Marktbericht 20:11 Uhr

Anleger im Abwartemodus Dax gönnt sich Ruhepause

Stand: 03.03.2016, 20:11 Uhr

Die Luft nach oben wird immer dünner. Der Dax konnte am Donnerstag seine jüngste Aufholjagd nicht fortsetzen und schloss etwas tiefer. Vor dem mit Spannung erwarteten US-Arbeitsmarktbericht hielten sich die Anleger zurück.

Dax

Dax: Kursverlauf am Börsenplatz Xetra für den Zeitraum 3 Monate
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An den Märkten wachsen die Zweifel, dass weitere Geldspritzen der Notenbanken die erhofften Effekte auf die Konjunktur haben werden. "Investoren fragen sich, ob die Erwartungen nicht schon zu hoch gesteckt sind", meinte ein Börsianer. Viele Anleger gingen daher auf Nummer sicher und nahmen Gewinne mit. Der Dax büßte 0,3 Prozent ein. Auch der EuroStoxx 50 gab gut ein halbes Prozent nach.

"Bäume wachsen nicht in den Himmel"

Zuletzt hatten Spekulationen auf weitere Konjunkturhilfen der chinesischen Notenbank und der Europäischen Zentrealbank (EZB) die Kurse deutlich angetrieben. Der Dax sprang in den letzten drei Wochen um rund 1.000 Punkte nach oben. "Die Bäume wachsen nicht in den Himmel", meint Chartexperte Franz-Georg Wenner vom Börsenstatistik-Magazin "Index-Radar". "Der Dax hat sein Potenzial fast vollständig ausgeschöpft."

Investoren in der Zwickmühle

ARD-Börsenstudio Hörfunk: Alexander Schmitt
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Börse 20.15 Uhr

Kaum ein Marktteilnehmer sei noch bereit, auf den Zug aufzuspringen, glaubt Jens Klatt, Analyst des Brokerhauses FXCM in Deutschland. Massiv Aktien verkaufen wolle aber auch niemand - wegen der Aussicht auf weitere Geldgeschenke der EZB in einer Woche.

Wall Street tritt auf der Stelle

Die Wall Street zeigte sich ebenfalls unentschlossen. Der Dow notierte zwei Stunden vor Handelsschluss nahezu unverändert. "Um weiter nach oben zu kommen, braucht der Markt noch mehr gute Daten, vor allem aus den USA", sagt Markus Huber vom Handelshaus City of London Markets.

Ernüchternde US-Konjunkturdaten

Diese blieben am Donnerstag aus: Die Auftragseingänge der US-Industrie stiegen weniger stark als erhofft um 1,6 Prozent. Zudem stiegen überraschend die wöchentlichen Erstanträge auf Arbeitslosenhilfe um 6.000 auf 278.000.Einziger Lichtblick war die Produktivität der US-Unternehme, die  im vierten Quartal weniger stark auf das Jahr hochgerechnet um 2,2 Prozent sank.

Am Freitag steht der US-Arbeitsmarktbericht an. Experten rechnen mit 190.000 neuen Stellen. Fällt der Bericht noch besser aus, könnten die Spekulationen auf eine baldige Zinserhöhung der Fed wieder neu genährt werden. Zuletzt hatte es Befürchtungen um eine Konjunkturabkühlung in den USA gegeben.

Euro im Höhenflug

Die eher ernüchternden US-Daten und nicht ganz so schlecht wie befürchtete Daten aus Europa hievten den Euro nach oben. Die europäische Gemeinschaftswährung kletterte bis zum Abend auf 1,0955 Dollar. Der schwächere Dollar beflügelte die Ölpreise. Ein Barrel (159 Liter) der Nordseesorte Brent kostete am frühen Abend 37,24 US-Dollar. Das waren 31 Cent mehr als am Vortag. Der Preis für ein Barrel der US-Sorte West Texas Intermediate (WTI)  stieg um 45 Cent auf 35,12 Dollar.

Euro in US-Dollar: Kursverlauf am Börsenplatz Forex vwd für den Zeitraum Intraday
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Öl (Brent): Kursverlauf am Börsenplatz Deutsche Bank für den Zeitraum Intraday
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Öl (WTI): Kursverlauf am Börsenplatz Deutsche Bank für den Zeitraum Intraday
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Conti rast an die Dax-Spitze

Continental: Kursverlauf am Börsenplatz Xetra für den Zeitraum Intraday
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Zum größten Gewinner im Dax schwang sich Conti auf Die Aktie stieg um fast fünf Prozent. Der Reifenhersteller und Autozulieferer will seinen Umsatz organisch um fünf Prozent auf rund 41 Milliarden Euro verbessern. Die bereinigte Ebit-Marge soll über 10,5 Prozent liegen. Im Vorjahr hatte Conti eine Ebit-Marge von 11,8 Prozent eingefahren. Die Dividende für 2015 steigt von 3,25 auf 3,75 Euro.

K+S gibt sich gelassen

Die Aktie von K+S schloss ebenfalls deutlich höher. Der Salz- und Düngemittelhersteller sieht im Streit um die Abwasserentsorgung keinen Bedarf für Rückstellungen. Das Unternehmen sei unverändert davon überzeugt, dass die erteilte Genehmigung zur Versenkung von Salzabwässern in der Gerstunger Mulde in Thüringen in den Jahren 1999 bis 2007 rechtmäßig sei, teilte das Unternehmen mit. Nach einem Bericht der "Wirtschaftswoche" fordert die Staatsanwaltschaft 325 Millionen Euro von dem Unternehmen.

Adidas setzt sich sportliche Ziele

Adidas: Kursverlauf am Börsenplatz Xetra für den Zeitraum Intraday
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Die Adidas-Aktie konnte hingegen ihre gute Kursentwicklung in diesem Jahr nicht fortsetzen und gab zwei Prozent nach. Der Sportartikler will seinen Umsatz im laufenden Jahr währungsbereinigt um zehn bis zwölf Prozent in die Höhe schrauben. Einen kräftigen Schub sollen die Fußball-Europameisterschaft in Frankreich und die Olympischen Spiele in Rio bringen. Das bereinigte Ergebnis aus dem fortgeführten Geschäft soll von 720 auf etwa 800 Millionen Euro zulegen.

Vonovia übertrifft Erwartungen

Leicht im Plus schloss die Vonovia-Aktie. Deutschlands größter Wohnungskonzern hat im vergangenen Jahr deutlich besser abgeschnitten. Das operative Ergebnis - gemessen an der für die Branche wichtigen Kenngröße Funds from Operations I (FFO I) - konnte auf 608 Millionen Euro mehr als verdoppelt werden. Die jüngsten Zukäufe Gagfah und Südewo trugen maßgeblich zur der positiven Entwicklung bei. Die Dividende steigt von 78 auf 94 Cent je Aktie.

RWE billigt Nulldividende

Der Aufsichtsrat von RWE hat am Nachmittag der Nullrunde bei der Dividende zugestimmt. Außerdem beschloss er wichtige Personalien. RWE-Chef Peter Terium wird bei der Aufspaltung des Konzerns in "alte" und "neue" Energie vorübergehend beide Gesellschaften führen. Nach dem Börsengang der Ökostrom-Gesellschaft RWE NewCo gibt Terium den Vorsitz der Muttergesellschaft RWE AG an den bisherigen RWE-Vizechef Rolf Martin Schmitz ab.

Bilfinger will Gebäudemanagement-Sparte verkaufen

Zu den größten Gewinnern im MDax schwang sich Bilfinger auf. Die Aktie legte fast fünf Prozent zu. Der Baudienstleister erwägt den Verkauf seiner Gebäudemanagement-Sparte. Einem Bericht der Nachrichtenagentur Bloomberg zufolge gehören die Finanzinvestoren KKR und EQT zum engeren Kreis der Bieter. Daneben gebe es noch zwei weitere Interessenten, hieß es unter Berufung auf Insider. Bilfinger erhofft sich einen Verkaufspreis von über 1,3 Milliarden Euro.

Jungheinrich stapelt Gewinn höher

Der Gabelstapler- und Lagertechnik-Hersteller Jungheinrich hat im vergangenen Jahr seinen Umsatz um zehn Prozent auf 2,75 Milliarden Euro in die Höhe geschraubt. Das Ergebnis vor Zinsen und Steuern (Ebit) stieg ebenso stark auf 213 Millionen. Die Dividende für die Vorzugsaktien klettert von 1,04 auf 1,19 Euro je Aktie. Die MDax-Aktie legte fast zwei Prozent zu.

Axel Springer wird immer digitaler

Der Medienkonzern Axel Springer hat sein Ebitda im vergangenen Jahr von zehn Prozent auf 559 Millionen Euro verbessert. Der Umsatz kletterte um knapp neun Prozent auf 3,29 Milliarden Euro. Springer profitierte vom Ausbau des Internetgeschäfts. Die Dividende bleibt unverändert bei 1,80 Euro je Aktie. Die im MDax notierten Springer-Titel gaben leicht nach.

MTU herabgestuft

Die Aktien des Triebwerksproduzenten MTU gehörten zu den schwächsten Werten im MDax. Grund war eine Herabstufung durch JP Morgan wegen der angeblich hohen Bewertung der Aktien. Die Papiere wurden von "Neutral" auf "Underweight" abgestuft und das Kursziel von 80,50 auf 78,00 Euro gesenkt.

Evonik vergrault die Anleger

Die Aktie von Evonik war Schlusslicht im MDax. Sie brach um knapp 12 Prozent ein. Der Chemiekonzern rechnet im laufenden Jahr mit einem Rückgang beim Umsatz und operativen Ergebnis. Das bereinigte Ebitda soll von 2,47 auf 2,0 bis 2,2 Milliarden Euro sinken, nachdem es 2015 noch um 31 Prozent zugelegt hatte. Das MDax-Mitglied rechnet für 2016 mit einer steigenden Verkaufsmenge aber sinkenden Preisen.

Freenet startet TV-Karriere

Im TecDax sorgte Freenet für Furore. Der Mobilfunkanbieter steigt ins TV-Geschäft ein und will die Media Broadcast Gruppe kaufen. Der Kaufpreis liegt bei 295 Millionen Euro. Media Broadcast produziert Fernseh- und Radioinhalte und überträgt sie über Internet sowie weitere Kanäle. Der Kaufpreis liegt bei 295 Millionen Euro. Daraufhin hob Freenet seine Ziele für 2016 an. Das Ebitda soll im laufenden Jahr auf etwas über 400 Millionen Euro steigen.

Vossloh-Chef steigt aus

Der Verkehrstechnikhersteller muss sich einen neuen Chef suchen. Hans Schabert will seinen Ende März 2017 auslaufenden Vertrag nicht verlängern. Der Aufsichtsrat nehme diese Entscheidung "mit großem Bedauern" zur Kenntnis, teilte das Unternehmen mit. Die Aktie gab 0,8 Prozent nach.

GFT skeptischer für 2016

Der IT-Dienstleister GFT hat seine eigenen Ziele für 2015 übertroffen - dank vieler Aufträge aus der Bankenbranche. Der Umsatz legte um 34 Prozent auf 374 Millionen zu. Das Ebitda wuchs um 36 Prozent auf 44,6 Millionen Euro. Die Dividende soll von 25 Cent auf 30 Cent je Aktie steigen. Im laufenden Jahr soll es deutlich langsamer aufwärts gehen. Die Aktie schloss zwei Prozent tiefer.

Cancom holt sich frisches Kapital

Der IT-Dienstleister Cancom hat sein Kapital erhöht. Das TecDax-Mitglied hat 1,49 Millionen neue Aktien zu je 44,50 Euro ausgegeben. Das sind zehn Prozent des Grundkapitals. Die Papiere wurde im Rahmen eines Bookbuilding-Verfahrens bei institutionellen Anlegern platziert. Mit dem Erlös will das Unternehmen das eigene Wachstum vorantreiben sowie auch Zukäufe finanzieren. Die Aktie ging fast unverändert aus dem Handel.

Helma im Baufieber

Der Baudienstleister Helma Eigenheimbau hat seinen Umsatz im vergangenen Jahr um 24 Prozent auf 211 Millionen Euro gesteigert. Das Ebit wuchs um 26 Prozent auf 17,8 Millionen Euro. Bis zum Jahr 2018 will Helma seinen Umsatz verdoppeln. Außerdem soll die Ebit-Marge mit 8,0 bis 11,0 Prozent höher als bisher anvisiert liegen. Die Aktie gab dennoch nach.

nb

Tagestermine am Montag, 17. Dezember

Unternehmen:
Hennes & Mauritz: Q4-Umsatz, 08:00 Uhr

Konjunktur:
EU: Handelsbilanz 10/18, 10:00 Uhr
EU: Verbraucherpreise 11/18 (vorl.), 11:00 Uhr
USA: Empire-State-Index 12/18, 14:30 Uhr
USA: NAHB-Index 12/18, 16:00 Uhr