Dax gibt dem Druck nach

Stand: 17.12.2010, 20:02 Uhr

Die gesamte Woche über hielt die 7.000-Punktemarke im Dax. Am Freitag schloss der Leitindex darunter. Gute Wirtschaftsnachrichten konnten dem Druck, der von einer schwachen, unentschlossenen Wall Street und der Herunterstufung Irlands ausging, nicht widerstehen.

0,6 Prozent verlor der Dax am Freitag, auf 6.982 Punkten, und dieses Minus verursachte in der Wochenbilanz des Leitindex' einen kleinen Kursabschlag von 0,3 Prozent. Dass der Dax zum Wochenschluss hin die 7.000-Punktemarke nicht halten konnte, wird vor allem Charttechniker und Aktienmarktpsychologen beschäftigen, eine Jahresendrally sieht jedoch anders aus.

Dass der Dax am Freitag nicht von den extrem guten ifo-Geschäftsklimazahlen profitieren konnte, lag an der Wall Street und an Moody's. Moody's senkte das Kreditwürdigkeitsrating für Irland um fünf Studen auf Baa1, was sowohl die Wall Street als auch den Euro belastete. Dass der ifo-Index auf 109,9 Punkte stieg und damit auf den höchsten Stand seit der Wiedervereinigung, ingorierten die Anleger daraufhin gerne.

So kurz vor Jahresende gibt es am Aktienmarkt generell keine große Kursdynamik mehr, und vor allem nicht nach oben. Experimente werden erst wieder 2011 gewagt, wenn die Börse nach den Feiertagen wieder zum Alltag übergeht.

Volkswagen VZ: Kursverlauf am Börsenplatz Xetra für den Zeitraum Intraday
Kurs
145,76
Differenz relativ
-0,65%
Daimler: Kursverlauf am Börsenplatz Xetra für den Zeitraum Intraday
Kurs
49,78
Differenz relativ
-1,33%

Dax der Verlierer
Die in den vergangenen Wochen stark gefragten Autoaktien waren am Freitag unter den Verlierern. Volkswagen-Aktien schlossen 3,4 Prozent, Daimler-Papiere verloren 1,3 Prozent, obwohl der Konzern in diesem Jahr auf einen Produktionsrekord zusteuert. 1,2 Millionen Pkw werde man wahrscheinlich produzieren können und damit den bisherigen Rekord von 2008 überbieten.

SAP

SAP: Kursverlauf am Börsenplatz Xetra für den Zeitraum Intraday
Kurs
88,04
Differenz relativ
-1,02%

Lichtblicke: SAP und MAN
Die kleine Schar der Kursgewinner beinhaltet unter anderem die Softwareaktie SAP. Der Golfstaat Katar will möglicherweise Milliarden in das Unternehmen investieren. Man schließe einen Einstieg bei SAP nicht aus, sagte Katars Wirtschaftminister Youssef Hussein Kamal der "Financial Times Deutschland". SAP profitiert auch von den guten Quartalszahlen des amerikanischen Konkurrenten Oracle von gestern.

Die MAN-Aktie, die am Freitag zwei Prozent zulegte, profitierte eindeutig von den Absatzzahlen des europäischen Branchenverbandes Acea. Dieser hatte am Freitag mitgeteilt, dass im November 16,4 Prozent mehr Lkw in Europa zugelassen wurden. Bei schweren Lkw, einem Kerngeschäft von MAN, stiegen die Zulassungszahlen um fast 70 Prozent.

Telekom-Tochter unter Verdacht
Die EU-Kommission geht gegen die slowakische Tochter der Deutschen Telekom vor. Es gehe darum, so die Wettbewerbskommission, ob die Slovak Telekom den Wettbewerb im Geschäft mit Breitband-Internetanschlüssen behindert. Das Verfahren laufe bereits seit einiger Zeit, jetzt will die EU-Kommission feststellen, wie stark die Telekom in die Geschäfte ihrer Tochter eingebunden ist. Die T-Aktie verlor 1,7 Prozent.

Siemens verkauft Panzergeschäft
Der Industriekonzern Siemens hat seine Beteiligung am Panzerhersteller Krauss-Maffei Wegmann (KMW) komplett verkauft. Das Paket von immerhin 49 Prozent übernahm die Eigentümerfamilie Wegmann, die das Unternehmen nun vollständig besitzt. Siemens war seit 2001 an KMW beteiligt. Derzeit trennt sich Siemens von seinen Randaktivitäten, um sich auf das Kerngeschäft zu konzentrieren. In dieser Woche hatte der Konzern schon die IT-Tochter SIS abgegeben.

Südzucker hebt Prognose an
Der Zuckerhersteller Südzucker aus dem MDax hat angesichts guter Geschäfte im bisherigen Jahresverlauf seine Prognose angehoben. Die Firma erwartet nun für das gesamte Geschäftsjahr 2010/11 ein operatives Ergebnis von 500 Millionen Euro, 50 Millionen als bisher geplant. In den ersten neun Monaten stieg das Ergebnis bereits auf 416 Millionen Euro, die Erlöse erreichten 4,67 Millionen Euro. Auch die Südzucker-Tochter Cropenergies berichtete über gute Geschäfte. Sie erhöhte ebenfalls ihren Jahresausblick. Beide Aktien waren am Freitag stark gefragt.

Conergy refinanziert
Dem angeschlagenen Solarkonzern Conergy aus dem TecDax ist es gelungen, seine Schuldenlast erheblich zu verringern und damit sein Überleben vorerst zu sichern. Man habe sich, teilte Conergy mit, mit den Kreditgebern auf ein umfassendes und langfristiges Refinanzierungskonzept geeinigt. Per Herabsetzung des Grundkapitals und gleichzeitiger Kapitalerhöhung will der Konzern seine Schulden um bis zu 188 Millionen Euro verringern.

AstraZeneca: FDA senkt den Daumen
Hohe Kursverluste verzeichnete die Aktie des britisch-schwedischen Pharmakonzerns AstraZeneca. Die amerikanische Gesundheitsbehörde FDA hat vorläufig einen Zulassungsantrag AstraZenecas für das Blutverdünnungsmittel Brilinta abgelehnt. Die Firma muss nun weitere Studienergebnisse liefern und den Antrag neu stellen.

Wolford verdoppelt Gewinn
Der österreichische Wäschehersteller Wolford hat das erste Halbjahr 2010/11 mit einem deutlichen höheren Gewinn abgeschlossen. Der Nettoüberschuss kletterte auf 1,9 Millionen Euro, teilte das Unternehmen mit. Beim Umsatz erreichte Wolford 74 Millionen Euro. Die Firma profitierte nicht nur von der Erholung der Nachfrage, sondern auch von Kostensenkungen.

Tagestermine am Mittwoch, 21. November

Unternehmen:
ThyssenKrupp: Q4-Zahlen, 7.30 Uhr
Deutsche Bank: Platform Economy Summit, Berlin
CA Immo: Q3-Zahlen

Konjunktur:
Paris: Vorstellung des OECD-Wirtschaftsausblicks, 11 Uhr
USA: Erstanträge auf Arbeitslosenhilfe, Woche, 14:30 Uhr
USA: Uni Michigan Verbrauchervertrauen, November endgültig, 16 Uhr
USA: Frühindikatoren, Oktober, 16 Uhr

Sonstiges:
Frankfurt a.M.: Abschluss der Handelsblatt-Tagung zum Thema "European Banking Regulation" mit Deutsche-Bank-Compliance-Vorständin Matherat