Marktbericht 20:04 Uhr

Anleger werden vorsichtiger Dax-Gewinnserie ist gestoppt

Stand: 31.05.2016, 20:04 Uhr

Nach fünf Gewinntagen in Folge haben sich die Investoren heute nicht für Aktien erwärmt und Kasse gemacht. Der Dax musste einen Dämpfer verkraften, auch weil aus Amerika keine neuen Impulse kamen.

Am Ende eines lustlosen Handelstages schloss der deutsche Leitindex Dax bei 10.262 Punkten und verbuchte damit einen Tagesverlust von 0,68 Prozent. Nur im frühen Geschäft lag das Börsenbarometer im Plus und erreichte dabei sein Tageshoch bei 10.365 Punkten. Im weiteren Verlauf lag der Index dann den gesamten Tag im Minus. Vor allem im späten Geschäft ging es deutlicher bergab, in dieser Phase wurde auch das Tagestief bei 10.243 Zählern erreicht.

Dax

Dax: Kursverlauf am Börsenplatz Xetra für den Zeitraum Intraday
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11.776,55
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Im Vorfeld der Zinssitzung der EZB am Donnerstag und den US-Arbeitsmarktdaten am Freitag wollten sich die Anleger nicht aus dem Fenster lehnen, zumal die Kurse zuletzt angezogen waren. Hinzu kommt die Unsicherheit über den Ausgang des Referendums über die EU-Mitgliedschaft Großbritanniens am 23. Juni. "Die Abstimmung hängt wie ein Damoklesschwert über den Märkten", sagte ein Händler. Zudem stehe auch noch eine Zinserhöhung in den USA an.

US-Daten helfen nicht

ARD-Börsenstudio: Jan Plate
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Börse 19.00 Uhr

Apropos USA: Die Hoffnung der Anleger ruhte am Nachmittag auf einigen Konjunkturzahlen, die erwartet wurden. Wer aber auf ein klares Konjunkturbild gehofft hatte, wurde enttäuscht. Während die Konsumausgaben der Amerikaner im April mit plus 1,0 Prozent besser ausfielen als prognostiziert, lagen die anderen Daten unter den Erwartungen.

Dow Jones: Kursverlauf am Börsenplatz Dow Jones Indizes für den Zeitraum Intraday
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25.798,42
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So fiel der vielbeachtete Einkaufsmangerindex der Region Chicago auf 49,3 Punkten und damit unter die Expansionsschwelle von 50 Punkten. Erwartet waren 50,7 Punkte. Auch das Mai-Verbrauchervertrauen des privaten Institutes Conference Board lag mit 92,6 Punkten unter den Schätzungen von 96,0 Punkten. Veröffentlicht wurde noch der Case-Shiller-Haupreisindex für März, der wie erwartet ausfiel und ein starkes Momentum auf dem Hausmarkt anzeigt, vor allem an der US-Pazifikküste.

Die aus dem langen Wochenende zurückgekehrten Anleger ziehen sich nach dieser uneinheitlichen Tendenz vom Markt zurück. Der Dow-Jones-Index liegt derzeit knapp 0,7 Prozent im Minus, lediglich an der Technologiebörse Nasdaq geht es etwas besser.

Volatiler Euro

Die Konjunkturdaten aus Europa am Morgen boten kaum Orientierung. Die Verbraucherpreise im Währungsraum waren im Mai weniger stark gefallen als im Vormonat. Die Inflationsrate hatte bei minus 0,1 Prozent gelegen. Damit bleibt die EZB aber weiter meilenweit von ihrem Inflationsziel von 2,0 Prozent entfernt.

Am Nachmittag stützten dann die enttäuschenden Stimmungsdaten aus den USA zunächst die europäische Gemeinschaftswährung, die in der Spitze bis auf 1,1164 Dollar anzog. Aber die Gemeinschaftswährung konnte die Gewinne nicht halten und steht derzeit wieder tiefer bei 1,1129. Die Europäische Zentralbank (EZB) setzte den Referenzkurs auf 1,1154 (Montag: 1,1139) Dollar fest.

Ölinvestoren erwarten Opec-Treffen

Öl (Brent): Kursverlauf am Börsenplatz Deutsche Bank für den Zeitraum Intraday
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Beim Ölpreis tat sich ebenfalls nicht viel, der Preis für ein Fass der Nordseesorte Brent kostet knapp 50 Dollar. Der Preis war zuletzt wegen geringerer Förderungen in Nigeria und Kanada gestiegen. "Die hohen unplanmäßigen Produktionsausfälle in Nigeria dürften wohl dafür sorgen, dass die OPEC-Produktion im Mai leicht gesunken ist", schreibt Eugen Weinberg, Rohstoffexperte bei der Commerzbank.

Die Investoren erwarten zudem am Donnerstag das Treffen des Opec-Kartells. Kann sich das Kartell zu Förderkürzungen aufraffen, dürfte der Preisanstieg weitergehen. Bisher aber konnten sich die Länder wegen ihrer höchst unterschiedlichen Interessen aber nicht einigen.

VW-Aktie am Dax-Ende

Volkswagen VZ: Kursverlauf am Börsenplatz Xetra für den Zeitraum Intraday
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147,42
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Unter den Einzelwerten stand die VW-Aktie im Fokus, die mit einem Verlust von 2,61 Prozent das Dax-Ende zierte. Der Wolfsburger Konzern musste zum Jahresbeginn einen weiteren herben Gewinneinbruch hinnehmen. Unterm Strich sackte das Ergebnis für die Aktionäre im ersten Quartal um rund ein Fünftel auf 2,3 Milliarden Euro ab. Den Ausblick für das laufende Jahr bekräftigte das Management. Demnach soll der Konzernumsatz um maximal fünf Prozent sinken.

Legt Bayer bei Monsanto noch drauf?

Aktien des US-Konzerns Monsanto legen an der Nyse über zwei Prozent zu. Grund ist ein Bericht der Internetseite "Streetinsider", demzufolge der deutsche Pharma- und Chemiekonzern Bayer sein Gebot für den US-Saatgutanbieter auf 135 US-Dollar je Aktie nach oben schrauben will. Der Nachrichtendienst beruft sich auf mit der Sache vertraute Personen. Offiziell liegt der Angebotspreis bei 122 Dollar, was Monsanto aber nicht genug ist.

Wird die Deutsche Börse selbst zum Übernahmekandidat?

Genau dies befürchtet Börsenchef Karsten Kengeter, sollte die geplante Fusion mit der Londoner Börse LSE scheitern. Kengeter bestätigte am Abend vor Frankfurter Wirtschaftsjournalisten, dass die Chicago Merchantile Exchange (CME) generell Interesse habe, auch wenn er im Moment keine konkreten Bestrebungen der Amerikaner sieht.

Die geplante Fusion im Volumen von gut 25 Milliarden Dollar ist noch alles andere als in trockenen Tüchern. Sie könnte am Veto der Aufsichtsbehörden ebenso scheitern wie einem möglichen Austritt Großbritanniens aus der EU, dem Brexit, nach der Abstimmung am 23. Juni. Auch mögliche Gegenofferten, etwa vom US-Rivalen ICE, sind noch nicht vom Tisch. Letztere Möglichkeit steigt nach Kengeters Meinung, sollte die EU-Kommission den Deal untersagen oder Verläufe wesentlicher Geschäftsteile verlangen.

Deutsche Bank steuert auf Jahresverlust zu

Am Nachmittag bekräftigte Deutsche-Bank-Chef John Cryan, dass sein Institut dieses Jahr womöglich keinen Gewinn ausweisen werde. Er hatte das laufende Jahr bereits mehrfach als Übergangsjahr bezeichnet und auch die Dividende schon gestrichen. Cryan kehrt derzeit mit eisernem Besen und nimmt vor allem Kosten aus dem Geschäftsmodell. Er erwartet, dass man sich mit den Arbeitnehmervertretern in ein bis zwei Monaten über Details zum Filialabbau einigen werde.

Deutsche Bank: Kursverlauf am Börsenplatz Xetra für den Zeitraum Intraday
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9,62
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+1,07%

Zum laufenden zweiten Quartal sagte er, die Märkte seinen bisher in Ordnung. Cryan, der sich auf einem Investorentag in New York äußerte, sprach zudem von guten Fortschritten bei der Abarbeitung der zahlreichen Rechtsrisiken. Der Aktie half er aber nicht, das Papier verlor 2,01 Prozent und gehörte damit zu den schwächsten Dax-Aktien.

Steinhoff wächst kräftig

Der Möbelkonzern aus dem MDax weist für die ersten neun Monate seines laufenden Geschäftsjahres (per Ende Juni) ein Umsatzplus von 45 Prozent auf 9,93 Milliarden Euro aus. Das operative Ergebnis stieg um 46 Prozent auf 1,09 Milliarden Euro. Saisonal ist das erste Kalenderquartal üblicherweise das schwächste, erklärte das Unternehmen, das hierzulande vor allem durch die Poco-Möbelmärkte bekannt ist. Steinhoff hat seinen Rechtssitz in Amsterdam und operativ in Südafrika, wo die Aktie ebenfalls notiert ist. Die Wurzeln des Unternehmens liegen aber in Deutschland.

Credit Suisse hilft Salzgitter

Credit Suisse hat Salzgitter AG von "Neutral" auf "Outperform" hochgestuft und das Kursziel von 31 auf 40 Euro angehoben. Die Gewinne im Stahlgeschäft hätten 2016 und 2017 Luft nach oben, schrieb Analyst James Gurry. Als positive Punkte hinzu kämen das dank steigender Investitionen ausgelastete Stahlröhrengeschäft und der gute Ausblick des Kupferkonzerns Aurubis, an dem Salzgitter beteiligt ist. Die Aktie führte mit einem kräftigen Aufschlag von über sieben Prozent den MDax an. Auch ThyssenKrupp profitierte und war gegen den Markt einer der beste Werte im Dax.

Schaeffler bald im MDax?

Wenn am Freitag der Arbeitskreis Aktienindizes der Deutschen Börse tagt, hat nach Meinung von Experten der fränkische Autozulieferer gute Chancen, vom SDax in den MDax aufzusteigen. Commerzbank-Expertin Petra von Kerssenbrock erwartet, dass Schaeffler mit Wincor Nixdorf den Platz tauschen wird, der vom US-Konzern Diebold übernommen wird. Für Dax und TecDax werden keine Veränderungen erwartet.

Guter Tag für Krones

Die Aktie des Herstellers von Getränkeabfüllautomaten gehörte nach einer positiven Analysteneinschätzung zu den besten Papieren im MDax und legte über vier Prozent zu. Analyst Frederik Bitter vom Investmenthaus Mainfirst stufte die Papiere von "Neutral" auf "Outperform" hoch und hob sein Kursziel um 30 auf 130 Euro an. Krones profitiere vom Nachfragewachstum nach verpackten Getränken, schrieb der Experte in einer aktuellen Studie. Das sollte für strukturelles Wachstum bei Krones sorgen. Auch die Gewinnmargen hätten Spielraum nach oben.

Dialog Semiconductor geben nach

Die Aktien des Halbleiterkonzerns Dialog Semiconductor gehörten zu den schwächsten Werten im TecDax. Händler verwiesen auf einen Bericht der japanischen Wirtschaftszeitung "Nikkei". Diese schrieb, dass der Computerbauer Apple künftig vermutlich drei Jahre zwischen Modellwechseln beim iPhone vergehen lassen werde statt bisher zwei. Eine Quelle dafür wurde allerdings nicht genannt. Apple ist ein wichtiger Kunde von Dialog Semiconductor.

Rocket Internet wächst langsamer

Die größten Firmen der Startup-Schmiede Rocket Internet sind zum Jahresstart langsamer gewachsen. Im ersten Quartal sei der Umsatz um durchschnittlich 34 Prozent auf 532 Millionen Euro geklettert. Darin sei das Ergebnis des asiatischen Amazon-Klons Lazada nicht mehr enthalten, der an Alibaba verkauft wurde.

Zalando zahlt keine Dividende

Europas größter Online-Modehändler Zalando will vorerst weiter auf eine Dividende verzichten. "Wir werden wohl auch in den kommenden Jahren unsere Gewinne ins Wachstum investieren", kündigte Vorstandsmitglied Rubin Ritter an. Im laufenden Jahr will Zalando rund 200 Millionen Euro für Investitionen in Technologie und Logistik in die Hand nehmen. Zalando-Papiere gehörten zu den stärksten Verlierern im MDax.

4SC-Kurs hebt ab

Die Aktie des Biotechunternehmens legte deutlich zu, nachdem mit dem chinesischen Unternehmen Link Health eine Lizenz- und Entwicklungspartnerschaft vereinbart wurde. 4SC winken im Zusammenhang bei der Vermarktung und Entwicklung eines Krebs-Wirkstoffes Meilensteinzahlungen von bis zu 76 Millionen Euro.

DEAG bestätigt Prognose

Der Veranstalter hat im ersten Quartal einen Gewinn von 0,3 Millionen Euro erzielt und dabei 31,3 Millionen Euro umgesetzt. Im Vorjahr lag das Ergebnis bei 2,0 Millionen Euro. Allerdings sind die Ergebnisse stark saisonal abhängig. Das zweite Quartal sei gut angelaufen, erklärte das Berliner Unternehmen. Die Prognose für ein gegenüber dem Vorjahr verbessertes Jahr 2016 bleibt bestehen, hieß es weiter. Die im Prime Standard notierte Aktie bewegte sich kaum.

Coca-Cola-Getränkeriese geht an die Börse

Mit dem Börsengang heute wird die Fusion von drei großen Coca-Cola-Abfüllern in Europa vollendet. Der neue Getränkeriese "Coca-Cola European Partners" (CCEP) sei das weltweit größte unabhängige Coca-Cola-Abfüllunternehmen nach Nettoumsatzerlösen, teilte das Unternehmen mit Sitz in London mit. Ab heute werden die Aktien zunächst in Amsterdam, New York und London gehandelt. In Spanien erfolgt der Börsengang zwei Tage später.

HNA will Air-France-Caterer kaufen

Chinesische Unternehmen setzten ihre Einkaufstour in Europa ungebremst fort. Nun greift der Luftfracht-, Tourismus- und Logistik-Experte HNA nach der Caterer-Tochter der Fluggesellschaft Air France. Bei den exklusiven Verhandlungen gehe es um einen Anteil von 49,99 Prozent und die operative Kontrolle von Servair, teilten die Franzosen mit.

Carl Icahn greift nach Allergan

Der Finanzinvestor hat nach eigenen Angaben ein "großes" Aktienpaket am irischen Botox-Hersteller erworben, ohne aber genaue Zahlen bekannt zu geben. Icahn ist für sein aggressives Verhalten als Investor bekannt. Er sicherte Allergan-Chef Brent Saunders, den er noch aus früheren Zeiten kennt, seine Unterstützung zu. Im April war eine 160-Milliarden-Dollar schwere Übernahme durch Pfizer an den US-Behörden gescheitert. Pfizer wollte von den wesentlich niedrigeren Steuersätzen in Irland profitieren und seinen Firmensitz von New York auf die grüne Insel verlegen.

rm

Dax-Chart realtime

Tagestermine am Mittwoch, 17. Oktober

Unternehmen:
ASML: Q3-Zahlen, 7:00 Uhr
Roche: Q3-Zahlen, 07:00 Uhr
Zooplus: Q3-Umsatz, 07:30 Uhr
Danone: Q3-Umsatz, 07:30 Uhr
Abbott: Q3-Zahlen, 13:45 Uhr
US Bancorp: Q3-Zahlen, 14:00 Uhr
Carrefour: Q3-Umsätze, 17:45 Uhr
Alcoa: Q3-Zahlen, 22:10 Uhr

Konjunktur:
Acea-Kfz-Neuzulassungen 09/18, 08:00 Uhr
EU: Verbraucherpreise 09/18, 11:00 Uhr
USA: Baubeginne- und genehmigungen, 09/18, 14:30 Uhr
USA: Ölbericht (Woche), 16:30 Uhr
USA: FOMC-Sitzungsprotopoll 26.9., 20:00 Uhr