Marktbericht 20.30 Uhr

Griechenland, China und die Zwangspause der Wall Street Dax gönnt sich kleine Stärkung

Stand: 08.07.2015, 20:30 Uhr

Nach vier Minus-Tagen gönnt sich der Dax eine kleine Pause der Stärkung. Griechenland gibt zur Abwechslung mal Grund zur Hoffnung. China auch, obwohl dort die Crash-Gefahr noch lange nicht gebannt ist. Derweil ist die New Yorker Börse komplett lahmgelegt.

Es ist eine Zwangspause. Der Handel an der New Yorker Börse ist wegen technischer Probleme gestoppt, seit 11.32 Uhr Ortszeit. Alle offenen Aufträge wurden gestrichen. Die genauen Gründe für den Ausfall wurden nicht genannt. Nur so viel: Es handele sich nicht um einen Hackerangriff, sondern eine interne, rein technische Angelegenheit.

China-Crash und die Gegenwehr

Dow Jones (Indikation): Kursverlauf am Börsenplatz Citigroup für den Zeitraum Intraday
Kurs
24.420,12
Differenz relativ
+0,16%

Die an der Nyse notierten Anteilsscheine wurden in der Zwischenzeit an anderen Börsenplätzen wie der Nasdaq OMX und BATS Global Markets weitergehandelt. Die Marktbarometer weiteten ihre Kursverluste etwas aus - bei allerdings dünnen Umsätzen. Der Dow Jones liegt zur Stunde rund ein Prozent im Minus. Investoren standen vor allem unter dem Eindruck des Ausverkaufs an Chinas Aktienmärkten. Der chinesische Leitindex SSE war zeitweise um acht Prozent eingebrochen, Über 500 Aktien wurden vom Handel ausgesetzt, um die Panik zu bekämpfen.

Deutsche Bank: Kursverlauf am Börsenplatz Xetra für den Zeitraum Intraday
Kurs
7,28
Differenz relativ
-5,55%

Regierung wie Notenbank wurden außerdem aktiv. Um den Kurseinbruch zu bekämpfen, der in nicht einmal einem Monat rund ein Drittel Börsenwert vernichtet hatte, bringt die Regierung ein Investitionsprogramm für die Wirtschaft von fast 37 Milliarden Euro auf den Weg. Die Notenbank schiebt den Panikverkäufen an den Börsen einen Riegel vor. Groß-Investoren, die mehr als fünf Prozent der Aktien eines Unternehmens besitzen, müssen ihre Anteile nun ein halbes Jahr halten. Damit dürften auch Planspiele der Deutschen Bank vorerst auf Eis liegen, eine milliardenschwere Beteiligung an der Bank Hua Xia abzustoßen.

Die Fed und die große Zins-Uneinigkeit

Neuigkeiten drangen zudem aus der letzten Fed-Sitzung am 16. und 17. Juni nach außen. Wie aus dem heute veröffentlichten Protokoll der US-Notenbank hervorgeht, wollen viele Notenbanker erst noch mehr Belege für ein stärkeres Wachstum, bevor sie grünes Licht für die anvisierte Zinserhöhung geben. Einige warnen vor einer vorzeitigen Erhöhung. Besorgt äußerten sich viele Fed-Vertreter auch über die Folgen eines möglichen Austritts Griechenlands aus der europäischen Währungsunion.

Und was macht der Dax aus der Gemengelage?

Der Dax hat sich nach einem ziemlich mauen Start, der geprägt war von herben Kursverlusten in China, am Nachmittag an die Erholung gemacht. Innerhalb kürzester Zeit sprang er 100 Punkten nach oben, sogar über 10.800 Punkte. Am Ende blieben 0,7 Prozent Tagesgewinn, bei 10.747 setzte der Deutsche Aktienindex seinen Schlusspunkt, der L-Dax bei 10.751.

ARD-Börsenstudio Hörfunk: Alexander Schmitt
Audio

Börse 20.15 Uhr

Was die Stimmung der Anleger so plötzlich hob: Alexis Tsipras gab sich kompromissbereit. Der griechische Ministerpräsident kündigte im EU-Parlament für Donnerstag "sehr konkrete" Vorschläge zur Lösung der Krise an, will nächste Woche sogar die #Steuer- und Rentenreform angehen. Das machte Anlegern Hoffnung, dass nun doch noch alles zu einem guten Ende kommt. Auch wenn weder klar ist, ob Athen auch wirklich Wort hält, noch ob die Parlamente anderer Euro-Staaten weitere Geldspritzen genehmigen.

Die Sicht der Charttechnik

Dax

Dax: Kursverlauf am Börsenplatz Xetra für den Zeitraum Intraday
Kurs
10.622,07
Differenz relativ
-1,54%

Chart-Analysten sehen für den Index bei rund 10.800 einen starken charttechnischen Widerstand. Zuvor verlief hier eine Unterstützung: Der Index war an dieser Marke in den vergangenen Wochen mehrmals nach oben gedreht. Gestern jedoch hielt die Marke dem Verkaufsdruck nicht mehr stand. So wurde aus der charttechnischen Unterstützung ein Widerstand. Nach unten könnte der Dax bei rund 10.615 Punkten zunächst Halt finden, wo derzeit die 200-Tage-Linie verläuft. Besonders die Tatsache, dass diese Linie momantan noch steigt, lässt hoffen.

China und Griechenland werden den Dax-Lauf aber grundlegend bestimmen. Ob am Ende alles gut wird, ist ungewiss. "Die Verunsicherung ist sehr groß. Keiner weiß, was am Ende in beiden Fällen herauskommt", sagte ein Börsianer.

Auto-Aktien leiden

Anleger sorgen sich, dass der Crash an Chinas Börsen auf die Konjunktur überschlägt. Leidtragende waren heute Aktien der Autokonzerne. Dies aber auch wegen der erschreckenden Verkaufszahlen dort. Im Juni entwickelte sich der chinesische Automarkt rückläufig. Der PKW-Absatz sank um 3,2 Prozent auf 1,43 Millionen Einheiten. Zudem reduzierte Goldman Sachs sein Kursziel für BMW von 101 auf 92 Euro und bekräftigte die Verkaufsempfehlung.

BMW ST: Kursverlauf am Börsenplatz Xetra für den Zeitraum Intraday
Kurs
70,10
Differenz relativ
-2,25%
Daimler: Kursverlauf am Börsenplatz Xetra für den Zeitraum Intraday
Kurs
45,47
Differenz relativ
-2,71%
Volkswagen VZ: Kursverlauf am Börsenplatz Xetra für den Zeitraum Intraday
Kurs
140,98
Differenz relativ
-1,74%

Die in den vergangenen Tagen besonders schwachen Aktien der Stahlhersteller dagegen erholten sich. Die Papiere von ThyssenKrupp machten mit einem Plus von 1,90 Prozent einen Teil ihres Kursrutsches vom Vortag wett. Im MDax verteuerten sich Salzgitter-Aktien um rund 2 Prozent.

Mehr Geld für K+S-Aktie

Im Fokus der Dax-Werte stand heute wieder einmal K+S. Der kanadische Düngemittelriese Potash kann sich offenbar ein höheres Angebot für K+S vorstellen. "Wenn wir uns zusammensetzen und Due Dilligence machen und sie uns zeigen können, dass sie ein bisschen mehr wert sind, haben wir vielleicht einen extra Euro für sie", zitierte die kanadische Zeitung "The Globe and Mail" eine Potash nahestehende Person.

LPKF warnt

Die LPKF-Aktie bricht im TecDax ein. Der Lasertechnikspezialist rechnet im Gesamtjahr nur noch mit einem Umsatz von 90 bis 110 Millionen Euro. Bisher war das TecDax-Mitglied noch von 128 bis 136 Millionen ausgegangen. Zur Ebit-Marge äußerte man sich überhaupt nicht mehr.

CropEnergies erholt sich

Der Bioethanol-Hersteller CropEnergies hat im ersten Quartal des Geschäftsjahres 2015/16 zwar einen leichten Umsatzrückgang von 208 auf 198 Millionen Euro verbucht. Das Ergebnis vor Zinsen, Steuern und Abschreibungen (Ebitda) legte dagegen von 13 auf 22 Millionen Euro zu. Die Südzucker-Tochter profitierte unter anderem von gestiegenen Bioethanolpreisen in Europa, niedrigeren Rohstoffpreisen und gesenkten Produktionskosten.

Postbank unter Wert?

Die Deutsche Bank wird die noch verbliebenen freien Postbank-Aktionäre mit 35,05 Euro je Aktie abfinden. Damit liegt der Preis unter dem Börsenkurs vom gestern von 36,40 Euro.

Preisspanne für zwei IPOs

Die Deutsche Pfandbriefbank (pbb) will in der kommenden Woche an die Börse gehen. Die Preisspanne für die bis zu 107,6 Millionen Aktien reicht von 10,75 und 12,75 Euro je Aktie. Erster Handelstag ist der 16. Juli im Prime Standard. Bei der Bank handelt es sich um den gesunden Kern der ehemaligen Muttergesellschaft Hypo Real Estate (HRE), die in der Finanzkrise mit Milliarden an Steuergeldern gerettet worden war.

Die Internet-Beteiligungsgesellschaft German Startups Group bietet ihre knapp 22,1 Millionen Aktien zwischen 2,70 und 3,60 Euro je Aktien an. Bis zum 16. Juli kann gezeichnet werden. Einen Tag später sollen die Papiere im Entry Standard handelbar sein. Der Internet-Finanzierer hofft, rund 60 Millionen Euro an der Börse einsammeln zu können. Die PBB will bis zu 1,37 Milliarden Euro einsammeln - es wäre der größte Börsengang des Jahres in Deutschland.

Hamborner Reit wird nicht alle Aktien los

Nicht so richtig Erfolg hatte der Hamborner Reit damit, Geld an der Börse einzusammeln. Bei der Kapitalerhöhung wurden nur rund 72 Prozent der angebotenen Aktien abgenommen. Daher hat der Vorstand beschlossenen, auf die Privatplatzierung zu verzichten.

Barclays-Chef geht

Im Ausland machte Barclays von sich Reden. Die britische Großbank trennt sich von ihrem Vorstandschef Antony Jenkins. Laut dem Aufsichtsrat brauche die Bank eine neue Führung, "um das Tempo der Entscheidungsprozesse zu erhöhen". Vorübergehender Nachfolger soll John McFarlane werden.

bs

Tagestermine am Dienstag, 11. Dezember

Unternehmen:
Lufthansa: Verkehrszahlen November
Aurubis: Q4-Zahlen, 7 Uhr
VDMA: Jahres-Pk, 10 Uhr

Konjunktur:
Deutschland: ZEW-Konjunkturerwartungen, 11 Uhr
USA: Erzeugerpreise, November, 14:30 Uhr


Sonstiges:
Großbritannien: May sagt Parlamentsvotum über Brexit ab und will nachverhandeln