Marktbericht 20:02 Uhr

Nach sechs Tagen mit Gewinn Dax geht die Puste aus

Stand: 16.07.2013, 20:02 Uhr

Neben einem schwächer als erwartet ausgefallenen ZEW-Index hat die am morgigen Mittwoch anstehende Rede des US-Notenbankchefs vor dem US-Repräsentantenhaus die Märkte defensiv agieren lassen.

Der Leitindex Dax rutscht nach einem freundlichen Start rasch ins Minus und schließt letztlich 0,41 Prozent schwächer bei 8.201 Punkten. Auch die neuesten US-Konjunkturdaten, wie die gestiegene Industrieproduktion, helfen den deutschen Notierungen nicht auf die Sprünge. Zwar steigt der Dax in der Spitze bis auf 8.252 Punkte, doch die wachsende Nervosität vor der Rede von US-Notenbankchef Ben Bernanke lässt die Gewinne rasch wieder abbröckeln.

Zuletzt hatte Bernanke allerdings betont, dass die von einigen Anlegern bereits für September erwartete Straffung der geldpolitischen Zügel noch längst nicht beschlossen ist. Weiteren Aufschluss über die US-Geldpolitik erwarten die Anleger dann am Abend von der Veröffentlichung des neuesten Fed-Konjunkturberichts, dem sogenannten Beige Book.

Vorsicht auch an der Wall Street

Auch an der Wall Street ist die Gewinnserie der vergangenen Tage abgerissen. Bei Börsenschluss in Frankfurt am Abend notiert der Dow Jones 0,3 Prozent im Minus bei 15.438. Während die Bilanz von Goldman Sachs die Anleger erfreute, drücken neue Daten zur Entwicklung der Verbraucherpreise im Juni die Stimmung. Die Preise stiegen im Vergleich zum Vormonat um 0,5 Prozent und damit mehr als erwartet. Es ist das stärkste Plus bei der Inflation seit Februar. Dafür sorgte vor allem teureres Benzin.

Hörfunk-Moderatorin Ulla Herrmann
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Börse 9.05 Uhr

Der Euro ist trotz der Stimmungseintrübung unter deutschen Finanzexperten über die Marke von 1,31 Dollar gestiegen. Bei Börsenschluss in Frankfurt kostet ein Euro 1,3144 Dollar. Das war ein halber Cent mehr als am Morgen. Die Europäische Zentralbank (EZB) setzte den Referenzkurs auf 1,3118 (Montag: 1,3012) Dollar fest.

Derweil geht die US-Berichtssaison in die nächste Runde. Unternehmen wie Coca-Cola, Goldman Sachs und Johnson & Johnson haben ihre Zahlen für das vergangene Quartal vorgelegt.

Goldman verdopelt Gewinn

Dank prächtiger Zuwächse im Investmentbanking von 29 Prozent hat Goldman Sachs im zweiten Quartal seinen Überschuss fast verdoppelt auf 1,93 Milliarden Dollar. Damit übertraf die Wall-Street-Bank auch die Schätzungen der Analysten, die einen Gewinn von 1,51 Milliarden Dollar erwartet hatten. Auch bei Erlösen von 8,61 Milliarden Dollar schneidet das Geldhaus überraschend gut ab. Die Aktie legt 1,8 Prozent zu.

Coca-Cola verschmäht

Dagegen sind die Zahlen von Coca-Cola mit Enttäuschung aufgenommen worden. Die Papiere sind mit deutlichem Abstand das Schlusslicht im Dow Jones-Index. Vor allem das Absatzwachstum habe enttäuscht, schrieb Analyst Ali Dibadj von Bernstein Research in einem Kurzkommentar. Der Getränkekonzern setzt nun auf das zweite Halbjahr, das Coca-Cola zufolge besser ausfallen dürfte als das erste.

Johnson & Johnson glänzt wieder

Nach enttäuschend ausgefallenen Zahlen in der Vergangenheit hat der US-Pharma- und Konsumgüterhersteller Johnson & Johnson im zweiten Quartal die Erwartungen übertroffen. Der Gewinn kletterte auf 3,8 Milliarden Dollar und der Umsatz erreichte 17,9 Milliarden. Das Unternehmen hat deshalb seinen Ausblick für das laufende Jahr erhöht und peilt jetzt einen Gewinn je Aktie von 5,40 bis 5,47 Dollar an, statt 5,35 bis 5,45 in der Schätzung zuvor.

ThyssenKrupps unendliches Brasilien-Abenteuer

Im Dax kann die ThyssenKrupp-Aktie auch am Nachmittag ihr Kursplus verteidigen. Kursbewegend ist wieder einmal ein Bericht über den nun unmittelbar bevorstehenden Verkauf des Stahlwerkes in Brasilien. Die Fortsetzung einer unendlichen Geschichte...

Commerzbank: Immer neue Kaufkandidaten?

Commerzbank: Kursverlauf am Börsenplatz Xetra für den Zeitraum Intraday
Kurs
9,56
Differenz relativ
+0,96%

Auch mit der geschundenen Commerzbank-Aktie geht es weiter bergauf. Nach Gerüchten über ein angebliches Interesse an der Bank seitens der UBS soll nun die spanische Großbank Santander ein Auge auf das Frankfurter Institut geworfen haben. Mal sehen, welcher Kaufinteressent morgen ins Gespräch gebracht wird.

Goldman mag Lufthansa

Gegen den Trend fester notiert auch die Aktie der Deutschen Lufthansa. Die Investmentbank Goldman Sachs hat ihre Verkaufsempfehlung für den Titel nach der jüngsten Kursschwäche zurückgenommen.

Autobauer stecken schlechte Zahlen gut weg

Schlechte Nachrichten gibt es dagegen für die Autobauer - zumindest aus Europa. Außer Daimler müssen alle anderen Hersteller schlechteren Absatzzahlen vermelden. Laut den neuesten Daten des Branchenverbandes ACEA rutschten die Verkäufe in Europa im Juni mit 1,13 Millionen Fahrzeugen 5,6 Prozent unter die des Vergleichszeitraums. Untern den deutschen Herstellern musste vor allem BMW mit einem Minus von acht Prozent in Europa Federn lassen. Die Anleger reagieren kaum auf die Zahlen.

BMW ST: Kursverlauf am Börsenplatz Xetra für den Zeitraum Intraday
Kurs
79,00
Differenz relativ
-5,39%
Volkswagen VZ: Kursverlauf am Börsenplatz Xetra für den Zeitraum Intraday
Kurs
150,48
Differenz relativ
-1,61%
Daimler: Kursverlauf am Börsenplatz Xetra für den Zeitraum Intraday
Kurs
54,74
Differenz relativ
-2,48%

Aurubis an MDax-Spitze

Eine Kaufempfehlung der Analysten der Societe Generale hat die Aktien der Kupferhütte Aurubis um 4,8 Prozent an die Spitze des MDax steigen lassen. Analyst Amit Pansari hält die Papiere des Hamburger Konzerns für unterbewertet. Nach dem Ausverkauf seit Jahresbeginn trotz weiter intakter Fundamentaldaten sehe er nun einen attraktiven Einstiegszeitpunkt.

Loewe kämpft gegen die Pleite

Der angeschlagene TV-Hersteller Loewe hat am Dienstag Gläubigerschutz beantragt. Über ein so genanntes "Schutzschirm-Verfahren" in Eigenverwaltung kann während einer dreimonatigen Phase der Geschäftsbetrieb fortgeführt werden, ohne dass Gläubiger Zwangsmaßnahmen durchsetzen können. Die Aktie tauchte am Vormittag um bis zu 27 Prozent ab, kann ihre Verluste später aber auf 12,3 Prozent eingrenzen.

Nanogate beliefert jetzt auch VW

Um knapp vier Prozent bergauf geht es mit der Aktie von Nanogate. Das Systemhaus für Hochleistungsoberflächen aus dem Saarland hat erstmals einen Auftrag als direkter Zulieferer für die Automobilindustrie erhalten: Der Auftrag im zweistelligen Millionen-Bereich umfasst die Lieferung von Komponenten an Volkswagen.

lg

Dax-Chart realtime

Tagestermine am Mittwoch, 26. September

Unternehmen:
Deutsche Bank: Rede von Bank-Chef Sewing bei der Schmalenbach-Gesellschaft
Nestlé: Rede von Vorstandschef Schneider zum Thema "Nestle - current growth strategies in the food and beverage industry", 18:00 Uhr

Konjunktur:
USA: Zinsentscheid der Fed, 20 Uhr, Pk ab 20:30 Uhr
Deutschland: DIW-Konjunkturbarometer
USA Eigenheimabsatz, August, 16 Uhr

Sonstiges:
Hannover: Fortsetzung der IAA Nutzfahrzeuge 2018 (bis 27. September)