Marktbericht 20:02

Amerikanische Anleger auf dem Rückzug Dax-Gewinne bröckeln schon wieder

Stand: 26.03.2014, 20:02 Uhr

Wenn politische Störfeuer ausbleiben und die Nachzügler in den Markt drücken, steigen in der Regel auch die Kurse - so wie am Mittwoch. Doch an der Weltleitbörse in New York hat sich die Stimmung gedreht und lässt auch in Frankfurt die Gewinne abschmelzen.

Nachdem der Dax im elektronischen Handel noch 110 Punkte oder 1,2 Prozent zulegen konnte, auf 9.448 Zähler, kommt es im Abendhandel zu einer Wende. Der Leitindex kommt zwar voran, doch schließt er nur noch 71 Zähler oder 0,77 Prozent höher als am Vortag bei 9.427 Punkten.

Der Grund für den Dämpfer kommt aus New York, wo der Dow Jones-Index im Handelsverlauf ins Minus gedreht ist und bei Börsenschluss in Frankfurt am Abend 0,1 Prozent tiefer notiert bei 16.350 Punkten. Dabei hatten die überraschend deutlich gestiegenen Aufträge für langlebige Güter den Dow zu Handelsbeginn noch um knapp ein halbes Prozent ansteigen lassen.

Ausgelöst hat den plötzlichen Stimmungswechsel Präsident Obama. Er betonte in Brüssel, dass die Handlungen Russlands in der Ukraine verurteilt werden müssten und erwartet von den Europäern eine deutlichere Abgrenzung von Russland. Sorgen über Konsequenzen für die Wirtschaft ließen daraufhin letztlich die guten Wirtschaftsdaten aus den USA verblassen.

Aussicht verbessert

Glaubt man Stefan Salomon, technischer Analyst bei Godmode Trader, hat sich charttechnisch die Lage des Dax deutlich verbessert. Nach der jüngsten Erholung bestehe nun die Möglichkeit deutlich steigender Kurse. "Letztlich seien so - insbesondere bei einem Anstieg über 9.420 Punkte - steigende Kurse in Richtung 10.000 Zähler ableitbar.

Euro in US-Dollar: Kursverlauf am Börsenplatz Forex vwd für den Zeitraum Intraday
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Der Euro hat am Mittwoch leicht nachgegeben und ist unter die Marke von 1,38 Dollar gefallen. Bei Börsenschluss in Frankfurt kostete die Gemeinschaftswährung 1,3785 Dollar und damit etwas weniger als am Morgen. Weil sich der Auftragseingang in den USA deutlich stärker erholt hat als angenommen, dürften sich die Erwartung an Zinserhöhungen in den USA verstärken, was dem Dollar Auftrieb verschafft.

Adidas und Daimler vorn

Adidas- und Daimler-Aktien sind am Mittwoch an die Dax-Spitze geklettert. Händlern zufolge haben beide Papiere Nachholbedarf nach der relativ schlechten Entwicklung der vergangenen Wochen. Dazu komme bei Adidas die rekordschnelle Fußballmeisterschaft des FC Bayern München gerade recht um eine Erholungsbewegung auszulösen, sagte ein Händler. Bei 75 Euro hatte das Papier im März zweimal Unterstützung gefunden.

Neue Hoffnung für K+S?

Daneben gehören auch die Aktien von K+S zu den stärksten Werten im Dax. Händler verweisen auf die Hoffnung steigender Kali-Preise. In Indien seien 325 bis 330 Dollar je Tonne erzielt worden. Das ist zwar kaum mehr als in den vergangenen Wochen bereits erreicht wurde, doch die gebeutelten K+S-Anleger klammern sich an jeden Strohhalm, und sei er noch so dünn. Die Privatbank Hauck & Aufhäuser erwartet dagegen keine rasche Erholung. Sie hat die Einstufung für K+S auf "Sell" mit einem Kursziel von 17,50 Euro belassen.

Merck ködert Privatanleger

Merck KGaA: Kursverlauf am Börsenplatz Xetra für den Zeitraum Intraday
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Zulegen kann auch die Aktie von Merck. Der Darmstädter Pharma- und Spezialchemiekonzern will seine Aktien optisch billiger machen und so mehr Anleger gewinnen. Geplant sei ein Aktiensplit im Verhältnis 2:1, so dass sich die Anzahl der Merck-Papiere verdoppeln würde, teilte das Darmstädter Unternehmen am Mittwoch mit. Der Preis der Papiere wird sich damit in etwa halbieren - und damit attraktiver für Privatanleger.

Leoni ist Spitze

Im MDax liegt der Autozulieferer Leoni mit weitem Abstand an der Spitze. Der Automobilsektor ist europaweit gefragt und der Branchenindex Stoxx 600 Automobiles & Parts stellt mit plus 1,71 Prozent den besten Sektor in Europa. Hinzu kommen positive Analystenkommentare wie eine Hochstufung der DZ Bank auf "Kaufen". Die Privatbank Hauck & Aufhäuser hat das Kursziel von 67 auf 77 Euro angehoben. Zudem hat sich der Unternehmenschef geäußert und sieht eine planmäßige Umsatz- und Ergebnisentwicklung im ersten Quartal.

Kuka wird vorsichtiger

Abwärts geht es dagagen mit der Kuka-Aktie. Der ebenfalls im MDax notierte Roboter- und Anlagenbauer will im laufenden Jahr seinen Umsatz von 1,77 Milliarden Euro auf 1,9 bis 2,0 Milliarden Euro steigen. Die Ergebnismarge soll dagegen von zuletzt 6,8 auf 6,0 Prozent sinken. Die Dividende für 2013 steigt von 0,20 auf 0,30 Euro je Aktie.

Gagfah auf Wachstumskurs

Auch Gagfah verliert, obwohl der Immobilienkonzern im vierten Quartal besser als erwartet abgeschnitten. Im Gesamtjahr stieg die operative Kennzahl Funds from Operations (FFO) 2013 um 13 Prozent auf 123,7 Millionen Euro. Im laufenden Jahr sollen die FFO sogar um 35 Prozent zulegen.

Sky technisch geknickt

Zu den schwächsten Werten im MDax gehört auch die Aktie von Sky Deutschland. Händler konnten keine fundamentalen Neuigkeiten ausmachen, die das Minus erklärten. Sie verwiesen eher auf technische Gründe. Die Sky-Aktie scheint den Kampf mit der Unterstützung durch die 200-Tage-Linie aufzugeben und entfernt sich von dieser nach unten.

Catoil deutlich erholt

Im SDax ging es deutlich nach oben für die Aktie von Catoil mit einem Plus von knapp neun Prozent. Die unter anderem auf Schiefergasbohrungen spezialisierte Ölbohrfirma ist in Russland in Westsibirien, am Kaspischen Meer und in der Wolga-Ural-Region aktiv. Seit Anfang März haben die Titel fast 25 Prozent verloren.

Cewe entäuscht

Größter Verlierer im SDax sind dagegen die Aktien des Fotowentwicklers Cewe. Der Konzern prognostizierte für dieses Jahr einen Umsatz zwischen 525 bis 540 (Vorjahr 529) Millionen Euro. Damit liege die Prognose etwas unter den Erwartungen, sagte ein Händler. Anleger nutzten die Gelegenheit, um Kasse zu machen. Seit Jahresbeginn haben Cewe mehr als 30 Prozent zugelegt.

Zooplus schafft die Wende

Einer der stärksten Werte im SDax ist dagegen der Internet-Tierbedarfshändler Zooplus (das "Amazon für Miez und Mops"), nachdem das Unternehmen im vergangenen Jahr wieder in die Gewinnzone zurückgekehrt ist. Analyst Dennis Schmitt von der Commerzbank zufolge zahlt sich die Strategie aus, auf ein profitables Umsatzwachstum zu setzen. Schmitt bleibt am Morgen bei "Add" mit dem Kursziel von 60 Euro

Gerüchte treiben Grammer

Grammer-Aktien liegen ebenfalls gut im Rennen. Angeblich spekulieren Marktteilnehmer über ein mögliches Interesse des amerikanischen Autozulieferers Lear Corp an dem deutschen Fahrzeugsitze-Hersteller.

Surteco schlechter als 2012

Der seit kurzem im SDax notierte Hersteller von Oberflächenmaterialien Surteco hat 2013 einen leichten Umsatzrückgang hinnehmen müssen. Die Erlöse sanken um drei auf 404 Millionen Euro. Auch das um Sonderfaktoren bereinigte Ergebnis vor Zinsen, Steuern und Abschreibungen (Ebitda) war rückläufig. Es sank von 51,7 auf 48,1 Millionen Euro.

Vossloh verkauft eigene Aktien

Vossloh: Kursverlauf am Börsenplatz Xetra für den Zeitraum Intraday
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Der Bahntechnikkonzern Vossloh besorgt sich durch den Verkauf eigener Aktien frisches Kapital. Gut 1,3 Millionen Aktien sollen über Nacht bei Investoren platziert werden, teilte das Unternehmen am Mittwochabend mit. Der Verkauf der Papiere solle den finanziellen Spielraum des Unternehmens bei der Finanzierung des geplanten Wachstums sowie der geplanten Verringerung der Schulden vergrößern. Ende 2013 lagen die Nettofinanzschulden bei gut 200 Millionen Euro. Gemessen am Xetra-Schlusskurs vom Mittwoch ist das Paket rund 93 Millionen Euro wert.

Gigaset tiefrot

Der Telefonhersteller Gigaset hat das vergangene Jahr mit einem Verlust von 34,6 Millionen Euro abgeschlossen, ein Drittel mehr als im Vorjahr. Der Umsatz schrumpfte um gut ein Zehntel auf 371 Millionen Euro. Ein Großteil des Verlustzuwachses geht auf die Mehrheitsübernahme durch den Investor Goldin zurück, wodurch die Steuerlast der Münchner angeschwollen sei.

Sinnloses Gezocke mit Loewe

Die Aktie des insolventen Fernsehgeräteherstellers Loewe wurde auch am Mittwoch weiter intensiv gehandelt und hat es sogar wieder über die Marke von einem Euro geschafft. Dabei ist das Papier eigentlich wertlos und soll bald von der Börse verschwinden.

Facebook abgestraft

Facebook: Kursverlauf am Börsenplatz Frankfurt für den Zeitraum Intraday
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Um fast sechs Prozent bergab geht es am Abend mit der Aktie von Facebook. Damit reagieren die Anleger auf den jüngsten Zukauf des Unternehmens. Nur wenige Wochen nach dem angekündigten Kauf von WhatsApp hat Facebook blättert Facebook nun bis zu 2,3 Milliarden Dollar für Oculus VR hin, einen Spezialisten, der Brillen zum Abtauchen in virtuelle Welten entwickelt.

Holpriger Start für "Candy Crush"

Ein holpriges Börsendebüt legte am Mittwoch zudem die Firma hinter dem populären Smartphone-Spiel "Candy Crush" hin. Der erste Kurs von King Digital Entertainment lag neun Prozent unter dem Ausgabepreis von 20,50 Dollar. Zuletzt sank der Preis sogar auf 19,53 Dollar. "Die Investoren finden die Preis eindeutig zu hoch für ein Unternehmen, das den größten Teil seines Umsatzes durch ein einziges populäres Spiel erzielt", sagte Marktanalyst Jasper Lawler von CMC Markets UK.

Tagestermine am Montag, 22. Oktober

Unternehmen:
Philips Quartalszahlen Q3, 7 Uhr
Ryanair Halbjahreszahlen, 7 Uhr
Halliburton Quartalszahlen Q3, 12.45 Uhr
Munich Re Rückversicherertreffen Baden-Baden, 9.30 Uhr
Hannover Rück Rückversicherertreffen Baden-Baden, 12 Uhr
Hasbro Quartalszahlen Q3

Konjunktur:
Deutschland Monatsbericht Bundesfinanzministerium 0.01 Uhr
Deutschland Monatsbericht Bundesbank 10 Uhr

Sonstiges:
Bundesverband öffentlicher Banken Pressegespräch zu bevorstehendem Banken-Stresstest
Stahlgipfel u.a. mit Bundeswirtschaftsminister Peter Altmaier