Marktbericht 20:02 Uhr

Doch noch ins Plus gedreht Dax: Geht doch

Stand: 06.04.2016, 20:02 Uhr

Positive Wirtschaftsdaten aus Deutschland und China konnten Anleger am Mittwoch nicht aus der Reserve locken. Dass der Dax dann doch noch eine eindeutige Richtung gefunden hat, liegt offenbar am Öl.

Der überraschende Rückgang der US-Rohölbestände in der vergangenen Woche hievte den Preis für Nordseeöl der Sorte Brent um 4,6 Prozent auf 39,60 Dollar je Barrel (159 Liter). Auch für die Sorte WTI muss deutlich mehr gezahlt werden.

Die Wiederanstieg der Ölpreise ist zwar kein Zeichen für eine sich bessernde Konjunktur, doch er genügte, um die bis dahin vor sich hin dümpelnden Aktienmärkte zumindest ein wenig aus ihrer Lethargie zu reißen.

ARD-Börsenstudio: Dorothee Holz
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Börse 19.00 Uhr

So drehte der Dax am späten Nachmittag doch noch ins Plus, nachdem er die meiste Zeit des Tages um die Marke von 9.550 Punkten gependelt war. Händler erklärten die Vorsicht mit dem gegen 20.00 Uhr (MESZ) zur Veröffentlichung anstehenden Fed-Protokoll der jüngsten März-Sitzung. Auch würden nicht wenige Marktteilnehmer die morgige Rede von Fed-Chefin Janet Yellen in New York abwarten wollen. Dennoch hellen die steigenden Ölpreise die Stimmung auf, so dass der Dax am Ende bei 9.624 Zählern aus dem Handel geht, 0,64 Prozent oder 61 Punkte höher als am Vortag.

Wall Street ebenfalls im Plus

Auch in New York zeigten sich die Anleger angesichts der anhaltenden Unklarheit über die weitere Geldpolitik der US-Notenbank zunächst vorsichtig. Der Dow Jones-Index eröffnete sogar leicht im Minus. Doch dann sorgte der der überraschende Rückgang der Rohölvorräte in den USA für einen weiteren Anstieg der Ölpreise, so dass auch die Kurse an der Wall Street ins Plus drehten. Bei Börsenschluss in Frankfurt notiert der Dow 0,4 Prozent höher bei 17.680 Punkten.

Dax

Dax: Kursverlauf am Börsenplatz Xetra für den Zeitraum Intraday
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Für ein wenig Zuversicht sorgten auch Nachrichten von der chinesischen und deutschen Wirtschaft. So legte der chinesische Stimmungsindikator für den Dienstleistungs-Sektor von 51,2 Punkten im Februar auf 52,2 Zähler im März zu - stärker als erwartet. Besser als befürchtet waren auch die deutschen Produktionsdaten: Zwar ging die Produktion hierzulande im Februar um 0,5 Prozent im Monatsvergleich zurück. Volkswirte hatten aber ein Minus von 1,8 Prozent prognostiziert.

Euro über 1,14 Dollar, Ölpreise erholt

Öl (WTI): Kursverlauf am Börsenplatz Deutsche Bank für den Zeitraum Intraday
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Die Gemeinschaftswährung schwankt ebenfalls merklich, durchbricht bei Börsenschluss in Frankfurt aber die Marke von 1,14 Dollar. Weiter bergauf geht es mit den Ölpreisen: Ein Barrel der US-Sorte WTI kostet mit rund 37,50 Dollar fast vier Prozent mehr als am Vortag. Das Opec-Mitglied Kuwait hat sich für eine Förderkürzung ausgesprochen, um den Preisrutsch aufzuhalten. Positiv wirkte der Rückgang der US-Ölvorräte auch um knapp 4,9 Millionen Barrel.

US-Regierung vereitelt Pillen-Fusion

Die Mega-Fusion zwischen den Pharmakonzernen Allergan und Pfizer ist endgültig vom Tisch. Der irische Botox-Hersteller Allergan gab am Mittag bekannt, dass die Fusionsvereinbarung mit Pfizer ab heute keine Gültigkeit mehr besitzt. Die angepeilten Steuervorteile seien nicht mehr erreichbar, nachdem die US-Regierung Maßnahmen dagegen angekündigt hatte. Pfizer hatte Allergan für 160 Milliarden Dollar schlucken wollen.

Daimler-Aktie am Tag der HV im Minus

Im Dax zählen Daimler zu den Schlusslichtern: Trotz eines Absatzrekords von Mercedes-Benz gab Daimler-Chef Dieter Zetsche auf der Hauptversammlung einen vorsichtigen Ausblick auf die Gewinnentwicklung im ersten Quartal. Anteilseigner dürfen sich in jedem Fall aber auf eine deutlich erhöhte Dividende von 3,25 je Aktie freuen.

VW mit dickem Image-Schaden in den USA

Auch die VW-Aktie schwächelt. Der Abgas-Skandal hat den Konzern viel an Kunden-Vertrauen gekostet, das belegt nun eine Umfrage in den USA. Laut der Befragung haben 46 Prozent der US-Bürger kein Zutrauen in die Markt VW mehr. 42 Prozent glauben, dass die Affäre der deutschen Wirtschaft insgesamt schaden wird.

DMG Mori: Japaner stocken auf

Im MDax sind die Aktien des Bielefelder Werkzeugmaschinenbauers DMG Mori AG an die Spitze geklettert. Das Unternehmen kommt doch unter die Fittiche seines japanischen Großaktionärs DMG Mori Co. Der Mehrheitseigner hat seinen Anteil auf über 75 Prozent erhöht und will nun einen Beherrschungs- und Gewinnabführungsvertrag schließen. Daher hat der Aufsichtsrat beschlossen, die für den 6. Mai geplante Aktionärsversammlung zu verschieben. Vorstandschef Rüdiger Kapitza verlässt nach 20 Jahren das Unternehmen.

Symrise fühlt sich wohl

Auch die ebenfalls im MDax notierte Aktie des Aromen-Herstellers Symrise legt deutlich zu. Vorstandschef Heinz-Jürgen Bertram zieht laut Reuters-Interview Wachstum einer Steigerung der Marge vor. Mit der zuletzt in Aussicht gestellten Rendite des Unternehmens von 19 bis 22 Prozent auf Basis des Ergebnisses vor Steuern, Zinsen und Abschreibungen (Ebitda) fühlt sich Bertram außerdem "sicher und wohl".

Starker Dollar macht H&M zu schaffen

Der schwedische Modekonzern ist im ersten Quartal 2016 gewachsen. Die Umsätze stiegen danach um neun Prozent auf 43,6 Milliarden Kronen. Operativ verdiente H&M ebenfalls mit 22,7 Milliarden Kronen mehr. Wegen höherer Kosten und dem starken Dollar rutschte allerdings der Vorsteuergewinn um ein Drittel auf 2,55 Milliarden Kronen ab.

Air France-Chef gibt auf

Die Papiere von Air France/KLM verlieren knapp sechs Prozent. Anleger reagierern damit auf den überraschenden Rücktritt des Airline-Chefs Alexandre de Juniac. Zermübt vom erbitterten Widerstand der Piloten gegen seine Sparpläne, wechselt Juniac im Sommer zum Branchenverband IATA.

Nokia streicht Tausende Stellen

Der Telekom-Ausrüster Nokia setzt nach der Übernahme des Konkurrenten Alcatel-Lucent ein massives Sparprogramm mit dem Abbau tausender Arbeitsplätze in Gang. So sollen in Deutschland bis 2018 rund 1.400 Jobs gestrichen werden und in Finnland 1.300 Stellen.

lg

Dax-Chart realtime

Tagestermine am Donnerstag, 20. September

Unternehmen:
Rocket Internet: Q2-Zahlen, 08:00 Uhr
Schaeffler: Kapitalmarkttag
Nfon: Q2-Zahlen
Ryanair: HV in Dublin
GlaxoSmithKline: HV
Micron Technology: Q4-Zahlen, nach US-Börsenschluss

Konjunktur:
Deutschland: Monatsbericht des Bundesfinanzministeriums, 08:00 Uhr
Schweiz: Zinsentscheid und geldpolitische Lagebeurteilung der Schweizerischen Nationalbank (SNB), 09:30 Uhr
USA: Wöchentliche Erstanträge auf Arbeitslosenhilfe, 14:30 Uhr
USA: Industrie-Index Philly Fed für September, 14:30 Uhr
USA: Frühindikatoren für August, 16:00 Uhr
USA: Wiederverkäufe Häuser für August, 16:00 Uhr
EU: Verbrauchervertrauen Euro-Zone, September, 16:00 Uhr

Sonstiges:
Salzburg: Informeller EU-Gipfel
Hannover: Eröffnung der IAA Nutzfahrzeuge 2018 (bis 27. September), mit Bundesverkehrsminister Scheuer
Frankfurt: 4. Konferenz für Finanztechnologie "Fintech-Revolution"