Dax gibt sich zuversichtlich

Stand: 22.12.2011, 20:02 Uhr

Besser als erwartet ausgefallene Zahlen vom US-Arbeitsmarkt und zum Konsumklima haben den Dax am Donnerstag gestützt. Bis zum Abend kann das Börsenbarometer seine Vortagesverluste mehr als wettmachen.

Nachdem einem Plus von gut einem Prozent im elektronischen Handel auf 5.852 Zähler kann der Dax im Abendhandel seine Gewinne weiter ausbauen und schließt 1,5 Prozent höher bei 5.872 Punkten. Im Tagesverlauf war das Börsenbarometer in einer relativ geringen Bandbreite zwischen 5.820 und 5.886 Punkten hin und her gependelt. Der Euro hält sich über der Schwelle von 1,30 Dollar.

Börsianern zufolge sind die heutigen Kursbewegungen aber lediglich das Ergebnis vereinzelter Käufe, allen voran die Aktien des Versorgers RWE, aber kein Zeichen für starkes Vertrauen. Tatsächlich summierte sich das Volumen aller ge- und verkauften Aktien von Dax-Unternehmen lediglich auf zwei Milliarden Euro. "Das ist im Vergleich zum schon niedrigen Vortageswert noch einmal ein Drittel weniger", betonte ein Aktienhändler. Entsprechend gering sei die Aussagekraft der aktuellen Veränderungen.

Dominiert wurde das Geschehen am deutschen Aktienmarkt vor allem von den US-Konjunkturdaten. Auf dem US-Arbeitsmarkt geht es langsam, aber stetig bergauf. In der vorigen Woche haben nur 364.000 Amerikaner erstmals einen Antrag auf Arbeitslosenhilfe gestellt und damit so wenig weit seit April 2008 nicht mehr.

Auch die Verbraucherstimmung ist so gut wie seit sechs Monaten nicht. Das Barometer für das Konsumklima der Uni Michigan stieg im Dezember auf 69,9 Zähler und übertraf damit die Erwartungen.

Zuversicht an der Wall Street
Für Enttäuschung sorgte allerdings das schwächer als erwartet ausgefallene US-Wirtschaftswachstum im dritten Quartal. Der letzten Schätzung zufolge legte das Bruttoinlandsprodukt der USA um 1,8 Prozent zu. Volkswirte hatten mit einem Anstieg von 2,0 Prozent gerechnet.

Die Kursgewinne an der Wall Street halten sich aber in Grenzen. Insgesamt überwiegt aber die Zuversicht. "Es sieht so aus, also ob uns das Jahresende angesichts verbesserte wirtschaftlicher Aussichten einen Aufwärtstrend beschert", sagte Phil Orlando von Federated Investors in New York. "Die Angst vorm 'Double-Dip', die bei den Investoren im zweiten Halbjahr umging, ist erst mal vom Tisch, weil die Fundamentaldaten solide sind. Bis zum Börsenschluss in Frankfurt kann der Dow Jones Index seine Gewinne auf gut ein halbes Prozent ausbauen 12.172 Punkten.

Deutsche Bank: Kursverlauf am Börsenplatz Xetra für den Zeitraum Intraday
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RWE souverän an Dax-Spitze
Größter Gewinner im Dax ist die Aktie von RWE. Dabei hat das Unternehmen seine im Juli verkündeten Gespräche über eine Zusammenarbeit mit dem russischen Energiekonzern Gazprom beendet. Beide Unternehmen beschlossen "in gegenseitigem Einvernehmen", ihre Gespräche über den Bau gemeinsamer Gas- und Kohlekraftwerke in Deutschland, den Benelux-Ländern und Großbritannien zum Jahresende auslaufen zu lassen.

Gleichzeitig hat RWE seine Anfang des Monats beschlossene Kapitalerhöhung abgeschlossen. Damit hat das Unternehmen wie schon erwartet 2,1 Milliarden Euro eingesammelt, ursprünglich war RWE einmal von einem Betrag von etwa 2,5 Milliarden Euro ausgegangen.

Auch die Aktie der Deutschen Bank legt überdurchschnittlich zu, ohne dass es dafür eine unmittelbare Erklärung gab.

Deutsche Börse: Kursverlauf am Börsenplatz Xetra für den Zeitraum Intraday
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Grünes Licht für Deutsche Börse aus Washington
Die Deutsche Börse und die New Yorker Börse NYSE Euronext haben von der US-Regierung prinzipiell grünes Licht für ihren geplanten Zusammenschluss erhalten. Allerdings muss sich die Deutsche Börse dazu von ihrer Beteiligung an dem US-Handelsplatz Direct Edge trennen, wie das US-Justizministerium am Donnerstag in Washington mitteilte. Dieser Schritt würde den Wettbewerb unter den Börsen in den Vereinigten Staaten nach Ansicht des Ministeriums sichern. Die bestehenden Bedenken würden damit ausgeräumt.

Airbus: Kursverlauf am Börsenplatz Frankfurt für den Zeitraum Intraday
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Airbus mit neuem Rekord
Die Tochter Airbus setzt sich mit einer neuen Rekordzahl an Aufträgen immer mehr von ihrem Erzrivalen Boeing ab. In diesem Jahr hat die EADS-Tochter bisher 1.529 feste Bestellungen verbucht. Boeing konnte dagegen nur 894 Aufträge ergattern. Trotzdem steht die EADS-Aktie heute unter Druck.

BMW schickt SGL Group auf Sinkflug
Die Aktien der SGL Group sind mit Verlusten von fast sieben Prozent an das Ende des MDax gerutscht. Grund für die Talfahrt des Papiers ist die Ankündigung von BMW, die Beteiligung an dem Wiesbadener Unternehmen in den kommenden zwölf Monaten nicht ausbauen zu wollen. In der SGL-Aktie habe noch zu viel Übernahmefantasie gesteckt, sagte Andreas Lipkow von MWB Fairtrade. Dass diese unwahrscheinlicher werde, bringe den Kurs nun wieder in "vernünftigere" Regionen. Seit seinem Hoch bei 47 Euro Anfang Dezember hat die SGL-Aktie rund 20 Prozent eingebüßt.

Südzucker punktet
Kräftig zulegen kann auch die ebenfalls im MDax gelistete Aktie von Südzucker. Der Zuckerkonzern hat im dritten Geschäftsquartal die Prognosen übertroffen und Umsatz und Ergebnis gesteigert. Die erst im November angehobene Prognose für das Gesamtjahr bestätigte der Konzern. "Die Zahlen bekräftigen uns in unserer Kaufempfehlung für Südzucker", schrieben die Analysten des Bankhaus Lampe.

Solar Millennium will weiterbauen
Nach dem Insolvenzantrag des Solarthermie-Spezialisten Solar Millennium sollen die bereits in Bau befindlichen Kraftwerke möglichst fertiggestellt werden. Der vorläufige Insolvenzverwalter werde dazu "alle bestehenden Möglichkeiten ausschöpfen", schrieb die zuständige Kanzlei Schultze & Braun auf der Internetseite des Unternehmens. Bei den anderen Projekten müsse man je nach Planungsstadium prüfen, welche Optionen es gebe.

Tagestermine am Montag, 12. November

Unternehmen:
Lanxess: Q3-Zahlen, 7:00 Uhr (Call: 10:00 Uhr)
Infineon: Q4-Zahlen, 7:30 Uhr (Jahres-Pk: 11:00 Uhr)
Euronext: Q3-Zahlen, 7:30 Uhr
QSC: Q3-Zahlen, 7:30 Uhr
Talanx: Q3-Zahlen, 7:30 Uhr (Call: 8:00 Uhr)
Cancom: Neun-Monats-Zahlen (endgültig), 10:00 Uhr

Konjunktur:
Italien: Industrieproduktion 9/18, 10:00 Uhr
Deutschland: Ifo-Wirtschaftsklima Welt
Großbritannien: BIP Q3/18 (1. Veröffentlichung), 10:30 Uhr