Marktbericht 20:02

Erneutes Plus auf Wochensicht Dax geht stabil ins Wochenende

Stand: 19.07.2013, 20:02 Uhr

Der deutsche Leitindex hat auch in der zurückliegenden Woche zugelegt, um 1,4 Prozent. Am Freitag sorgen jedoch unerwartet schlechte Zahlen aus dem Technologiesektor für einen Dämpfer.

Der Dax geht bei 8.331 Punkten aus dem Handel, 5,5 Zähler weniger als am Donnerstag. Damit gewinnt der Leitindex in dieser Woche gut 1,4 Prozent dazu, nachdem er in der Vorwoche ein Plus von gut fünf Prozent geschafft hatte.

Am Morgen hatten enttäuschende Quartalszahlen von Google und Microsoft für Enttäuschung gesorgt und den Leitindex um 38 Punkte auf 8.299 Zählern absinken lassen. Die negativ aufgenommenen Quartalsbilanzen haben auch die US-Börsen belastet. Der Dow Jones-Index fällt nach einem Rekordhoch am Vortag leicht zurück und notiert bei Börsenschluss in Frankfurt am abend 0,16 Prozent tiefer bei 15.524 Zählern.

Positive Impulse aus China

Positive Impulse erhielten die Märkte am Nachmittag von Chinas Notenbank. Sie gibt die Untergrenze für Kreditzinsen frei, die heimische Banken den Unternehmen berechnen. "Erstens ist das ein Teil der neuen Liberalisierungspolitik der chinesischen Regierung und zweitens können Chinas Unternehmen nun günstiger an Kredite kommen und Investitionen werden leichter", sagte ein Händler.

"Das wiederum könnte auch der Weltwirtschaft insgesamt helfen." Vom bisherigen System profitierten besonders die großen Staatsbanken, während Privatunternehmen hohen Zinsen zahlen müssen.

Trotz teilweise enttäuschender Quartalszahlen bleiben die meisten Marktexperten aber zuversichtlich gestimt. Die Aussicht auf eine anhaltend üppige Liquiditätsversorgung lasse recht zuversichtlich auf die Entwicklung in der kommenden Woche blicken. Die US-Notenbank Fed hatte zuletzt ihr Versprechen einer noch lange lockeren Geldpolitik bekräftigt.

Ölpreise und Euro im Blick

Die Ölpreise haben am Freitag ihre deutlichen Gewinne vom Vortag halten können. Ein Barrel (159 Liter) der Nordseesorte Brent zur Lieferung im September kostete 108,56 Dollar. Das waren 14 Cent weniger als am Donnerstag.

Euro in US-Dollar: Kursverlauf am Börsenplatz Forex vwd für den Zeitraum Intraday
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Der Euro hat heute leicht zugelegt und notiert zuletzt bei 1,3141 Dollar. Die Europäische Zentralbank (EZB) hatte den Referenzkurs auf 1,3123 (Donnerstag: 1,3093) Dollar festgesetzt. "Vor dem Wochenende wurde dem Markt eine Atempause gegönnt", sagte Antje Praefcke, Devisenexpertin von der Commerzbank. Marktbewegende Konjunkturdaten gab es keine.

GE: Ausblick gefällt

Der Mischkonzern General Electric (GE) aus New York hofft nach einem enttäuschenden zweiten Quartal auf bessere Geschäfte in der zweiten Jahreshälfte. "Europa stabilisiert sich", sagte der Chef des Siemens -Konkurrenten, Jeff Immelt, bei Vorlage der Quartalszahlen. Er erwarte eine weitere Verbesserung der Margen und ein Gewinnwachstum in den einzelnen Segmenten. Operativ ging es im zweiten Quartal um acht Prozent auf 3,7 Milliarden Dollar nach unten. Die Aktie legt kräftig zu.

SAP bleibt in Ungnade

Größter Verlierer im Dax ist auch am Freitag die SAP-Aktie. Nach der gestrigen Warnung vor schlechter als erwarteten Geschäften geht es für das Papier weiter bergab. Belastet wird derTitel vor allem den zahlreichen Abstufungen durch Analysten.

US-Zahlen drücken Infineon

Zu den schwächsten Werten im Dax gehört auch die Aktie von Infineon. Händler verweisen einerseits auf die nachbörslichen Abschläge bei Microsoft und Ebay (siehe weiter unten) in den USA vom Vorabend, die mit ihren Quartalszahlen enttäuscht hatten und dafür abgestraft wurden. Hinzu kämen die Zahlen und der Ausblick von Taiwan Semiconductor Manufacturing Company (TSMC), die ebenfalls nicht gut ankamen.

Yara zieht K+S an Dax-Spitze

Überraschung bei K+S. Nach dem Sinkflug der vergangenen Tage ziehen besser als erwartet ausgefallene Quartalszahlen des norwegischen Mitbewerbers Yara die Papiere des Kasseler Unternehmens an die Dax-Spitze. Das ist Balsam auf die geschundene Seele der K+S-Aktionäre. Auch die Papiere von Yara ziehen an, weil das Unternehmen im zweiten Quartal Rekordabsaätze verbucht hat.

IVG macht Mut

Der hoch verschuldete Immobilienkonzern IVG hat im Ringen mit seinen Gläubigern nach eigenen Angaben Fortschritte erzielt. Der Konzern halte es nun für wahrscheinlich, dass wesentliche Gläubiger bis zum 30. Juli einen Vorschlag für die Umschuldung vorlegen, teilte IVG am Freitag mit. Deshalb werde die für Ende August geplante Hauptversammlung auf den 12. September verschoben. Die legt im nachbörslichen Handel zweistellig zu.

CropEnergies kauft zu

Der Biosprit-Hersteller CropEnergiesm eine Tochter des Südzucker-Konzerns, kauft dem Finanzinvestor Carlyle den britischen Bioethanolhersteller Ensus für 13,5 Millionen Euro ab, wie CropEnergies am Freitag mitteilte. Ensus betreibe im Nordosten Englands eine der größten Bioethanolanlagen Europas. Mit dem Erwerb von Ensus vergrößere CropEnergies die jährliche Produktionskapazität für Bioethanol um 50 Prozent auf über 1,2 Millionen Kubikmeter.

Airbus will Boeing überholen

Die EADS-Tochter Airbus erwartet in diesem Jahr deutlich mehr Bestellungen als bislang einkalkuliert. Verkaufschef John Leahy sagte heute der Nachrichtenagentur Reuters, man rechne mit Aufträgen für mehr als 1.000 Maschinen statt bislang gut 800. Im vergangenen Jahre konnte Airbus brutto 914 Bestellungen verbuchen. Im Wettbewerb mit dem Erzkonkurrenten Boeing liegt Airbus in diesem Jahr zurück. Der US-Konzern konnte bis Mitte Juli 859 Aufträge einsammeln, Airbus 722. Die EADS-Aktie kann davon nicht profitieren.

Conergy zuckt noch

Aktien der insolventen Conergy AG zucken auch am Nachmittag gut drei Prozent nach oben. Der amerikanische Finanzinvestor Kawa will laut Conergy die Vertriebs- und Servicegesellschaften des Konzerns übernehmen. Ob das den Aktionären überhaupt etwas bringt, steht allerdings in den Sternen. Vielmehr ist zu befürchten, so wie bei vielen ähnlichen Fällen, dass das eingenommene Geld in der Insolvenzmasse landet und damit nur an die Gläubiger und nicht an die Anteilseigner gehen wird.

Google enttäuscht zunächst

Alphabet A: Kursverlauf am Börsenplatz Nasdaq für den Zeitraum Intraday
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Der Suchmaschinen-Gigant konnte seinen Gewinn im zweiten Quartal zwar um 16 Prozent auf 3,23 Milliarden Dollar verbessern. Doch sinkende Werbeerlöse je Klick und die andauernden Probleme bei der Mobilfunktochter Motorola drückten auf die Stimmung. Im nachbörslichen Handel verlor die Google-Aktie gut vier Prozent. Allerdings hat das Papier auch eine beeindruckende Rally hinter sich.

Microsoft-Papiere brechen ein

Auch der Software-Riese Microsoft hat mit seinen Quartalszahlen enttäuscht. An der Wall Street brechen die Titel zuletzt um neun Prozent ein. Der Umbruch in der Computerwelt hat das Unternehmen mit voller Wucht getroffen. Die PC-Verkäufe sinken, und damit schwächelt der Absatz des bisherigen Geldbringers, des Betriebssystems Windows. Bei den boomenden Smartphones und Tablets hat Microsoft wiederum einen schweren Stand gegenüber Apple mit iPhone und iPad sowie den zahlreichen Android-Geräten wie Samsungs Galaxy-Baureihe.

lg

Tagestermine am Dienstag, 20. November

Unternehmen:
Dermapharm: Q3-Zahlen, 7.30 Uhr
Westwing: Q3-Zahlen, 7.30 Uhr
Easyjet: Jahreszahlen, 8 Uhr
Porsche Automobil Holding: Q3-Zahlen
The Gap: Q3-Zahlen
BASF: Pressekonferenz zu aktuellen Entwicklungen

Konjunktur:
Deutschland: Erzeugerpreise gewerbliche Produkte, 8 Uhr
Deutschland: Baugenehmigungen, 8 Uhr
USA: Baubeginne, -genehmigungen, 14.30 Uhr

Sonstiges:
Frankfurt a.M.: Finanzminister Scholz spricht auf der Tagung "European Banking Regulation"