Dax geht vor Griechen-Chaos in die Knie

Stand: 04.11.2011, 19:54 Uhr

Der Dax hat in dieser Woche sechs Prozent eingebüßt. Auch heute drückt die Ungewissheit über die Zukunft Griechenlands und die Enttäuschung über den G20-Gipfel die Märkte ins Minus.

Nachdem der Dax am Morgen noch mit Kursgewinnen in den Handel gestartet war dreht er ab Mittag ins Minus und weitet am Nachmittag seine Verluste immer weiter aus. Schließlich büßt er 2,7 Prozent (167 Punkte) ein und schließt bei 5.966. Auch im Abendhandel kommt es zu Abschlägen von mehr als zwei Prozent.

Neben dem anhaltenden politischen Chaos in Griechenland sorgte die Aussage von Bundeskanzlerin Angela Merkel für Verunsicherung, das Interesse der G20-Staaten an einer Beteiligung am Rettungsfonds EFSF sei gering.

"Fünf Gipfel in den vergangenen zwei Wochen haben die europäische Krise nicht eingedämmt", sagte Stefan Angele, der bei Swiss & Global Asset Management die Investment-Entscheidungen verantwortet. "Die wiederholte Unfähigkeit, sich auf einen konkreten Plan zur Eindämmung der finanziellen Folgen des europäischen Dramas zu einigen, nährt die Besorgnis, dass Europas Politiker die Krise nicht in den Griff bekommen können."

Belastet wurde der Leitindex auch von enttäuschenden Zahlen der deutschen Industrie. Dort sind die Aufträge im September um 4,3 Prozent im Vergleich zum Vorjahresmonat zurückgegangen. Das war der stärkste Rückgang seit Januar 2009. Experten hatten dagegen mit einem wesentlich geringeren Minus von 0,4 Prozent gerechnet.

Wall Street ebenfalls schwächer
Auch die US-Arbeitsmarktdaten können die Anleger zunächst nur kurz überzeugen. Die Daten sind zwar etwas besser ausgefallen als erwartet, an der New Yorker Börse wurden sie dennoch mit Kursverlusten aufgenommen. In den USA war die Beschäftigtenzahl im Oktober nur moderat gestiegen, was laut Landesbank Hessen-Thüringen (Helaba) unverändert auf eine wenig dynamische wirtschaftliche Entwicklung hinweist. Der Dow-Jones-Index weitet im Handelsverlauf seine Verluste aus, grenzt bei Börsenschluss in Frankfurt seine Verluste aber auf 0,6 Prozent ein bei 11.967 Punkten.

Groupon schafft Traumstart
Trotz aller Kritik an seinem Geschäftsmodell hat das Schnäppchenportal Groupon den Börsengang mit Bravour gemeistert. Die zu 20 Dollar ausgegebene Aktie schoss am Freitag im frühen New Yorker Handel auf anfangs rund 28 Dollar hoch und legte in den folgenden Minuten weiter zu. Nicht einmal die Marktturbulenzen wegen der Euro-Schuldenkrise konnten die Anleger vom Kaufen abhalten. Mit dem Verkauf von 35 Millionen Aktien nahm das gerade einmal drei Jahre alte Unternehmen 700 Millionen Dollar ein und damit deutlich mehr als noch vor kurzem erwartet.

Bayer bei Xarelto am Ziel
Die US-Gesundheitsbehörde FDA hat Bayer und seinem US-Partner Johnson & Johnson grünes Licht für den Hoffnungsträger Xarelto zur Behandlung von Schlaganfällen gegeben. Die Zulassung gelte für Patienten mit Vorhofflimmern, einer typischen Form von Herz-Rhythmus-Störung, teilte die Behörde am Freitag mit. Die Bayer-Aktie legt im Abendhandel kräftig zu.

Commerzbank bleibt Baustelle
Hierzulande ist die Commerzbank der größte Verlierer im Dax, dicht gefolgt von RWE und BMW. Händler sprachen von einem enttäuschenden Quartalsbericht der zweitgrößten deutschen Bank. Er zeige, dass die Bank auch drei Jahre nach der unglücklichen Übernahme der Dresdner Bank noch immer eine Baustelle sei und damit empfindlicher auf die derzeitigen Turbulenzen reagiere als andere Geschäftsbanken. Zu den weinigen Kursgewinnern im dax gehört die Aktie des Darmstädter Chemie- und Pharmaunternehmens Merck.

Metro mit Zickzackkurs
Nach der Rally gestern verbucht die Metro-Aktie heute wieder überdurchschnittliche Verluste. Grund sind Berichte, wonach die Handelskette die Verkaufsbemühungen für ihre Supermarktkette Real vorerst gestoppt hat. Die Pläne würden wegen der bevorstehenden Ablösung von Metro-Chef Eckhard Cordes derzeit nicht mehr weiterverfolgt, heißt es.

Lufthansa wird BMI los
Kräftig bergab geht es auch mit der Lufthansa. Dabei hat die Airline für eines ihrer Sorgenkinder einen Käufer gefunden. Mit der Muttergesellschaft von British Airways und Iberia sei eine Grundsatzvereinbarung über die Übernahme von BMI geschlossen worden, so die Lufthansa. Der Kaufvertrag soll in den nächsten Wochen unterzeichnet werden. Im ersten Quartal 2012 soll die Transaktion abgeschlossen werden. Angaben über den Kaufpreis wurden nicht gemacht.

Daimler: Kursverlauf am Börsenplatz Xetra für den Zeitraum Intraday
Kurs
49,78
Differenz relativ
-1,33%

Daimler hechelt Audi und BMW hinterher
Die Daimler-Aktie muss ebenfalls Federn lassen. Der Autokonzern ist im Oktober zwar weiter gewachsen. Der Absatz der Marken Mercedes-Benz, Smart, AMG und Maybach legte um drei Prozent auf 111.683 Fahrzeuge zu. Die Konkurrenz von Audi und BMW konnte zuletzt aber deutlich stärker zulegen.

Porsche leidet unter Verschmelzungsplänen
Die Verschiebung der Verschmelzungspläne von Volkswagen und Porsche haben deutliche Spuren in der Bilanz der Porsche-Dachgesellschaft hinterlassen. Nach neun Monaten im laufenden Jahr kommt die Porsche SE auf einen Verlust von 462 Millionen Euro, wie das Unternehmen am Freitag mitteilte. Das Minus ist allein auf die Neubewertung der Verkaufsoptionen für die restlichen Anteile am Sportwagengeschäft der Porsche AG zurückzuführen.

Q-Cells kein Pennystock mehr
Die Aktie des Solarunternehmens Q-Cells entkommt heute (vorübergehend?) ihrem Schicksal als Penny Stock. Das Papier legt auch am Nachmittag noch zweistellig zu auf über einen Euro. Händler meinten, dass nach dem jüngsten Anstieg eine Vielzahl an Spekulanten ihre auf fallende Kurse setzende Positionen aufgelöst und so ihre Verluste begrenzt hätten. Es hat also einen so genannten Short Squeeze gegeben.

RBS rechnet sich schön
Die teilverstaatlichte britische Großbank Royal Bank of Scotland (RBS) hat dank einer Neubewertung ihrer Kredite im dritten Quartal ein Ergebnis vor Steuern von zwei Milliarden Pfund eingefahren. Ohne diesen Effekt hätte erneut ein Minus in den Büchern der RBS gestanden. Operativ kämpfte die Bank wie die gesamte Branche vor allem mit Problemen im Investmentbanking.

Tagestermine am Mittwoch, 21. November

Unternehmen:
ThyssenKrupp: Q4-Zahlen, 7.30 Uhr
Deutsche Bank: Platform Economy Summit, Berlin
CA Immo: Q3-Zahlen

Konjunktur:
Paris: Vorstellung des OECD-Wirtschaftsausblicks, 11 Uhr
USA: Erstanträge auf Arbeitslosenhilfe, Woche, 14:30 Uhr
USA: Uni Michigan Verbrauchervertrauen, November endgültig, 16 Uhr
USA: Frühindikatoren, Oktober, 16 Uhr

Sonstiges:
Frankfurt a.M.: Abschluss der Handelsblatt-Tagung zum Thema "European Banking Regulation" mit Deutsche-Bank-Compliance-Vorständin Matherat