Marktbericht 20:02

Impulsloser Handel Dax geht in die Defensive

Stand: 01.11.2013, 20:02 Uhr

In der zurückliegenden Woche ist der Dax nur um bescheidene 0,25 Prozent gestiegen. Zum Handelsende am Freitag legt der Leitindex gar eine Verschnaufpause ein. Die Bilanz im Oktober kann sich aber sehen lassen.

Auf Monatssicht hat das Börsenbarometer mit einem Plus von gut fünf Prozent den Anlegern einen "goldenen Oktober" beschert. Die zurückliegende Rekordjagd hat den Dax zur Wochenmitte sogar bis auf 9.070 Punkten gehievt, den höchsten Stand seiner Geschichte.

Mangels neuer Impulse und wegen dem feiertagsbedingten schwachen Handelsvolumen am Freitag bröckeln die Kurse am Freitag leicht ab. Zwar gibt der freundliche Handelsauftakt an der Wall Street dem Dax kurz neuen Auftrieb bis auf 9.048 Zähler. Doch der Schwung lässt rasch wieder nach, so dass der Dax dann knapp über der heiß umkämpften Marke von 9.000 Punkten, bei 9.007 Zählern aus dem Handel geht, ein Minus von 0,29 Prozent oder 26 Punkten.

Bullen bleiben dominierend

Der Stillstand leutet nach Ansicht vieler Experten aber nicht die von einigen erwartete Verschnaufpause ein. "Rein statistisch gesehen haben nun die Bullen alle Trümpfe in der Hand, denn ab dem 1. November beginnt die saisonal beste Phase an den Aktienmärkten", meint etwa Sarah Brylewski von Gekko Markets.

Auch an der Wall Street geht es am Freitag nur schleppend voran. Gestützt wurden die Kurse anfangs vom ISM-Index für das Verarbeitende Gewerbe für Oktober, bevor der Dow-Jones seine Gewinne vollständig wieder abgeben musste. Dem ISM zufolge hat sich die Stimmung in der US-Wirtschaft im Oktober trotz des jüngsten Haushaltsstreits überraschend aufgehellt. Einige Händler deuteten diese Daten sowie die jüngste Erklärung der Notenbank als Hinweis darauf, dass die Fed ihr Konjunkturprogramm möglicherweise doch noch in diesem Jahr zurückfahren könnte. Bei Börsenschluss in Frankfurt notiert der Dow Jones-Index aber wieder leicht im Plus bei 15.591 Punkten, 0,29 Prozent höher als am Vortag.

Euro unter 1,35 Dollar

Deutlich bergab geht es am Freitag mit dem Euro. Im Tief fällt die Gemeinschaftswährung am Abend auf 1,3484 Dollar, mehr als ein halber Cent weniger als am Morgen und der tiefste Stand seit Mitte Oktober. Allein seit Wochenmitte ergeben sich Verluste von fast drei US-Cent. Bei Börsenschluss notiert die Gemeinschaftswährung bei 1,3491 Dollar. Für die Unternehmen bedeutet die Talfahrt eine deutliche Entlastung, klagen sie doch zunehmend über die Stärke des Euro gegenüber dem Dollar und dem Yen.

Euro in US-Dollar: Kursverlauf am Börsenplatz Forex vwd für den Zeitraum Intraday
Kurs
1,1438
Differenz relativ
+0,56%

Der Euro ist unter Druck geraten, weil Äußerungen der amerikanischen Notenbank Fed als Hinweis auf einen baldigen Kurswechsel interpretiert wurden. Einige Beobachter halten es für möglich, dass die Fed doch noch in diesem Jahr beginnt, ihre Wertpapierkäufe zurückzufahren. Das stärkt den Dollar. Hinzu kommen Spekulationen über eine abermalige Lockerung der Geldpolitik im Euroraum.

Neue Hoffnung für K+S

Im Dax hat sich bis zum Handelsende die K+S-Aktie an die Spitze geschoben. Der Vertriebschef des Wettbewerbers Uralkali hatte in einem Interview in Moskau gesagt, der Kalipreis in China habe sich stabilisiert. Ein Händler sagte, es sei ein positives Zeichen für K+S, dass die Preise offenbar nicht weiter in den Keller rutschten.

VW bleibt hoch im Kurs

Volkswagen VZ: Kursverlauf am Börsenplatz Xetra für den Zeitraum Intraday
Kurs
138,74
Differenz relativ
-0,50%

Anleger feiern am Freitag immer noch an den vor zwei Tagen vorgelegten Quartalsbericht von Volkswagen. Die VW-Vorzugsaktien notieren die meiste Zeit des Tages an der Dax Spitze, bevor sie am Nachmittag von K+S verdrängt werden. Seit Mittwoch haben die Papiere rund acht Prozent hinzugewonnen. Unternehmenskreisen zufolge hat der Volkswagen-Konzern weltweit im Oktober mehr Fahrzeuge verkauft als vor einem Jahr.

Fresenius ausgebremst

Schwächster Wert im Dax ist der Medizinkonzern Fresenius. Anleger befürchten, dass die im Dialysegeschäft tätige Tochter Fresenius Medical Care (FMC) den Mutterkonzern im dritten Quartal ausgebremst hat. Während Fresenius die Einbußen im operativen Ergebnis von FMC zu Jahresbeginn noch kompensieren konnte, waren die Auswirkungen staatlicher Eingriffe in den USA schon vor dem Sommer deutlich spürbar. Dies dürfte nach Einschätzung von Branchenexperten auch im dritten Quartal der Fall gewesen sein. Die Zwischenbilanz wird am kommenden Dienstag veröffentlicht.

Fresenius: Kursverlauf am Börsenplatz Xetra für den Zeitraum Intraday
Kurs
65,00
Differenz relativ
+0,03%

FMC

FMC: Kursverlauf am Börsenplatz Xetra für den Zeitraum Intraday
Kurs
85,02
Differenz relativ
+0,12%

Gewinnmitnahmen bei HeidelCement

HeidelbergCement: Kursverlauf am Börsenplatz Xetra für den Zeitraum Intraday
Kurs
68,50
Differenz relativ
-2,62%

Schwächster Wert im Dax ist dagegen die Aktie von HeidelbergCement mit Abschlägen von mehr als 2,5 Prozent. Händler sprachen von Gewinnmitnahmen, nachdem das Papier seit Anfang September um bis zu zehn Prozent zugelegt hat. Auch gebe es die Befürchtung enttäuschender Quartalszahlen in der kommenden Woche.

Eon und RWE belastet

Auch Eon- und RWE-Aktien gehören zu Verlierern. In einem "Handelsblatt"-Interview hatte der Chef der Bundesnetzagentur, Jochen Homann, vor Subventionen für die Bereitstellung fossiler Kraftwerke gewarnt. Die deutschen Energieversorger fordern für die Bereithaltung konventioneller Kraftwerke einen Ausgleich, da diese wegen des Vorrangs erneuerbarer Energien immer unrentabler würden. Zudem setzte die Citigroup die Aktien von Eon auf ihre "Least Preferred List". Die UBS bestätige außerdem ihre Verkaufsempfehlung mit einem Kursziel von 10,50 Euro.

Aareal Bank weiter Spitze

Aareal Bank: Kursverlauf am Börsenplatz Xetra für den Zeitraum Intraday
Kurs
35,45
Differenz relativ
-2,58%

Die Hausse der im MDax notierten Aareal Bank-Aktie hat sich auch am Freitag fortgesetzt. Das Analysehaus Warburg Research hatte das Papier Anfang der Woche nach einer Investorenveranstaltung von "Hold" auf "Buy" hochgestuft und das Kursziel von 25,90 auf 30,20 Euro angehoben. Zuvor hatte bereits die Commerzbank das Kursziel wurde deutlich von zuletzt 24 auf nunmehr 30 Euro angehoben.

First Solar sorgt für Freudensprung

Der größte amerikanische Solarzellenhersteller First Solar hat seinen Gewinn dank des Verkaufs von Solarkraftwerken und Einnahmen aus neuen Projekten im dritten Quartal nahezu verdoppelt. Mit Blick auf die nahe Zukunft zeichnete das Unternehmen jedoch ein gemischtes Bild. Im Gesamtjahr rechnet das Unternehmen mit mehr Gewinn, aber weniger Umsatz als bisher. Im nachbörslichen New Yorker Handel gewannen die Aktien von First Solar neun Prozent, zum Handelsbeginn geht es zwölf Prozent hoch.

Kauffantasien treiben Vodafone

Kräftig nach oben geht es auch mit der Vodafone-Aktie. Der Grund sind Spekulationen, der Telekomkonzern AT&T könne an einer Übernahme des britischen Mobilfunkkonzerns interessiert sein. AT&T spiele bereits Szenarien durch, welche Teile von Vodafone nach einer erfolgreichen Transaktion abgespalten würden, berichtete die Nachrichtenagentur Bloomberg.

Singulus fängt sich

Kräftige Zugewinne verzeichnet auch die Singulus-Aktie. Der Spezialmaschinenhersteller hat in den ersten neun Monaten des laufenden Geschäftsjahres seinen Umsatz um elf Prozent auf 93,1 Millionen Euro verbessert. Das Ergebnis vor Zinsen und Steuern (Ebit) erreichte 1,4 Millionen Euro.

IVG: Die Anleger dürften leer ausgehen

Aktien des involventen Immobilienkonzern IVG springen zweistellig in die Höhe. Das Unternehmen darf laut einer Entscheidung des Amtsgerichts Bonn das Insolvenzverfahrens in Eigenverwaltung durchführen. Ziel ist es, die IVG Immobilien AG zu erhalten. Allerdings werden die bisherigen Kreditgeber und Anleihegläubiger IVGs Schulden in Einkapital umtauschen. Für die bisherigen Aktionäre dürfte praktisch nicht übrigbleiben.

Chevron leidet unter Preiskampf

Der Preiskampf bei Raffinerieprodukten hat dem Ölkonzern Chevron wie schon den Konkurrenten im Sommer einen Gewinnrückgang eingebrockt. Für die Zeit von Juli bis Ende September stand unter dem Strich ein Gewinn von 4,95 Milliarden Dollar und damit sechs Prozent weniger als ein Jahr zuvor, wie Chevron am Freitag in San Ramon (US-Bundesstaat Kalifornien) mitteilte. Analysten hatten trotz der bekannten Überkapazitäten in der Branche mit einem Gewinnanstieg gerechnet.

lg

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Tagestermine am Montag, 20. August

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Sonstiges:
Treffen der Handelsberater von EU und USA zur Beilegung des Handelsstreits.