Marktbericht 20:02 Uhr

Warten auf neue Impulse Dax: Geht die Lethargie jetzt weiter?

Stand: 06.06.2016, 20:02 Uhr

Wie befürchtet hat Fed-Chefin Janet Yellen am Abend keine klaren Hinweise auf die weitere Geldpolitik gegeben. Damit könnte das Warten an den Aktienmärkten weitergehen. Am Montag gab es schon mal einen Vorgeschmack.

Der Dax hat sich im Tagesverlauf kaum von der Stelle bewegt. Statt der an manchen Tagen zu beobachtenden Schwankungen von 300 Punkten und meh, pendelte der Leitindex am Montag zwischen 10.092 und 10.148 Punkten hin und her. Am Ende geht der Dax bei 10.121 Punkten aus den Handel, 0,18 Prozent mehr als am Freitag. Das bedeutet: der Markt und vor allem seine Protagonisten, die Anleger, wissen nicht wohin.

ARD-Börsenstudio: Jan Plate
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Börse 19.00 Uhr

Was sie bedrückt ist die Sorge vor einem Austritt Großbritanniens aus der EU (Brexit) sowie die anhaltende Ungewissheit über die Geldpolitik der amerikanischen Notenbank. Fed-Chefin Janet Yellen sieht keinen klaren Zeitplan für weitere Zinserhöhungen. Es gebe so viele Unsicherheiten, dass nicht klar sei, wann die Fed die Zinsen erneut erhöhen sollte, sagte sie am Montag in Philadelphia. Noch Ende Mai hatte sie davon gesprochen, dass "in den kommenden Monaten" ein weiterer Zinss
chritt wahrscheinlich angemessen sei. Auf diese Formulierung verzichtete sie jetzt.

Wall Street im Plus

An der Wall Street sorgten die Aussagen von Janet Yellen zunächst für Enttäuschung. Der Dow büßte die Hälfte seiner Tagesgewinne ein, konnte sich im weiteren Verlauf aber wieder erholen und notiert bei Börsenschluss in Frankurt wieder 0,7 Prozent höher bei 17.929 Punkten. Tatsächlich erwarten die meisten Marktteilnehmen nach dem enttäuschenden US-Arbeitsmarktbericht vom Freitag dass es weder im Juni noch im Juli eine Zinserhöhung geben wird. Händler halten eine Zinserhöhung im September für wahrscheinlich, der dann in diesem Jahr kein weiterer Schritt folgen werde.

Dax

Dax: Kursverlauf am Börsenplatz Xetra für den Zeitraum Intraday
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11.139,52
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Neben der andauernden Ungewisseheit über die weitere US-Geldpolitik, erweist sich zunehmend die Angst vor einem Brexit als Belastungsfaktor der Aktienmärkte, nachdem die jüngsten Umfragen auf einen Anstieg der Brexit-Befürworter hindeuten. Daher trennten sich einige Anleger bereits von Unternehmen mit großem Großbritannien-Engagement, so ein Händler. "Sie schauen sich Aktien an, denen deutliche Verluste drohen, sollten die Briten für den Ausstieg aus der EU stimmen." Das Referendum ist für den 23. Juni geplant.

Euro deutlich über 1,13 Dollar

Nachdem der Euro während der Yellen-Rede auf ein Tagestief von 1,1326 Dollar gefallen war, notiert er danach wieder auf Ausgangsniveau bei 1,1354 Dollar. Nachdem am Freitag der US-Arbeitsmarktbericht unerwartet schwach ausgefallen war und die Zinserwartungen daraufhin deutlich sanken, hat der Euro gut zwei US-Cent hinzugewonnen..

Euro in US-Dollar: Kursverlauf am Börsenplatz Forex vwd für den Zeitraum Intraday
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1,1413
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US-Dollar in Yen: Kursverlauf am Börsenplatz Forex vwd für den Zeitraum Intraday
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112,99
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Ölpreise wieder über 50 Dollar

Die Ölpreise können sich am Montag etwas erholen. Der Preis für ein Barrel der Nordseesorte Brent zur Lieferung im August ist wieder über die Marke von 50 Dollar gestiegen. Auch der Preis für die US-Sorte WTI zieht leicht an.

Öl (Brent): Kursverlauf am Börsenplatz Deutsche Bank für den Zeitraum Intraday
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63,71
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+2,27%
Öl (WTI): Kursverlauf am Börsenplatz Deutsche Bank für den Zeitraum Intraday
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54,42
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Versorger gefragt

Die Aktien der beiden Versorger RWE und Eon sind die größten Gewinner im Dax, ohne dass es Neuigkeiten von den Unternehmen gibt. Eon hat für diese Woche zur Hauptversammlung geladen.

Daimlers Absatzplus lässt Anleger kalt

Dagegen schwächeln die Daimler-Aktien weiter, obwohl sich das Wachstumstempo bei den Verkäufen des Autobauers im Mai weiter beschleunigt hat. Auch dank des Starts der E-Klasse Anfang April stieg der Absatz der Kernmarke Mercedes-Benz gegenüber dem Vorjahresmonat um 12,9 Prozent auf 170.625 Wagen. Die guten Nachrichten prallen jedoch weiter an der Aktie ab, sie pendelt um die 60-Euro-Marke.

Lufthansa und AirFrance rutschen ab

Mit Abstand größter Dax-Verlierer ist die Lufthansa-Aktie. Auch die Aktie von Air France-KLM verzeichnet deutliche Verluste. Die Analysten der Investmentbank Barclays schätzen die Aussichten für die Airlines schlechter ein und haben ihre Kursziele für Lufthansa und Air France-KLM gesenkt.

Kauft Fresenius in den USA zu?

Fresenius: Kursverlauf am Börsenplatz Xetra für den Zeitraum Intraday
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49,90
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+0,08%

Fresenius zählt Finanzkreisen zufolge zu den letzten Bietern für eine milliardenschwere Sparte des US-Pharmakonzerns Pfizer. Als einziger Konkurrent sei noch der britische Medizintechnikkonzern und Industriedienstleister Smiths Group im Rennen, sagten mehrere mit dem Vorgang vertraute Personen der Nachrichtenagentur Reuters. Die Pfizer-Sparte, die vor allem Spritzenpumpen zur intravenösen Verabreichung von Medikamenten herstellt, könnte rund 1,5 Milliarden Dollar kosten. Die Fresenius-Sparte Kabi, die in dem Bereich schon lange aktiv ist, könnte durch die Übernahme ihre Geschäft in Nordamerika deutlich ausbauen.

Bilfinger: Analysten treten nach

Im MDax geben die Bilfinger-Aktien weiter nach und rutschen auf den tiefsten Stand seit vier Monaten. Nachdem die Anfangseuphorie über den Spartenverkauf schon am Freitag verflogen war, trüben nun negative Analystenkommentare die Stimmung. Metzler hat die Kaufempfehlung gestrichen, die DZ Bank strich Bilfinger-Aktien von ihrer Empfehlungsliste "Equity Ideas Long".

Stada: Chefwechsel, Kursgewinne

Dagegen kann die Stada-Aktie kräftig zulegen, nachdem es an der Konzernspitze einen überraschenden Wechsel gegeben hat. Ein Händler meinte, der bisherige CEO Hartmut Retzlaff habe in der Wahrnehmung der Börse in der Vergangenheit Übernahmeversuche bei Stada eher gebremst.

"Kuka bleibt ein deutsches Unternehmen"

Kuka-Chef Till Reuter hat im Gespräch mit der "FAS" versucht, Bedenken gegen die mögliche Übernahme des Roboterherstellers durch chinesische Investoren zu zerstreuen. Gleichzeitig zeigt er sich offen für alternative Offerten. Diese werde Kuka genauso ergebnisoffen prüfen wie das Angebot von Midea.

Schaeffler schon bald im MDax

Wie von Experten erwartet wird der Autozulieferer Schaeffler den Kassensystemhersteller Wincor Nixdorf im Index für die mittelgroßen Werte ersetzen. Der Tausch im MDax werde zum 20. Juni wirksam, teilte der Indexanbieter Deutsche Börse am Freitagabend mit. Änderungen im TecDax und Dax gibt es nicht.

Morphosys enttäuscht

Im Tec Dax haben die Anleger mit massiven Verkäufen auf die Veröffentlichung von Testergebnissen für ein Krebsmittel reagiert. Die Aktien der Biotechfirma brachen binnen Minuten um bis zu zehn Prozent ein. Offenbar missfalle Investoren, dass bei dem Medikament gegen Knochenmarkkrebs zwei der fünf behandelten Patienten nur geringfügig auf die Arznei angesprochen hätten, sagte ein Händler.

Deutsche Bank lobt Sartorius

Dagegen kann die Sartorius-Aktie deutlich zulegen. Die Deutsche Bank hat die Aktie des Pharma- und Laborausrüsters auf die "German Stock Ideas List" gesetzt und die Einstufung auf "Buy" mit einem Kursziel von 272 Euro belassen. Das gute Wachstum könnte noch länger andauern als derzeit gedacht.

Asian Bamboo: Doch kein Comeback an die Börse?

Der Insolvenzverwalter von Asian Bamboo, einer der schlimmsten Wertvernichter an der Deutschen Börse, will die Wiederzulassung der Aktie zum Handel verhindern. Er stellte einen entsprechenden Antrag.

lg

Tagestermine am Mittwoch, 21. November

Unternehmen:
ThyssenKrupp: Q4-Zahlen, 7.30 Uhr
Deutsche Bank: Platform Economy Summit, Berlin
CA Immo: Q3-Zahlen

Konjunktur:
Paris: Vorstellung des OECD-Wirtschaftsausblicks, 11 Uhr
USA: Erstanträge auf Arbeitslosenhilfe, Woche, 14:30 Uhr
USA: Uni Michigan Verbrauchervertrauen, November endgültig, 16 Uhr
USA: Frühindikatoren, Oktober, 16 Uhr

Sonstiges:
Frankfurt a.M.: Abschluss der Handelsblatt-Tagung zum Thema "European Banking Regulation" mit Deutsche-Bank-Compliance-Vorständin Matherat