Marktbericht 20:02 Uhr

Im Schlepptau der Wall Street Dax geht auf Tauchstation

Stand: 09.01.2014, 20:02 Uhr

Von wegen Jahresanfangsrally. Der deutsche Leitindex ist am Donnerstag im Sog einer schwächelnden Wall Street ins Minus gerutscht. Daran konnte auch die Zusage von EZB-Chef Draghi nichts ändern, die Geldpolitik weiter auf einem expansiven Kurs zu halten.

Der Dax rutschte bis zum Börsenschluss um 0,80 Prozent ab auf 9.421,61 Punkte, nachdem er am Vormittag noch bis auf 9.549,5 Punkte geklettert war. In Paris und London ging es für die nationalen Indizes ebenfalls bergab.

Händler verwiesen auf eine vorsichtige Haltung der Anleger vor dem morgigen US-Arbeitsmarktbericht. Der könnte Hinweise darauf liefern, ob die Fed beim Schließen der Geldschleuse das Tempo forcieren könnte. Belastet wurden die Märkte zudem von dünnen Handelsvolumina. Dadurch sei die negative Kursentwicklung verstärkt worden und erscheine übertrieben.

Keine Impulse gingen von der Ratssitzung der Europäischen Zentralbank (EZB) aus. Ihre Entscheidung, den Leitzins auf seinem Rekordtief von 0,25 Prozent zu belassen, war keine Überraschung. Auch die Zusage, notfalls mit allen Mitteln ein Abdriften in die Deflation zu bekämpfen, brachte keine wirklich neuen Erkenntnisse. Zumal die EZB in den kommenden Monaten wieder mit einer leicht anziehenden Inflation rechnet.

Positive Nachrichten kamen aus Südeuropa. Die Rendite der richtungsweisenden zehnjährigen spanischen Staatsanleihen erreichte mit 3,679 Prozent den tiefsten Stand seit 2008. Die Renditen der vergleichbaren italienischen und portugiesischen gingen ebenfalls zurück. Der Bund-Future, der auf der zehnjährigen Bundesanleihe basiert, stagnierte bei 139,46 Punkten zu.

Exxon drückt die Wall Street

An der Wall Street haben sich die Kurse bis zum Abend wieder etwas erholt, nachdem der Dow Jones-Index zeitweise bis auf 16.378 Punkte oder 0,5 Prozent nachgegeben hatte. Bei Handelsende in Frankfurt am Abend notiert der Dow 0,2 Prozent im Minus bei 16.427 Punkten. Für das Minus im Dow Jones-Index waren unter anderem die Aktien von Schwergewicht Exxon verantwortlich, die nach einer Herunterstufung mehr als ein Prozent einbüßten.

Euro in US-Dollar: Kursverlauf am Börsenplatz Forex vwd für den Zeitraum Intraday
Kurs
1,1386
Differenz relativ
+0,17%

Unter Druck bleibt dagegen der Euro. Weil einige Anleger die Aussagen Draghis zur Bekämfung der niedrigen Inflationsrate als Signal für eine weitere Lockerung der Leitzinsen werteten, rutschte der Kurs des Euro auf 1,3551 Dollar ab. Am Abend notierte die Gemeinschaftswährung bei 1,3582 Dollar. Die EZB hatte den Referenzkurs auf 1,3612 Dollar festgesetzt.

Deutsche Börse hoch gelobt

Im Dax ist die Deutsche Börse der mit Abstand größte Gewinner. Grund ist eine Empfehlung der DZ Bank. Deren Analyst Christoph Bast hat den fairen Wert für die Aktie der Deutschen Börse von 60 auf 66 Euro angehoben und die Einstufung auf "Kaufen" belassen. Der Anstieg der Handelsvolumina im vierten Quartal sei solide gewesen. Der Börsenbetreiber profitiere von den zahlreichen Wachstumsmöglichkeiten, die sich aus der neuen Bankenregulierung ergäben. Darüber hinaus biete das Unternehmen eine saubere Bilanz

Fresenius ebenfalls hochgestuft

Auch die Fresenius-Familie kann gegen den Trend zulegen. Die US-Bank JPMorgan hat Fresenius SE von "Neutral" auf "Overweight" hochgestuft und das Kursziel von 92 auf 133 Euro angehoben. Der europäische Medizintechniksektor sollte in diesem Jahr weniger Gegenwind verspüren als im vergangenen, schrieb Analyst David Adlington. Der Ausblick für den Gesundheitskonzern stimme zuversichtlich.

Rekordjahr für Porsche

Porsche hat 2013 einen Verkaufsrekord eingefahren. Das Unternehmen steigerte die weltweiten Auslieferungen um 15 Prozent auf 162 145 Fahrzeuge, wie die Volkswagen-Tochter am Donnerstag mitteilte. "Auch für die kommenden Monate sind wir optimistisch", sagte Vertriebsvorstand Bernhard Maier. Zugpferd war der Geländewagen Cayenne.

Lanxess, Adidas und Infineon am Dax-Ende

Dagegen mussten die Papiere von Lanxess, Adidas und Infineon kräftig Federn lassen. Sie waren bis zum Schluss die schwächsten Werte im Dax. Händler konnten keine besonderen Gründe für die Schwäche ausfindig machen. Das Kursziel für Infineon war im tagesverlauf von der Deutschen Bank von 7,00 auf 7,50 Euro angehoben worden, die Einstufung blieb aber auf "Hold".

Gerry Weber Spitzenreiter im MDax

Im MDax bleiben die Aktien des Modekonzerns Gerry Weber auch am Nachmittag der Spitzenreiter. Gerry Weber hatte für seine Einzelhandelssparte im vierten Geschäftsquartal einen Umsatz von 104 Millionen Euro ausgewiesen und damit 22 Prozent mehr als vor einem Jahr. Ein Händler sagte, die große Überraschung sei dabei das flächenbereinigte Plus von 3,1 Prozent gewesen - was deutlich über den Erwartungen ausgefallen sei.

Springer-Aktie rauf, RTL runter

Zu den Gewinnern im MDax gehören auch die Aktien von Axel Springer. Sie steigen zeitweise sogar auf den höchsten Stand seit Anfang März 2007. Grund ist ein positiver Analystenkommentar der amerikanischen Investmentbank Morgan Stanley. Sie stufte die Aktien von "Underweight" auf "Equal-weight" hoch.

Abwärts geht es dagegen mit der ebenfalls im MDax notierten Aktie von RTL. Dabei wurde das Papier von Morgan Stanley ebenfalls empfohlen und das Kursziel von 100 auf 107 Euro angehoben, die Einstufung auf "Overweight" belassen. Die Aussichten des Medienkonzerns seien angesichts der positiven Werbetrends gut, schrieb Analyst Patrick Wellington in einer Branchenstudie vom Donnerstag. Der deutsche Werbemarkt sei strukturell attraktiv und könnte sich in diesem Jahr auch durch eine verbessernde Konjunktur beleben. RTL zählt zu den fünf bevorzugten Werten des Experten in diesem Jahr.

Celesio-Aktie auf dem Rückzug

Aktien von Celesio haben sich nach der Einigung zwischen dem US-Pharmahändler McKesson und dem Hedgefonds Elliott bei 24 Euro je Aktie eingependelt. Zuletzt notierten die Papiere bei 23,60 Euro mit einem Abschlag von 3,67 Prozent. Kurz zuvor hatte McKesson das Angebot von 23 Euro auf 23,50 Euro erhöht, um den hinter Elliott stehenden Finanzinvestor Paul Singer zu überzeugen. Der Hedgefonds teilte daraufhin mit, das neue Angebot zu akzeptieren.

Bessere Prognose bei LEG

Leicht aufwärts geht es dagegen mit der ebenfalls im MDax notierten Aktie von LEG Immobilien. Das Unternehmen verspricht für 2014 einen weiteren Gewinnanstieg. Kurz vor Jahresende 2013 hat der Konzern Wohnungen für 26,1 Millionen Euro gekauft. Weitere Käufe sind geplant. Für das laufende Jahr schraubte der Konzern seine Ergebnisprognose etwas in die Höhe. LEG erwarte ein operatives Ergebnis ohne die Erlöse aus dem Verkauf von Wohnungen (FFO I) von 155 bis 159 Millionen Euro.

Aurelius trennt sich vom "Traumschiff"

Erleichtert reagieren die Anleger von Aurelius auf die Ankündigung der Beteiligungsfirma, ihre Mehrheitsbeteiligung am "Traumschiff" verkaufen zu wollen. Die Unternehmensgruppe Callista Private Equity erwirbt die Reederei Peter Deilmann und das Kreuzfahrtschiff "MS Deutschland". Aurelius bleibt mit einem Minderheitsanteil weiterhin beteiligt. Über den Kaufpreis wurde Stillschweigen vereinbart.

Merck & Co und Novartis wollen tauschen

Der Schweizer Pharmakonzern Novartis befindet sich Kreisen zufolge in Gesprächen mit dem US-Konkurrenten Merck über einen Tausch von Geschäftssparten der beiden Unternehmen. Dabei handele es sich um die Tiergesundheitssparte und das Geschäft mit Impfstoffen für Menschen von Novartis, berichtet die Nachrichtenagentur Bloomberg unter Berufung auf mit der Angelegenheit vertraute Personen. Im Gegenzug soll Novartis den OTC-Gesundheitsbereich von Merck erhalten.

Kundenzuwachs bei T-Mobile US

T-Mobile US wird in den USA immmer erfolgreicher. Die Tochter der Deutschen Telekom konnte im vierten Quartal 1,6 Millionen Nutzer hinzugewinnen. Mehr als die Hälfte davon waren Kunden mit Zeitverträgen, die als besonders einträglich für die Anbieter gelten. Dies sei der höchste Zuwachs seit acht Jahren, erklärte T-Mobile US am Mittwoch.

Fairfax stockt bei Blackberry auf

Blackberry bekommt nach seinem Führungswechsel eine Finanzspritze. Als Vertrauensbeweis in die neue Marschrichtung, kauft Großaktionär Fairfax Financial noch einmal Wandelanleihen im Wert von 250 Millionen Dollar hinzu. Mit den neuen Anleihen stocke die kanadische Investmentfirma ihren Anteil von 9,9 auf maximal 17,6 Prozent auf, so Blackberry.

lg

Tagestermine am Donnerstag, 22. November

Unternehmen:
RemyCointreau: Halbjahreszahlen, 7.30 Uhr
Jost Werke: Neun-Monats-Zahlen
Siemens Healthineers: Geschäftsbericht.

Konjunktur:
Japan: Verbraucherpreise 10/18, 00:30 Uhr
EU: Acea, Nutzfahrzeugzulasssungen 10/18, 8:00 Uhr
EU: EZB-Sitzungsprotokoll v. 25.10.2018
EU: Verbrauchervertrauen 11/18 (vorab), 16:00 Uhr.

Sonstiges:
USA: Feiertag (Thanksgiving), Börse geschlossen.