Marktbericht 20:15

Nach Mario Draghis Dämpfer Dax geht auf Tauchstation

Stand: 06.06.2013, 20:15 Uhr

Die Bären haben dem Auftritt von EZB-Chef Mario Draghi wieder Oberwasser bekommen. Denn weitere Zinssenkungen scheinen erst einmal nicht in Sicht. Dem Dax schmeckt das nicht, er fällt unter 8.100 Punkte.

Am Schluss verlor der deutsche Leitindex 1,19 Prozent auf 8.098 Punkte und schloss damit auf Tagestief. Im Hoch hatte das Börsenbarometer am Vormittag noch bei 8.235 Punkten gelegen. Auslöser für den Kursrutsch waren die Aussagen von EZB-Chef Mario Draghi nach der heutigen EZB-Ratssitzung. Auch nachbörslich ging es weiter bergab, der L/E-Dax fiel auf 8.078 Zähler.

Draghi dämpft Zinsoptimismus

Zwar war im Vorfeld erwartet worden, dass die EZB ihren Leitzins bei 0,5 Prozent belässt, konkrete Hinweise auf weitere Lockerungen gab es aber nicht. Vielmehr hielt sich der alte Fuchs Draghi nach bester Notenbanker-Tradition alle Maßnahmen offen. Zu wenig für die Bullen, die sich danach zurückzogen und den Bären das Feld überließen.

"Sollten sich die jüngsten Anzeichen einer Stabilisierung der Wirtschaft des Euroraums in den kommenden Wochen und Monaten bestätigen, wovon wir derzeit ausgehen, könnte die EZB wohl auf zusätzliche stimulierende Maßnahmen verzichten", kommentierte Ökonom Heinrich Bayer von der Postbank

Euro legt kräftig zu

Euro in US-Dollar: Kursverlauf am Börsenplatz Forex vwd für den Zeitraum Intraday
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Die Aussagen des EZB-Chefs haben den Euro hingegen beflügelt. Die Gemeinschaftswährung schießt im späten Geschäft nach oben auf über 1,3260 Dollar. Aktuell hat der Euro sich von diesem Topniveau zwar wieder etwas entfernt, liegt aber mit 1,3235 Dollar noch mehr als einen Cent über dem Referenzkurs der EZB von 1,3118 Dollar.

Schwache deutsche Auftragsdaten für die Industrie im April hatten der Gemeinschaftswährung zuvor wenig geschadet, ebenso wie negative Kommentare der Förderbank KfW und dem Prognos-Institut im Auftrag der Bertelsmann-Stiftung zur Wettbewerbsfähigkeit der deutschen Wirtschaft. Das Auftragsminus fiel mit 2,3 Prozent gegenüber dem März stärker aus als erwartet. Experten hatten nur einen Rückgang von 1,00 Prozent prognostiziert.

US-Arbeitsmarktdaten wie erwartet

Die ebenfalls mit Spannung erwarteten wöchentlichen Arbeitsmarktdaten aus Amerika bewegten die Börse wenig. Sie fielen mit 346.000 Erstanträgen auf Arbeitslosenunterstützung wie erwartet aus. Morgen erwartet der Markt dann den Arbeitsmarktbericht für den Mai, den eigentlichen Höhepunkt der Börsenwoche.

Denn von der Tendenz am Arbeitsmarkt wird die US-Notenbank abhängig machen, ob sie weiter ungebremst Liquidität in die Märkte pumpt oder die Zügel fester anzieht. Die Anleger an der Wall Street gehen am Vorabend des Berichtes in Deckung, der Dow gibt aktuell rund 0,2 Prozent nach.

Henkel an der Spitze, Finanzwerte leiden

Unter den Dax-Werten behaupteten sich Henkel unter Tageshoch an der Spitze. Das Papier profitierte von einem positiven Analystenkommentar. Auch die Telekom rettete sich noch ganz knapp ins Plus, trotz der Aussicht auf einen neuen Konkurrenten in Deutschland.

Verlierer waren die Finanzwerte, allen voran die Allianz, die ebenso wie die Münchener Rück unter der Flutkatastrophe leidet. Allianz verloren 2,5 Prozent. Auch die Banken mussten Federn lassen. Deutsche Bank, die sich lange Zeit dem negativen Branchentrend entziehen konnten, drehten ebenfalls ins Minus und leisten am Ende der Commerzbank bei den größten Dax-Verlieren Gesellschaft.

Lufthansa fliegt spasamer

Das gleiche Schicksal erlitt die Lufthansa-Aktie, die lange Zeit sogar leicht im Plus gelegen hatte. Am Ende flog die Aktie jeodch trotz einer Kaufempfehlung durch die Analysten der Deutschen Bank 1,4 Prozent ins Minus. Diese loben besonders das laufende Sparprogramm "Score" und setzen ein Kursziel von 20 Euro.

Auch Nachrichten über einen geringeren Treibstoffverbrauch der Fluglinie im vergangenen Jahr hellen die Stimmung nicht auf. Lufthansa hat trotz gestiegenner Transportleistung 145.000 Tonnen oder 1,6 Prozent weniger Kerosin verbraucht.

MAN kommt wohl endgültig unter das VW-Dach

Volkswagen VZ: Kursverlauf am Börsenplatz Xetra für den Zeitraum Intraday
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Auf der Hauptversammlung der Lkw-Tochter MAN wird über den Gewinnabführungs- und Beherrschungsvertrag durch die Konzernmutter VW abgestimmt. Die Abstimmung ist aber nur Formsache, denn VW hält 75 Prozent am Unternehmen.

Kritik kam von den verbleibenden freien Aktionären am Abfindungsangebot des VW-Konzerns von rund 80 Euro. Auch zahlreiche Kleinaktionäre und Anwälte übten Kritik am Vertrag. MAN-Aufsichtsratschef Ferdinand Piech rechnte daher damit, dass es zu juristischen Auseinandersetzungen kommen wird. "Wie werden uns noch länger vor Gericht sehen, davon gehe ich aus", sagte der 76-jährige VW-Patriarch in Richtung einiger Aktionärsvertreter.

Airbus A 350 kurz vor dem Erstflug

Airbus: Kursverlauf am Börsenplatz Xetra für den Zeitraum Intraday
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Wie Airbus-Testpilot Frank Chapman andeutete, liegt der Erstflug des neuen Langstreckenjets "in nicht mehr weiter Ferne." Einen konkreten Termin nannte die EADS-Tochter Airbus jedoch nicht. Spekuliert wird, dass in den nächsten Tagen bis zu drei Wochen der Jet erstmals abhebt. Er gilt als Spritsparer und soll Konkurrent Boeing mit seinem 787 "Dreamliner" Kunden abjagen. Die EADS-Aktie gab heute in einem schwachen Gesamtmarkt 1,4 Prozent nach.

LEG fällt zurück

Die Aktie des MDax-Aufsteigers konnte ihre anfänglichen Gewinne nicht behaupten und rutschte 0,79 Prozent ins Minus. Das Immobilien-Unternehmen wird schon im Juni in den MDax einziehen und ersetzt den Hamburger Hafenbetreiber HHLA. LEG ist damit der sechste Immobilienwert im Index der mittelgroßen Unternehmen.

Aufsteiger in den Nebenwerteindex ist die Aktie des Medienkonzerns RTL Group. Verlierer der neuen Plätzevergabe sind die Aktien von IVG Immobilien und Constantin Medien, die den SDax verlassen müssen. Die Änderungen werden am 24. Juni wirksam.

Air Berlin füllt die Maschinen

Die Luftfahrtgesellschaft hat im Mai ihre Auslastung gesteigert. Sie stieg im Jahresvergleich um 3,4 Prozentpunkte auf 84,39 Prozent. Die zurückgelegten "Passagierkilometer" stiegen um 2,3 Prozent auf 4,44 Milliarden Kilometer. An der Börse kamen die Monatszahlen gut an, die Aktie gewann gegen den Markt 0,6 Prozent hinzu, blieb damit aber deutlich unter ihrem Tageshoch.

Deutsche Rohstoff AG will Dividende

Das im Entry Standard notierte Unternehmen, das auf die Wiedererschließung von Rohstoff-Vorkommen spezialisiert ist, hat das Geschäftsjahr 2012 mit einem Gewinn von 3,8 Millionen Euro abgeschlossen. Der Vorstand will die Aktionäre erstmals mit einer Dividende, von 0,10 Euro je Aktie, beglücken. Die Aktie legte 2,3 Prozent zu.

Personalien

Pharmahändler Celesio aus dem MDax hat den 53-jährigen Martin Fisher in den Vorstand berufen. Fisher soll sein Amt spätestens zum 1. Oktober antreten und unter anderem für den Einkauf, die Logistik, das Qualitätsmanagement und die Regulierung der Informationstechnologie zuständig sein. Damit ist der Celesio-Vorstand komplett, der neben Konzernchef Markus Pinger aus drei weiteren Managern besteht. Die Celesio-Aktie schloss leicht im Minus.

Beim Steuerungsspezialisten Kontron aus dem TecDax wird der 52-jährige Michael Väth neuer Vertriebs- und Marketing-Chef. Er übernimmt die Position von Thomas Sparrvik, der ihn noch bis Ende des Monats unterstützen wird. Das Kontron-Papier gab knapp ein Prozent nach.

GM sieht wieder Land in Europa

General Motors: Kursverlauf am Börsenplatz Frankfurt für den Zeitraum Intraday
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Der US-Autobauer sieht nach Angaben von Firmenchef Dan Akerson Anzeichen einer Besserung. Es würden sich dank der beschlossenen Restrukturierungen wieder "erste grüne Triebe" zeigen, erklärte Akerson auf der Hauptversammlung des Unternehmens. Er bestätigte das Ziel, bis Mitte des Jahrzehnts auf dem alten Kontinent wieder schwarze Zahlen schreiben zu wollen.

Das Europageschäft besteht zum überwiegenden Teil aus dem deutschen Autobauer Opel und dessen britischer Tochter Vauxhall. Die GM-Aktie legt an der New Yorker Börse aktuell leicht zu.

rm

Tagestermine am Dienstag, 13. November

Unternehmen:
Fraport: Verkehrszahlen 10/18, 7:00 Uhr
Grammer: Q3-Zahlen, 7:00 Uhr
Bauer: Neun-Monats-Zahlen, 7:00 Uhr
1&1 Drillisch: Q3-Zahlen, 7:00 Uhr
Cewe Stifung: Q3-Zahlen, 7:00 Uhr
Evotec: Q3-Zahlen, 7:00 Uhr (Call: 14:00 Uhr)
Innogy: Q3-Zahlen, 7:00 Uhr
Tom Tailor: Q3-Zahlen, 7:00 Uhr
United Internet: Q3-Zahlen, 7:00 Uhr
Ströer: Q3-Zahlen, 7:00 Uhr
Areal Bank: Q3-Zahlen, 7:00 Uhr
Hello Fresh: Q3-Zahlen, 7:15 Uhr
Medigene: Neun-Monats-Zahlen, 7:30 Uhr
VTG: Q3-Zahlen, 7:30 Uhr
HHLA: Q3-Zahlen, 7:30 Uhr
Uniper: Neun-Monats-Zahlen, 7:30 Uhr
Jenoptik: Neun-Monats-Zahlen, 7:30 Uhr
Nordex: Q3-Zahlen, 7:30 Uhr
Bayer: Q3-Zahlen, 7:30 Uhr (Call: 10:00 Uhr)
Bilfinger: Q3-Zahlen, 7:30 Uhr (Call: 10:00 Uhr)
OHB: Neun-Monats-Zahlen, 8:00 Uhr
Vodafone: Halbjahreszahlen, 8:00 Uhr
Home Depot: Q3-Zahlen, 15:00 Uhr
Wüstenrot & Württembergische: Q3-Zahlen
Nemetschek: Kapitalmarkttag

Konjunktur:
Italien: Frist der EU-Kommission zur Überprüfung des Haushaltsentwurfs läuft aus
Deutschland: Verbraucherpreise 10/18 (endgültig), 8:00 Uhr
Deutschland: Insolvenzen 8/18, 8:00 Uhr
Deutschland: Erwerbstätigkeit Q3/18, 8:00 Uhr
Großbritannien: Arbeitslosenzahl 10/18, 10:18
Deutschland: ZEW-Konjunkturerwartungen 10/18, 11:00 Uhr