Marktbericht 20:00 Uhr

Über 8.400 lässt sich gut rasten Dax genießt den Platz an der Sonne

Stand: 02.08.2013, 19:30 Uhr

Wie stark ist die US-Wirtschaft? Die neuesten Job-Daten stellen ihr kein gutes Zeugnis aus. Doch die Börse bleibt cool, ein leichtes, kurzes Zucken abwärts – mehr nicht. Was bedeutet das? Experten sehen den Dax schon wieder neuen Rekorden entgegenfiebern.

Der bisherige Rekord liegt bei 8,558 Punkten. Bis dahin hat der Deutsche Aktienindex noch gut 150 Punkte Luft. Aber einige Börsenexperten sehen neue Höchststände in Reichweite, sofern die US-Börsen weiter so gut laufen. Auf Wochensicht fiel die Bilanz mit plus zwei Prozent ganz positiv aus. Heute aber musste der Dax ein hauchdünnes Minus von vier Punkten hinnehmen. Er schloss im elektronischen Xetra-Handel bei knapp 8407 Punkten, der L-Dax brauchte kaum Veränderung.

Steckt die US-Wirtschaft noch in der Rezession?

Zwischenzeitlich ein etwas größerer Dämpfer, als die Juli-Statistik vom amerikanischen Arbeitsmarkt herauskam. Gerade mal 162.000 neue Jobs haben US-Firmen außerhalb der Landwirtschaft geschaffen. Gerechnet hat die Börse mit 184.000, in so genannten Flüsterschätzungen war sogar von 200.000 neuen Stellen die Rede. Noch dazu werden hauptsächlich Jobs im Niedriglohnsektor geschaffen – geringere Löhne heißt: weniger Konsum. Den großen Ankurbelungseffekt haben diese Arbeitsplätze also nicht. Den Beleg dafür gab es heute auch: Konsumausgaben legten wieder kräftiger zu. Kein Wunder, dass die Mehrheit der Amerikaner die Wirtschaft weiter in der Rezession wähnt.

Enttäuschend auch der Auftragseingang der amerikanischen Industrie heute. Er stieg im Juni um 1,5 Prozent statt erhoffte 2,3 Prozent. Die US-Wirtschaft erholt sich also nicht so schnell wie gedacht.

Wie viel Fed braucht die Konjunktur noch?

Das ist ein zweischneidiges Schwert. Bleibt die Konjunktur schwach, setzt die amerikanische Notenbank Fed ihre konjunkturstimulierenden Anleihekaufprogramm noch länger in unverminderter Stärke fort. Darauf fahren die Aktienbörsen ab. Wird die Wirtschaft stärker, lässt die Fed in ihrem Aktionismus nach – solche Befürchtungen haben die Kurse schon einige Mal einbrechen lassen. Klar ist, dass die Fed ihren Exit vorbereitet, dass die Wirtschaft irgendwann aus eigener Kraft klar kommen muss. Danach sieht es aber nicht aus.

Allianz wird mutiger

Zu den vordersten Dax-Gewinnern gehörte neben Adidas und ThyssenKrupp auch die Aktie der Allianz. Die Quartalsbilanz zeigt: Europas größter Versicherer steckt Hochwasser und niedrige Zinsen locker weg. Deshalb dürfte in diesem Jahr ein Gewinn von knapp zehn Milliarden Euro drin sein. Man werde wohl am oberen Ende der Gewinnprognose von 8,7 bis 9,7 Milliarden Euro herauskommen, sagte Allianz-Chef Michael Diekmann.

Für Lufthansa geht es scharf abwärts

Die Lufthansa konnte mit ihren Zahlenwerk zum zweiten Quartal dagegen nicht überzeugen, die Aktie war mit minus fünf Prozent das Schlusslicht im Dax. Die Airline bleibt in den roten Zahlen, der Umsatz schwindet. Auch wenn die Lufthansa stolz sagt, sie nehme dank Sparprogramm Score Fahrt auf, Analysten sehen noch keine große Besserung.

K+S: Dax-Rauswurf und Verschwörung?

K+S verloren weiter, in dieser Woche ist schon fast ein Drittel des Börsenwertes verloren. Das liegt am Rivalen Uralkali, der aus dem Exportverbund BPC ausbricht. Nun könnten die Kali-Preise abstürzen, so die Befürchtung. Heute gab es abenteuerliche Gerüchte: Dass die K+S-Aktie bewusst runtergeprügelt wird, um sie für eine Übernahme billig zu machen. An der Börse hält man das für "sehr weit hergeholt". Kein Gerücht ist, dass der Kurssturz den Verbleib von K+S im Dax gefährdet.

Audi belastet Volkswagen

Bremsspuren auch bei der VW-Aktie, was sie der VW-Tochter Audi zu verdanken hat. Die leidet unter der Eurokrise, im ersten Halbjahr ist der Gewinn leicht gesunken. Audi konnte zwar den Umsatz steigern, muss in dem harten Wettbewerb zwischen den Autoherstellern aber mit Rabatten um Kunden und Marktanteile kämpfen.

Hoffnung auf Deutschlands Automarkt

Immerhin gibt es ein erstes Hoffnungszeichen vom deutschen Automarkt: Er wächst erstmals wieder ein wenig. Im Juli wurden 2,1 Prozent mehr Pkw zugelassen. Über den Berg ist der Markt aber damit noch nicht, sagte Matthias Wissman, Präsident des Branchenverbandes VDA. Der Juli könnte aber der Anfang der erwarteten Stabilisierung in der zweiten Jahreshälfte sein.

Daimler kämpft in Frankreich

Derweil hat Daimler noch an anderer Front zu kämpfen: in Frankreich. Das Land beantragte bei der EU ein Verkaufsverbot für einige neue Mercedes-Modelle. Das in den Klimaanlagen verwendete Kältemittel entspreche nicht den EU-Vorschriften entspreche. Betroffen sind die A-, B- und CLA-Klasse. Die Autos dürften in Frankreich nicht verkauft und nicht zugelassen werden. Daimler will gegen den Zulassungsstopp erneut vor Gericht ziehen.

Ringen in der Commerzbank

Für Gesprächsstoff sorgte weiter die Commerzbank. Derzeit wird hinter den Kulissen gerungen, ob Personalvorstand Ulrich Sieber und der für die interne "Bad Bank" zuständige Vorstand Jochen Klösges gehen müssen. Das könnte auf der Aufsichtsratssitzung kommenden Mittwoch entschieden werden. Aber ob es dafür eine Mehrheit gibt, ist noch unsicher, berichtet das "Handelsblatt" und beruft sich auf nicht näher bezeichnete Stimmen aus der Bank. Die Aktie kann heute ein wenig zulegen.

Fuchs freut sich über die Lokomotive Asien

Aus der zweiten Reihe gab es noch eine Reihe von Quartalsbilanzen, im MDax glänzte zum Beispiel Fuchs Petrolub mit einem Gewinnsprung. Für den Schmierstoff-Hersteller Fuchs laufen die Geschäfte in Europa wieder besser, aber "die Lokomotive war Asien", sagte Finanzchef Alexander Selent.

Gewinnwarnung von Bauer – Aktie bricht ein

Im SDax war Bauer ein Aufreger, in negativer Sicht. Die Aktien des Tiefbaukonzerns brachen neun Prozent ein nach einer Gewinnwarnung. Bauer rechnet nach einem unerwartet hohen Verlust im ersten Halbjahr für 2013 nun nur noch mit einem Gewinn von 20 Millionen Euro. Es gibt Verzögerungen bei großen Bauprojekten.

Südzucker mit Dividenden-Abschlag

Südzucker-Aktien wurden am Freitag ex Dividende gehandelt. Der Zuckerproduzent hatte gestern Zahlen vorgestellt und schüttete heute 0,90 Euro je Anteil aus. Ohne diesen Abschlag hätte die Aktie im Plus geschlossen.

LPKF geht der Saft aus

Die Halbjahresbilanz von LPKF war recht passabel: Der Umsatz kletterte um 39 Prozent auf 70 Millionen Euro, das Ergebnis lag bei 15 Millionen. LPKF hob sogar sein Jahresziel für den Umsatz an. Und doch tauchte die Aktie nach anfänglichen Gewinn ab, wurde mit minus fünf Prozent sogar TecDax-Schlusslicht. Das Haar in der Suppe: Das gute zweite Quartal dürfte den Höhepunkt in der Geschäftsentwicklung markieren, sagen die Analysten von Hauck & Aufhäuser und stufen die Aktien auf "sell" herunter.

Gewinnwarnung von Compugroup

Die Aktie der Compugroup wurde regelrecht in die Tiefe geprügelt. Denn anlässlich der Quartalsbilanz muss die Software-Firma gestehen: In diesem Jahr ist kein Wachstum drin, der Umsatz wird 2013 stagnieren. Im zweiten Quartal sank der Umsatz leicht auf 109,5 Millionen Euro. Das Ergebnis (Ebitda) brach regelrecht ein, es sank um rund ein Drittel auf auf 18,7 Millionen Euro. Die Compugroup-Aktie fiel um 17 Prozent.

Centrosolar stürzt weiter ab

Pennystock Centrosolar rauschte 14 Prozent in die Tiefe. Der Solarmodulhersteller hat zwar seinen Absatz um stolze 55 Prozent steigern können. Doch damit lässt sich in dem heiß umkämpften Markt kein Geld mehr verdienen. Der Umsatz brach um ein Drittel ein. Der Verlust vor Zinsen, Steuern und Abschreibungen (Ebitda) vergrößerte sich. Minus 4,3 Millionen Euro das Ergebnis. Ende September will Centrosolar mit seiner Entschuldung starten: durch den Tausch von Schulden in neue Aktien des Unternehmens.

Dell-Übernahme scheint perfekt

Im Übernahmekampf um den PC-Hersteller Dell scheint der Sieger festzustehen. Firmengründer Michael Dell hat sein Übernahmeangebot für den schwächelnden PC-Hersteller durchbekommen. Dell stockt es leicht auf. Er will nun 13,75 Dollar plus eine Sonderdividende von 13 Cent je Aktie zahlen.

Apple kauft Chip-Spezialisten

Apple: Kursverlauf am Börsenplatz Frankfurt für den Zeitraum Intraday
Kurs
156,96
Differenz relativ
-3,43%

Die Spekulationen über eine Computer-Uhr oder andere tragbare Geräte von Apple bekommen neue Nahrung: Der iPhone-Konzern kaufte einen Spezialisten für besonders stromsparende Funkchips. Das Unternehmen bestätigte am Freitag den Kauf des kalifornischen Start-ups Passif Semiconductor. Mehr aber nicht.

Aus den USA gab es noch eine lange Reihe von Quartalsbilanzen. Die Kurzform: Cevron hat gepatzt, aber quasi mit Ansage. Dafür überzeugen AIG und RBS zur Abwechslung mal mit Positiven. Und LinkedIn lockt mit seinen Zahlen noch mehr Investoren, dabei ist der Draht zur Börse schon gut mit 92 Prozent Kursplus seit Jahresanfang. Die ausführlichen Nachrichten plus Axa, Toyota, Enel, IAG, Man Group und Viacom gibts hier in der folgenden Chartserie.

bs

Tagestermine am Mittwoch, 21. November

Unternehmen:
ThyssenKrupp: Q4-Zahlen, 7.30 Uhr
Deutsche Bank: Platform Economy Summit, Berlin
CA Immo: Q3-Zahlen

Konjunktur:
Paris: Vorstellung des OECD-Wirtschaftsausblicks, 11 Uhr
USA: Erstanträge auf Arbeitslosenhilfe, Woche, 14:30 Uhr
USA: Uni Michigan Verbrauchervertrauen, November endgültig, 16 Uhr
USA: Frühindikatoren, Oktober, 16 Uhr

Sonstiges:
Frankfurt a.M.: Abschluss der Handelsblatt-Tagung zum Thema "European Banking Regulation" mit Deutsche-Bank-Compliance-Vorständin Matherat