Dax hält durch

Mark Ehren

Stand: 25.09.2007, 20:02 Uhr

Der deutsche Aktienmarkt hat sich auch Abend trotz einer Reihe von schlechten Nachrichten behaupten können. Unterstützung gab es durch den wieder schwächeren Ölpreis.

Der Preis für ein Barrel (159 Liter) leichtes und kurzfristig verfügbares Rohöl fiel in New York unter die runde Marke von 80 Dollar.

Der L-Dax wiederum beendete den späten Handel bei 7.769 Punkten und damit exakt auf dem Niveau des Xetra-Handels. Den tiefsten Stand des Tages markierte der Index bei 7.717 Zählern.

Am Abend kamen Spekulationen um die Deutsche Post auf. Der Konzern werde als ein möglicher Käufer des britischen Logistikkonzerns Christian Salvesen und des US-Transportunternehmens YRC Worldwide genannt, berichtete Reuters.

Euro in Rekordlaune

Der Euro kletterte auf ein Rekordhoch. Die Gemeinschaftswährung kostete zeitweise 1,4153 US-Dollar. Der Devisenmarkt reagierte damit auf die überwiegend schwachen US-Konjunkturdaten.

Schwache Konjunkturdaten
So fiel der vom privaten Forschungsinstitut Conference Board berechnete Verbrauchervertrauens-Index von 104,5 Punkten im August auf nur noch 99,8 Punkte im September und damit deutlich stärker als erwartet. Dies ist der niedrigste Stand seit November 2005.

Auch die neuesten Informationen vom Immobilienmarkt waren wie erwartet schwach. Im August konnten aufs Jahr hochgerechnet nur noch 5,5 Millionen bestehende Häuser verkauft werden - so wenig wie zuletzt vor fünf Jahren. Im August waren es noch 5,75 Millionen Einheiten.

"Spekulationen auf Zinssenkungen sind nach wie vor im Markt. Die Leute sind bereit zu glauben, dass etwas nachkommt", begründete ein Händler die passable Kursentwicklung.

Ifo-Index enttäuscht
Auch in Deutschland scheint die Konjunktur nicht mehr ganz rund zu laufen. Der Ifo-Geschäftsklimaindex fiel im September stärker als erwartet auf 104,2 Punkte. Das war der vierte Rückgang in Folge. Analysten hatten mit einem etwas leichteren Rückgang auf 105,0 Punkte gerechnet.

Versorger auf der Sonnenseite
Versorger wie Eon und RWE setzten im Dax ihre starke Kursentwicklung weiter fort, da sie vermutlich weniger stark von einem konjunkturellen Rückschlag betroffen wären.

Banken unter Druck
Erneut gehörten Finanzaktien zu den schwächeren Werten im Dax, da noch immer nicht klar ist, wie hoch die Belastungen durch die Verwerfungen an den Kapitalmärkten sind. Bei der Commerzbank belastete daneben auch die Entscheidung der Investmentbank Merrill Lynch, die Bank auf ihre "Least Preferred List" aufzunehmen.

Thyssen profitiert vom Transrapid
Die Aktie des Stahlkonzerns ThyssenKrupp legte gegen den Trend zu. Der Konzern gehört zu den sogenannten Transrapid-Industriepartnern, die die am Morgen beschlossene Transrapidstrecke zwischen dem Münchener Hauptbahnhof und dem Flughafen bauen werden. Außerdem hat die Credit Suisse das Kursziel für Aktien des Stahlkonzerns auf 52 Euro angehoben.

Pfleiderer ziemlich schwach
Die Aktie des Holzverarbeiters Pfleiderer litt unter einer Gewinnwarnung der zweitgrößten US-Baumarktkette Lowe's. Ein Analyst meinte aber, dass die Schwäche in den USA Pfleiderer nicht so hart treffe wie offenbar von vielen Börsianern erwartet. Die Kursverluste seien aus seiner Sicht überzogen.

Bei Salzgitter half auch ein Großauftrag für den Bau der Ostsee-Pipeline nicht weiter. Immerhin konnte sich Wacker Chemie-Aktie im Tagesverlauf erholen, nachdem Vorstandschef Peter-Alexander Wacker ein kräftiges Wachstum der Silizium-Nachfrage mindestens bis zum Ende des Jahrzehnts erwartet.

Premiere ist jetzt reicher
Der Bezahlfernsehsender Premiere hat mit einer Kapitalerhöhung 176 Millionen Euro eingenommen. Das MDax-Mitglied konnte gut 14 Millionen Aktien zu 12,50 Euro platzieren. Mit dem Geld will das Unternehmen seine Position im Bieterwettstreit um die Übertragungsrechte für die Fußball-Bundesliga stärken.

Q-Cells hofft auf billigen Solarstrom
Solarwerte verbuchten Kursgewinne auf breiter Front. Solarstrom könnte in wenigen Jahren billiger sein als Strom aus fossiler Herstellung, sagte Q-Cells-Vorstandschef Anton Milner.

Solon ganz weit oben
Solon-Aktien profitierten außerdem von einer Ausweitung der Produktionskapazität bis Ende 2008. Die soll dann bei wegen der steigenden Nachfrage bei 500 Megawatt liegen, nach geplanten 210 Megawatt zum Ende dieses Jahres.

Die Aktie des Solar-Unternehmens Reinecke + Pohl zog ebenfalls mächtig an. Die dänische Unternehmensgruppe DKA Consult übernimmt alle Aktien des Großinvestors Jörn Reinecke. Dieser hielt knapp dreizehn Prozent an dem Unternehmen.

Springer und das Kartellamt
Das vom Bundeskartellamt verfügte Verbot der Übernahme von ProSiebenSat.1 durch Axel Springer AG muss nach einer Entscheidung des Bundesgerichtshof (BGH) nachträglich gerichtlich überprüft werden. Außerdem steigt Springer, wie bereits vor einigen Monaten angekündigt, mit 30 Prozent Springer bei der börsennotierten ZertifikateJournal AG (ZJ) ein.

Weitere Gewinner und Verlierer
Die Aktie von Demag Cranes aus dem SDax verlor, nachdem die UBS ihr Kursziel von 44 auf 35 Euro gesenkt hat. Gildemeister führte den SDax an und markierte ein Allzeithoch.

H&R Wasag setzten den Abwärtstrend nahezu ungebremst fort, nachdem die Aktie schon gestern empfindliche Verluste verzeichnet hatte. Der gleiche Trend war bei der Bauer-Aktie zu beobachten. Die Patrizia-Aktie fiel, obwohl das Unternehmen mit keinen negativen Auswirkungen durch die US-Immobilienkrise rechnet.

Dax-Chart realtime

Tagestermine am Montag, 16. Juli

Unternehmen:
United Continental: Q2-Zahlen
America Movil: Q2-Zahlen, 22 Uhr

Konjunktur:
China: BIP Q2, 4 Uhr
China: Industrieproduktion, Juni, 4 Uhr
EU:Euro Zone-Handelsbilanz, Eurostat, Mai, 11 Uhr
USA: Empire State Index, Juli, 14:30 Uhr
USA: Einzelhandelsumsatz, Juni, 14:40 Uhr
Sonstiges:
Tokio Märkte wegen eines Feiertags geschlossen