Marktbericht 20 Uhr

Anleger bekommen Muffensausen Dax: Großes Gefahrenpotenzial!

Stand: 13.10.2016, 20:00 Uhr

Anleger bekommen es mit der Angst zu tun. Nicht nur wegen China, auch wegen der US-Notenbank Fed. Widerspricht sich das nicht? Ein bisschen.

Erst einmal war China mit seinen verheerenden Exporten das große Börsenthema. Ach ja, das Problem gibt es ja auch noch! Um die chinesischen Banken ist es ohnehin nicht zum Besten gestellt, um den Immobilienmarkt auch nicht. Da war die Angst um die Abkühlung der Weltwirtschaft wieder wach. Heute schien zudem die Botschaft aus dem gestern veröffentlichten Sitzungsprotokoll der US-Notenbank Fed anzukommen: Die Zinserhöhung naht! Während die Märkte gestern darauf gar nicht bis sogar positiv reagierten, wurde die Botschaft heute für die Kursverluste bemüht.

Dax bald unter 10.000?

Hörfunk-Moderatorin Ulla Herrmann
Audio

Börse 20.15 Uhr

Vielleicht dauerte es etwas, bis Anlegern die Fed-Konsequenzen in ihrer ganzen Tragweite bewusst wurden: "Viele werden sich noch an die starken Turbulenzen am Aktienmarkt zu Beginn des Jahres erinnern, auf den Weg gebracht durch Kapitalabflüsse aus Schwellenländern", sagt Jens Klatt von JFD Brokers. Der Hauptschuldige war damals die Fed. In der Zwischenzeit sind viele Gelder wieder zurück in die Schwellenländer geflossen. Wenn die Fed jetzt im Dezember nach langem Zögern und Verschieben doch den nächsten Zinsschritt geht, könnten sich die Kapitalströme wieder umkehren.

"Dann wird es am Markt turbulent und der Dax dürfte zügig unter 10.000 Punkte fallen", schätzt Klatt. Ganz abgesehen davon, dass die Fed sowieso die Börsenlaune trübt, wenn sie die Wirtschaft weniger pampert.

Stört China die Fed?

Ein großes Aber schließt sich da jedoch an: Wenn China so schwach ist, vielleicht verschiebt die Fed ja doch wieder ihre Zinserhöhungspläne? Es bleiben gleichwohl etliche Unsicherheitsfaktoren, die Gift sein können für die Börse: die US-Präsidentschaftswahlen im November und das italienische Verfassungsreferendum Anfang Dezember, um nur zwei zu nennen.

Dax und Dow rotgefärbt

In dieser Gemengelage liegt der Dax im tiefroten Bereich. Er büßte am Vormittag bis zu 1,7 Prozent auf 10.349 Punkte ein. Am Nachmittag machte der Leitindex an Boden gut. Am Ende blieb ein Minus von gut einem Prozent beim Stand von 10.414 Punkten, der Late-Dax schloss bei 10.430 Punkten. Der EuroStoxx50 gab 1,1 Prozent nach. Auch an der Wall Street hagelte es weitere Verluste. Der Dow Jones tauchte erstmals seit vier Wochen wieder unter 18.000 Punkte, schafft es zur Stunde aber wieder darüber.

Dax

Dax: Kursverlauf am Börsenplatz Xetra für den Zeitraum Intraday
Kurs
12.430,88
Differenz relativ
+0,85%
EuroStoxx 50: Kursverlauf am Börsenplatz DJ Stoxx für den Zeitraum Intraday
Kurs
3.430,81
Differenz relativ
+0,81%
Dow Jones: Kursverlauf am Börsenplatz Dow Jones Indizes für den Zeitraum Intraday
Kurs
26.743,50
Differenz relativ
+0,32%

Turbulenter Devisenmarkt

Heftig heute auch die Bewegung am Devisenmarkt. Der Dollar stieg zeitweise auf den höchsten Stand seit sieben Monaten. Der Euro fiel dagegen erstmals seit Ende Juli wieder unter die Marke von 1,10 Dollar. Doch im Handelsverlauf hieß es: alles wieder retour.

Zudem begab sich die türkische Lira auf Talfahrt, sie fiel auf ein Rekordtief. Auslöser waren schwache Wirtschaftsdaten und die politische Entwicklung in der Türkei.

Inflation auf dem Vormarsch

Heute gab es neue Daten zur Inflation, die zeigten: Die Zeiten eines unveränderten Preisniveaus in Deutschland sind erst mal vorbei. Angetrieben von höheren Mieten ist die Inflation in Deutschland im September auf den höchsten Stand seit Mai 2015 gestiegen, auf 0,7 Prozent.

Doppel-Ballast für Rohstoffpreise

Die Ölpreise gaben kein Entspannungsignal. Sowohl die Nordseesorte Brent als auch die US-Sorte WTI sanken zunächst weiter, WTI zeitweise sogar unter 50 Dollar. Das sieht nicht nach einer starken Weltkonjunktur aus. Zudem bleibt es auf der Angebotsseite kritisch. Denn ob die vereinbarte Kürzung der Ölproduktion auch tatsächlich in die Tat umgesetzt wird, ist fraglich.

Die schwachen China-Daten haben zudem die Preise für Industriemetalle gedrückt. Kupfer, Zink, Blei, Aluminium, Nickel - alles gab nach. Der starke Dollar trug seinen Teil dazu bei. Die Preise der Metalle werden in Dollar angegeben, wodurch sie für Unternehmen aus anderen Ländern als den USA teurer werden.

Öl (Brent): Kursverlauf am Börsenplatz Deutsche Bank für den Zeitraum Intraday
Kurs
78,76
Differenz relativ
+0,09%
Öl (WTI): Kursverlauf am Börsenplatz Deutsche Bank für den Zeitraum Intraday
Kurs
70,81
Differenz relativ
+0,06%

Deutsche Bank wieder im roten Bereich?

Vor allem Finanzaktien gehörten heute zu den Schlusslichtern. In Europa verloren Axa, Societe Generale und Royal Bank of Scotland deutlich, in den USA Goldman Sachs, Citigroup und Bank of America. Im Dax lag die Commerzbank ganz hinten.

Ebenfalls schwach die stark gebeutelte Deutsche-Bank-Aktie, die ihren jüngsten Erholungskurs stoppte. An den Neuigkeiten dürfte es nicht liegen. Die Bank hat eine ihrer kleineren Rechtsstreitigkeiten beigelegt. Das kostet sie ein paar Millionen - geradezu lächerlich verglichen mit der Milliardenstrafe, die das Institut noch erwartet. Wenig erbaulich sind die Aussichten: Die Deutsche Bank dürfte wohl wieder einen Verlust eingefahren haben.

Merck: Vier Milliarden neuer Umsatz

Die Merck-Aktie schlug sich heute verhältnismäßig gut. Der Darmstädter Pharmakonzern hat auf einem Kapitalmarkttag Milliarden-Umsatzziele für neue Produkte verkündet..

ThyssenKrupp feiert Rekordauftrag

Für die Börse kein Grund zu feiern: ThyssenKrupp hat nach eigenen Angaben einen Rekordauftrag an Land gezogen. Der Konzern soll 143 Fluggastbrücken für den Bau des neuen Großflughafens in Istanbul liefern. Es ist aber nur ein Konzern-Rekord im Brückenbereich. Der Auftrag bringt einen zweistelligen Millionenbetrag. Wenig erbaulich dagegen: Die Stahlproduktion in Deutschland schwächelt weiter.

BMW zündet nicht - Porsche drosselt

Die recht guten Absatzzahlen von BWM gingen unter. Die Bayern hatten im September ihren Absatz um rund zehn Prozent gesteigert. Die Aktie verlor dennoch. Allerdings hatte Daimler mit plus 13 Prozent auch viel besser abgeschnitten. Porsche dagegen drosselte sein Wachstumstempo, im dritten Quartal steigerte das Unternehmen seine Verkäufe um gerade einmal zwei Prozent.

Eon dementiert Wiwo-Bericht

Laut der "Wirtschaftswoche" erwägt Eon-Chef Johannes Teyssen, mindestens einen Teil seiner Stromnetze abzuspalten und Investoren anzubieten oder an die Börse zu bringen. Gründe seien die Absenkung künftiger Netzrenditen durch die Bundesnetzagentur, die das Geschäft weniger rentabel macht, und weiterer Finanzierungsbedarf. Eon wies den Bericht allerdings zurück.

Bayer vor Milliarden-Verkauf

Bayer: Kursverlauf am Börsenplatz Xetra für den Zeitraum Intraday
Kurs
76,52
Differenz relativ
+0,92%

Bayer kommt mit dem geplanten Verkauf seines Dermatologiegeschäfts voran. Der indische Pharmakonzern Lupin und die Beteiligungsgesellschaft BC Partners hätten es in die nähere Auswahl unter den Interessenten geschaft, erfuhr die Nachrichtenagentur Reuters von mehreren mit der Sachen vertrauten Personen. Dadurch könnte Bayer mindestens rund eine Milliarde Euro einnehmen.

ProSiebenSat.1 wird optimistischer

Der Medienkonzern ProSiebenSat.1 hat seine Umsatzprognose für 2016 angehoben. Die Erlöse sollen um mindestens 15 Prozent zulegen. Zudem sprach der Konzern vage davon, bestimmte Konzernteile eventuell an die Börse zu bringen.

Lufthansa im Branchensog

Auch die Lufthansa-Aktie wird schwer niedergedrückt. Anleger nehmen nach einer starken Kursentwicklung in der laufenden Woche Gewinne mit. Zudem belasten schwache Geschäfte des Konkurrenten Cathay Pacific.

Südzucker steigert Ergebnis

Im MDax gehörte die Südzucker-Aktie zu den Top-Werten. Anleger überzeugt die Bilanz: Mit den steigenden Zuckerpreisen lässt sich wieder gut verdienen. Europas größter Zuckerproduzent hatte erst vor kurzem seine Jahresprognose angehoben.

Fraport haut Anleger nicht um

Die neuen Verkehrszahlen von Fraport waren gar nicht schlecht. Der September bescherte dem Frankfurter Flughafen einen Höchstwert von 5,9 Millionen Passagieren. Das Plus von 1,8 Prozent relativiert sich allerdings, weil im Vergleichsmonat September 2015 Streiks stattfanden.

MorganStanley schiebt VTG an

Morgan Stanley Infrastructure wird neuer Großaktionär bei VTG. Das schiebt die Aktie kräftig an. Im Frankfurter Handel gewinnt das Papier rund elf Prozent.

Manz wieder hoffnungsvoll

Die Maschinenbauer Manz hat mit einem wichtigen Kunden, der im Juni 2016 einen Großauftrag storniert hatte, in einem Vergleich geeinigt. Der Auftrag bleibt zwar weg, aber Manz wird durch die Vereinbarung keine weiteren negativen Ergebniseffekte haben. Man sieht sich daher auf Kurs für 2016. Der angeschlagene Maschinenbauer setzt dafür aber auf einen neuen Großauftrag.

Shop Apotheke an der Börse gestartet

Hinweisschild zu einer Apotheke und einem WLAN Spot
Audio

Audio: Shop Apotheke kommt aufs Parkett

Der deutsch-niederländische Arzneimittel-Versender Shop Apotheke ist seit heute an der Börse notiert. Der erste Kurs an der Börse lag bei 30,05 Euro. Damit lagen die Aktien über dem Ausgabepreis von 28 Euro.

TomTom wird ausgebremst

In Amsterdam stürzten TomTom-Aktien ab. Der Navi-Hersteller senkte nach einem schwächeren Umsatz im Quartal seine Gewinnprognose. Die Smartphone-Konkurrenz setzt den Niederländern zu. TomTom bleibt dennoch optimistisch mit Blick auf die rentableren Zukunftsgeschäfte mit der Automobilindustrie. Dabei geht es unter anderem um die Entwicklung hochgenauer Karten für selbstfahrende Autos - und das Geschäft macht mittlerweile rund 40 Prozent des Umsatzes aus.

Unilever streitet mit Briten

Unilever: Kursverlauf am Börsenplatz Frankfurt für den Zeitraum Intraday
Kurs
47,79
Differenz relativ
+0,52%

Aktien des niederländisch-britischen Konsumgüterkonzerns Unilever stehen unter Druck. Der Konzern hat Ärger mit den vier großen britischen Supermarkt-Ketten wegen Preiserhöhungen aufgrund der Pfund-Schwäche.

bs

Dax-Chart realtime

Tagestermine am Montag, 24. September

Unternehmen:
Lonza Group: Kapitalmarkttag
Deutsche Börse: Regeländerungen für die Indizes MDax, TecDax und SDax sowie die Indexänderungen werden wirksam

Konjunktur:
Deutschland: Ifo-Geschäftsklimindex 9/18, 10:00 Uhr
USA: CFNA-Index 8/18, 14:30 Uhr

Sonstiges:
Japan/Korea: Feiertag, Börsen geschlossen