Dax gewöhnt sich an die Krise

Stand: 18.06.2010, 20:02 Uhr

Fast drei Prozent legte der Dax in der vergangenen Woche zu, aber der Freitag war dank durchmischter Vorgaben aus Amerika keiner der guten Tage. Zu Hexensabbat und verlorenem WM-Spiel gesellte sich ein kleines Minus von 0,1 Prozent im Dax. Bei den Anlegern scheint sich dennoch eine Art Immunität gegen Schuldenkrisen zu entwickeln.

Schwierigkeiten in Griechenland, egal! Gerüchte um die Solidität der Bankenbranche in Spanien? Sei's drum! Ungarn vor der Pleite? Wen kümmert's! Die Themen, die in den vergangenen Wochen noch für sehr viel Volatilität gesorgt hatten, spielten in der abgelaufenen Woche an der Börse nicht mehr die überordnete Rolle.

An fast allen fünf Handelstagen der Woche legte der Dax zu. Mal weniger, mal mehr: Am Donnerstag war sogar eine gewisse Euphorie am Markt zu spüren, als bekannt wurde, dass Spanien erfolgreich seine so genannten Langläufer - Staatsanleihen mit langer Laufzeit - platzieren konnte. Der Euro legte zu, die Kurse stiegen.

Am Freitag immerhin hielt der Dax das am Donnerstag erreichte Niveau, er schloss 0,1 Prozent schwächer bei 6.217 Punkten. Geprägt war der Handelstag vom großen Verfallstag, als an den Börsen Terminkontrakte auf Indizes und Einzelaktien verfielen. Die Kursausschläge am Mittag waren in der Tat recht heftig, konnten aber keinen neuen Trend etablieren.

Während des Fußballspiels am frühen Nachmittag übrigens gingen die Handelsaktivitäten stark zurück, auf einen Bruchteil des üblichen Volumens. Die Wall Street verharrte ebenfalls auf dem Donnerstag erreichten Niveau, die Kursausschläge waren gering.

CS empfiehlt Autos

Daimler: Kursverlauf am Börsenplatz Xetra für den Zeitraum Intraday
Kurs
55,77
Differenz relativ
+0,65%
BMW ST: Kursverlauf am Börsenplatz Xetra für den Zeitraum Intraday
Kurs
82,67
Differenz relativ
+0,16%

Im Dax fielen am Freitag die Kursgewinne bei Autoaktien auf. Waren es in vergangenen Tagen die guten Absatzzahlen, die Daimler, BMW und Co. beflügelten, sorgte diesmal ein Analystenkommentar der Credit Suisse für steigende Kurse. Die Autoanalysten der Schweizer Bank erhöhten das Kursziel von BMW auf 52 Euro, das von Daimler auf 50 Euro. Die beiden Aktien seien weiterhin als positiv einzustufen, heißt es von der Credit Suisse. Daimlerpapiere legten 1,9 Prozent zu, BMW-Aktien 2,5 Prozent.

Kursgewinne gab es auch bei der Aktie von Porsche. Der Gelände- und Sportwagenhersteller meldete standesgemäße Neunmonatszahlen. Der Umsatz sei um rund ein Zehntel auf 5,2 Milliarden Euro gestiegen. Währen Porsche operativ Geld verdiente, zog die gescheiterte VW-Übernahme und die VW-Kapitalerhöhung das Nettoergebnis in die Tiefe, hier wies Porsche einen Verlust von 700 Millionen Euro aus.

Salzgitter: Kursverlauf am Börsenplatz Xetra für den Zeitraum Intraday
Kurs
38,92
Differenz relativ
+2,21%

Ebenfalls mit Kursgewinnen präsentierte sich die Aktie des Stahlkonzerns Salzgitter. Am letzten Handelstag, bevor die Aktie wieder in den MDax absteigen wird, legte sie am Freitag 2,9 Prozent zu. Anleger dürften auch noch die Meldung vom Donnerstag im Hinterkopf gehabt haben, als die Stahlindustrie ihre Produktionsprognose für 2010 nach oben korrigierte.

Commerzbank: Kursverlauf am Börsenplatz Xetra für den Zeitraum Intraday
Kurs
8,94
Differenz relativ
+0,55%
Deutsche Bank: Kursverlauf am Börsenplatz Xetra für den Zeitraum Intraday
Kurs
9,91
Differenz relativ
+0,56%

Erstaunlich gut hielten sich die Banken im Dax. Die Commerzbank legte zwei Prozent zu, die Aktie der Deutschen Bank schloss knapp behauptet. Anleger ließen die Entscheidung der EU, europaweit eine Bankenabgabe zur Bewältigung der Folgen der Finanzkrise einführen zu wollen, links liegen.

Ceconomy ST: Kursverlauf am Börsenplatz Xetra für den Zeitraum Intraday
Kurs
6,71
Differenz relativ
-0,39%

Metro macht sich schlank
Aktien des Handelskonzerns Metro schlossen 0,4 Prozent schwächer. Die Firma will in den kommenden Jahren an ihrer Ertragskraft arbeiten und vier Cash&Carry-Märkte bereits bis zum 31. Oktober 2010 verkaufen oder schließen. Dazu will die Metro 900 Mitarbeiter entlassen. Die Metro bestätigte zudem ihre Ergebnisprognose - 2012 will der Konzern in seinen Cash&Carry-Märkten ein Ebit von 150 Millionen Euro erzielen.

Neue Prognosen, Analystenstimmen
Von drei Firmen aus dem MDax erreichten die Anleger kursbewegende Nachrichten. Der Autozulieferer Leoni hat angedeutet, möglicherweise seine Jahresprognose anzuheben. Das sagte Leoni-Chef Klaus Probst in einem Interview. Die Aktie stieg deswegen um 1,9 Prozent. Der Agrarhandelskonzern Baywa vermeldete auf seiner Hauptversammlung, dass er einen positiven Geschäftsverlauf spüre. Baywa-Chef Klaus Josef Lutz kündigte für dieses Jahr deswegen bessere Ergebnisse an. Auch die Baywa-Aktie schloss höher.

Ein Analystenurteil schob die Aktie des Dieselmotorenherstellers Tognum leicht nach oben. Die Fachmänner von Goldman Sachs hatten den anziehenden Auftragseingang bei Tognum lobend registriert und das Kursziel erhöht.

Solar Millennium erleichtert
Die weitgehend anstandslose Prüfung der Bilanz des Solarunternehmens Solar Millennium aus den Jahren 2005 und 2006 versetzte der Aktie einen Sonderbonus, sie stieg am Freitag um 12,3 Prozent. Eine Wirtschaftsprüfungsgesellschaft hatte an der Bilanzierungspraxis der Firma und insbesondere der Verbuchung von Kraftwerksverkäufen nur in einem Punkt etwas auszusetzen gehabt.

Envitecs Ruhe folgt dem Duft des Ackers
Der Biogaskonzern Envitec meldete am Freitag den Abschied seines Vorstandschefs. Kunibert Ruhe werde dem Unternehmen ab dem 1. Juli nicht mehr zur Verfügung stehen. Zur Begründung heißt es, Ruhe wolle sich wieder seinen alten Aufgaben zuwenden: "Ich freue mich, den Büroalltag gegen die landwirtschaftlichen Aufgaben, beispielsweise die pflanzliche Veredelung in Bioenergie, einzutauschen und künftig wieder den frischen Ackergeruch aufzunehmen."

BP abermals runtergestuft
Die stetige Flut schlechter Nachrichten für den Ölkonzern BP reißt nicht ab. Am Donnerstag musste sich der Konzernchef vor dem US-Kongress verantworten, am Freitag meldete sich die Ratingagentur Moody's zu Wort. Sie senkte, dem Beispiel von Fitch und Standard&Poors folgend, die Bonität der Firma um drei Stufen von AA2 auf A2. Moody's begründete dies mit den zu erwartenden Folgen der Ölpest im Golf von Mexiko. Die Aktie schloss in London schwächer.

Dax-Chart realtime

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Unternehmen
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Konjunktur:
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USA: Leistungsbilanz Q2, 14:30 Uhr