Dax gönnt sich Verschnaufpause

Stand: 26.03.2010, 20:02 Uhr

In dieser Woche hat der Dax mehr als zwei Prozent zugelegt und sogar ein neues Jahreshoch markiert. Heute halten sich die Anleger mit Käufen aber zurück. Daran ändert auch der Notfallplan für Griechenland nichts.

Der Dax beendet den Parketthandel mit einem leichten Verlust von acht Punkten bei 6.112 Zählern. Belastet wurde der Leitindex von Gewinnmitnahmen, die bereits den elektronischen Handel um 13 Punkte auf 6.120 Stellen gedrückt haben.

Auch an der Wall Street geht den Anlegern am Abend die Puste aus. Dabei hatte der Dow Jones-Index am Nachmittag zeitweise noch gut 50 Punkte im Plus gelegen und war auf 10.900 Punkte gestiegen. Befeuert wurde der US-Markt zunächst vom endgültigen Anstieg des von der Uni Michigan ermittelten Verbrauchervertrauens im März auf 73,6 Punkte. Doch dann drehte der Markt nach unten und rutschte kurzeitig sogar ins Minus. Bei Börsenschluss in Deutschland notiert der Dow fünf Punkte höher bei 10.846.

Experten gehen davon aus, dass der deutsche Leitindex auch in der kommenden Wochen weiter zulegen wird. "Die positiven Impulse sind noch intakt, dürften jedoch zunehmend fragiler werden", sagt Aktienstratege Gerhard Schwarz von UniCredit. Aber auch der charttechnische Ausbruch des Dax über 6.100 Punkte, die wieder anlaufenden Neuemissionen, sowie die Aussicht auf eine Konjunkturerholung im Frühjahr und unverändert niedrige Zinsen dürften die heimischen Börsen zunächst noch antreiben.

Unterstützung erhalte der Markt auch von der gestern getroffenen Einigung im Fall Griechenland, obwohl die Anleger heute davon keine Notiz nehmen. "Die Krise Griechenlands und des Euro steht mit den jüngsten Beschlüssen nicht mehr auf der Agenda der Finanzmärkte", sagte Folker Hellmeyer, Chefanalyst bei der Bremer Landesbank.

Euro leicht erholt
Derweil kann sich der Euro von seinem Fall unter die Marke von 1,33 Dollar wieder etwas erholen. Zur Stunde notiert die Gemeinschaftswährung bei 1,34 Dollar. Der Nothilfeplan für Griechenland dürfte dem Euro nach Einschätzung von Ralf Umlauf, Experte der Landesbank Hessen-Thüringen (Helaba), aber nur eine temporäre Erholung ermöglichen. Der zuletzt auf breiter Front aufwertende Dollar zeige, dass nicht nur interne Faktoren der Währungsunion den Wechselkurs bewegten, sondern zunehmend auch die mittelfristigen Zinsperspektiven in den Fokus rückten. Auch aus Sicht der Commerzbank dürfte die Einigung dem Euro nicht nachhaltig helfen.

Volkswagen VZ: Kursverlauf am Börsenplatz Xetra für den Zeitraum Intraday
Kurs
154,38
Differenz relativ
+1,23%

Tom Tailor unter Ausgabekurs
Der Kurs der heute erstmals gehandelten Hamburger Modefirma Tom Tailor ist bis zum Börsenschluss auf 12,85 Euro gefallen und notiert damit leicht unter seinem Ausgabekurs von 13 Euro. Bis zum Nachmittag hatte sich die Aktie nicht bewegt. Die elf Millionen Aktien wurden überwiegend von institutionellen Anlegern aufgenommen; dem Unternehmen fließt aus dem Börsengang ein Bruttoerlös von rund 140 Millionen Euro zu.

VW in Führung
Volkswagen hat seine Kapitalerhöhung erfolgreich abgeschlossen und wird dafür von den Anlegern mit einem kräftigen Kursanstieg belobt. Die Aktie steigt um knapp vier Prozent und ist damit größter Gewinner im Dax. Der Konzern sammelte mit seiner Kapitalerhöhung 4,1 Milliarden Euro ein, etwas mehr als erwartet. Analysten erwarten nun, dass VW in den kommenden Monaten die angekündigte Wandelanleihe auflegen wird.

Daimler mit Renault schon im April?
Der französische Autobauer Renault will Presseberichten zufolge bereits im kommenden Monat über eine Allianz mit dem Daimler-Konzern entscheiden. Renault habe für den 6. April eine außerordentliche Verwaltungsratssitzung anberaumt, berichtet heute die Zeitung "Le Figaro". Dort könne über eine Kooperation mit einer Überkreuzbeteiligung der Konzerne von bis zu zehn Prozent beschlossen werden. Nach der Aufsichtsratssitzung am Dienstag nach Ostern könnte die Allianz noch im April den Aktionären von Renault und Daimler auf den Hauptversammlungen präsentiert werden. Die Aktien bewegen sich kaum.

Siemens spürt Krise weiterhin
Der Elektrokonzern Siemens spürt weiter die Auswirkungen der Wirtschaftskrise und rechnet im zweiten Geschäftsquartal mit weniger Aufträgen als noch vor einem Jahr. Vor allem die sogenannten langzyklischen Geschäfte - also Projekte mit langem Vorlauf wie der Kraftwerksbau - leiden nach wie vor unter den Folgen der Krise. Dank einer Erholung bei den kurzzyklischen Geschäften, wie etwa der Lichtsparte Osram, sei insgesamt aber mit einem besseren operativen Ergebnis der drei Sektoren Industrie, Energie und Gesundheit zu rechnen, sagte Siemens-Finanzchef Joe Kaeser. Die Aktie gibt leicht nach.

Oracle drückt SAP
Die Aktie von SAP gibt 1,3 Prozent ab. Dabei hatte der US-Rivale Oracle am Abend hervorragende Quartalszahlen vorgelegt. Der Gewinn stieg auf besser als erwartete 38 Cent je Aktie. Oracle gab zudem einen guten Ausblick auf das Schlussquartal. Trotzdem hatten sich die Anleger noch etwas mehr erhofft. Die Aktie war nachbörslich trotzdem unter Druck, Händler halten das gegenwärtige Kursniveau für ausgereizt.

Dabei macht Oracle Hoffnungen auf eine nachhaltige Erholung der Technologiebranche. Der SAP-Rivale blickt so optimistisch auf sein Geschäft mit Unternehmenskunden wie seit mehr als einem Jahr nicht mehr. Die Firmen investieren nach zäher Pause wieder und rüsten ihre Technologie auf.

Salzgitter stutzt Dividende
Nach dem desaströsen Geschäftsjahr 2009 kürzt Deutschlands zweitgrößter Stahlkonzern Salzgitter den Aktionären überraschend stark die Dividende. Die Anteilseigner sollen für 2009 nur 25 Cent (Vorjahr: 1,40 Euro) je Aktie erhalten, wie der künftige Firmenchef Heinz Jörg Fuhrmann am Freitag bei der Bilanzvorlage ankündigte. Das ist weniger als die Hälfte dessen, was Branchenexperten erwartet hatten. Die Aktie gehört dennoch zu den wenigen Gewinnern im Dax.

Praktiker: Zuschlag für alle
Praktiker-Aktien springen um zehn Prozent in die Höhe und sind die mit Abstand größten Kursgewinner im MDax. Dabei setzte die Wirtschaftskrise Deutschlands zweitgrößter Baumarktkette 2009 deutlich zu, das operative Ergebnis (Ebita) hat sich mehr als halbiert. Doch Praktiker blickt wieder optimistisch auf das laufende Jahr. Auch sollen die Aktionäre eine unveränderte Dividende von 0,10 Euro je Aktie bekommen.

Nordex unter Verkaufsdruck
Eine millionenschwere Aktienplatzierung belastet die im TecDax notierte Aktie des Windkraftkonzerns Nordex. Laut Händlern habe ein Großinvestor 6,5 Millionen Nordex-Papiere zu 8,5 Euro das Stück verkauft. Die Aktie verliert gut acht Prozent.

Medigene und Singulus geben ab
Auch die Aktien der TecDax-Firmen Medigene und Singulus stehen heute auf der Verliererliste. Der Anlagenbauer Singulus hat 2009 einen operativen Verlust von 73,2 Millionen Euro eingefahren. "Nachhaltig Erträge" sollen erst 2011 wieder erwirtschaftet werden.

Auch der Biotechkonzern Medigene hat 2009 mit einem Verlust abgeschlossen. Der Fehlbetrag belief sich auf 22 Millionen Euro. Der Umsatz stagnierte im vergangenen Jahr bei 39,5 Millionen Euro, für 2010 geht Medigene aber von steigenden Erlösen aus. Die Aktien verlieren dennoch mehr als fünf Prozent.

Villeroy & Boch tiefrot
Ebenfalls in die roten Zahlen gestürzt ist 2009 der Keramikhersteller Villeroy & Boch. Das im SDax notierte Unternehmen fuhr einen Nettoverlust von 96,5 Millionen Euro ein. Dank Sparmaßnahmen konnte ein noch schlechteres Ergebnis verhindert werden. Im Schlussquartal 2009 sei bereits ein positives Ergebnis erzielt worden. Im laufenden Jahr erwartet die Villeroy & Boch Erlöse auf Vorjahresniveau. Operativ steuert der Konzern zurück in die schwarzen Zahlen. Die Anleger freut's.

Aurelius auf Höhenflug
Die Aktie der Beteiligungsgesellschaft Aurelius hat nach Bekanntgabe der Geschäftszahlen 2009 kräftig zugelegt. Die Papiere stiegen zeitweise um mehr als zwölf Prozent. Der Gewinn nach Steuern und Minderheiten verdoppelte sich 2009 auf 75 Millionen Euro. Deshalb sollen die Aktionäre eine Dividende von 1,12 (Vorjahr: 0,50) Euro erhalten.

SKW und Deutsche Wohnen machen Verluste
Im Minus notieren dagegen die Aktien der im SDax notierten Firmen Deutsche Wohnen und SKW Stahl. Beide Firmen machten im vergangenen Jahr Verluste. SKW will deshalb sogar die Dividende streichen. Für dieses Jahr ist die Gesellschaft aber wieder sehr optimistisch. Auch Deutsche Wohnen will im laufenden Jahr die Gewinnträchtigkeit des operativen Geschäftes verbessern, um die "Dividendenfähigkeit nachhaltig zu untermauern".

Wacker Neuson streicht die Dividende
Der ebenfalls im SDax notierte Baumaschinenhersteller Wacker Neuson will in diesem Jahr keine Dividende zahlen. Nach dem ersten Jahresverlust in der gut 160-jährigen Firmengeschichte werde es keine Ausschüttung geben, teilte der Konzern mit. Wacker Neuson begründete diesen Schritt auch mit der unsicheren Marktentwicklung in diesem Jahr. 2010 soll der Umsatz wieder steigen, und auch das Ergebnis soll wieder positiv ausfallen. Die Aktie legt leicht zu.

Dax-Chart realtime

Tagestermine am Montag, 24. September

Unternehmen:
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Deutsche Börse: Regeländerungen für die Indizes MDax, TecDax und SDax sowie die Indexänderungen werden wirksam

Konjunktur:
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Sonstiges:
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