Marktbericht 20:10 Uhr

Schwacher Euro als Kurstreiber Dax hängt Dow ab

Stand: 10.11.2015, 20:10 Uhr

Zweigeteilte Börsenwelt: Während die Wall Street unter dem starken US-Dollar leidet, profitiert der deutsche Aktienmarkt vom schwachen Euro. Der Dax konnte am Dienstag leicht zulegen.

Dax

Dax: Kursverlauf am Börsenplatz Xetra für den Zeitraum Intraday
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Der Tod von Altkanzler Helmut Schmidt hatte am Dienstag zwar keinen Einfluss auf das Börsengeschehen. Aber die Stimmung am deutschen Aktienmarkt war bis zum Handelsschluss relativ gedämpft. "Die Anleger sind vorsichtig und wagen sich nicht richtig in die eine oder andere Richtung vor", meinte ein Händler. Der Dax kam kaum vom Fleck und hielt sich nur knapp im Plus bei 10.832 Punkten.

Euro fällt unter 1,07 Dollar

Euro in US-Dollar: Kursverlauf am Börsenplatz Forex vwd für den Zeitraum Intraday
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Für Unterstützung sorgte der schwache Euro. Denn damit verbessern sich die Chancen der deutschen und europäischen Exportindustrie auf dem Weltmarkt. Am Dienstag rutschte die Gemeinschaftswährung auf unter 1,07 Dollar und näherte sich dem im März erreichten Zwölf-Jahres-Tief von 1,0458 Dollar. Neue Konjunkturdaten aus der Eurozone fielen gemischt aus. Die Zahlen zur Industrieproduktion in Frankreich überraschten positiv, die Ergebnisse aus Italien blieben hinter den Erwartungen zurück.

Nahende Zinswende bremst Wall Street

ARD-Börsenstudio Hörfunk: Alexander Schmitt
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Börse 20.15 Uhr

An der Wall Street dagegen belastete der stärkere Dollar die Kurse. Der Dow lag zwei Stunden vor Handelsende 0,1 Prozent tiefer. Der marktbreite S&P-500-Index gab in einer ähnlichen Größenordnung nach. Der Nasdaq 100, der in der vergangenen Woche den höchsten Stand seit März 2000 erreicht hatte, büßte 0,4 Prozent ein. Die sich für Dezember zunehmend klarer abzeichnende Zinswende in den USA sorge für Unsicherheit, sagte Stratege Heinz-Gerd Sonnenschein von der Postbank.

Sorgen um China flammen wieder auf

Zudem dämpften trübe Konjunkturdaten aus China die Stimmung. Die chinesischen Verbraucherpreise stiegen im Oktober langsamer als erwartet um nur 1,3 Prozent. Volkswirte hatten mit einem Anstieg von 1,5 Prozent gerechnet. Die Entwicklung heizte die Angst vor einer Wachstumsdelle in China wieder an. "Am Horizont brauen sich einige dunkle Wolken zusammen", meinte Markus Huber vom Brokerhaus Peregrine & Black.

Portugals Regierung gestürzt

Stark unter Druck stand die portugiesische Börse am Dienstag wegen der Regierungskrise. Der Lissabonner Leitindex rutschte um über zwei Prozent ab. Am Vortag war er bereits um vier Prozent eingebrochen. Linksgerichtete Parteien haben die Mitte-Rechts-Minderheitsregierung des Ministerpräsidenten Pedro Passos Coelho per Misstrauensvotum gestürzt. Der Antrag der Sozialisten, die strenge Sparpolitik von  Coelho für die neue Legislaturperiode abzulehnen, wurde mehrheitlich angenommen.

Exportlastige Titel gefragt

Im Dax führten vor allem exportlastige Aktien die Gewinnerliste an, die vom schwachen Euro profitieren. Spitzenreiter war Conti mit einem Plus von knapp zwei Prozent, gefolgt von Adidas und Daimler. Die Telekom-Aktien stiegen um über ein Prozent im Sog der guten Zahlen von Vodafone. In den ersten sechs Monaten zogen die Erlöse um ein Prozent an - deutlich stärker als von Experten erwartet. Die Briten hoben daraufhin die Jahresprognose an.

Versorger auf der Verkaufsliste

Größte Verlierer im Dax waren mal wieder die Versorger. RWE büßte fast vier Prozent, Eon rund drei Prozent ein. Laut einem "Handelsblatt"-Bericht ist Eon in den ersten neun Monaten 2015 tief in die roten Zahlen gerutscht. Das Unternehmen werde am Mittwoch bei der Vorlage des Zwischenberichts einen Nettoverlust von mehr als fünf Milliarden Euro ausweisen. Grund seien Wertberichtigungen in einer Höhe von mehr als acht Milliarden Euro.

Streik wirbelt Lufthansa-Aktie auf

Lufthansa: Kursverlauf am Börsenplatz Xetra für den Zeitraum Intraday
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Die Lufthansa-Aktie verlor rund ein Prozent. Die Flugbegleiter verschärfen ihren Ausstand. Von Mittwoch bis Freitag werden alle Lang- und Mittelstreckenflüge der Kranich-Airline bestreikt, kündigte die Gewerkschaft Ufo am Mittag an. Im späten Handel drehte die Aktie ins Plus. Das Arbeitsgericht Düsseldorf erklärte den Ausstand von Ufo am Dienstag in Düsseldorf für rechtswidrig. Daraufhin legte die Lufthansa mit einem weiteren Antrag auf eine einstweilige Verfügung nach, der sich auf die Streikdrohung bis Freitag bezieht.

Grünes Licht für Mega-Deal von Merck

Merck KGaA: Kursverlauf am Börsenplatz Xetra für den Zeitraum Intraday
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Der Pharma- und Spezialchemiekonzern Merck hat endlich die Übernahme des US-Laborausrüsters Sigma-Aldrich unter Dach und Fach gebracht. Die EU-Kommission stimmte der größten Übernahme von Merck zuu. Einzige Auflage ist der Verkauf von Geschäftsbereichen von Sigma-Aldrich an Honeywell. Der Abschluss des Deals ist für den 18. November geplant. Danach verschwindet Sigma-Aldrich von der Nasdaq.

Dufte Zahlen von Symrise

Aus der zweiten Reihe haben mehrere Firmen am Dienstag ihre Quartalszahlen präsentiert. Positiv überraschen konnte Symrise. Der Aromen- und Duftstoffhersteller hat in den ersten drei Quartalen seinen Umsatz um 29 Prozent auf 1,98 Milliarden Euro in die Höhe geschraubt. Der Gewinn kletterte um 13 Prozent auf 199 Millionen Euro. Die Symrise-Aktie legte knapp drei Prozent zu und führte den MDax an.

Licht und Schatten bei Aareal

Zu den größten MDax-Verlierern zählte dagegen die Aareal Bank mit einem Minus von fast vier Prozent. Zwar hat der Gewerbeimmobilien-Finanzierer im abgelaufenen Quartal sein Ergebnis um ein Viertel gesteigert und seine Prognose für das Gesamtjahr angehoben. Aareal rechnet nun mit einem Betriebsergebnis von 450 bis 460 Millionen Euro, nach bisher 400 bis 430 Millionen. Doch für Ernüchterung sorgten Aussagen des neuen Bankchefs Hermann Merkens auf der Telefonkonferenz, der vor einem zunehmendem Wettbewerb bei gewerblichen Immobilienfinanzierungen warnte.

Leoni fällt und fällt

Schlusslicht im MDax war Leoni mit einem Abnschlag von über fünf Prozent. Beim Autozulieferer setzte sich die Abwärtsbewegung nach der gestrigen Gewinnwarnung fort. Commerzbank-Analyst Sascha Gommel erinnerte daran, dass Leoni bereits 2013 und 2014 mit seinen Jahreszielen zurückrudern musste. Den Kursrückschlag sieht er nicht als Kaufchance, sondern rät, die Papiere zu meiden.

Osram konzentriert sich auf das LED-Geschäft

Osram: Kursverlauf am Börsenplatz Xetra für den Zeitraum Intraday
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Im späten Handel drehte die Osram-Aktie auf. Der MDax-Konzern gab nach Xetra-Schluss seine Zahlen für das Geschäftsjahr 2014/15 und seine neue Strategie bekannt. Osram wandelt sich vom Lampenhersteller zum LED-Chip-Produzenten. Die Münchner bauen für eine Milliasrde Euro in Malaysia eine eigene Chipfabrik. Das traditionelle Lichtgeschäft mit Halogen- und Energiesparlampen soll im nächsten halben Jahr verkauft werden.

Deutsche Wohnen lässt Zahlen sprechen

Der Immobilienkonzern Deutsche Wohnen verliert seinen Finanzvorstand. Gründe für das Ausscheiden von Andreas Segal nannte das Unternehmen zunächst nicht, schrieb aber von einer Trennung "im gegenseitigen Einvernehmen". Gleichzeitig stellte man seine neuesten Geschäftszahlen vor. In den ersten neun Monaten kletterte das operative Ergebnis aus dem laufenden Vermietungsgeschäft (FFO) im Vergleich zum Vorjahreszeitraum um rund 38 Prozent auf 229 Millionen Euro. Deutsche-Wohnen-Chef Michael Zahn bekräftigte seine Ablehnung der Übernahme-Offerte von Vonovia.

Rheinmall plant große Kapitalerhöhung

Der Rüstungskonzern und Autozulieferer gab am Abend eine Kapitalerhöhung unter Ausschluss des Bezugsrechts in Höhe von rund 10 Prozent des Grundkapitals bekannt. Knapp vier Millionen neue Aktien sollen an institutionelle Investoren im Rahmen einer Privatplatzierung ausgegeben werden und ab dem 1. Januar 2015 gewinnanteilberechtigt sein. Laut einem Händler liege die Bezugsspanne für die Aktien zwischen 57,70 und 61,70 Euro pro Stück. Der Rheinmetall-Kurs sackte im späten Handel um über vier Prozent ab.

KPN senkt Anteil an Telefonica Deutschland

Der Großaktionär von Telefonica Deutschland, die niederländische KPN, hat 150 Millionen Aktien des Unternehmens verkauft. Die Aktien wurden institutionellen Investoren zu je 5,37 Euro zugeteilt. Durch die Transaktion sinkt die Beteiligung von 20,5 auf 15,5 Prozent.

CVC macht Kasse bei Evonik

Eine ähnliche Entwicklung gibt es beim Spezialchemiekonzern Evonik. Hier hat sich der Finanzinvestor CVC von weiteren 8,8 Millionen Evonik-Aktien getrennt. Diese wurden zu je 32,55 Euro platziert. Die Beteiligung von CVC an Evonik ist dadurch von 6,1 auf rund 4,2 Prozent gesunken.

LPKF warnt erneut

Der Laserspezialist LPKF schockte am Abend die Anleger mit einer neuerlichen Umsatz- und Gewinnwarnung. Wegen des schwachen Geschäfts mit Laser-Direktstrukturierungsanlagen werde 2015 nur noch ein Umsatz von 85 bis 90 Millionen Euro möglich sein. Zudem drohe ein Betriebsverlust (Ebit) im einstelligen Millionenbereich. Im Sommer hatte LPKF bereits seine Prognose gekürzt. Im dritten Quartal fiel ein operativer Verlust (ebit) von 5,3 Millionben Euro an. Die Aktie rutschte um rund fünf Prozent ab.

Platzt der Atmel-Deal von Dialog?

Der deutsch-britische Halbleiterentwickler Dialog bekommt Druck von einem amerikanischen Finanzinvestor. Elliott Associates kündigte an, auf der Hauptversammlung am 19. November gegen die geplante Übernahme des US-Rivalen Atmel zu stimmen. Der Zukauf sei nicht im Interesse der Anleger und vernichte Wert. In der Hofnung auf ein Scheitern des geplanten Atmel-Deals stiegen Anleger bei Dialog ein. Die Aktie zog um zwei Prozent an.

Koenig & Bauer druckt schwarz

Favorit im SDax war der Druckmaschinenhersteller Koenig & Bauer. Die Papiere stiegen um sechs Prozent auf ein Rekordhoch von 31,67 Euro. Das Unternehmen ist in den ersten neun Monaten wieder in die Gewinnzone zurückgekehrt. KBA verdiente 2,4 Millionen Euro. Grund war ein konsequentes Sparprogramm. Der Umsatz ging indes um 14 Prozent auf 680 Millionen Euro zurück.

Tom Tailor rutscht in die Verlustzone

Der Bekleidungshersteller Tom Tailor dagegen enttäuschte mit seinen Zahlen. Die Aktie brach um fast elf Prozent ein und war SDax-Schlusslicht. Tailor ist in den ersten drei Quartalen in die Verlustzone gerutscht. Das Minus lag bei 10,3 Millionen Euro. Im Vorjahr hatte es noch einen Gewinn von 1,8 Millionen gegeben. Nun soll gespart werden- alleine vier bis fünf Millionen Euro beim Personal.

Porsche SE leidet unter Skandal

Der Volkswagen-Großaktionär Porsche Automobil Holding SE hat kräftig unter dem Abgas-Skandal gelitten. Von Januar bis September ging der Gewinn nach Steuern von 2,5 auf 1,2 Milliarden Euro zurück. Die Porsche SE hält 52,2 Prozent der VW-Stammaktien.

Nexus auf Wachstumskurs

Der Klinik-Softwarehersteller Nexus hat von Januar bis September seinen Umsatz um 24 Prozent auf 69,9 Millionen Euro verbessert. Das Ergebnis vor Zinsen und Steuern (Ebit) kletterte prozentual ebenso stark auf 6,3 Millionen Euro.

Julius Bär hinkt Wachstumsziel hinterher

Aus der Schweiz meldete die Privatbank Julius Bär den Zwischenbericht zu den ersten zehn Monaten. Die verwalteten Vermögen kletterten bis Ende Oktober um zwei Prozent auf den Rekordstand von 297 Milliarden Franken. Der Neugeldzufluss lag allerdings unter dem mittelfristigen Zielband von vier bis sechs Prozent der verwalteten Vermögen. Vor allem die Krise in den Schwellenländern machte Julius Bär zu schaffen. Zudem zogen Kunden in Frankreich und Italien Gelder ab. Anleger reagierten verschnupft, die Aktie verlor über drei Prozent.

Credit-Suisse-Studie belastet Apple

Deutlich Federn lassen mussten die Apple-Aktien. Sie verloren über zwei Prozent. Eine Studie der schweizerischen Bank Credit Suisse belastete. Demnach soll der iPhone-Hersteller seine Komponenten-Bestellungen um 10 Prozent gekappt haben- wohl wegen der schwachen Nachfrage nach dem neuen iPhone 6s. Credit Suisse reduzierte seine Schätzung zur iPhone-Produktion für 2016.

ABN Amro vor Börsengang

Die niederländische Bank ABN kommt zurück an die Börse. Ab dem 20. November sollen 20 Prozent der Aktien angeboten werden. Der Preis liegt zwischen 16 und 20 Euro. Die Bank war zu Zeiten der Finanzkrise vor sieben Jahren von der niederländischen Regierung vor dem Zusammenbruch gerettet worden.

nb

Tagestermine am Mittwoch, 19. Dezember

Unternehmen:
Softbank: IPO der Mobilfunktochter in Tokyo
Ceconomy: Q4-Zahlen, 07:00 Uhr, und Bilanz-PK, 10:00 Uhr
General Mills: Q2-Zahlen, 13:00 Uhr

Konjunktur:
USA: Zinsentscheid der Fed, 20:00 Uhr, PK mit Fed-Chef Powell, 20:30 Uhr
Japan: Außenhandel im November, 00:50 Uhr
Deutschland: Erzeugerpreise im November, 08:00 Uhr
Großbritannien: Verbraucherpreise im November, 10:30 Uhr
USA: Leistungsbilanz Q3, 14:30 Uhr
USA: Wiederverkäufe Häuser im November, 16:00 Uhr
USA: Wöchentlicher Ölbericht, 16:30 Uhr