Marktbericht 20:00 Uhr

Anleger nehmen Gewinne mit Dax hängt am EZB-Fallschirm

Stand: 10.03.2015, 20:00 Uhr

Die zunehmenden Sorgen vor einer Leitzinserhöhung in den USA haben die Investoren heute zum geordneten Rückzug bewogen. Aber verglichen mit den Kursverlusten an der Wall Street sieht das Minus in Deutschland recht passabel aus. Wie lange noch kann der Dax sich abkoppeln?

Lässt der weiche Euro die Renditeträume ausländischer Investoren platzen? "Vor allem britische, Schweizer und US-Anleger gehen von weiteren Währungsverlusten aus und machen daher Kasse", sagte ein Händler. Zunächst sah es so aus, als müsste der Dax heute richtig Federn lassen. Rund 1,5 Prozent bis auf 11.402,67 Zähler gab der deutsche Leitindex am frühen Nachmittag nach. Dann ging es zwar wieder in die andere Richtung, die Gewinnzone blieb aber unerreichbar. Der Dax schloss mit einem Abschlag von 0,7 Prozent auf 11.500,38 Punkten. Der Late Dax ging mit einem Minus von 0,8 Prozent auf 11.497,20 Zählern aus dem Handel.

"Nachdem in den letzten Tagen die Marktteilnehmer aus Alternativlosigkeit bei Aktien zugegriffen haben, bestimmten am Dienstag Spekulationen um baldige Zinsanhebungen seitens der Fed das Treiben am Markt", kommentierte Jens Klatt, Aktienexperte bei DailyFX.

Die Sorgen haben durchaus ihre Berechtigung. Richard Fisher, Präsident der regionalen Niederlassung der US-Notenbank Fed in Dallas, hatte angemahnt, dass die Fed angesichts des robusten Arbeitsmarkts nicht zu lange mit der geplanten Erhöhung der Leitzinsen warten solle. Marktteilnehmer begründeten die Kursverluste hüben wie drüben mit diesem Argument. Die anhaltende Krise in Griechenland soll ebenfalls stimmungsdämpfend gewirkt haben. Der Dow Jones lag am Abend rund 1,5 Prozent tiefer.

Neue Weichwährung Euro

Und für die Kursgewinne des Dollar boten die Fed-Spekulationen auch eine Erklärung. Zeitweise sackte der Euro unter die Marke von 1,07 Dollar. Der Devisenmarkt scheine gerade immer mehr die erste Zinserhöhung "einzupreisen, meinte Lutz Karpowitz, Devisenexperte bei der Commerzbank. "Es gibt weiterhin keinerlei Anzeichen, dass Euro-Dollar nach dem Unterschreiten der Marke von 1,08 USD seine Reise Richtung Süden beenden wird", schrieb die DZ Bank in ihrem Tageskommentar. Schließlich hat das Anleihekaufprogramm der EZB gerade erst angefangen.

Auch der Goldpreis geriet unter Druck. Die Commerzbank-Analysten begründeten den Preisrutsch mit höheren US-Anleiherenditen, steigenden Aktienmärkten und dem sehr festen US-Dollar. Aber es gibt auch technische Aspekte, die Anleger beachten sollten.

Dax fällt, Anleihekurse steigen

Das EZB-Programm drückt zwar den Euro, treibt aber Anleihekurse. Höchst beliebt waren 30-jährige deutschen Bundesanleihen, deren Kurs um 5,03 Punkte auf 147,26 Punkte nach oben schnellte. Dies drückte die Rendite auf ein Rekordtief von 0,709 Prozent. Die zehnjährigen Bundesanleihen rentierten zeitweise mit 0,231 Prozent so niedrig wie noch nie zuvor. EZB-Direktoriumsmitglied Benoit Coeure sagte, das Programm sei "auf Kurs, im März das Ziel von insgesamt 60 Milliarden Euro an Bonds des öffentlichen und privaten Sektors zu erreichen.

Der Handel an der Wall Street begann auch heute anders als sonst bereits um 14:30 Uhr deutscher Zeit und endet um 21:00 Uhr. Weil in Nordamerika bereits auf Sommerzeit umgestellt worden ist, beträgt der Zeitunterschied zwischen Mitteleuropa und der US-Ostküste derzeit nur fünf statt sechs Stunden. In Deutschland wird am 29. März umgestellt.

Infineon an der Dax-Spitze

Infineon: Kursverlauf am Börsenplatz Xetra für den Zeitraum Intraday
Kurs
19,90
Differenz relativ
+0,30%

Eine optimistischere Brancheneinschätzung der Citigroup hat Infineon-Aktien über 11 Euro geschoben - so hoch wie zuletzt im Oktober 2007. Die Halbleiter-Analysten der Investmentbank rechnen für 2015 nun mit einem Umsatzwachstum der Chip-Branche von 8 Prozent anstelle bislang prognostizierter 5 Prozent. Sie hoben ihre Kursziele für die Unternehmen entsprechend an - für Infineon von 10,00 auf 10,90 Euro. Infineon-Aktien kennen seit fünf Monaten nur den Weg aufwärts und gewannen dabei gut 41 Prozent.

VW lahmt

Volkswagen VZ: Kursverlauf am Börsenplatz Xetra für den Zeitraum Intraday
Kurs
151,10
Differenz relativ
+1,93%

Der Volkswagen-Konzern tritt mit seiner Hauptmarke VW auf der Stelle. Im Februar konnten mit 413.700 Fahrzeugen genau so viele Einheiten verkauft werden wie entsprechenden Vorjahresmonat. In den beiden ersten Monaten zusammen schrumpfte der Absatz um 1,6 Prozent. "Die Situation in den Weltmärkten bleibt weiterhin angespannt", sagte Vertriebsvorstand Christian Klingler.

RWE rechnet mit Gewinnrückgang

Der Energiekonzern RWE hat im vergangenen Jahr einen Rückgang beim Ergebnis vor Zinsen, Steuern und Abschreibungen (Ebitda) um zehn Prozent auf 7,1 Milliarden Euro hinnehmen müssen. Das nachhaltige Nettoergebnis schrumpfte um 45 Prozent auf 1,28 Milliarden Euro. Für 2015 rechnet das Unternehmen mit einem Ebitda von 6,1 bis 6,4 Milliarden Euro. Die Dividende für 2014 soll bei einem Euro je Aktie bleiben.

HeidelbergCement abgestuft

Aktien von HeidelbergCement standen unter Druck. JPMorgan hatte den Titel auf "Neutral" von "Overweight" nach unten genommen, das Kursziel lautet weiterhin 71 Euro. Anleger sollten wegen der guten Kursentwicklung Gewinne mitnehmen, hieß es. Die Erholung in den entwickelten Märkten wie Nordamerika sei im Kurs der Aktie größtenteils schon eingepreist.

Lufthansa mit Passagierminus

Wie schon zum Jahresauftakt hat die Lufthansa auch im Februar weniger Passagiere befördert als im Vorjahr. Als Gründe nannte der Konzern ein reduziertes Angebot im Europaverkehr und die schwache Entwicklung der Strecken nach Russland. So sank die Zahl der Fluggäste bei allen Konzern-Airlines - inklusive Austrian Airlines und Swiss - um 1,1 Prozent auf 6,61 Millionen.

Hannover Rück mit Sonderausschüttung

Hannover Rück: Kursverlauf am Börsenplatz Xetra für den Zeitraum Intraday
Kurs
119,70
Differenz relativ
+0,84%

Die Hannover Rück hat ihren Gewinn im vergangenen Jahr um zehn Prozent auf rund 986 Millionen Euro in die Höhe geschraubt. Der weltweit drittgrößte Rückversicherer hatte nur 850 Millionen prognostiziert. Die Dividende steigt inklusive einer Sonderausschüttung von 3,00 auf 4,25 Euro je Aktie.

Symrise auf Wachstumskurs

Der Duft- und Aromenhersteller Symrise hat im vergangenen Jahr seinen Umsatz um fast 16 Prozent auf 2,12 Milliarden Euro verbessert. Das bereinigte operative Ergebnis (Ebitda) legte um 24 Prozent auf 464 Millionen Euro zu. Damit schnitt das MDax-Mitglied etwas besser als von Analysten erwartet ab.

Wacker könnte sich verkleinern

Die Wacker Chemie AG denkt laut Agenturberichten darüber nach, ihre Halbleiter-Sparte Siltronic abzuspalten. Die Maßnahme könnte dem Unternehmen etwa 300 Millionen US-Dollar einbringen, hieß es unter Berufung auf Insider. Die Aktien der abgespaltenen Sparte könnten in den USA notiert werden. Ein Börsengang könnte den Wert der Wacker-Aktie um 10 bis 20 Euro steigern, glaubt Peter Spengler, Analyst bei der DZ Bank.

Drägerwerk kauft zu

Drägerwerk übernimmt die norwegische Startup-Firma GasSecure und verstärkt dadurch sein Geschäft in der Sicherheitstechnik. Das Unternehmen mit Sitz in Oslo habe ein kabelloses Sensor-System zur Warnung vor Gasaustritten in der Industrie und auf Ölplattformen entwickelt. Als Kaufpreis seien zwischen 55 und 60 Millionen Euro vereinbart worden. Drägerwerk macht etwa ein Drittel seines Konzernumsatzes von zuletzt 2,4 Milliarden Euro in der Sicherheitstechnik, zwei Drittel entfallen auf die Medizintechnik. Weltweit arbeiten 13.500 Mitarbeiter für den Konzern.

Zalando will Aktienpaket verkaufen

Zalando: Kursverlauf am Börsenplatz Xetra für den Zeitraum Intraday
Kurs
36,68
Differenz relativ
+0,85%

Mehrere Großaktionäre des Online-Modehändlers Zalando wollen insgesamt 7,3 Prozent der Aktien des Unternehmens an institutionelle Investoren verkaufen. Die Verkäufer Global Founders GmbH, Holtzbrinck Ventures, AI European Holdings und Rocket Internet AG wollten knapp 18 Millionen Zalando-Aktien verkaufen, teilte Morgan Stanley als eine der damit beauftragten Banken mit. Von einem Insider erfuhr Reuters, das Paket sei rund 460 Millionen Euro wert.

Ahlers kürzt Dividende

Der Bekleidungshersteller Ahlers hat den Wetterkapriolen und der Krise in Osteuropa im vergangenen Jahr noch getrotzt und Umsatz und Gewinn gesteigert. Doch in das seit Dezember laufende Bilanzjahr 2014/15 startete das Modeunternehmen mit Einbußen, sagte Firmenchefin Stella Ahlers. 2014 kletterte der Umsatz um rund vier Prozent auf 257,1 Millionen Euro, der Überschuss legte um 7,1 Prozent auf sechs Millionen Euro zu. Der Gewinn soll vollständig ausgeschüttet werden, reicht aber nicht für eine Dividende auf Vorjahreshöhe.

Delignit-Zahlen sagen den Anlegern zu

Die Delignit AG), nach eigenen Angaben ein führender Hersteller ökologischer laubholzbasierter Produkte und Systemlösungen, hat nach vorläufigen Zahlen das Geschäftsjahr 2014 mit einem Rekordumsatz in Höhe von rund 42,7 Millionen Euro abgeschlossen - ein Anstieg von rund 21 Prozent gegenüber dem Vorjahr. Das Ergebnis vor Zinsen, Steuern und Abschreibungen (Ebitda) lag mit 3,5 Millionen Euro auf dem Niveau des Vorjahres.

Credit Suisse sagt Chef ade

Credit Suisse: Kursverlauf am Börsenplatz Xetra für den Zeitraum Intraday
Kurs
13,18
Differenz relativ
+1,78%

Die Schweizer Großbank Credit Suisse trennt sich von ihrem Vorstandschef Brady Dougan, der bei Aktionären schon seit längerem in der Kritik stand. Dougan wird das Unternehmen Ende Juni verlassen. Nachfolger wird Tidjane Thiam, bislang Chef des britischen Versicherers Prudential.

Lindt & Sprüngli verkauft sich gut

Der Schweizer Schokoladenhersteller Lindt & Sprüngli hat im vergangenen Jahr seinen Gewinn vum 13 Prozent auf 343 Millionen Franken verbessert. Der Umsatz stieg auch dank einer Übernahme um 17 Prozent auf 3,4 Milliarden Franken. Die Dividende soll um 11,5 Prozent auf 72,50 Franken je Partizipationsschein und 725 Franken je Aktie erhöht werden.

Milliardenschweres Rückkaufprogramm bei Qualcomm

Der amerikanische Chiphersteller Qualcomm hat eine Großoffensive angekündigt, um seinen Aktienkurs zu stützen. Das Unternehmen teilte gestern nach Börsenschluss mit, Anteilsscheine im Wert von bis zu 15 Milliarden Dollar (13,8 Milliarden Euro) zurückzukaufen. Zudem solle die Quartalsdividende um 14 Prozent angehoben werden.

ts

Dax-Chart realtime

Tagestermine am Donnerstag, 20. September

Unternehmen:
Rocket Internet: Q2-Zahlen, 08:00 Uhr
Schaeffler: Kapitalmarkttag
Nfon: Q2-Zahlen
Ryanair: HV in Dublin
GlaxoSmithKline: HV
Micron Technology: Q4-Zahlen, nach US-Börsenschluss

Konjunktur:
Deutschland: Monatsbericht des Bundesfinanzministeriums, 08:00 Uhr
Schweiz: Zinsentscheid und geldpolitische Lagebeurteilung der Schweizerischen Nationalbank (SNB), 09:30 Uhr
USA: Wöchentliche Erstanträge auf Arbeitslosenhilfe, 14:30 Uhr
USA: Industrie-Index Philly Fed für September, 14:30 Uhr
USA: Frühindikatoren für August, 16:00 Uhr
USA: Wiederverkäufe Häuser für August, 16:00 Uhr
EU: Verbrauchervertrauen Euro-Zone, September, 16:00 Uhr

Sonstiges:
Salzburg: Informeller EU-Gipfel
Hannover: Eröffnung der IAA Nutzfahrzeuge 2018 (bis 27. September), mit Bundesverkehrsminister Scheuer
Frankfurt: 4. Konferenz für Finanztechnologie "Fintech-Revolution"