne. Das Papier verlor mehr als fünf Prozent.

Wirecard reduzierten das Minus am Ende des Tages auf -3,5 Prozent. Der Zahlungsabwickler hatte am Morgen endgültige Quartalszahlen vorgelegt und seinen Jahresausblick nochmals bekräftigt. Die Steubing AG senkte ihr Votum daraufhin von "Buy" auf "Hold". Für kurzfristige Anleger habe die Aktie angesichts des unveränderten Ausblicks an Attraktivität verloren, schrieb Analystin Alla Gorelova. Nach der Kursentwicklung der vergangenen Monate seien daher Gewinnmitnahmen verständlich. Händler sahen die Zahlen lediglich am unteren Ende der Erwartungen.

Suzlon will bei Repower Kasse machen
Der indische Turbinenhersteller Suzlon Energy erwägt, den gestiegenen Aktienkurs von Repower zu einem Teilausstieg bei dem Hamburger Windkraft-Anlagenbauer zu nutzen. Diese Aussagen belasteten Repower-Aktien heute, sie gingen mit minus zwei Prozent aus dem Handel.

Biopetrol macht mehr Verluste
Die Biopetrol-Aktie sackten ebenfalls zwei Prozent ab. Der Biodieselhersteller hat im ersten Quartal wegen des sehr schwierigen deutschen Biodieselmarktes einen Verlust von mehreren Millionen Euro gemeldet. Wegen hoher Rohstoffpreise, Biodieselimporten und der Anhebung der Mineralölsteuer fiel ein Netto-Verlust von 7,1 Millionen Euro an. Vor einem Jahr stand noch ein Plus in den Büchern.

Tagestermine am Donnerstag, 15. November

Unternehmen:
K+S: Q3-Zahlen, 07:00 Uhr
Sixt: Q3-Zahlen (endg.), 07:30 Uhr
Henkel: Q3-Zahlen, 07:30 Uhr
Bouygues: Q3-Zahlen, 07:30 Uhr
Ferratum: Neunmonatszahlen, 07:30 Uhr
LPKF: Neunmonatszahlen (endg.), 08:00 Uhr
Singulus: Neunmonatszahlen (endg.), 08:15 Uhr
Walmart: Q3-Zahlen, 13:00 Uhr
Vallourec: Q3-Zahlen, 17:45 Uhr
Vivendi: Q3-Zahlen, 18:00 Uhr
Mayr-Melnhof: Q3-Zahlen
Applied Materials: Q4-Zahlen
Nvidia: Q3-Zahlen
Sonos: Q3-Zahlen
Acea: Kfz-Neuzulassungen 10/18, 08:00 Uhr

Konjunktur:
Deutschland: Beschäftigte Verarb. Gewerbe 09/18, 08:00 Uhr
EU: Handelsbilanz 09/18, 11:00 Uhr
USA: Empire State Index 11/18, 14:30 Uhr
USA: Im- und Exportpreise 10/18, 14:30 Uhr
USA: Erstanträge Arbeitslosenhilfe (Woche), 14:30 Uhr
USA: Lagerbestände 09/18, 16:00 Uhr
USA: Ölbericht (Woche) Industrieproduktion Euro-Zone im September, 11:00 Uhr